Mark Z. Danielewski : Only Revolutions

Only Revolutions

Mark Z. Danielewski

Only Revolutions

Originalausgabe: Only Revolutions.The Democracy of TwoSetout & Chronologically Arranged Pantheon Books, New York 2006 Only Revolutions.Die Demokratie von Zweiendargelegt & chronologisch angeordnet Übersetzung: Gerhard Falkner, Nora Matocza Tropen Verlag, Stuttgart 2012 ISBN: 978-3-608-50123-0, 360 Seiten, 24.95 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Die beiden 16-Jährigen Sam und Hailey widersetzen sich den an sie gestellten Erwartungen. Sie wollen frei sein. Gemeinsam fahren sie quer durch die USA. Sie nehmen Drogen, haben häufig Sex und beteiligen sich auch einmal an einer Orgie. In St. Louis jobben sie in einer Imbissbude, wo v.a. Sam gemobbt wird. Schließlich setzen sie ihren Weg fort. Obwohl sie minderjährig sind und keine Papiere besitzen, wollen sie heiraten. Irgendwo in den Bergen verunglücken sie ...
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Kritik

Mark Z. Danielewski hat sich mit "Only Revolutions" ein einzigartiges Buch ausgedacht. Das gilt für die sprachliche Form, einen stream of consciousness in beat poetry, und v.a. für die vom Verlag mit großem Aufwand realisierte Gestaltung.
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Sam lebt von der Arbeitslosenunterstützung. Der 16-jährige US-Amerikaner fühlt sich stark, und er widersetzt sich den an ihn gestellten Erwartungen.

Ich befreie mich aus dieser Tretmühle.
Voll Feuer. Entflamme eine Brise.
Ich werde die Welt verwüsten.
Kein Problem. Neue Meuterei überall
ringsherum. Mit einer Drehung.
Einem Lächeln. Einem Stirnrunzeln.
Allmächtige sechzehn Jahre alt und freiiiiiii.
Freudensprünge, mit nicht mal einer Kappe auf.

Ich bin ein Beben über dem Boden. Ein
Flammenansturm. Die totale
Verwüstung. Ungeheuer beeindruckend.

Aber kein NEUER HOFFNUNGSTRÄGER entgeht meiner
Attacke. Nichtmal dieser verwahrloste Saftsack.
Wird zu Asche durch meine Explosionsstrahlungswelle.

Die gleichaltrige Hailey ist von zu Hause fortgelaufen, um sich frei fühlen zu können.

Mit einem Sprung befreie ich mich.
Bin Feuer und Flamme. Wie mein Haar sich lockt.
Ich werde die Welt vernichten.
Aus basta. Alles ringsum in Trümmer
legen. Mit Arschgewackel.
Rumgezappel. Einer Drehung.
Allmächtige sechzehn Jahre alt und freiiiiii.
Freudensprünge auf bloßen Füßen.

Denn ich bin Vernichtung. Napalm
und Plastikbomben. Sucht mich bei Kübeln
voller Finger und Nasen.

Da reißt mich dreist ein BÄRTIGER
WALDSCHRAT herum.
– Verlaufen, kleine Zitrone?
– Wer nicht fortgeht,
muss nicht zurückfinden.
– Verstehe. Hab Shit dabei. Wo
kommst du denn her?
– Hier aus der Nähe.
– Lust auf ne Nummer?
– Du bist vielleicht ein Traumtänzer.
– Wieso?
– Hast keine Klasse.
– Aber jetzt ist Frühling, Süße.

Also leg ich mich hin und lass IHN machen.
Als ER geht, gehe ich auch.

Irgendwo in den USA kreuzen sich die Wege von Sam und Hailey.

Er verbeugt sich.
– Hi. Ich heiße Sam.

Sein Angebot:
– Du kannst meine Sklavin sein.
Mein fliegender Tritt kickt ihm die Nase.
Eine Warnung. Schlimmer, wenn ich nicht
seinem Gewimmer erlegen wäre.
Was fürn Fersentreffer.

Nachdem Hailey klargestellt hat, dass sie sich Sam nicht unterlegen fühlt, tun sie sich zusammen.

EINE NEUE HOFFNUNG, kotzt
kokett ab. Schwingt
ihre Kaugummititten.
Auch fingerlos.
NEUE HOFFNUNG. Höchst aufreizend.
Und SIE cancant sogar um ihn herum,
ruckt, angejuckt & geilgezuckt
mit ekligem Rückratgewoge.
Gedunsene Kotze abkotzend.
Sam verführt.

Oh. Mein Sam!
Geht nicht fort. Sondern gibt
mein Ränzlein zurück. Und dann stürze ich
mich auf ihn. Er schnallt auf,
hingestreckt unter Storchschnabel.
Weg mit dem Fummel, runter
mit meinem Höschen. Schnell seine Arbeitskluft
runter. Schlaksig. Schlagartig. Socken anlassen.
Klein.
Küsse, nass, aber zart.
Phantastische Titten. Gepackt. Bis
sie verschwinden. Falsch gepolt, schlechtes Timing.
Bis.
Schüttle ihn wie bekloppt. Eng
an seine Nacktheit geklebt.
Jeder Stoß flutscht steifer erregt. Strafft meine
Backen, beutelt seine Schenkel.
Bis. Schon wieder draußen.
Sam sich von mir löst,
zähnezusammenbeißend, samenschleudernd,
klebrige Ströme seitwärts.

Die beiden setzen ihren Weg gemeinsam fort. Da Sams Pferd gerade von irgendwelchen „Konsorten“ getötet oder gestohlen wurde, fahren sie mit dem Auto, wobei Marken und Modelle alle paar Minuten wechseln. Beinahe ebenso häufig fallen sie übereinander her: Koitus, Fellatio („RuckizuckiPhallosucki“), Cunnilingus und Analsex wechseln sich bei den „KnutschundLusteinlagen“ ab.

Hailey lacht
und schiebt gierig meine Latte bis zur Rachenmandel,
beißt ungeschickt, bis eine saftige Belohnung
ihre Lippen überschlippert.

Sam parkt schon wieder,
wild auf weitere Spielchen, Unsittlichkeiten
und gekonnte Kiffer-Moves.
Walnussschösslinge johlen, als er
meine Zehen zermalmt, beide
Schienbeine umklammert. Sich fallen lässt,
mir den Hintern presst,
mir die Schenkel schleckt,
und die Muschi schlabbert,
so tatzentollpatschig plumppfotig
dass jede Erregung erstirbt.
Engagiertes Stimulieren, aber stümperhaft.

Während Sam glaubt, dass Hailey ständig auf Sex aus sei, nimmt Hailey es ganz anders wahr.

Trotzdem macht sie mich an.
Möchte an jeder Ecke die Beine breitmachen.
Keucht, winselt, bettelt. Doch ich hab Zeit,
aber Hallo!, widerstehe sogar
ihren vorwitzigen Zehen.
Nein danke.

Sam in seiner Übererregtheit
möchte an jeder Ecke eine Nummer schieben.

Irgendwo nehmen Sam und Hailey an einer Orgie teil.

Wenigstens geht die Party weiter.
Und ich bin der tollste Hecht,
miezenbehängt, hindere Hailey
am Herumlabern.

In New Orleans besorgen sie sich Drogen vom CREEP.

DER CREEP hat, was Konsorten brauchen.
Geile Drinks, Tuinal & Heroin.
Speedballs mit Crystal Meth. Crank. Zeile
um Zeile von südamerikanischen Koks.
Hammerjoints und Exstasyböhnchen. Geheimvorräte
von Ludes. DER CREEP ist
immer beschäftigt.
Nützt alle aus.

Hailey erwischt zu viel von den Drogen. Sie übergibt sich im Taxi und bricht zusammen. Sanitäter bringen sie ins Krankenhaus, während der Dealer von der Polizei festgenommen wird.

Panik. DOKTOREN ringen um Zeit:
– Kommt von der Lunge! – Ist ein Schock!
Tätscheln ihr das Gesicht, ob sie reagiert.
Injektionsnadeln, Alkohol und Gaze.
– Ist allergisch! – Anaphylaktisch!
Plötzliches Gerangel nach Heilmitteln.
– Adrenalin!
Verliere sie. Näher. Jetzt.

Weil Sam weder ein Verwandter, noch Haileys Ehemann oder Vormund ist, darf er nicht mit in den Behandlungsraum. Er ist „konfrustriert“.

Ich knallundballere den KRANKENHAUSPRÄSIDENTEN,
zerbumerange ihm die Kinnlade.

Gewalt nützt da allerdings auch nichts.

Als Hailey sich erholt hat, setzen sie ihre Reise fort. Sie kommen ans Meer. Was sie dort erleben, widerspricht sich:

Hailey poppt eine Zehe rein. Ich tauche
nach fremder Strömung. Hailey folgt
sofort, ist aber zu schlank, um
solcher Gefahr zu widerstehen.
Ich kraule mühelos hinüber, halte
ihr Abdriften auf, sie so panisch,
dass sie mein Haar packt.
Anklammern und Geschrei. Na toll. Mit
kraftvollen Stößen und Kraulen bringe ich
die Zitternde ans Ufer zurück.
– Danke, gluckgluckert Hailey,
unsicher, unerfahren, fummelt an
ihrem Linkshandgelenkkristallarmband.

Ich lasse die Füße baumeln. Sam taucht
nach fremden Gefahren, wird sofort
weggespült, zu leicht, um
entgegenkommender Strömung standzuhalten.
Ich schwimme mühelos hinüber, beende
sein Umsichschlagen und Abdriften mit
festem Griff in sein Haar.
Gewimmere und Gewürge. Na schön.
Mit sagenhaften Beinschlägen und Schwimmzügen
schleppe ich ihn, der spuckt, ins Flachwasser zurück.
– Gluggschlugg blubbert Sam,
unsicher, wackelig, verlangt lauthals
mein Linkshandgelenkamethystarmband.

In St. Louis jobben die beiden eine Zeit lang in einer Imbissbude: Hailey kümmert sich um die Gäste. Sam muss putzen und wird vom Geschäftsführer VIAFIFONACCI schikaniert:

– Bring das mal wieder auf Hochglanz, du Penner, während
ich deinem Süßarsch die Fotze putze.
Saubere Titten. Schlampenarsch.

Schließlich wird es Sam zu viel und er prügelt sich mit VIAFIFONACCI, bis der Besitzer BILL BAAZETTI dazwischengeht. Bald darauf kündigen Sam und Hailey. Sie fahren weiter nach Nordwesten.

Kniend macht Sam seiner Begleiterin einen Heiratsantrag, und Hailey sagt „ja“; sie will seine Frau werden. Da sie noch minderjährig sind und auch keine Ausweise besitzen, lacht der Justizangestellte sie aus, von dem sie erwarten, dass er ihnen eine Heiratserlaubnis ausstellt.

Wir lassen alles hinter UnS.

Irgendwo in den Bergen verunglücken sie mit dem Auto, wobei Sam glaubt, Hailey sitze am Steuer.

Und dann liegt sie vor mir,
in meinen Armen gewiegt. Oh Hailey. So steif & still,
hinab über Bergrutsch, Schlucht, Kessel und Kar.
Abstürze des Wandels.
Ich streichle sie. Schluchze. Drücke auf ihre steife Brust. Öffne
ihren Mund, senke meinen Atem hinab in
ihre seltsame Erstarrung. Stupse ständig Hier?
Wieso? Neben mir immer nahe
und doch grundlos.
Unmöglich still. Einfach gestorben. Tot.
Wohin ich schon gegangenging.
Weine trotzdem laut über ihr, küsse sie, halte
ihr die Nase zu, drücke sie aufs Herz. Mein Atem
fliegt. Allein. jetzt. Hier. Allein zurückgelassen.

Und ich, dein Wachposten aus Eis, werde immer beschützen,
was deine Freude so gefährlich wiederlangt.
Ich werde keine Welt zerstören,
so lange sie sich weiterdreht, munter & sprudelnd,
Blüten & Stengel biegsam und saftig,
und uns unser Tuscheln stets erneuert zurückgibt.
Alle verraten den Traum,
aber wen kümmert’s? Oh Hailey, nein,
ich könnte niemals von dir gehen.

Hailey nimmt es genau andersherum wahr:

Bis er vor mir liegt,
in meinen Armen gewiegt. Oh Sam. So still & steif,
und abseits von Felssturz, Klamm, Fumarole & Sattel.
Palisaden des Wandels.
Ich schüttle ihn. Schluchze. Schlage auf seine starre
Brust. Öffne jene Lippen, senke meinen Atem
hinab in seine seltsame Erstarrung. Und frage ständig Wieso?
Hier? Mir so nahe,
sogar grundlos.
Unmöglich gestorben. Einfach still. Tot.
Wohin ich schon gegangengehe.
Trotzdem schmachte ich über ihm, küsse ihn,
halte ihm die Nase zu, hämmere auf sein Herz. Mein Atem
jagt. Allein. zu verlassen. Jetzt. hier. Nur.

Und ich, dein Wachposten aus Eis, werde immer beschützen,
was deine Freude so erschreckend erwählt.
Ich werde keine Welt zerstören,
so lange sie sich weiterdreht, errötend & vorüberhuschend,
jung & entzückend mit Tau überperlt
und uns unsere Lebhaftigkeit stets neugeschaffen zurückgibt.
Alle verraten den Traum,
aber wen kümmert’s? Sam, nein,
ich könnte niemals von dir gehen.

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Mark Z. Danielewski hat sich mit „Only Revolutions. Die Demokratie von Zweien dargelegt & chronologisch angeordnet“ ein einzigartiges Buch ausgedacht. Das gilt für die sprachliche Form und vor allem für die vom Verlag mit großem Aufwand realisierte Gestaltung.

Fangen wir damit an, dass das Buch sowohl von vorn als auch von hinten zu lesen ist. Auf diese Weise ergeben sich zwei verschiedene Perspektiven: die der Protagonisten Sam und Hailey. Es handelt sich bei „Only Revolutions“ um eine road novel, denn die beiden 16-Jährigen reisen quer durch die USA – und durch die Zeit, wobei sie allerdings nicht älter werden. Ihre Wahrnehmungen widersprechen sich mitunter. In jedem Fall ergänzen und spiegeln sich die beiden gegenläufigen Darstellungen, und vor allem sprachlich handelt es sich bei der einen Version um eine gleichrangige Variation der anderen. Statt Sam und Hailey erzählen zu lassen, entwickelt Mark Z. Danielewski einen stream of consciousness in Form einer beat poetry.

Form und Inhalt sind in „Only Revolutions“ eine Einheit. Das beginnt beim Einband: Das Buch hat keine Rückseite, sondern zwei Titelseiten. Auf dem Schutzumschlag ist eine Straße abgebildet. Hinter dem Foto mit blauem Himmel beginnt Sams Version, und wenn wir das Buch so halten, dass wir auf das braungetönte Titelbild blicken, schlagen wir Haileys Geschichte auf. Üblicherweise geben sich die Verlage mit dem vom Schutzumschlag verhüllten Einband nicht mehr viel Mühe. Bei „Only Revolutions“ ist das anders: Ein Farbfoto ziert den gesamten Einband über den Buchrücken hinweg. Die Farbverteilung auf dem Bild ist kein Zufall: In der oberen Hälfte von Sams Seite dominiert die Farbe Grün (grüne Schmetterlinge, grüne Insekten und eine weiße Maus auf Moos). Auf der oberen Hälfte von Haileys Seite herrschen dagegen Gelb- und Goldtöne vor (gelbe Rosen, die Blüte einer Sonnenblume und mit Goldlack gefärbte Zweige). Diese Farben, die sich auf Sams und Haileys Augen beziehen, wiederholen sich bei den zwei (!) Lesebändchen: Das grüne benutzen wir, wenn wir Sams Version lesen, das goldfarbene für die Lektüre von Haileys Darstellung.

Der Vorsatz von „Only Revolutions“ ist mit verschachtelten kreis- bzw. ellipsenförmigen Textblöcken in Spiegelschrift und einem seitengroßen O bedruckt, auf Sams Seite vor einem grünen, auf Harleys Seite vor einem braunen Hintergrund.

Sams Text ist ein seitengroßes S vorgeschaltet, und ein H ziert das Blatt vor dem Beginn der gegenläufigen Darstellung.

Jede Seite von „Only Revolutions“ enthält in der oberen Hälfte lesbaren Text, und zwar jeweils genau 90 Wörter. In der unteren Hälfte stehen die Textzeilen dagegen auf dem Kopf. (Die lesen wir, wenn wir das Buch umdrehen bzw. von der anderen Seite her aufschlagen.) 180 Wörter ergeben eine Seite, 360 Wörter eine Doppelseite. Wenn wir von der einen Perspektive in die andere wechseln, drehen wir das Buch um 180 Grad. Jeweils acht Seitenhälften bilden einen Abschnitt, der mit einem besonders groß gedruckten Anfangsbuchstaben beginnt. Diese Buchstaben ergeben aneinandergereiht „HAILEY UND SAM UND HAILEY UND SAM UND HAILEY UND“ bzw. „SAM UND HAILEY UND SAM UND HAILEY UND SAM UND“. Dabei sind die Anfangsbuchstaben dieser Wörter größer als die übrigen gedruckt.

Es ist ratsam, bei der Lektüre von „Only Revolutions“ abschnittweise zwischen den beiden Perspektiven zu wechseln, das Buch also nach jeweils acht Seiten umzudrehen und den gegenläufigen Text zu lesen. Dabei helfen die beiden Lesebändchen.

Dass jede Version 360 Seiten lang ist, ergibt einen Sinn, denn die Zahl 360 korrespondiert mit einer vollen Umdrehung (360 Grad), die übrigens auch die Seitenzahlen ausführen: Da jede Seite oben und unten gegenläufige Texte enthält, sind auch jeweils zwei Seitenzahlen angegeben, und wie bei den Texten auch, steht eine der beiden Zahlen auf dem Kopf. Die für Sams Version gültigen Seitenzahlen von 1 bis 360 sind grün gedruckt, die 360 gegenläufigen braun. Beide Reihen beginnen mit 1 oben und 360 auf dem Kopf stehend unten, sie enden mit 360 oben und 1 auf dem Kopf stehend unten. Auf den Seiten 2 bis 359 umtanzen sich die Seitenangaben, sodass sie genau eine volle Umdrehung ausführen.

Rechts oben auf den Seiten 67, 71, 139, 141, 211, 213, 283, 185 und 355 befindet sich ein schwarzer Punkt. Eine II in einem Kreis markiert in beiden Versionen die Seite 357.

Der Text der eigentlichen Geschichte(n) nimmt dreiviertel der Seitenbreite ein. So bleibt Platz für eine Spalte, in der Mark Z. Danielewski stichwortartig und historische bzw. zeitgeschichtliche Ereignisse aufgelistet hat. In Sams Version läuft die Chronologie vom 22. November 1863 („Die Sache. – Abschaffung der Sklaverei, Konfiszierung des Besitzes und gebietsweises Vasallentum“) bis 22. November 1963 (Attentat auf den US-Präsidenten John F. Kennedy).

Autokolonne. 12:35.
Elm Street. Dealey Plaza.
Lagerhaus texanische Schule. 411.
Grasbewachsener Hügel. Rufus Youngblood.
John B. Connally.
Adelheid Nentwig.
– Wir sind getroffen,
– er ist erschossen.

Greer & Bremsen. Roy Kellerman. Tague.
Kopf. Schoß. 130 km/h.
– Oh nein! Oh nein!

Die Chronologie bei Haileys Text schließt sich nahtlos an („– zum Schreien. – er ist tot. Parkland Krankenhaus. 13.00“). Die letzten Eintragungen stehen unter dem 29. Mai 2005 („Massenpanik bei Hadsch, 363 tot“). Danach folgen nur noch Daten (vom 18. Januar 2006 bis 19. Januar 2063). Das ist in Bezug auf die Entstehung des Buches die Zukunft.

Tier- und Pflanzennamen sind in „Only Revolutions“ fett gedruckt, Namen in Großbuchstaben. Alle Os und Nullen sind farbig, in Sams Version grün, in Haileys Version braun (golden). In der Originalausgabe ließ Mark Z. Danielewski das Wort „us“ (uns) in Großbuchstaben setzen, sodass es auch der Abkürzung der Vereinigten Staaten von Amerika entspricht. Im Deutschen wurde daraus ein „UnS“.

Die Übersetzer Gerhard Falkner und Nora Matocza haben Erstaunliches geleistet. Dass sich Mark Z. Danielewski auch eine ganze Reihe von neuen Wörtern ausgedacht hat, dürfte eines ihrer geringsten Probleme gewesen sein. Hier einige Beispiele: Klacksteppklacksteppdrehung, GARGANTUANISCH-PHÄNOFEMALE WUCHTBRUMME, Partybecher voll Glugglugglugg, Bummmmmmpengundallesisthin, zischendjazzig , murrgrummeldiplumps, dazu Verben wie cunnischnabulieren, mmmmeln, nieundnimmern, schlamumpen, schleppschreiten , schmatzmampfen und widerborstigen.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2012
Textauszüge: © J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger

Mark Z. Danielewsk (kurze Biografie / Bibliografie)

Mark Z. Danielewski: Das Haus. House of Leaves
Mark Z. Danielewski: Das Fünfzig-Jahr-Schwert

Juli Zeh - Schilf
"Schilf" ist ein intellektueller Roman mit Karikatur-Figuren, die von Juli Zeh wie Marionetten bewegt werden. Lesenswert ist "Schilf" wegen origineller Ideen, ironischer Untertöne und einer glänzenden Sprache.
Schilf

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Meine vor 18 Jahren selbstgestrickte Website wurde im Juli durch einen professionellen Neubau ersetzt. Aber das Informationsangebot bleibt kostenlos und werbefrei.

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