Alan Hollinghurst : Die Schönheitslinie

Die Schönheitslinie

Alan Hollinghurst

Die Schönheitslinie

Originalausgabe:The Line Of Beauty, 2004 Die Schönheitslinie Übersetzung: Thomas Stegers Karl Blessing Verlag, München 2005 ISBN: 3896672827, 572 Seiten, 22.90 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Nick Guest, ein kleinbürgerlicher Literaturstudent aus der Provinz, wird 1983 eingeladen, im Elternhaus seines Kommilitonen Toby im mondänen Londoner Stadtteil Notting Hill zu wohnen. Von dem glamourösen Leben des Tory-Abgeordneten Gerald Fedden und dessen Familie lässt Nick sich tief beeindrucken, und nach drei Jahren ist aus ihm ein Dandy geworden. Doch als die Medien über seinen Drogenkonsum und seine Homosexualität herziehen, kommt die Verlogenheit der High Society zum Vorschein ...
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Kritik

Alan Hollinghurst hat "Die Schönheitslinie" präzise aufgebaut, und seine elegant geschliffene Sprache wirkt wie poliert. Die Einfälle funkeln in diesem atmosphärisch dichten Entwicklungsroman. Die Diskrepanz zwischen dem Getue der Reichen und der Wirklichkeit ist recht komisch und wird überdies ironisch aufs Korn genommen.
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Nick Guest, der Sohn eines kleinen Antiquitätenhändlers in der Provinzhauptstadt Warwick (Grafschaft Warwickshire), studierte in Oxford Literatur. Im Sommer 1983 bieten ihm die Eltern seines Kommilitonen Toby Fedden an, bei ihnen in einer Dachkammer zu wohnen, während er seine Dissertation über Henry James schreibt. Ihr Haus steht im Londoner Stadtteil Notting Hill, wo die Reichen und Schönen zu Hause sind. Gerald Fedden ist gerade für die unter Margaret Thatcher regierenden Torys ins Unterhaus gewählt worden, und seine Ehefrau Rachel kommt aus einer wohlhabenden jüdischen Bankiersfamilie.

Die Feddens sind froh, dass Nick sich um ihre manisch-depressive Tochter Catherine kümmert. Und Nick schätzt an seiner Gastfamilie sehr, dass sie im Gegensatz zu seinen kleinbürgerlichen Eltern seine Homosexualität zu tolerieren scheint. Heimlich ist er in Toby verliebt, aber der sportliche Kerl ist unbeirrbar heterosexuell. Aufgeregt sieht Nick sich in der Schwulenszene der britischen Hauptstadt um. Vom glamourösen Leben der Familie Fedden lässt er sich tief beeindrucken, und seine Nähe ermöglicht ihm faszinierende Einblicke in die Traditionen und Gepflogenheiten einer ihm bis dahin fremden Gesellschaftsklasse, in der es um Luxus, Snobismus und Einfluss geht. Nach drei Jahren ist aus Nick ein regelrechter Dandy geworden, der gelernt hat, sich in der Upper Class zu bewegen.

Doch als er sich nach einer Affäre mit dem Schwarzen Leo Charles in den ebenfalls dunkelhäutigen Wani verliebt, den nach Sex, Pornografie und Kokain gierenden Sohn eines reichen libanesischen Großhändlers, und die Medien über Drogenkonsum und Homosexualität im Haus des konservativen Abgeordneten Gerald Fedden herziehen, zerbricht die Fassade, und die Verlogenheit der High Society kommt zum Vorschein. Die entrüsteten Feddens, deren finanzielle Transaktionen nun auch noch untersucht werden, werfen Nick Guest aus dem Haus. Leo stirbt an Aids, und Wani siecht unter der gleichen Krankheit dahin.

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Wenn man Kokain zu einer Linie zusammenschiebt, um es zu schnupfen, ergibt sich „Die Schönheitslinie“.

Psychologisch einfühlsam beschreibt Alan Hollinghurst in seinem Entwicklungroman „Die Schönheitslinie“, wie der homosexuelle Protagonist Nick Guest vom kleinbürgerlichen Studenten aus der Provinz zum Dandy in London mutiert. Mit außergewöhnlicher Beobachtungsgabe und analytischem Verstand veranschaulicht Alan Hollinghurst die Grundzüge des Lebens der konservativen Upper Class in der Thatcher-Ära.

Nach eigener Aussage schreibt Alan Hollinghurst kaum mehr als eine Seite am Tag und arbeitet jahrelang an einem Roman. „Die Schönheitslinie“ ist denn auch präzise aufgebaut, und die elegant geschliffene Sprache wirkt wie poliert. Die Einfälle funkeln in diesem atmosphärisch dichten Roman. Vermutlich strebte Alan Hollinghurst keine Gesellschaftssatire an, aber die Diskrepanz zwischen dem Getue der Reichen und der Wirklichkeit ist schon recht komisch und wird überdies ironisch aufs Korn genommen.

Für „Die Schönheitslinie“ wurde Alan Hollinghurst mit dem Booker Preis ausgezeichnet. Selten sei die Suche nach Liebe, Sex und Schönheit so exquisit in Romanform gegossen worden, begründete die Jury ihre Entscheidung. Und der Kritiker Jens Bisky schwärmt: „Romane von solcher Vollkommenheit sind so selten wie alles Schöne.“ (Süddeutsche Zeitung, 23. September 2005)

Alan Hollinghurst wurde Mai 1954 in Stroud, Grafschaft Gloucestershire, als einziges Kind eines Bankmanagers geboren. Nach dem Englisch-Studium in Oxford zog er nach London und schrieb von 1982 bis 1995 (ab 1985 als stellvertretender Chefredakteur) Kritiken für das „Times Literary Supplement“. Alan Hollinghurst gilt als einer der bedeutendsten Gegenwartsautoren Großbritanniens.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

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