Der Spion, der aus der Kälte kam

Der Spion, der aus der Kälte kam

Der Spion, der aus der Kälte kam

Der Spion, der aus der Kälte kam - Originaltitel: The Spy who came in from the Cold - Regie: Martin Ritt - Drehbuch: Paul Dehn und Guy Trosper, nach dem Roman "Der Spion, der aus der Kälte kam" von John le Carré - Kamera: Oswald Morris - Schnitt: Anthony Harvey - Musik: Sol Kaplan - Darsteller: Richard Burton, Claire Bloom, Oskar Werner, Sam Wanamaker, George Voskovec, Rupert Davies, Cyril Cusack, Peter van Eyck, Michael Hordern u. a. - 1965; 110 Minuten

Inhaltsangabe

Alec Leamas leitet das Büro des britischen Geheimdienstes in Berlin. Nachdem alle seine Agenten ausgeschaltet worden sind, inszenieren die Briten den beruflichen und sozialen Abstieg Alecs, damit es glaubwürdig erscheint, dass er sich von seinen Gegenspielern in der DDR anwerben lässt. Der Plan scheint aufzugehen, aber dann stellt Alec fest, dass ihn seine Vorgesetzten bewusst getäuscht haben und ganz andere Absichten verfolgen, als er dachte ...
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Kritik

Bei der Verfilmung des Spionageromans "Der Spion, der aus der Kälte kam" hielt sich Martin Ritt eng an das Buch von John le Carré. Auch die sachliche und realistische, kühle und nüchterne Inszenierung entspricht der literarischen Vorlage.
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Seit Mai 1951 leitet Alec Leamas (Richard Burton) das Büro des britischen Geheimdienstes MI6 in Berlin. Im Lauf der Zeit hat Leamas einen Agenten nach dem anderen verloren. Zuletzt verfügt er nur noch über Karl Riemeck, einen Sekretär im Präsidium der SED, der seit 1959 für ihn arbeitet. Riemeck wird im März 1961 vor seinen Augen erschossen. Nach seinem Scheitern verlässt Leamas Berlin und kehrt nach London zurück.

Einige Zeit später vermittelt das Arbeitsamt den zum Säufer heruntergekommenen Fünfzigjährigen als Hilfskraft an eine öffentliche Bibliothek. Dort verliebt er sich unter den Augen der strengen Chefin (Anne Blake) in seine weniger als halb so alte Kollegin Nancy Perry (Claire Bloom), die der von ihm abgelehnten kommunistischen Partei angehört. Sie erwidert seine Gefühle und wird seine Geliebte. Nachdem er eine kurze Haftstrafe verbüßt hat, weil er im betrunkenen Zustand den Inhaber eines Krämerladens zusammenschlug, holt Nancy ihn vom Gefängnis ab und nimmt ihn bei sich auf.

Ein Unbekannter, der ihm vom Gefängnis aus gefolgt ist, spricht ihn an und lädt ihn zum Essen ein. Er stellt sich als William („Bill“) Ashe (Michael Hordern) vor und behauptet, einer gemeinnützigen Organisation anzugehören, die sich um ehemalige Häftlinge kümmert. Am Abend will er Leamas mit einem Mann zusammenbringen, der ihm Arbeit vermitteln kann. Bei dem Treffen lässt Leamas sich scheinbar widerwillig überreden, nach Den Haag zu fliegen, um dort mit dem sowjetischen Geheimdienst Kontakt aufzunehmen. Ein gewisser Peters (Sam Wanamaker) fragt Leamas tagelang aus und berichtet ihm schließlich, dass er nicht nach Großbritannien zurück könne, weil die Polizei dort eine Großfahndung nach ihm eingeleitet habe. Leamas begleitet deshalb Peters nach Berlin.

In Ostberlin trifft er auf Jens Fiedler (Oskar Werner), den stellvertretenden Leiter des Staatssicherheitsdienstes, von dem Leamas weiß, dass er mit seinem Chef Hans-Dieter Mundt (Peter van Eyck) verfeindet ist, einmal weil er Jude ist und Mundt Nationalsozialist gewesen war, aber auch, weil er dessen Position haben will.

Leamas arbeitet in Wirklichkeit nach wie vor für den MI6. Der Plan, dass sich die Gegenseite nach seinem vorgetäuschten sozialen Abstieg und seiner angeblichen Entlassung für ihn interessieren würde, ist aufgegangen. Nun hat Leamas die Aufgabe, Fiedler darin zu bestärken, Mundt zu vernichten.

In tagelangen Verhören lässt Leamas sich die Information entlocken, er habe 1959 im Auftrag des MI6 in Kopenhagen und Helsinki jeweils größere Geldbeträge bei einer Bank eingezahlt, die für einen ostdeutschen Spion bestimmt gewesen seien. Fiedler findet heraus, dass Mundt zu dieser Zeit sowohl in Kopenhagen als auch in Helsinki war. Das beweise, dass es sich bei Mundt um einen Doppelagenten handelt, meint er, aber Leamas versichert, das hätte er als Leiter des MI6-Büros in Berlin wissen müssen. Indem er Fiedler von seinem Verdacht abzubringen versucht, macht er sich selbst noch glaubwürdiger.

Nach einigen Tagen werden Fiedler und Leamas festgenommen: Mundt hat die Intrige durchschaut und setzt sich zur Wehr. Leamas wird gefoltert. Er soll zugeben, dass er nach wie vor für den MI6 arbeitet und die Aufgabe hatte, Fiedler gefälschtes Material gegen Mundt zuzuspielen. Bevor Leamas ein Geständnis ablegt, taucht Fiedler auf und verhaftet Mundt. Er hatte nämlich unmittelbar vor seiner eigenen Festnahme einen Haftbefehl gegen Mundt beantragt und dem Parteipräsidium Belastungsmaterial gegen seinen Chef geschickt.

Mundt muss sich vor einem geheimen Sondertribunal verantworten, bei dem Fiedler als Kläger auftritt und Leamas als Zeuge aussagt.

Ende 1956 war der Agent Hans-Dieter Mundt als Mitglied der Deutschen Stahlmission nach London gekommen. Weil er dort einen politischen Gegner ermordete, wurde 1959 ein Haftbefehl gegen ihn erlassen, aber es gelang ihm trotzdem, in einem Linienflugzeug nach Berlin zu entkommen. Daraus schlussfolgert Fiedler, dass Mundt sich auf einen Deal mit den Briten einließ und seither als Doppelagent für den MI6 tätig ist. Die Anklage wird durch die Reisen nach Kopenhagen und Helsinki untermauert.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Mundts Verteidiger ruft überraschend Nancy Perry in den Zeugenstand. Man lockte die Bibliothekarin durch eine Einladung der SED in Leipzig-Neuenhagen an die Ortsgruppe der Kommunistischen Partei in Bayswater-Süd ins Land. Nancy, die von Leamas‘ Anwesenheit überrascht ist, weiß weder, wer angeklagt ist, noch um was es vor dem Tribunal geht. Sie versucht, ihren früheren Geliebten nicht zu schaden, aber in ihrer Naivität hilft sie ungewollt dem Verteidiger, zu beweisen, dass Leamas nach wie vor für den MI6 arbeitet und mit Fiedler gegen seinen Mandaten konspirierte. Aus Liebe zu Nancy erklärt Leamas sich bereit, alles zu gestehen.

Danach bleibt Leamas in Haft; Nancy und Fiedler werden ebenfalls eingesperrt.

Nach ein paar Tagen lässt Mundt Leamas und Nancy aus dem Gefängnis befreien, stellt ihnen ein Auto zur Verfügung. An einem Treffpunkt in der Nähe der Mauer werde ihnen jemand weiterhelfen.

Leamas begreift, dass er und Fiedler hereingelegt wurden: Mundt ist tatsächlich ein Doppelagent; Fiedlers Verdacht war berechtigt. Deshalb sollte Leamas nicht Fiedler helfen, Mundt zu vernichten, sondern umgekehrt!

Am Treffpunkt wartet ein Mann auf sie, der sie zu einer Stelle lotst, von der aus sie zu einem genau festgelegten Zeitpunkt zur Mauer rennen und darüber klettern sollen. Der Stacheldraht vor der Mauer sei an einer mit einem Taschentuch markierten Stelle durchschnitten, versichert der Unbekannte.

Nancy und Leamas laufen los. Leamas klettert auf die Mauer und legt sich oben auf den Bauch, um Nancy heraufzuziehen. Da flammen Scheinwerfer auf. Sirenen beginnen zu heulen. Drei oder vier Schüsse sind zu hören. Während Leamas von der Westseite her in englischer Spache aufgefordert wird, zu springen, kann er Nancy nicht mehr halten. Die junge Frau fällt tot zu Boden. Statt sich in den Westen zu retten, klettert Leamas zu ihr hinunter – und wird ebenfalls erschossen.

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Martin Ritt (* 1920) verfilmte den 1963 veröffentlichten Spionageroman „The Spy who came in from the Cold“ („Der Spion, der aus der Kälte kam“). Während seit 1962 der ebenso glamouröse wie unschlagbare britische Geheimagent James Bond 007 die Welt in regelmäßigen Abständen vor Schurken rettet, geht es hier um einen britischen Spion, der Opfer einer raffinierten Intrige wird und erfahren muss, dass seine eigene Seite genauso skrupellos und heuchlerisch handelt wie die gegnerische. Seine Vorgesetzten schrecken nicht einmal davor zurück, eine Liebesbeziehung für ihre Zwecke zu missbrauchen. Alec Leamas ist alles andere als ein strahlender Held.

Martin Ritt (Regie), Paul Dehn und Guy Trosper (Drehbuch) hielten sich bei der Verfilmung von „Der Spion, der aus der Kälte kam“ eng an die literarische Vorlage von John le Carré. Der Film wird vor allem durch Dialoge getragen. Auch die sachliche und realistische, kühle und nüchterne Inszenierung entspricht dem Spionageroman.

Richard Burton wurde für die Rolle des Spions Alec Leamas für einen „Oscar“ nominiert.

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Inhaltsangabe und Filmkritik: © Dieter Wunderlich 2008

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