Zwei ungleiche Schwestern

Zwei ungleiche Schwestern

Zwei ungleiche Schwestern

Zwei ungleiche Schwestern - Originaltitel: Les sœurs fâchées - Regie: Alexandra Leclère - Drehbuch: Alexandra Leclère - Kamera: Michel Amathieu - Schnitt: Jacqueline Mariani und Hervé de Luze - Musik: Philippe Sarde - Darsteller: Isabelle Huppert, Catherine Frot, François Berléand, Brigitte Catillon, Michel Vuillermoz, Christiane Millet, Rose Thiéry, Bruno Chiche, Jean-Philippe Puymartin, Aurore Auteuil, Antoine Beaufils u.a. - 2004; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Louise, eine lebensbejahende Kosmetikerin aus der Provinz, reist nach Paris, um für ihren ersten Roman einen Verlag zu finden und bei dieser Gelegenheit endlich einmal wieder ihre Schwester Martine und deren Familie zu besuchen. Martine ist das krasse Gegenteil ihrer überdrehten Schwester: Sie ist frustriert, gibt sich unterkühlt, achtet auf ihre gesellschaftliche Stellung und hat an allem etwas auszusetzen ...
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Kritik

Die Typisierung der "ungleichen Schwestern" ist zwar überzogen und voller Klischees, aber den beiden Hauptdarstellerinnen Isabelle Huppert und Catherine Frot gelingt es doch, die Figuren lebendig zu machen.
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Martine Demouthy (Isabelle Huppert) führt einen großbürgerlichen Haushalt in Paris. Beim Frühstück ärgert sie sich über ihren Ehemann Pierre (François Berléand), der zu laut isst: „Kannst du nicht leiser atmen?!“ Als ihr Sohn Alexandre (Antoine Beaufils), der zur Schule muss, sie zum Abschied pflichtgemäß umarmt, setzen ihre Rückenschmerzen wieder heftig ein. Und dann wird sie vom Dienstmädchen Fernanda (Rose Thiéry) auch noch daran erinnert, dass sie ihre Schwester Louise Mollet (Catherine Frot) vom Bahnhof abholen wollte. Ausgerechnet heute, an einem Samstag, wo sie kaum einen Parkplatz finden wird!

Isabelle Huppert wird in ihrer ersten Szene als Mutter und Ehefrau vorgestellt, und die Art, wie sie mit Mann, Sohn und Haushälterin umgeht, buchstabiert Begriffe wie Kälte, Neurose, Eleganz und Unglück in Großbuchstaben. (Tobias Kniebe in „Süddeutsche Zeitung“, 27. August 2005)

Louise kommt mit dem Zug aus Le Mans, wo sie und Martine zusammen aufwuchsen. Ebenso wie ihre ältere Schwester hat sie den Besuch der höheren Schule vorzeitig beendet, aber sie zog nicht nach Paris, sondern blieb in der Provinz und führt dort einen Kosmetik-Salon. Louise hat einen Sohn und seit zwei Jahren auch einen Partner, den sie für den Mann ihres Lebens hält. Von dieser neuen Beziehung beflügelt, schrieb sie in den Nächten einen Liebesroman und schickte das Manuskript an einige Verlage in Paris. Éditions Grasset (der Verlag, der beispielsweise auch Bücher von André Malraux und Umberto Eco veröffentlichte), hat sie zu einem Gespräch am kommenden Montag eingeladen. Diese Gelegenheit nutzt die fröhliche, extravertierte und lebensbejahende Louise, um nach drei Jahren endlich einmal wieder ihre Schwester Martine und deren Familie zu besuchen. Bis Dienstagmorgen will sie bleiben.

Ein merkwürdiger Regenhut signalisiert fröhliche Indifferenz in Geschmacksfragen, drollige Bewegungen künden von liebenswerter Tollpatschigkeit, die Hilfsbereitschaft gegenüber einer mitreisenden Rentnerin steht für Warmherzigkeit, und ganz generell ist diese Frau dank Vitalität und guter Laune nicht kleinzukriegen. (a. a. O.)

Während Louise vom Pariser Flair schwärmt und sich auf das Wiedersehen mit ihrer Verwandtschaft freut, fühlt Martine sich durch den Besuch ihrer Schwester nur zusätzlich genervt. Für das Abstellen des Wagens im Parkverbot vor dem Bahnhof erhält sie einen Strafzettel, und während der Fahrt hört Louise nicht zu plappern auf. Von der Wohnung aus ruft Louise dann auch noch die Mutter an, eine im Heim lebende Alkoholkranke, von der Martine nichts hören will, zumal sie panische Angst davor hat, ebenso zu werden und deshalb jeden Tropfen Alkohol meidet und auf Selbstdisziplin achtet.

Louise hat bereits vor zwei Monaten Karten für ein Konzert in der Oper bestellt und freut sich auf den Abend. Vor der Aufführung trinkt sie noch ein Glas Champagner. Die Musik rührt Louise zu Tränen. Martine kann sich nach zwei Stunden Sitzen vor Rückenschmerzen kaum noch bewegen. Zu Hause legt sie sich stumm neben ihren Mann ins Bett, aber Pierre ist noch wach und beginnt, sie erregt zu liebkosen. Da streift sie unwirsch ihr Höschen ab und bleibt teilnahmslos liegen, als Pierre sie besteigt. Während sie sich dann säubert, zischt sie: „Du bist ein Schwein!“

Später legt sie sich im Wohnzimmer auf den Boden, weil sie die Rückenschmerzen kaum noch erträgt. Dort findet Louise sie und massiert ihr den Nacken. Als sie im Fernsehen das Musical „Die Mädchen von Rochefort“ (Regie: Jacques Demy) sehen, erinnern sich die beiden Schwestern an ihre gemeinsame Jugend, drehen die Lautstärke auf und trällern ausgelassen mit.

Am Sonntag trifft Martine sich mit der Galeristin Sophie (Brigitte Catillon), ihrer besten Freundin, in einem Restaurant zum Lunch und nörgelt, als Louise nach einer Stadtrundfahrt ihren Neffen Alexandre mitbringt. „Ein Restaurant ist kein für ein Kind geeigneter Aufenthaltsort“, schimpft sie.

Vor dem Abendessen zu Hause, zu dem Sophie mit ihrer neuen Eroberung, einem Gynäkologen, eingeladen ist, ermahnt Martine ihre Schwester, gegenüber dem Dienstmädchen Fernanda mehr Distanz zu wahren, nicht fortwährend zu plappern und schon gar nicht von sich und ihrem Buch zu erzählen. Aber der Gynäkologie interessiert sich für Louise und hört nicht auf, sie auszufragen. Martine kann sich kaum noch beherrschen und kippt mehrere Gläser Rotwein hinunter, obwohl sie keinen Alkohol zu trinken pflegt. Der Abend endet mit einem Eklat.

Unter einem Vorwand vermeidet Martine es am Montag, Louise zum Verlag fahren zu müssen. Sie rät ihr, die Metro zu nehmen. Der Verleger (Jean-Philippe Puymartin) verrät Louise, dass alle elf Mitarbeiter des Lektorats ihren Roman gelesen haben und ausnahmslos begeistert sind: Éditions Grasset wird das Buch drucken. Louise kann ihr Glück kaum fassen.

Weil das Gespräch im Verlag länger als angenommen dauerte, trifft Louise verspätet auf einer Vernissage von Sophie ein, obwohl sie sich aufgrund des Vertragsabschlusses ein Taxi leistete. Martine begegnet in der Galerie unerwartet einem Geschäftspartner ihres Mannes, der vor zwei Jahren ihr Liebhaber war. Sie hätte die Beziehung gern wieder aufgenommen, aber er ist inzwischen mit einer hier ausstellenden Künstlerin glücklich verheiratet und hat ein Kind.

Nach dieser zusätzlichen Frustration hält Martine das fröhliche Geplauder ihrer Schwester noch weniger aus als zuvor: Sie explodiert, ohrfeigt Louise und schreit sie an, endlich den Mund zu halten.

Die letzte Nacht verbringt Louise in einem Hotel.

Als Martine nach Hause kommt und feststellt, dass ihre Schwester die Wohnung verlassen hat, geht sie auf der Suche nach Verständnis zu Sophie. Doch in deren Bett findet sie einen Seidenschal ihres Ehemannes und schließt daraus, dass ihre Freundin sie mit Pierre betrog. Zornig reißt sie Sophie an den Haaren und zwingt sie, ihr nachzusprechen: „Ich bin eine große Schlampe!“

Martine kann ihre Lebenslügen nicht länger verdrängen.

Auf dem Bahnsteig vor dem abfahrbereiten TGV trifft Louise auf Martine und Alexandre. Zuerst ist sie überrascht, aber dann stimmt sie in das unvermittelte Lachen ihrer Schwester ein …

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Die Komödie „Zwei ungleiche Schwestern“ basiert auf dem Zusammenprall von Gegensätzen: Pariser Großbürgerin – Landpomeranze; Erstarrung und Neurose – Lebendigkeit und Unbekümmertheit; Frustration – Lebenslust; Disziplin – Überschwang; Nörgeln – Neugier; Schein – Sein. Die Typisierung ist zwar überzogen und voller Klischees (dazu gehört auch Louises Kampf mit einem flatternden Stadtplan, ein Gag, der gleich zweimal vorkommt), aber den beiden Hauptdarstellerinnen Isabelle Huppert und Catherine Frot gelingt es doch, die Figuren lebendig zu machen. Die Abgründe, die Alexandra Leclère hinter der Fassade des französischen Großbürgertums zeigt, erinnern an die Filme von Claude Chabrol.

Alexandra Leclère kam selbst als siebzehnjährige Ausreißerin aus der Provinz (Rennes) nach Paris und machte ohne formale Ausbildung dort ihren Weg. In ihrem Debütfilm „Zwei ungleiche Schwestern“ knüpft sie offenbar an diese Erfahrung an.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

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