Das Versprechen

Das Versprechen

Das Versprechen

Das Versprechen Originaltitel: The Pledge - Regie: Sean Penn - Drehbuch: Jerzy Kromolowski und Mary Olson-Kromolowski, nach dem Roman "Das Versprechen" von Friedrich Dürrenmatt - Kamera: Chris Menges - Schnitt: Jay Cassidy - Musik: Hans Zimmer und Klaus Badelt - Darsteller: Jack Nicholson, Robin Wright Penn, Benicio Del Toro, Aaron Eckhart, Patricia Clarkson, Mickey Rourke, Beau Daniels, Dale Dickey, Helen Mirren, Vanessa Redgrave, Sam Shepard, Harry Dean Stanton, Tom Noonan, Pauline Roberts u.a. - 2001; 125 Minuten

Inhaltsangabe

Ein Junge findet im Schnee die Leiche eines achtjährigen Mädchens mit durchschnittener Kehle. Der ermittelnde Kriminalbeamte bringt rasch einen Indianer dazu, die Tat zu gestehen. Nach dessen Suizid wird die Akte geschlossen. Nur ein pensionierter Detective, dem die Mutter des Opfers das Versprechen abgenommen hat, den Mörder zu überführen, glaubt nicht an die Täterschaft des Indianers ...
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Kritik

Sean Penn verlegt zwar einen in der Schweiz spielenden, von Friedrich Dürrenmatt erdachten Plot – "Das Versprechen" – nach Nevada, doch anders als Filmregisseure vor ihm, verzichtet er auf ein Happyend und hält sich stattdessen an das vom Schriftsteller gewählte verstörende Ende.
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Wenn Ihnen die Inhaltsangabe seltsam vorkommt, suchen Sie vielleicht nach einem Film von Margarethe von Trotta mit dem gleichen Titel: „Das Versprechen“.

In Reno, Nevada, geben die Kollegen eine Abschiedsparty für Detective Jerry Black (Jack Nicholson), der in sechs Stunden, ab Mitternacht, Pensionär sein wird. Weil sie wissen, dass er ein begeisterter Angler ist, überreicht sein Chef Eric Pollack (Sam Shepard) ihm am Ende seiner Abschiedsrede im Namen aller ein Flugticket zu traumhaften Fischgründen in Mexiko.

Während der Feier trifft die Nachricht über einen Mord ein. Eric Pollack beauftragt Stan Krolak (Aaron Eckhart) mit der Leitung der Ermittlungen. Jerry verlässt die Party, die für ihn gegeben wird und begleitet Stan zum Tatort. Ein feister Junge, der mit seinem Motorschlitten stecken geblieben war, hatte die Leiche entdeckt. Er berichtet, dass ihm in der Nähe des Tatorts ein Indianer aufgefallen sei, der hastig zu seinem Pick-up lief und wegfuhr.

Der Mörder hat die achtjährige Jenny Larsen offenbar vergewaltigt und ihr dann die Kehle durchgeschnitten. Weil sich die Kollegen vor der unangenehmen Aufgabe drücken, übernimmt es Jerry, zu den Eltern (Patricia Clarkson, Michael O’Keefe) des Opfers zu fahren, die außerhalb der Stadt eine Truthahnfarm betreiben. Sie ahnen nicht, was geschehen ist, denn sie glauben, Ginny sei wie an jedem Mittwoch nach der Schule zur Großmutter gegangen, um mit ihr Klavier zu üben. An Tagen, an denen sie viele Hausaufgaben hatte, fuhr Ginny allerdings unmittelbar nach dem Unterricht nach Hause, und deshalb wunderte die Großmutter sich nicht über ihr heutiges Ausbleiben. Margaret Larsen beherrscht sich nach einem kurzen Weinkrampf, verlangt von Jerry, dass er den Mörder ihrer Tochter aufspürt und nimmt ihm einen auf sein Seelenheil geschworenen Eid ab.

Aufgrund der Aussage des Jungen wird der debile Indianer Toby Jay Wadenah (Benicio Del Toro) festgenommen, und Stan Krolak setzt seinen Ehrgeiz daran, ihm rasch ein Geständnis zu entlocken. An der Täterschaft gibt es für ihn keinen Zweifel, zumal Toby bereits einmal eine Sechzehnjährige vergewaltigt hatte und auch wegen anderer Delikte zu Haftstrafen verurteilt worden war. Stan bringt den Geistesgestörten zu der Aussage „ja, ich habe sie getötet“, doch als Toby abgeführt wird, entreißt er einem Polizisten die Pistole und schießt sich damit in den Mund.

Für Stan ist der Fall gelöst. Es gibt nicht nur Tobys mit Bild und Ton aufgezeichnetes Geständnis, sondern auch noch einen weiteren Beweis: Der Gerichtsmediziner stellt fest, dass Ginny kurz vor dem Tod Schokolade gegessen hatte, und in Tobys Auto liegen Verpackungsreste von Schokolade. Die Polizei schließt den Fall offiziell ab.

Jerry fährt zum Airport, um nach Mexiko zu fliegen. Während des Wartens sieht er im Fernsehen einen Bericht über den Mord. Statt an Bord zu gehen, kehrt er nach Reno zurück und besucht Ginnys Großmutter Annalise Hansen (Vanessa Redgrave), um mehr über das ermordete Mädchen zu erfahren. Becky, die beste Freundin des Mordopfers, erzählt ihm, Ginny habe kurz vor ihrem Tod mehrmals einen Riesen getroffen, der zaubern konnte und ihr Igel schenkte. Dazu gibt es auf dem Korridor der Schule sogar eine Zeichnung Ginnys. Nachts dringt Jerry in das Gebäude ein und nimmt die Zeichnung mit, die seinen Verdacht erhärtet, dass der Indianer nicht der Mörder war, denn Ginny hat offensichtlich einen großen, starken Weißen gemalt und eine schwarze Limousine, nicht einen verrosteten Pick-up wie Toby einen fuhr.

Genervt weigert Stan sich, den Fall neu aufzurollen, aber er ruft für Jerry wenigstens im Polizeicomputer ungelöste Fälle von ermordeten beziehungsweise vermissten Schulmädchen in der Umgebung auf. Vom Sheriff in Monash County (Costas Mandylor) erhält Jerry Unterlagen über einen nicht aufgeklärten Kindermord vor acht Jahren. Dann sucht der James Olstad (Mickey Rourke) auf, der als Hausmeister in einem Altenheim arbeitet und um seine seit drei Jahren vermisste Tochter Cathy trauert. Jerry fällt auf, dass die drei blonden Mädchen zur Tatzeit ungefähr im gleichen Alter waren und rote Kleider trugen. Er berichtet Eric Pollack und Stan Krolak darüber, aber die halten die Übereinstimmungen für Zufälle und raten ihm, zu einem Analytiker zu gehen.

Jerry befolgt den Rat und konsultiert eine Psychologin (Helen Mirren) – aber nicht, um sich untersuchen zu lassen, sondern um sie nach der Bedeutung der Kinderzeichnung zu befragen. Sie zweifelt zwar an der Aussagekraft, weist Jerry aber darauf hin, dass der Täter möglicherweise nach einigen Monaten wieder zuschlagen werde, vorausgesetzt, dass es sich vor acht Jahren, vor drei Jahren und vor einigen Tagen um ein und denselben Mörder handelt. Ihr fällt auf, dass Jerry sich eine Zigarette an der Glut der letzten anzündet und warnt ihn vor einer Obsession. Aber Jerry kann nicht anders: Er sieht seinen Lebensinhalt inzwischen darin, sein Versprechen zu halten.

Niedergeschlagen fährt er zum Angeln in die Berge. Auf einer Skizze markiert er die drei Tatorte. An einer der Landstraßen in dem Gebiet stößt er auf eine heruntergekommene Tankstelle und spricht mit dem Besitzer Floyd Cage (Harry Dean Stanton), der sie seit dreißig Jahren betreibt, inzwischen aber kaum noch Geld damit verdient. Jerry kauft ihm die Tankstelle schließlich ab, und Floyd zieht erleichtert nach Arizona.

In einer Raststätte in der Nähe lernt Jerry die Bedienung Lori (Robin Wright Penn) kennen. Eines Abends hämmert sie verzweifelt an seine Tür: Ihr Exmann hat sie wieder einmal verprügelt und ihr einen Zahn ausgeschlagen. Da bietet Jerry der jungen Frau an, mit ihrer knapp acht Jahre alten Tochter Chrissy (Pauline Roberts) in eines der vielen leer stehenden Zimmer in dem zur Tankstelle gehörenden Haus zu ziehen. Als Gegenleistung brauche sie bloß hin und wieder ein wenig zu helfen.

Auf einem Jahrmarkt, den Jerry mit Lori und Chrissy besucht, um sich billige Möbel anzuschaffen, fallen ihm Igelfiguren aus Keramik auf, die dort angeboten werden. Er besucht die Herstellerin, eine streng religiöse alte Dame, die von ihrem unverheirateten Sohn Gary Jackson (John R. Taylor) schwärmt, findet aber nichts Verdächtiges.

Im nächsten Frühjahr errichtet er vor der Tankstelle eine Schaukel für Chrissy. Lori wundert sich zwar, warum er die Schaukel nicht hinter dem Haus, sondern an der Straße aufbaut, aber sie lässt sich davon überzeugen, dass man auf diese Weise Chrissy vom Kontor aus sehen könne.

Zweimal beobachet Jerry, wie der LKW-Fahrer Gary Jackson hält, um mit Chrissy zu reden. Da er sich längst an das Familienleben gewöhnt hat, das er mit Lori und ihrer Tochter führt und Freude daran hat, Chrissy jeden Abend vorzulesen, fühlt er sich hin- und hergerissen zwischen seinem Vorhaben und der Sorge um das Kind. In Panik gerät er, als er vom Angeln nach Hause kommt und von Lori erfährt, dass Chrissy von den Jacksons zu einem Kirchenbesuch abgeholt wurde. Ohne sich um die Einzäunungen von Viehweiden zu kümmern, rast er mit seinem Landrover querfeldein. In der Kirche wird tatsächlich eine Messe gelesen, und es ist nichts passiert.

Einige Zeit später weiht Chrissy ihn in ein Geheimnis ein, das er auch ihrer Mutter nicht verraten dürfe: Sie habe einen Zauberer kennen gelernt und von ihm zwei Schokoladenigel geschenkt bekommen. Am nächsten Tag wolle er sie auf dem Picknickplatz neben dem Fluss wiedersehen und ihr noch mehr Schokolade bringen.

Jerry glaubt, endlich kurz vor dem Ziel zu sein. Ohne Lori etwas zu sagen, alarmiert er seine ehemaligen Kollegen und legt sich mit ihnen auf die Lauer. Chrissy kommt in einem roten Kleid gelaufen und beginnt zu spielen. Stundenlang warten die Kriminalbeamten, dass etwas geschieht. Dann brechen sie die Observation ergebnislos ab. Vorschriftsgemäß unterrichtet Stan nachträglich die Mutter des Kindes über die Polizeiaktion. Aufgeregt kommt Lori zum Fluss und holt Chrissy ab. Sie kann es nicht fassen, dass Jerry ihre Tochter als Lockvogel benutzt hat: „Warum hast du so getan, als ob du sie gern hast, du verdammtes Schwein?!“

Bei der Rückfahrt kommen Stan und seine Kollegen an einer Unfallstelle vorbei. Eine schwarze Limousine ist frontal in einen Sattelschlepper gerast, der dicke Baumstämme geladen hat. Der PKW-Fahrer ist tot. Am Rückspiegel baumelt ein Maskottchen: ein Igel.

Von Lori und Chrissy verlassen, hockt Jerry Tag für Tag vor seiner Tankstelle. Der Mörder muss hier vorbeikommen, davon ist er fest überzeugt.

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Wenn Ihnen die Filmkritik seltsam vorkommt, suchen Sie vielleicht nach einem Film von Margarethe von Trotta mit dem gleichen Titel: „Das Versprechen“.

Ein verwahrloster, tattriger alter Mann sitzt in den Bergen von Nevada vor einer offenbar längst nicht mehr geöffneten Tankstelle, kratzt sich am Bein, brabbelt vor sich hin und verzerrt sein Gesicht zu Grimassen, während am Himmel über ihn Krähen kreisen. Mit diesem Vorgriff beginnt Sean Penns Verfilmung eines Treatments von Friedrich Dürrenmatt („Das Versprechen“).

Während Ladislao Vajda in der ursprünglichen Filmversion – „Es geschah am helllichten Tag“ (1958) – den Mörder am Ende seiner gerechten Strafe zuführte, verlegt Sean Penn die Handlung zwar aus der Schweiz nach Nevada, aber er hält sich an Friedrich Dürrenmatts verstörenden Schluss, mit dem gezeigt werden soll, dass es keine Gerechtigkeit gibt. Obwohl es sich um einen Kriminalfall handelt, geht es in „Das Versprechen“ nur vordergründig um einen Triebtäter, der drei Schulmädchen vergewaltigt und ermordet hat. Im Mittelpunkt steht ein pensionierter Kriminalbeamter, der sich das Vertrauen einer jungen Frau erschleicht, um deren achtjährige Tochter als Köder (er ist Angler!) für den gesuchten Mörder missbrauchen zu können. Deutlicher noch als in der literarischen Vorlage arbeitet Sean Penn heraus, wie der Pensionär in einen Konflikt zwischen seiner obsessiven Fahndung nach dem Mörder und seiner durchaus echten Zuneigung zu der Frau und ihrem Kind gerät. Er zerbricht schließlich an seinem uneinlösbaren Versprechen, für Gerechtigkeit zu sorgen.

Sehenswert ist „Das Versprechen“ nicht nur als gelungene Verfilmung einer Idee von Friedrich Dürrenmatt, sondern vor allem auch aufgrund von Jack Nicholsons hervorragender schauspielerischer Leistung.

Wie bereits erwähnt, stammt die erste Verfilmung des Stoffs aus dem Jahr 1958 (Regie: Ladislao Vajda; mit Heinz Rühmann und Gert Fröbe). Alberto Negrin inszenierte die Geschichte 1979 mit Rossano Brazzi, Raymond Pellegrin und Macha Méril für den italienischen Fernsehsender RAI. Rudolf van den Berg verlegte die Handlung 1995 nach Tschechien („Tod im kalten Morgenlicht“, mit Richard E. Grant in der Hauptrolle). Ein Jahr später griff Bernd Eichinger den Stoff erneut fürs Fernsehen auf: „Es geschah am helllichten Tag“. Denselben Titel wählte Nico Hofmann 1996 für seine filmische Adaptation mit Joachim Król in der Rolle des pensionierten Kriminalkommissars.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

Amos Oz - Dem Tod entgegen
Kein auktorialer Erzähler tritt hier auf, sondern ein Autor, der sich auf einen mittelalterlichen Chronisten beruft. Dadurch wirkt die archaische Erzählung "Dem Tod entgegen" von Amos Oz wie ein authentischer Bericht.
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