Killing Them Softly

Killing Them Softly

Killing Them Softly

Killing Them Softly – Originaltitel: Killing Them Softly – Regie: Andrew Dominik – Drehbuch: Andrew Dominik nach dem Roman "Cogan's Trade" von George V. Higgins – Kamera: Greig Fraser – Schnitt: Brian A. Kates – Darsteller: Brad Pitt, Scoot McNairy, Ben Mendelsohn, James Gandolfini, Vincent Curatola, Ray Liotta, Richard Jenkins, Trevor Long, Max Casella, Sam Shepard u.a. – 2012; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Der Gangster Johnny Amato beauftragt zwei Kleinganoven, das Preisgeld eines Poker-Turniers zu erbeuten. Weil der Veranstalter Markie Trattman vor vier Jahren ein von ihm selbst organisiertes Poker-Turnier ausrauben ließ, wird man ihn als Drahtzieher verdächtigen. Amato rechnet damit, dass die Mafia den Sündenbock dann umbringen lässt, aber das kümmert ihn nicht. Ihm ist nur wichtig, dass er unbehelligt bleibt. Frankie und sein heroinsüchtiger Kumpel Russell übernehmen den Auftrag ...
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Kritik

"Killing Them Softly" – die Verfilmung des Romans "Cogan's Trade" von George V. Higgins – ist ein zynischer Gangsterfilm. Andrew Dominik dekonstruiert den amerikanischen Traum und prangert die Unmoral der kapitalistischen Gesellschaft an.
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Der Gangster Johnny Amato (Vincent Curatola) betreibt zur Tarnung eine Wäscherei in New Orleans. Als er erfährt, dass Markie Trattman (Ray Liotta) ein Poker-Turnier veranstaltet, plant er einen Coup. Er wird zwei Kleinganoven beauftragen, die Kasse zu erbeuten. Weil Markie Trattman vor vier Jahren selbst ein von ihm organisiertes Poker-Turnier ausrauben ließ, geht Amata davon aus, dass der Verdacht auf ihn fallen wird. Die Mafia und die Öffentlichkeit bekommen also einen Sündenbock, und niemand wird nach den wahren Tätern oder deren Auftraggeber suchen.

Frankie (Scoot McNairy) und sein heroinsüchtiger Kumpel Russell (Ben Mendelsohn) überfallen für Johnny das Poker-Turnier. Sie tragen Strumpfmasken und sind mit einem abgesägten Gewehr und einer Pistole bewaffnet. Nachdem Markie ihnen die beiden mit dem Preisgeld gefüllten Koffer ausgehändigt hat, zwingen die Räuber alle Teilnehmer, ihr Bargeld abzuliefern. Dann rasen sie mit der Beute im Auto davon.

Wie von Johnny Amato erwartet, wird Markie Trattman sofort als Drahtzieher des Überfalls verdächtigt. Ein Mittelsmann der Mafia (Richard Jenkins) beauftragt deshalb den Profikiller Jackie Cogan (Brad Pitt), sich Trattman vorzunehmen. Zunächst soll er nur versuchen, die Wahrheit aus ihm herauszuprügeln. Cogan vermutet, dass die beiden Räuber nicht für Trattman arbeiteten und hält es deshalb für Zeitverschwendung, ihn zusammenzuschlagen. Außerdem werde das für Trattman sehr unangenehm, gibt er zu bedenken.

Aber dann schickt er doch die zwei Brüder Steve und Barry Caprio (Trevor Long, Max Casella) los. Sie lauern Trattman auf, bringen ihn mit dem Auto an einen abgelegenen Ort und schlagen ihn fast tot, obwohl er – solange er noch kann – beteuert, dass er unschuldig sei.


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Cogan hält diese Abreibung zwar nach wie vor für unzweckmäßig, aber nun empfiehlt er seinen Auftraggebern, Trattman nach der Entlassung aus dem Krankenhaus töten zu lassen, einfach, weil alle denken, er habe bei dem Raubüberfall die Fäden gezogen.

Cogan übernimmt den Mord schließlich selbst. Dafür tut er sich mit einem Kleinkriminellen namens Kenny Gill (Slaine) zusammen. Sie warten im Wagen vor Trattmans Haus, bis dieser ins Auto steigt und losfährt. An einer roten Verkehrsampel hält Kenny neben Trattman, und Cogan tötet sein Opfer mit einem Kopfschuss durchs Seitenfenster.

Russell bringt seit einiger Zeit Rassehunde, die er eigentlich nur gegen Honorar ausführen sollte, nach Florida und verkauft sie dort, um sich Geld für Drogen zu beschaffen. Er befindet sich inzwischen dauerhaft im Drogennebel. Arglos erzählt er Kenny Gill von seiner Beteiligung an dem Überfall. Auf diese Weise erfährt auch Cogan, wer die beiden Räuber waren und in wessen Auftrag sie handelten.

Kurz darauf wird Russell von einem auf ihn angesetzten Polizeiaufgebot verhaftet, als er ein Drogenpaket aus einem Schließfach im Bahnhof holt.

Cogan ist es unangenehm, wenn Menschen, die er zu liquidieren hat, ihn kennen und um Gnade anflehen. Lieber bleibt er auf Distanz und tötet „sanft“ mit einem gezielten Schuss („Killing Them Softly“). Weil Johnny Amato zu seinen Bekannten zählt und deshalb so eine rührselige Situation zu erwarten wäre, überredet er seine Auftraggeber, ihm das Geld für einen anderen Profikiller zu geben.

Dann lässt er Mickey (James Gandolfini) aus New York nach New Orleans einfliegen. Der Auftragsmörder fiel unlängst bei einer Verkehrskontrolle mit einem Jagdgewehr auf und wurde wegen unerlaubten Waffenbesitzes festgenommen, obwohl er beteuerte, er habe sich die Waffe gerade erst gekauft, weil er zu einer Entenjagd eingeladen worden sei. Mickey ist nur auf Kaution frei und dürfte die Staaten New York und Maine gar nicht verlassen.

Eigentlich will er deshalb so schnell wie möglich wieder zurück, aber in dem von Cogan für ihn gemieteten Hotelzimmer gefällt es ihm: Er säuft und lässt eine Prostituierte nach der anderen kommen. Nach ein paar Tagen reißt Cogan die Geduld und er begreift, dass er Mickey abschreiben muss.

Am Tresen einer Bar macht er sich an Frankie heran und stellt ihn vor die Wahl: Entweder Frankie verrät Johnny Amato, oder Cogan erschießt ihn ohne Hilfe und tötet dann aber auch Frankie. Sich zwischen Loyalität und Verrat entscheiden zu müssen, bringt Frankie ins Schwitzen. Am Ende fährt er mit Cogan zur Adresse einer Geliebten des Wäschereibesitzers. Dort warten sie, bis Amato vorfährt. Von der anderen Straßenseite schießt Cogan mit einem Gewehr auf Amato. Der bricht zusammen und bleibt stöhnend und Blut hustend liegen. Cogan geht zu ihm und tötet ihn mit einem Pistolenschuss. Dann springt er zurück ins Auto, und Frankie gibt Gas. Sie parken in einer Tiefgarage. Dort erschießt Cogan plötzlich auch Frankie.

Danach trifft Cogan sich mit dem Mittelsmann der Mafia in einer Bar und verlangt sein Geld. Er nimmt das Kuvert und geht damit zur Toilette. Als er zurückkommt, fordert er mehr: Statt 10 000 Dollar wie sein an diesem Morgen verstorbener Vorgänger Dillon (Sam Shepard) will er 15 000 Dollar pro Auftrag. Dann fällt sein Blick auf das Fernsehgerät in der Bar. Eine Rede Barack Obamas wird übertragen. Der soeben zum US-Präsidenten gewählte Politiker beschwört die amerikanische Nation. Cogan meint dazu, Amerika sei keine Gemeinschaft, sondern jeder müsse sich allein durchschlagen. „Amerika ist kein Land, sondern ein Business.“

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Bei seiner Verfilmung des 1974 von George V. Higgins (1939 – 1999) veröffentlichten Romans „Cogan’s Trade“ verschob Andrew Dominik die Handlung ins Jahr 2008. Sie beginnt am 28. August. Barack Obama hält an diesem Tag eine Rede, in der er die am Vortag von den Delegierten der Democratic National Convention in Denver angetragene Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten annimmt. Immer wieder hören wir Nachrichten und Kommentare zum Thema Weltfinanzkrise. Am Ende befinden wir uns in einer Bar. Im Fernsehen wird Barack Obamas Rede nach seinem Wahlsieg am 4. November 2008 im Grant Park in Chicago übertragen. Während Barack Obama die US-amerikanische Nation beschwört, sagt Jackie Cogan: „Amerika ist kein Land, sondern ein Business.“

In dem Gangster-Drama „Killing Them Softly“ kritisiert Andrew Dominik den Kapitalismus im Allgemeinen und die US-amerikanische Gesellschaft im Besonderen. Er zeigt, dass es immer nur um Geld geht und entlarvt den amerikanischen Traum als rücksichtslosen Überlebenskampf. „Killing Them Softly“ ist das zynische Porträt einer unmoralischen Gesellschaft, die aufgrund ihrer Gier in eine Finanzkrise schlittert. Während die Republikaner dafür eintreten, dass jeder auf sich allein angewiesen ist, redet der demokratische Präsidentschaftskandidat von Solidarität, aber seine Aufrufe erweisen sich in „Killing Them Softly“ als hohle, von der Wirklichkeit abgehobene Phrasen.

In dem hier dargestellten Mikrokosmos haben Kleinkriminelle ebenso wenig eine Chance gegen die Mafia, wie der einzelne Bürger gegen das Establishment.

Andrew Dominik und sein Kameramann Greig Fraser wählten für „Killing Them Softly“ bewusst keine Hochglanz-Optik. Die Bilder sind grau und schmutzig.

Einige der pointierten Dialoge, die zum Teil auch von Quentin Tarantino stammen könnten, sind wörtlich aus der literarischen Vorlage von George V. Higgins übernommen. „Killing Them Softly“ ist dadurch etwas dialoglastig geworden, aber das ist kein Schaden.

Weniger überzeugend ist die Überzeichnung der Figur des Junkies Russell. Dabei handelt es sich schon beinahe um eine Karikatur.

Übertrieben ist auch die hyperreale Szene des tödlichen Schusses von Jackie Cogan auf Markie Trattman. Zwei oder drei Wiederholungen aus verschiedenen Blickwinkeln wären durchaus interessant gewesen, aber Andrew Dominik zeigt den Schuss und den nachfolgenden Verkehrsunfall ein paar Mal zu häufig.

Die Dreharbeiten für „Killing Them Softly“ fanden im Frühjahr 2011 in New Orleans statt.

Die erste Schnittfassung soll gut zwei Stunden lang gewesen sein.

Folgende Musikstücke sind in „Killing Them Softly“ zu hören: „Moon Dance“ (Carl Stone), „The Man Comes Around“ (James Wilsey), „Life Is Just a Bowl of Cherries“ (Jack Hylton & His Orchestra), „Heroin“ (The Velvet Underground), „Wrap Your Troubles in Dreams“ (Nico), „Love Letters“ (Kitty Lester), „I Think This Town is Nervous“ (The Wreckery), „It’s Only a Paper Moon Cliff“ (Ukulele Ike Edwards), „Money“ (Barrett Strong), „The Feeling In My Nuts“ (Marc Streitenfeld).

Deutsche Synchronstimmen in „Killing them Softly“ (Regie und Buch: Gerrit Schmidt-Foß): Tobias Meister (Jackie Cogan), Tommy Morgenstern (Frankie), Thomas Petruo (Russell), Eberhard Haar (Mickey), Bodo Wolf (Cogans Auftraggeber), Lutz Schnell (Johnny Amato), Udo Schenk (Markie Trattman), Viktor Neumann (Steve Caprio), Olaf Reichmann (Barry Caprio), Gerrit Schmidt-Foß (Kenny Gill), Vera Teltz (Prostituierte LuLu), Detlef Bierstedt (Dillon), Oliver Siebeck (Barack Obama), Michael Pan (George W. Bush), Jan Spitzer (John McCain), Denise Gorzelanny (Nancy Pelosi) u.a.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2013

 

Hermann Burger - Erzählungen
"Das Leben ist eine Dissertation über den Tod", sagt der "Prestidigitateur" Grazio Diabelli. Hermann Burgers Erzählungen sind von einsamen Sonderlingen bevölkert, die in skurille Situationen geraten.
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