Interview

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Interview

Originaltitel: Interview – Regie: Steve Buscemi – Drehbuch: Steve Buscemi und David Schechter nach einem Drehbuch von Theodor Holman – Kamera: Thomas Kist – Schnitt: Kate Williams – Musik: Evan Lurie – Darsteller: Steve Buscemi, Sienna Miller u.a. – 2007; 85 Minuten

Inhaltsangabe

Eine Stunde muss der Reporter Pierre Peders warten, bis Katya, die Hauptdarstellerin einer Fernsehserie, zum vereinbarten Interview erscheint. Nach ein paar Minuten steht Katya auf und geht. Pierre ruft sich auf der Straße ein Taxi. Weil der Fahrer nur Augen für Katya hat, verursacht er einen Unfall, bei dem Pierre leicht verletzt wird. Katya nimmt ihn mit zu ihrem nahen Loft und gibt ihm einen Eisbeutel für seine blutende Stirn. Kann das Interview nun doch noch beginnen?
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Kritik

Die verwöhnte junge Hauptdarstellerin einer Fernsehserie und ein zynischer Reporter liefern sich in dem originellen Zwei-Personen-Kammerspiel "Interview" von Steve Buscemi einen witzigen verbalen Schlagabtausch.
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Der Journalist Pierre Peders (Steve Buscemi), der als Kriegsberichtserstatter verletzt wurde und sich als investigativer politischer Reporter versteht, erhält von seinem Chef Larry den Auftrag, in New York ein Interview mit Katya (Sienna Miller) zu führen, der Hauptdarstellerin in einer Fernsehserie. Dabei wäre er lieber in Washington, wo gerade ein neuer Politskandal hochkocht. Entsprechend verärgert ist er, als er eine Stunde warten muss, bis Katya im verabredeten Restaurant erscheint und sie dann auch noch arglos zugibt, nicht im Stau gesteckt zu haben, sondern zwei Blocks weiter zu wohnen. Der Tisch, an dem Pierre sitzt, gefällt der verwöhnten Schauspielerin nicht. Deshalb fordert sie den Kellner (David Schechter) auf, dafür zu sorgen, dass sie mit einem jungen Paar (Elizabeth Bracco, James Villemaire) tauschen können. An dem eigens für sie frei gemachten Tisch erklärt Katya dann der Bedienung (Molly Griffith), nichts essen zu wollen und bestellt nur einen Drink. Pierre behauptet, ihre Fernsehserie nie gesehen zu haben, nichts über sie zu wissen und macht deutlich, dass er sich nicht für Katya interessiert, sondern nur einer lästigen Pflicht nachkommt. Die Schauspielerin steht schließlich entrüstet auf und verlässt mit den Worten „Fick dich ins Knie“ das Restaurant.

Während Katya vor dem Eingang von Paparazzi (Steve Sands, Craig Grant, JoJo Whilden) belagert wird, bezahlt Pierre die Rechnung und ruft sich auf der Straße ein Taxi. Als der Taxifahrer (Craig muMs Grant) die attraktive junge Schauspielerin auf dem Gehsteig erblickt, hat er nur noch Augen für sie – und kracht in ein Hindernis. Bei dem Aufprall schlägt Pierre sich die Stirn an der Trennscheibe auf. Katya, die weiß, dass sie an dem Unfall nicht ganz unschuldig ist, weil sie den Taxifahrer ablenkte, nimmt den Verletzten mit in ihr nahes Loft und gibt ihm für die blutende Stirn einen Eisbeutel.

Pierre trinkt Whisky, Katya Rotwein. Zwischendurch schnupft sie Kokain. Während sie mit einer Freundin telefoniert, setzt Pierre sich an ihren Laptop. In einem Folder entdeckt er tagebuchartige Aufzeichnungen, aus denen hervorgeht, dass Katya ihren Freund Evan nicht liebt und bei seinen Umarmungen nichts empfindet. Die Datei schickt Pierre sich per E-Mail-Anhang auf seinen Palm.

Weil sein Aufnahmegerät kaputt ist, benutzt Pierre eine Videokamera, um das nun doch noch angefangene Interview aufzuzeichnen.

Katya weiht ihren Besucher in ein Geheimnis ein: Sie habe sich ihre früher einmal vergrößerten Brüste nicht freiwillig verkleinern lassen, sondern die Operation sei aufgrund einer Krebsdiagnose notwendig gewesen. Das wisse sonst niemand, behauptet sie.

Pierre erzählt, sein Bruder Robert, ein Pressefotograf, habe sich in Sarajevo in eine Prostituierte verliebt. Als Marika von ihm schwanger war, wurde sie von einer Gruppe von Kerlen vergewaltigt, die ihr danach noch den Fötus aus dem Leib schnitten und sie dann als Selbstmordattentäterin losschickten. Robert habe den Anschlag zwar überlebt, sagt Pierre, seit jedoch so verstört, dass er immer wieder Selbstmordversuche unternehme. Danach gesteht Pierre, dass Marika das Kind nicht aus dem Leib geschnitten worden sei. Das habe er sich gerade ausgedacht, und weil er angefangen habe, Teile seiner Reportagen zu erfinden, müsse er nun zweitklassige Schauspielerinnen interviewen, statt in Washington Nachforschungen über den politischen Skandal zu betreiben.

Er habe sich von seiner Frau Brenda scheiden lassen, als die gemeinsame Tochter Lisa drei Jahre alt gewesen sei, erzählt Pierre. Später kamen sie wieder zusammen, aber Brenda war inzwischen alkoholkrank und tablettensüchtig. Als sie ihn schließlich telefonisch um Hilfe bat, betrank er sich, statt ihr beizustehen, obwohl er wusste, dass es ernst war und er sich wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar machte. Am nächsten Tag war sie tot.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Schließlich geht Pierre. Auf der Treppe ruft er seinen Chef an und prahlt damit, dass ihm die Schauspielerin das Geheimnis von ihrer Krebserkrankung anvertraut und er sich von ihrem digitalen Tagebuch eine Kopie verschafft habe. Auf der Straße klingelt sein Handy: Katya weist ihn darauf hin, dass sie die Kassetten vertauschte. Die Aufnahme seines Geständnisses, sich wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar gemacht zu haben, befindet sich nun in ihrem Besitz. Außerdem, so erklärt sie ihm, handele es sich bei der Datei, die er auf ihrem Computer entdeckte, nicht um ihr Tagebuch, sondern um einen fiktiven Text für ihre neue Rolle. Ihr Freund heiße nicht Evan, sondern Ray. Und sie werde ihn in Kürze heiraten.

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Steve Buscemi drehte dieses Hollywood-Remake des Films „Das Interview“, den der niederländische Regisseur Theo van Gogh 2003, ein Jahr vor seiner Ermordung, inszeniert hatte.

Das Interview – Originaltitel: Interview – Regie: Theo van Gogh – Drehbuch: Theodor Holman nach einer Idee von Hans Teeuwen – Kamera: Thomas Kist – Schnitt: Léon Verkade – Musik: Rainer Hensel – Darsteller: Katja Schuurman, Pierre Bokma, Theo Maassen, Ellen Ten Damme, Michiel de Jong, Tinoes Fenanlamrer, Monique Meijer u.a. – 2003; 90 Minuten

Mit dem originellen Zwei-Personen-Kammerspiel nimmt Steve Buscemi den Hype um Stars und Sternchen aufs Korn. Zu Beginn wirkt die junge Hauptdarstellerin einer Fernsehserie noch klischeehaft: Die umschwärmte Prominente kommt eine Stunde zu spät zum Interview und nervt das Personal eines Restaurants mit Sonderwünschen. Sobald die beiden Hauptfiguren – Katya und der Reporter Pierre – allein im Loft der Schauspielerin sind, entwickelt sich „Interview“ zu einem witzigen verbalen Schlagabtausch. Man weiß nicht, was in den Geschichten, die Katya und Pierre sich erzählen, wahr oder falsch ist und wer gerade wen manipuliert.

Die Inszenierung von „Interview“ ist unaufdringlich und gediegen. Das gilt besonders für die Kameraführung. Thomas Kist war dafür bereits bei den Dreharbeiten fürs Original von Theo van Gogh verantwortlich. Die Bilder wechseln fortwährend zwischen Weite und Enge, zwischen der Totale des riesigen Apartments und Close-ups auf die Gesichter.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2010

Steve Buscemi: Trees Lounge. Die Bar, in der sich alles dreht
Steve Buscemi: Lonesome Jim

Wolfgang Hildesheimer - Tynset
Ein von Schlaflosigkeit und angstvoller Unruhe gepeinigter Mann geht in dem Haus umher, das er schon lange nicht mehr verlassen hat. Nur noch seine Assoziationen führen über die Selbstisolation hinaus. – Die Erzählstruktur ist wie ein Musikstück kunstvoll aufgebaut, mit Tynset als Leitmotiv.
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Wolfgang Hildesheimer

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