Lion Feuchtwanger : Erfolg

Erfolg

Lion Feuchtwanger

Erfolg

Erfolg Originalausgabe: 1930 Neu editierte Ausgabe: Aufbau Verlag, Berlin 1993 Süddeutsche Zeitung Bibliothek, München 2008 ISBN: 978-3-86615-628-9, 751 Seiten

Inhaltsangabe

Um den missliebigen Münchner Museums-direktor Martin Krüger loszuwerden, verwickeln ihn reaktionäre Politiker in einen Meineidsprozess und sorgen dafür, dass er zu einer Zuchthausstrafe verurteilt wird. Seine Lebensgefährtin Johanna Krain kämpft für seine Rehabilitierung, aber das Wiederaufnahmeverfahren kommt nicht in Gang und kurz bevor Krüger amnestiert werden soll, erliegt er einem Herzanfall. Mit Hilfe eines reichen Amerikaners dreht Johanna einen Film, in dem sie den Missbrauch der Justiz anprangert ...
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Kritik

"Erfolg" ist ein grandioses, farbiges Panorama des Lebens in München zu Beginn der 20er-Jahre. Lion Feuchtwanger war wohl der erste Schriftsteller, der das Aufkommen des Nationalsozialismus thematisierte.

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Der progressive Kunsthistoriker Dr. Martin Krüger wird nach dem Ersten Weltkrieg Subdirektor der Staatlichen Sammlungen in München. Dem Kultusminister Dr. Franz Flaucher missfallen einige der Kunstwerke, die Krüger erwirbt und ausstellt. Beispielsweise hält er das Bild „Josef und seine Brüder oder: Gerechtigkeit“ des wegen Geisteskrankheit in einer geschlossenen Anstalt lebenden siebenundvierzigjährigen Eisenbahningenieurs Fritz Eugen Brendel alias Franz Landholzer für umstürzlerisch, das Gemälde „Crucifixus“ von Andreas Greiderer für blutrünstig und einen Akt von Anna Elisabeth Haider für ein schamloses Selbstporträt der Malerin. Während Flaucher keine Möglichkeit sieht, den missliebigen Museumsdirektor loszuwerden, sorgt der Justizminister Dr. Otto Klenk dafür, dass Martin Krüger wegen eines Meineids angeklagt, vom Dienst suspendiert und in Untersuchungshaft genommen wird.

Flaucher und Klenk sind zwar Parteifreunde und Kollegen, aber sie können sich nicht leiden. Während Flaucher als vierter Sohn eines Konzipienten des Königlichen Notars in Landshut geboren wurde und sich hocharbeiten musste, fiel Klenk alles in den Schoß. Für den verwöhnten, arroganten Sohn reicher Eltern scheint Politik nicht mehr als eine Gaudi zu sein. Der inzwischen Siebenundvierzigjährige und seine Ehefrau zogen zwei Kinder auf, die jedoch früh starben. Veronika Staudacher, die Haushälterin auf Klenks Landsitz in Berchtoldszell, hat einen unehelichen Sohn von ihm – Simon –, dem der Minister eine Stelle bei der Filiale der Staatsbank in Allertshausen verschaffte.

Im Prozess gegen Martin Krüger – der von dem jüdischen Rechtsanwalt Dr. Siegbert Geyer verteidigt wird – führt der joviale Landgerichtsdirektor Dr. Hartl den Vorsitz. Der als Hauptbelastungszeuge auftretende Droschkenfahrer Franz Xaver Ratzenberger sagt aus, er habe den Angeklagten und dessen Begleiterin vor dreieinhalb Jahren, in der Nacht auf den 24. Februar um 1.45 Uhr, gefahren und die beiden gemeinsam in ein Haus gehen sehen. Aufgrund der polizeilichen Ermittlungen weiß man, dass es sich bei der Frau um die Malerin Anna Elisabeth Haider gehandelt hatte, die sich inzwischen mit Gas vergiftete. Krüger versicherte in einem Disziplinarverfahren unter Eid, die Dame zwar nach Hause gebracht zu haben, aber in derselben Droschke weitergefahren zu sein. Er gibt zu, mit Anna Elisabeth Haider befreundet gewesen zu sein, bestreitet jedoch entschieden, mit ihr ein sexuelles Verhältnis gehabt zu haben. Frau Hofrat Beradt, bei der Anna Elisabeth Haider in Untermiete wohnte, behauptet in ihrer Zeugenaussage allerdings, alle im Haus hätten die Beziehung der Malerin mit Krüger für anstößig gehalten, und die während des Prozesses öffentlich verlesenen Liebesbriefe von Anna Elisabeth Haider an Krüger scheinen das zu bestätigen.

Eingeweihte wissen, dass gegen Franz Xaver Ratzenberger ein Verfahren zum Entzug der Konzession für das Droschkengeschäft lief, weil er mehrmals seine Frau verprügelt hatte und desöfteren von Fahrgästen wegen verbaler oder tätlicher Angriffe angezeigt worden war. Zuerst erinnerte er sich nur vage daran, Krüger und eine Frau gefahren zu haben, doch als er begriff, dass er seine Konzession behalten konnte, wenn er Krüger belastete, wurden seine Aussagen immer konkreter.

Die vierundzwanzigjährige Grafologin Johanna Krain, die seit vier Jahren Martin Krügers Lebensgefährtin ist, lässt sich nicht von einer Zeugenaussage zu seinen Gunsten abhalten, obwohl Dr. Geyer ihr klarzumachen versucht, dass sie dem Angeklagten nicht helfen könne und sich nur selbst in Verruf bringen werde. Vor Gericht beteuert sie, Krüger habe in der Nacht auf den 24. Februar gegen 2 Uhr neben ihr im Bett gelegen, Ratzenbergers Darstellung sei also falsch.

Wie von Siegbert Geyer befürchtet, wird Martin Krüger wegen Meineids zu drei Jahren Haft verurteilt und ins Zuchthaus Odelsberg in Niederbayern gebracht. Dort darf er pro Vierteljahr fünfzehn Minuten lang besucht werden und man erlaubt ihm, alle acht Wochen einen Brief zu schreiben bzw. zu empfangen.

Kurz nach dem Urteilsspruch wird Johanna auf der Straße von vier Burschen erkannt, als Hure beschimpft und belästigt. Der Schweizer Schriftsteller Jacques Tüverlin, der zufällig vorbeikommt, eilt ihr zu Hilfe – und wird von den jungen Männern niedergeschlagen.

Fast zur gleichen Zeit überfallen drei andere Burschen Krügers Verteidiger und verprügeln ihn.

Johanna und Krügers einziger Freund, der bei den Bayrischen Kraftfahrzeugwerken beschäftigte junge Ingenieur Kaspar Pröckl, bemühen sich, den unschuldig Verurteilten freizukriegen. Um an einflussreiche Leute heranzukommen, zieht Johanna für einige Zeit nach Garmisch, einem beliebten Treffpunkt der Großkopferten. Der Schriftsteller Dr. Josef Pfisterer und die Witwe Katharina von Radolny vermitteln ihr sogar einen Empfang bei Kronprinz Maximilian. Obwohl Johanna inzwischen eine Affäre mit Jacques Tüverlin begonnen hat, heiratet sie Martin Krüger, um sich wirkungsvoller für ihn einsetzen zu können. (Nach der vom Bürgermeister im Zuchthaus vorgenommenen Trauung gestattet Zuchthausdirektor Förtsch dem Ehepaar ausnahmsweise ein einstündiges Gespräch unter Aufsicht.)

Nachdem Franz Xaver Ratzenberger bei einer Wirtshausschlägerei mit einem Maßkrug totgeschlagen wurde, verbreitet sich das Gerücht, er habe vor Zeugen zugegeben, im Prozess gegen Krüger die Unwahrheit gesagt zu haben, und die Witwe Crescentia Ratzenberger unterschreibt schließlich eine entsprechende Erklärung. Damit beantragt Siegbert Geyer ein Wiederaufnahmeverfahren.

Unter den Geschworenen war der zweiundvierzigjährige Kommerzienrat Paul Hessreiter, der von seinem Vater das florierende Unternehmen „Süddeutsche Keramiken Ludwig Hessreiter & Sohn“ geerbt hatte. Er durchschaute von Anfang an die Intrige gegen Martin Krüger, unternahm jedoch nichts für ihn und betrachtete den Prozess als unterhaltsames Spiel, für das er sogar einige Male darauf verzichtete, seine Freundin Katharina von Radolny auf ihrem Gut „Luitpoldsbrunn“ am Starnberger See zu besuchen. In der Hoffnung, der Unternehmer werde sich für das Wiederaufnahmeverfahren einsetzen, macht Johanna sich an ihn heran. Hessreiter lässt sich auf eine Affäre mit ihr ein, überwirft sich mit Katharina von Radolny und zieht mit Johanna für einige Zeit nach Paris. Als die junge Frau herausfindet, dass ihr Liebhaber das Amt des Geschworenen als Zeitvertreib betrachtete, trennt sie sich entrüstet von ihm und kehrt nach München zurück.

Ratzenbergers Sohn Ludwig wird Chauffeur von Rupert Kutzner, dem „Führer“ der „Wahrhaft Deutschen“, der als Redner bei Versammlungen im Kapuzinerbräukeller und in anderen Münchner Großgaststätten die Zuhörer mitreißt. Immer häufiger kommt es zu Raufereien zwischen den Patrioten, deren Stammlokal der „Gaisgarten“ ist, und den Kommunisten, die sich in der „Hundskugel“ treffen. Bewaffnete Abteilungen der „Wahrhaft Deutschen“ marschieren durch die Straßen und räumen politische Gegner aus dem Weg, um Ordnung zu schaffen.

Landgerichtsdirektor Dr. Hartl strauchelt über eine mit einem Formfehler verbundene Rechtsbeugung im Fall des Lederfabrikanten Pfannenschmidt und wird als Ministerialdirektor im Staatsministerium für Justiz kaltgestellt. Justizminister Otto Klenk muss sein Amt nach einer längeren Krankheit ebenfalls abgeben. Dafür will Klenk sich rächen und tut sich mit den „Wahrhaft Deutschen“ zusammen, denn wie die heimlichen Drahtzieher in Bayern, der blinde Bauernführer Dr. Bichler und Andreas Freiherr von Reindl, der Generaldirektor der Bayrischen Kraftfahrzeugwerke, baut er darauf, dass Kutzner Erfolg haben wird.

Das Wiederaufnahmeverfahren im Fall Krüger kommt nicht voran, zumal Geyer nach Berlin zieht, weil er als Ersatzmann für einen tödlich verunglückten Reichstagsabgeordneten nachrückt.

Johanna, die sich vor Jahren mit ihrer Mutter Elisabeth Krain-Lederer überworfen hatte, teilt sich in München eine Wohnung mit ihrer Tante Franziska Ametsrieder, die auch den gemeinsamen Haushalt führt, bis Johanna und ihr Liebhaber Jacques Tüverlin das Landhaus „Seewinkel“ am Ammersee mieten.

Unter dem Vorwand, das Deutsche Reich sei mit Holz- und Kohlelieferungen in Verzug, marschieren Belgier und Franzosen am 11. Januar 1923 ins Ruhrgebiet ein. Die deutsche Regierung stellt die Reparationsleistungen ein und fordert die Bewohner des Industriereviers auf, den Besatzungsmächten passiven Widerstand zu leisten. Die aber betreiben die stillgelegten Zechen, Verarbeitungsbetriebe und Bahnlinien mit eigenen Leuten. Während der deutsche Staat einerseits von einer wichtigen Einnahmequelle abgeschnitten wird, muss er andererseits Millionen arbeitsloser Menschen im Ruhrgebiet finanziell unterstützen.

Die dadurch ausgelöste Inflation lässt die auf Katharina von Radolnys Gut „Luitpoldsbrunn“ lastenden Schulden dahinschmelzen. Der Unternehmer Paul Hessreiter, der sich inzwischen wieder mit ihr versöhnt hat, gerät jedoch durch die Ruhrkrise in finanzielle Schwierigkeiten und wird daraufhin von seiner Lebensgefährtin überredet, sein Haus in München zu verkaufen und zu ihr nach „Luitpoldsbrunn“ zu ziehen.

Am 26. September 1923 fordern der Reichspräsident und die Reichsregierung mit Plakaten dazu auf, den Ruhrkampf abzubrechen. Dieser von rechtsradikalen Zeitungen wie dem „Vaterländischen Anzeiger“ angeprangerte Schritt verschafft den „Wahrhaft Deutschen“ weiteren Zulauf.

Zu den Mitgliedern gehören inzwischen auch Ludwig Ratzenberger sowie Erich Bornhaak und Simon Staudacher, die unehelichen Söhne von Siegbert Geyer bzw. Otto Klenk. Simon Staudacher liefert sich eine Schlägerei mit einem kommunistischen Buchdrucker. Erich Bornhaak, Ludwig Ratzenberger und Rupert Kutzners Bruder Alois locken Amalia Sandhuber, die sechsunddreißigjährige Hausangestellte des den „Wahrhaft Deutschen“ nahestehenden Generals Klöckner, in einen Wald und ermorden sie, weil der Verdacht aufkam, sie habe den Kommunisten Informationen über Klöckners Besucher geliefert. Alois Kutzner stellt sich einige Zeit später auf einem Polizeirevier und gesteht, Amalia Sandhuber umgebracht zu haben, aber der diensthabende Kommissar, der Ärger vermeiden möchte, schickt ihn fort, ohne ein Protokoll aufzunehmen.

Aufgrund des Fememords an Amalia Sandhuber verlangt der neue Justizminister Anton von Messerschmidt im Kabinett der bayrischen Regierung ein schärferes Durchgreifen von Justiz und Polizei. Seine Kollegen wollen jedoch nicht wegen der Ermordung eines unbedeutenden Dienstmädchens die „Wahrhaft Deutschen“ provozieren und die nationale Einheit gefährden. Franz Flaucher erhält den Auftrag, eine neue Regierung zu bilden. Sein Nachfolger im Kultusministerium wird der ihm treu ergebene Sebastian Kastner. Otto Klenk soll wieder das Justizministerium übernehmen, lehnt das Angebot jedoch ab. Stattdessen erhält Ministerialdirektor Hartl das Amt.

Weil der aus dem Kabinett verstoßene Anton von Messerschmidt die versprochene Entscheidung über das Wiederaufnahmeverfahren im Fall Martin Krüger nicht mehr treffen kann, ist Johanna schwer enttäuscht.

Nicht sie, sondern ihr Lebensgefährte Jacques Tüverlin erhält nun eine Gelegenheit, etwas für den Inhaftierten zu unternehmen: Der reiche Amerikaner Daniel Washington Potter wird nämlich während eines Deutschland-Aufenthalts auf die Revue „Höher geht’s nimmer“ aufmerksam, die der Schriftsteller für den Gastwirt Alois Pfaundler geschrieben hatte. Was Potter hört, gefällt ihm, und die Schauspielerin Kläre Holz vermittelt ein Treffen mit Tüverlin. Bald darauf erhält Tüverlin die Einladung, für einen Radiosender in den USA ein Hörspiel zu schreiben. Der Autor überredet Potter schließlich, der bayrischen Regierung eine finanzielle Beteiligung an der Elektrifizierung Bayerns anzubieten und als Gegenleistung die Begnadigung des im Ausland geschätzten Kunsthistorikers Martin Krüger zu verlangen.

Erich Bornhaak engagiert sich inzwischen eifrig im Sekretariat der „Wahrhaft Deutschen“ und avanciert zum Gauleiter. Die an Tuberkulose erkrankte russische Tänzerin Olga Insarowa, die als Privatsekretärin in Rupert Kutzners Vorzimmer sitzt, wird seine Geliebte.

Im Zuchthaus erleidet Martin Krüger mehrmals Herzanfälle, aber der zuständige Arzt Dr. Ferdinand Gsell hält ihn für einen Simulanten – bis Krüger am 670. Hafttag tot zusammenbricht. Dabei wäre seine Amnestierung nur noch eine Frage von wenigen Wochen gewesen.

Klenk, der glaubt, das Volk warte auf einen politischen Umsturz, drängt Kutzner, endlich zu handeln, aber der „Führer“ zaudert. Frustriert zieht sich Klenk nach Berchtoldszell zurück.

Ministerpräsident Flaucher befürchtet, dass Kutzner zu mächtig werden könnte. Um ihn zurechtzustutzen, verbietet er Versammlungen unter freiem Himmel, als die „Wahrhaft Deutschen“ eine großangelegte Fahnenweihe planen. Darüber droht es zum Bürgerkrieg zu kommen. Die bayrische Regierung verhängt den Ausnahmezustand, und Flaucher erhält als Generalstaatskommissar außerordentliche Vollmachten.

Als Kutzner merkt, dass Flaucher ihm nicht nur die Parolen wegnimmt, sondern auch dabei ist, ihm mit einer „Offensive gegen Berlin“ zuvorzukommen, beschließt er, auf einer Großkundgebung des Generalstaatskommissars am 8. November 1923 im Kapuzinerbräu in München die nationale Revolution auszurufen und die Regie an sich zu reißen. Bei einer Unterredung versichern sich beide, mit Aktionen gegen Berlin abwarten zu wollen, aber Flaucher hat ebenfalls vor, am 9. November loszuschlagen. Bevor es dazu kommt, marschiert Kutzner während Flauchers Rede am 8. November im Kapuzinerbräu in den überfüllten Saal, schießt mit seiner Pistole in die Decke, um sich Gehör zu verschaffen und zwingt den Generalstaatskommissar zu einer gemeinsamen Erklärung, derzufolge die Reichsregierung in Berlin abgesetzt sei: „Der Morgen findet entweder in Deutschland eine deutsche nationale Regierung oder uns tot!“

Noch in der Nacht erklärt Flaucher in einem Rundtelegramm, er sei mit Waffengewalt zu der Erklärung im Kapuzinerbräu gezwungen worden und lehne den Putschversuch ab. In der Hoffnung, die Bevölkerung doch noch aufwiegeln zu können, formieren sich die „Wahrhaft Deutschen“ am nächsten Morgen auf Vorschlag von Gauleiter Erich Bornhaak zu einem Demonstrationszug durch die Stadt. Zwischen der Residenz und der Feldherrnhalle kommt es zu seiner Schießerei mit der Polizei. Mehrere Männer verlieren dabei ihr Leben. Kutzner flieht aus der Stadt und versteckt sich im Landhaus eines Freundes, bis er aufgespürt und festgenommen wird.

Gemeinsam mit General Vesemann, der sich an dem Marsch beteiligt hatte, muss er sich vor Gericht verantworten, aber er nutzt die Gelegenheit zu viel beachteten politischen Reden. Am Ende spricht man Vesemann frei; Kutzner wird für einige Monate unter ehrenvollen Bedingungen eingesperrt.

Daniel W. Potter erklärt sich bereit, einen Film Jacques Tüverlins über Martin Krüger zu finanzieren, doch statt des Schriftstellers macht Johanna Krain den Film „Martin Krüger“, in dem sie gegen das Unrecht protestiert, das dem Kunsthistoriker angetan wurde. Als „Martin Krüger“ im Deutschen Reich anläuft und die Zeitungen darüber berichten, ziehen sich Johanna Krain und Jacques Tüverlin vorsichtshalber in den Bayrischen Wald zurück. Dort vollendet der Schriftsteller sein Buch „Das Buch Bayern oder Jahrmarkt der Gerechtigkeit“.

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Der Roman „Erfolg“ spielt in der ersten Hälfte der Zwanziger Jahre vorwiegend in München. Lion Feuchtwanger schildert in dem Buch, wie man damals in verschiedenen Teilen der Münchner Gesellschaft dachte und handelte. „Erfolg“ ist ein grandioses Panorama der Zeit, in der Hitlers erster Anlauf zur Machtergreifung scheiterte. Lion Feuchtwanger war wohl der erste Schriftsteller, der das Aufkommen des Nationalsozialismus thematisierte.

Kein literarisches Werk vorher und nachher hat die Mentalität der Stadt und ihrer Bewohner so gut erfasst wie der „Erfolg“, trotz oder gerade wegen der begründeten Hassliebe, die daraus spricht. (Franz Kotteder, Süddeutsche Zeitung, 7. Juni 2008)

Die Handlung beginnt mit einer Intrige gegen den missliebigen Subdirektor der Staatlichen Sammlungen in München.

Dieses Kunstskandälchen bildet […] nur den Ausgangspunkt, sozusagen den Schmetterlingsflügelschlag, aus dem sich ein Orkan von einem Roman entwickelt: ein Zeit- und Sittenbild epochalen Ausmaßes, in dem die bayerische Mentalität, die politisch-ökonomische Großwetterlage und die deutschen Zustände am Vorabend des Dritten Reichs spürbar, greifbar und schmeckbar werden. Dieser große politische Roman bleibt bei aller analytischen Schärfe stets das Werk eines Bestsellerautors. (Wilhelm Trapp, Süddeutsche Zeitung, 2. Mai 2008)

Obwohl sich Lion Feuchtwanger in „Erfolg“ an historische Eckpunkte hält, ändert er Ortsangaben und Personennamen. Da wird aus Berchtesgaden Berchtoldszell und aus dem Bürgerbräukeller in München der Kapuzinerbräukeller. Der „Führer“ heißt in „Erfolg“ nicht Adolf Hitler, sondern Rupert Kutzner und hat auch eine andere Biografie. Mit Franz Flaucher und General Vesemann sind offenbar Gustav Ritter von Kahr und General Erich Ludendorff gemeint. Den Geheimrat Sebastian von Grueber, der die Wasserkraft in den bayrischen Alpen für die Stromgewinnung nutzt und das „Museum der Technik“ in München gründet, assoziieren wir mit Oskar von Miller. Der Komiker Balthasar Hierl erinnert an Karl Valentin. Bei den Schriftstellern Dr. Josef Pfisterer und Dr. Lorenz Matthäi denkt man an Ludwig Ganghofer und Ludwig Thoma. Der sozialistische Ingenieur und Balladendichter Kaspar Pröckl ähnelt Bertolt Brecht. Und die Figur Jacques Tüverlin trägt autobiografische Züge.

Es geht zwar in „Erfolg“ um die gesellschaftlichen Strömungen und politischen Entwicklungen, aber Lion Feuchtwanger schreibt darüber nicht abstrakt, sondern lässt eine Fülle lebendiger Figuren auftreten. Die Handlung beschränkt sich nicht auf die in meiner Inhaltsangabe skizzierten Grundzüge, sondern umfasst außerdem eine ganze Reihe von geschickt eingebauten Nebenhandlungen:

Die erfolgreiche Tennisspielerin Fancy De Lucca erschießt sich [Suizid], als die Ärzte ihr nach einer Beinfraktur erklären, sie werde ihren Sport nicht mehr ausüben können.

Bevor sich der von den Bayrischen Kraftfahrzeugwerken entlassene Ingenieur Kaspar Pröckl nach Russland absetzt, widerspricht er Jacques Tüverlin und Daniel W. Potter beim Mittagessen in der Villa „Seewinkel“:

Nun aber konnte Kaspar Pröckl nicht mehr an sich halten. So harte Worte er sonst für seine Landsleute fand: was dieser Westschweizer [Tüverlin) und dieser Dollarscheißer [Potter] sich erdreisteten, ging ihm zu weit. Zornig erklärte er, was da Herr Potter sage über den Mangel an Ethos unter den Deutschen, das stelle die Dinge auf den Kopf. Zuviel Ethos hätten sie, das sei ja gerade das Saudumme. Immer bei ihrem Ethos packte die herrschende Schicht die Beherrschten, immer mit ethischen Argumenten kriege sie sie klein. Kein Volk auf der Erde schlage sich soviel mit ethischen Skrupeln herum wie das deutsche. Wo andere den geraden Weg vor sich sähen, mache es sich den Weg krumm vor lauter Skrupeln. Kaum hätten die Deutschen eine Revolution angefangen, so stoppen sie die Revolution auch schon ab, weil sie sich erst überlegen müssen, ob sie denn auch fair sei. (Seite 549)

Der Elektromonteur Benno („Beni“) Lechner schließt sich den Kommunisten an und verbüßt wegen seiner Beteiligung an einem Sprengstoffanschlag der „Roten Sieben“ eine Zuchthausstrafe. Sein Vater, der verwitwete Altmöbelhändler Cajetan Lechner, schimpft:

Kaputt gemacht haben sie ihn nicht mit ihrem Zuchthaus. Bloß so weit haben sie es gebracht, dass er jetzt ein wirklicher Bolschewist ist, der Saubub. (Seite 216)

Benno heiratet schließlich Crescentia („Zenzi“) Breitmoser, die als Bedienung in der „Tiroler Weinstube“ in München arbeitet und ihm mit ihren Ersparnissen nicht nur ermöglicht, an der Technischen Hochschule zu studieren, sondern außerdem eine Elektrowerkstatt für ihn kauft. Obwohl Zenzi protestiert, besteht Benno Lechner darauf, dem gemeinsamen Sohn zu Ehren seines Vaters und Lenins die Vornamen Cajetan Wladimir zu geben.

Bennos Schwester Anna, die mit Kaspar Pröckl geht, lässt sich zwar überreden, in die kommunistische Partei einzutreten, weigert sich aber, ihrem Geliebten nach Russland zu folgen. Stattdessen wird sie Sekretärin von Jacques Tüverlin und hilft ihm, den Nachlass Martin Krügers herauszugeben.

Der Roman „Erfolg“ von Lion Feuchtwanger wurde 1930 als erster Teil des Zyklus „Der Wartesaal“ veröffentlicht. Als weitere Teile erschienen „Die Geschwister Oppenheim“ (1933) und „Exil“ (1940). In den Romanen beschreibt Feuchtwanger den „Wiedereinbruch der Barbarei in Deutschland und ihren zeitweiligen Sieg über die Vernunft“. Ursprünglich war noch ein vierter Roman vorgesehen, der von der „Rückkehr“ nach Deutschland handeln sollte.

Eine Hörspiel-Bearbeitung des Romans „Erfolg“ von Lion Feuchtwanger aus dem Jahr 1984 (SWR) erschien 2008 auf 5 CDs (mit Alex Corti, Hannelore Elsner u. a., Audio Verlag, Berlin 2008, 355 Minuten, ISBN 389813752X).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008
Textauszüge: © Aufbau Verlag

Lion Feuchtwanger (Kurzbiografie)

Lion Feuchtwanger: Narrenweisheit

Franz Kafka - In der Strafkolonie
Ein deformiertes Justizwesen steht im Mittelpunkt der surrealen Erzählung "In der Strafkolonie". Franz Kafka beschreibt es im Stil eines sachlichen Reiseberichts: detailliert und ohne erkennbare Gefühlsregung.
In der Strafkolonie

Franz Kafka

In der Strafkolonie

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