Frank Schätzing : Tod und Teufel

Tod und Teufel

Frank Schätzing

Tod und Teufel

Tod und Teufel Originalausgabe: Hermann-Josef Emons Verlag, Köln 1995 ISBN 3-924491-59-3, 373 Seiten RM Buch und Medien Vertrieb GmbH 2004 462 Seiten
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Als der Herumtreiber Jacop im September 1260 in Köln auf einen Obstbaum des Erzbischofs klettert, um Äpfel zu stehlen, beobachtet er, wie jemand den Dombaumeister Gerhard Morart vom Gerüst in die Tiefe stößt. Der Mörder bemerkt den Zeugen. Kurze Zeit später werden die beiden ersten Menschen, denen Jacop von dem Mord erzählte, ermordet aufgefunden. Da begreift Jacop, dass er sich in Lebensgefahr befindet ...
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Kritik


Vor einem mittelalterlichen Hintergrund erfand Frank Schätzing eine farbige, spannende Geschichte: "Tod und Teufel". Stück für Stück erfahren wir, wer die Auftraggeber eines Mörders sind und was sie planen.

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Jacop weiß nicht genau, wie alt er ist und wieviele Geschwister er hatte. Seine Eltern waren Bauern auf dem Hofverband des Kölner Domkapitels zu Worringen und bewirtschafteten eine Hufe. Eine Hochzeit konnten sie sich nicht leisten. Jacops Mutter, die von ihrem Lebensgefährten immer wieder verprügelt wurde, starb früh. Keines seiner Geschwister erreichte das Erwachsenenalter. Als er nur noch einen Bruder hatte und das harte Regiment seines Vaters nicht mehr aushielt, riss er von zu Hause aus, aber dann überlegte er sich sich anders und kehrte um. Inzwischen war die Hütte niedergebrannt. Sein Vater und sein Bruder lagen davor. Obwohl es ihm war, als habe er im Augenwinkel eine Bewegung seines Vaters gesehen, wagte er nicht, sich den beiden zu nähern und nachzusehen, ob sie tot waren oder noch lebten. Möglicherweise hätte er seinem Vater und seinem Bruder noch helfen können. Die Gewissensbisse machen Jacop auch heute noch schwer zu schaffen. Er zog damals nach Köln und schloss sich einem Flötenspieler und Gaukler an, der die Leute mit angeblichen Erlebnissen beim letzten Kreuzzug unterhielt. Nach dessen Tod zerstritt Jacop sich mit einer Kölner Bettlerbande, ging nach Aachen, geriet dort ebenfalls in Schwierigkeiten und hielt sich seither mal hier, mal dort auf. Vor drei Monaten kehrte der rothaarige Dieb und Vagabund nach Köln zurück.

Am 11. September 1260 stiehlt Jacop einem Kunden auf dem Markt eine Wurst, wird beim Diebstahl eines Koteletts ertappt und muss fliehen. Es gelingt ihm, sich bei einer Färberstochter vor seinen aufgebrachten Verfolgern zu verstecken. Das schöne und hilfsbereite Mädchen heißt Richmodis. Aus Dankbarkeit schenkt er ihr eine selbst gebastelte Flöte. Richmodis wiederum stattet den armen Kerl mit einem alten Mantel, einem Hut und anderen Kleidungsstücken ihres Vaters Goddert von Weiden aus.Weil Jacop immer noch hungrig ist und sich auf dem Markt vorerst nicht mehr blicken lassen kann, klettert er über die Mauer der erzbischöflichen Pfalz und in einen Apfelbaum. Er weiß zwar, dass ihm die Säure der Äpfel später zu schaffen machen wird, aber der Hunger ist einfach zu groß. Ganz in der Nähe steht die Ruine des 1248 abgerissenen und abgebrannten Alten Kölner Doms und der Bau der neuen weitaus größeren Kathedrale, die ihn ersetzen soll. Den Dombaumeister Gerhard Morart, den jeder in Köln kennt, sieht Jacop ganz oben auf dem Gerüst. Plötzlich taucht hinter Meister Gerhard ein Schatten auf: ein Mann stößt den Kölner Dombaumeister in die Tiefe. Fast gleichzeitig bricht der Ast, auf dem Jacop sitzt, krachend ab, und der Apfeldieb fällt vom Baum.

Jacop beobachtete den Mörder und weiß, dass dieser ihn auch sah. Er rennt davon. Unterwegs stößt er auf seinen ebenfalls obdachlosen Freund Tilman, der gerade angetrunken aus einer Wirtschaft kommt. Weil Tilman die Lunge aus dem Leib hustet, nimmt Jacop ihn mit zu der Hure Maria, mit der er befreundet ist und die sich hoffentlich überreden lässt, die beiden Männer für die Nacht in ihrer Kammer aufzunehmen. Die Einundzwanzigjährige ist die begehrteste der drei Mädchen beim Hurenwirt Clemens Brabanter. Maria weiß bereits, dass der Dombaumeister tot ist. Sie hörte es vor wenigen Minuten durch die dünne Wand, als ein Freier Wilhilde davon berichtete, dass zwei Augenzeugen beobachtet hatten, wie Gerhard Morart durch einen Fehltritt in die Tiefe gestürzt war. Jacop glaubt, sich verhört zu haben: Erstens war dort niemand außer ihm, Meister Gerard und dem Mörder, und zweitens sah er deutlich, wie der Dombaumeister ermordet wurde. Maria kann Tilman nicht leiden, und als sie mit ihm in Streit gerät, wirft sie ihn hinaus. Aus Sorge um seinen kranken Freund schickt Jacop ihn zu seinem geschützten Schlafplatz in einem Bogen der Stadtmauer und leiht ihm den Hut und den Mantel, die er von Richmodis geschenkt bekam.

Urquhart, so heißt der Mörder, war Jacop nachgelaufen und hatte ihn im Haus des Hurenwirts verschwinden sehen. Er wollte den rothaarigen Zeugen mundtot machen, aber auch die Menschen, denen dieser bisher von seiner Beobachtung erzählt haben könnte. Geduldig wartet Urquhart, bis jemand aus der Tür kommt. Mantel und Hut erkennt er wieder. Er schleicht dem Mann nach und jagt ihm aus nächster Nähe den Bolzen einer kleinen Armbrust in den Hals. Dann kehrt er um – und verfehlt Jacop, der sich inzwischen ebenfalls mit Maria überwarf – um Sekunden. Von Clemens Brabanter erfährt Urquhart, dass der Rothaarige Maria gerade erst verließ. Er muss also einen anderen getötet haben. Einerlei, zuerst geht er zu Maria hinauf, fragt sie darüber aus, was sie über den Tod des Dombaumeisters weiß und nagelt sie dann mit einem durchs Auge geschossenen Bolzen an die Wand. Dann macht er sich auf die Suche nach dem rothaarigen Zeugen.

Ahnungslos kehrt Jacop zurück, um sich mit Maria zu versöhnen. Als er auf die Tote stößt, rennt er kopflos davon. Kurz darauf fällt er beinahe über Tilmans Leiche. Nun weiß er, dass der Mörder hinter ihm her ist.

Tatsächlich wird er von Urquhart verfolgt, aber er entkommt ihm und bittet am Morgen erneut Richmodis um Hilfe. Da er sich beim Sturz vom Baum und während der Flucht verletzte, bringt sie ihn zu ihrem Onkel Jaspar Rodenkirchen, dem Dechant zu St. Maria Magdalena und Ordinarius für Kirchenrecht, der auch als Physikus praktiziert. In dessen Weinkeller treffen sie außerdem auf Richmodis‘ Vater. Obwohl Jacop nichts von der Ermordung des Dombaumeisters erzählen will, um nicht noch mehr Leute in Lebensgefahr zu bringen, geben die beiden wissensdurstigen älteren Männer keine Ruhe, bis er berichtet, was er weiß. Als Jaspar von einer besonders kleinen Armbrust hört, die Jacop in der Hand seines Verfolgers auffiel, erinnert er sich an Berichte über den Kreuzzug Ludwigs IX., der vor sechs Jahren zu Ende ging. Da war von solchen Waffen die Rede. Handelt es sich bei dem Mörder etwa um einen zurückgekehrten Kreuzfahrer?

An diesem Tag wird Meister Gerhard zu Grabe getragen. Seine Witwe Guda, Vertreter der Kölner Patriziergeschlechter und zahlreiche andere Bürger folgen dem Sarg.

Zwei Männer bezeugten, dass der Dombaumeister durch eigene Unachtsamkeit, also durch einen Unfall ums Leben gekommen war. Jaspar glaubt Jacops Version und nimmt deshalb an, dass es sich um zwei bestochene Zeugen handelt. Am 13. September sucht er den mit ihm befreundeten Schöffen und Braumeister Bodo Schuif auf und fragt ihn nebenbei nach den Zeugen. So erfährt er, dass es sich um zwei Mönche handeln soll, die in der Pilgerherberge St. Gereon abgestiegen sind: Andreas von Helmerode und Justinius von Singen. Jaspar sucht sie dort auf, sagt ihnen auf den Kopf zu, dass sie bewusst Falschaussagen machten und ködert sie mit der Aussicht auf weiteres Geld. Als Treffpunkt schlagen sie die Badstube gegenüber von Klein St. Martin vor, ein zumindest für Geistliche unschicklicher Ort, aber die beiden sind in Wirklichkeit auch gar keine Mönche.

Ein paar Stunden später gehen Jaspar und Jacop zum Bad. Von weitem fällt ihnen eine Menschenansammlung auf. Eine Falle! Sie laufen zurück. Prompt folgen ihnen ein halbes Dutzend Männer. Jaspar und Jacop trennen sich und entkommen schließlich beide.

Währenddessen klopft Urquhart, der die beiden bestochenen Zeugen im Bad umgebracht hatte, als Dominikaner verkleidet, bei Jaspar an der Tür, denn er weiß inzwischen, wie der rothaarige Zeuge heißt und dass er mit dem Dechanten Jaspar Rodenkirchen, dem Färber Goddert von Weiden und dessen Tochter Richmodis zusammen war. Außer dem Knecht Rolof ist niemand da, doch während der Mörder Rolof aushorcht, kommt zufällig Richmodis vorbei. Da hat Urquhart eine Idee: Er ersticht Rolof, überwältigt das Mädchen und schreibt mit Blut auf die Stirn des Toten: „Sie lebt. Schweigt!“ Richmodis versteckt er in einem altern Lagerschuppen der Familie Overstolz am Rheinufer. Mit der Geisel will er Jacop und dessen Mitwisser herbeilocken und sie dann samt dem Schuppen verbrennen.

Urquhart mordet für eine aus Mitgliedern Kölner Patriziergeschlechter bestehende und von der Familie Overstolz angeführte Verschwörergruppe. Die Patrizier haben sich gegen Erzbischof Konrad von Hochstaden verschworen, der sie und die Zunftmeister, aber auch einzelne Patrizierfamilien gegeneinander ausspielte, um die unter seinen Vorgängern verloren gegangene Macht des Kölner Kirchenfürsten wiederherzustellen.

Jeder wusste, dass die Intelligenz des neuen Erzbischofs nur noch von seiner Skrupellosigkeit übertroffen wurde. (Seite 144)

Anfang 1260 erdolchte der Patrizier Bruno Hardefust, dem Konrad von Hochstaden das Schöffenamt entzogen hatte, einen Fleischer, der ihn deshalb verspottete. Die Zünfte schrien nach Rache, und es kam einen Tag lang zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen in Köln. Der Erzbischof verurteilte beide Seiten zu Geldbußen und verlangte von den Patriziern, in aller Öffentlichkeit barfuß vor ihn hinzutreten und kniend um Verzeihung zu bitten. Drei Patrizier, die sich dieser Demütigung durch Flucht entzogen, wurden gefangen genommen und enthauptet. Im Kollegium der Schöffen ersetzte Konrad von Hochstaden die Mehrzahl der Patrizier durch Handwerksmeister. Als die Patrizier im Mai dagegen Klage führten, rotteten sich die Zünfte unter Führung von Hermann dem Fischer zusammen und bewaffneten sich. Kurz bevor es zur Straßenschlacht kam, schlug der Erzbischof ein Treffen vor. Obwohl er freies Geleit versprochen hatte, fielen seine Soldaten über die waffenlose Delegation der Patrizier her. Vierundzwanzig Patrizier wurden festgenommen und sind seither auf den Burgen Altenahr, Godesberg und Lechenich eingekerkert.

Als sich die Brüder Mathias, Johann und Theoderich Overstolz, deren Schwager Heinrich von Mainz, Johanns Sohn Daniel und Kuno Kone zu einem Gelage trafen, brachte Kuno seinen Freund, den Dombaumeister Gerhard mit. Die seit dreißig Jahren verwitwete, greise und erblindete Blithildis Overstolz redete den Männern ins Gewissen: Wie konnten sie feiern, während Kunos Brüder Bruno und Hermann mit ihren Ehefrauen Margaretha und Elisabeth aus Köln verbannt waren und andere Patrizier in den Kerkern des Erzbischofs litten? Sie hetzte die Anwesenden auf, etwas dagegen zu unternehmen und sich gegen den Erzbischof zu verbünden. Bis auf Gerhard Morart stimmten alle der blinden alten Frau zu. Auf Empfehlung Wilhelms von Jülich warben Mathias Overstolz und Heinrich von Mainz Urquhart an: Er sollte sicherheitshalber nicht nur den Erzbischof töten, sondern vorher auch noch den Dombaumeister, damit dieser nichts von den Plänen verraten konnte. Sein Tod sollte wie ein Unfall aussehen.

Kuno war mit der Ermordung seines Freundes Gerhard nicht einverstanden, und als dann noch mehr Menschen umgebracht wurden, protestierte er immer deutlicher, bis ihn die Verschwörer verstießen. Am 13. September stößt Kuno auf Daniel Overstolz, der offensichtlich zu viel getrunken hat und unvorsichtigerweise eine Bemerkung über eine weibliche Geisel in einem Lager fallen lässt. Kuno sucht daraufhin die leer stehenden Lagerschuppen der Familie Overstolz ab – und findet Richmodis. Er schneidet die Riemen durch, mit denen sie an eine Säule gefesselt ist, aber als er die Tür öffnet, steht Daniel mit gezogenem Schwert vor ihm. Kuno hat nur einen Dolch bei sich. Im Kampf wird er schwer verletzt, aber Richmodis rettet ihm das Leben, indem sie Daniel mit einem Knüppel ins Gesicht schlägt.

Sie nimmt Kuno mit in das Haus ihres Vaters, wo bald darauf auch Jaspar und Jacop eintreffen und der Physikus die Wunden Kunos versorgt. Weil sie damit rechnen, dass Urquhart auftauchen wird, verriegelt Goddert alle Fenster und Türen – aber an die Dachluke denkt er nicht, und bald sind Geräusche auf dem Dachboden zu hören. Jacop sagt laut, er hole Wein aus der Küche, aber statt mit Wein kommt er mit einer Kanne Öl zurück und bedeutet Goddert, eine Fackel anzuzünden. Plötzlich springt Kuno auf. Als er zur Treppe kommt, erschießt Urquhart ihn von oben. Jacop überschüttet den Mörder mit dem Öl und entzündet es mit der Fackel. Statt die Nerven zu verlieren, packt Urquhart Jacop und benützt ihn als Rammbock, um die Fensterläden einzuschlagen. Lichterloh brennend springt er ins Freie und stürzt sich in den nahen Bach.

Bevor die Schöffen wegen des Toten in Godderts Haus eintreffen, taucht Bodo Schuif auf und warnt Jaspar, man beschuldige ihn, seinen Knecht ermordet zu haben und sei bereits unterwegs, um ihn zu verhaften. Jetzt weiß Jaspar, warum Rolof nicht mit der Armbrust, sondern mit einem Messer getötet wurde. Er ahnt, dass der Schöffe Theoderich Overstolz hinter der falschen Anschuldigung steckt und vorhat, ihn im Verließ zum Schweigen zu bringen. Jaspar und Jacop verstecken sich in Bodos Schuppen.

Aus den Einzelheiten, die sie inzwischen wissen oder vermuten, reimen sie sich zusammen, dass Angehörige der Familie Overstolz und andere Patrizier den Erzbischof ermorden wollen. Aber der Erzbischof ist vorsichtig und lässt niemand Fremden in seine Nähe. Ist der Mord für den nächsten Vormittag geplant, wenn Konrad von Hochstaden eine Prozession anführt, anschließend eine Messe im Kölner Dom liest und in der Predigt für einen neuen Kreuzzug wirbt?

Um den Erzbischof zu warnen, klopft Jacop am Morgen als Mönch verkleidet ans Tor der erzbischöflichen Pfalz. Die Wachen verständigen den aus Mailand stammenden, seit einigen Monaten im Dienst des Erzbischofs stehenden Sekretarius Lorenzo von Castellofiore. Der hört sich Jacops Warnung an und verspricht, ihn zum Erzbischof zu bringen, aber da fällt der gesenkte Blick des falschen Mönchs auf Lorenzos Füße: Mit einer violetten Lilie verzierte Schuhe sah Jacop bisher nur bei einem der Männer, die ihn verfolgt hatten! Der Sekretarius gehört zu den Verschwörern! Als Lorenzo merkt, dass er durchschaut wurde, ruft er die Wachen, doch Jacop springt aus einem Fenster in einen Baum und entkommt.

Urquhart könnte vorhaben, Konrad von Hochstaden während der Prozession über die Köpfe der Schaulustigen hinweg mit seiner kleinen Armbrust zu erschießen. Da würde ihm allerdings der große Baldachin die Sicht versperren. Das Baugerüst des Kölner Doms! Urquhart plant, den Erzbischof während der Predigt von oben zu erschießen!

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Beherzt klettert Jacop auf das Gerüst, um dort auf Urquhart zu warten. Aber der Mörder ist bereits da und greift Jacop an. Hinunterwerfen kann er ihn nicht, denn das würde zu viel Aufsehen erregen und seinen Plan vereiteln. Aber er droht, Jacop totzuschlagen. Plötzlich hält er inne, denn ganz in der Nähe ruft Jaspar: „Urquhart von Monadhliath!“ Woher kennt der Dechant seinen Namen? Jaspar kommt geradewegs aus dem Hospital in St. Pantaleon, wo er den als Krüppel aus dem letzten Kreuzzug zurückgekehrten Patienten Hieronymus befragte. Urquhart Fürst von Monadhliath, dessen Burg am Loch Ness in Schottland steht, schloss sich 1248 Ludwig dem Heiligen auf dem Zug ins Heilige Land an. In Damiette an der Nilmündung wurde er Zeuge, wie die Kreuzfahrer Frauen vergewaltigten und Kinder niedermetzelten. Er konnte es nicht verhindern, aber durch das grauenhafte Erlebnis wurde er ein anderer Mensch. Seither flieht er vor sich selbst. – Als Urquhart sich auf Jaspar werfen will, reißt Jacop ihn um und wäre selbst mit in die Tiefe gestürzt, wenn Jaspar ihn nicht festgehalten hätte.

Der Mordanschlag gegen Konrad von Hochstaden ist gescheitert. Unter vier Augen vereinbaren Jaspar Rodenkirchen und Johann Overstolz, dass die Patrizier nichts mehr gegen den Erzbischof unternehmen und es andererseits offiziell auch nie eine Verschwörung gab. Der Tod des Dombaumeisters war ein Unfall. Jaspars Knecht sei bei einem Raubüberfall von Unbekannten ermordet worden, heißt es.

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In seinem Kriminalroman „Tod und Teufel“ knüpft Frank Schätzing an historische Tatsachen an: Konrad von Hochstaden war von 1238 bis zu seinem Tod am 28. September 1261 Erzbischof von Köln, und der Kölner Dombaumeister Gerhard stürzte 1260 tatsächlich unter niemals lückenlos geklärten Umständen vom Gerüst. Vor diesem Hintergrund erfand Frank Schätzing eine farbige Geschichte, in die er an mehreren Stellen Schilderungen des mittelalterlichen Lebens einbaute, ohne die Spannung zu lockern. Die Figuren wirken lebendig, und auch der Humor kommt nicht zu kurz. Während der Zeuge Jacop und seine Mitwisser von dem Mörder Urquhart verfolgt werden, durchschauen sie – und damit auch die Leser – Stück für Stück, wer dessen Auftraggeber sind und was diese planen. Dadurch macht die Lektüre Spaß, auch wenn nicht alles plausibel ist, man sich mitunter darüber wundert, dass ein studierter Dechant und ein Färbermeister unter Lebensgefahr lange Gespräche führen und dabei einen ungebildeten Bauernsohn, der sich als Dieb durchschlägt, wie einen ebenbürtigen Partner behandeln. Das wäre in der Realität der mittelalterlichen Ständegesellschaft wohl kaum denkbar gewesen.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005
Textauszüge: © Hermann-Josef Emons Verlag

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