Knallhart

Knallhart

Knallhart

Originaltitel: Knallhart – Regie: Detlev Buck – Drehbuch: Zoran Drvenkar und Gregor Tressnow, nach dem Roman "Knallhart" von Gregor Tressnow – Kamera: Kolja Brandt – Schnitt: Dirk Grau – Musik: Bert Wrede – Darsteller: David Kross, Jenny Elvers-Elbertzhagen, Erhan Emre, Oktay Özdemir, Kida Ramadan, Arnel Taci, Kai Müller, Hans Löw, Jan Henrik Stahlberg u.a. – 2006; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Nachdem Miriam Polischka mit ihrem 15-jährigen Sohn Michael nach Berlin-Neukölln gezogen ist, wird der Junge rasch zum Opfer einer von Erol angeführten Straßenbande: Er wird zusammen-geschlagen und muss Schutzgeld bezahlen. Das Geld besorgt Michael sich durch einen Einbruch. Als ihn der Drogendealer Hamal als Kurier in seine Verbrecherbande aufnimmt, wagt Erol sich erst einmal nicht mehr an ihn heran – wartet jedoch auf eine Gelegenheit, Michael erneut anzugreifen ...
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Kritik

Bei der Verfilmung des Jugendromans "Knallhart" von Gregor Tessnow durch Detlev Buck handelt es sich um ein packendes Großstadt-Drama. Der fast völlige Verzicht auf Farben unterstreicht die Trostlosigkeit.

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Als der Yuppie Dr. Klaus Peters (Jan Henrik Stahlberg) seine Geliebte Miriam Polischka (Jenny Elvers-Elbertzhagen) nicht mehr sexy findet, wirft er sie und ihren fünfzehnjährigen Sohn Michael (David Kross) aus seiner Villa in Berlin-Zehlendorf, und die beiden mieten notgedrungen eine kleine Wohnung im Stadtteil Neukölln.

Für Michael bedeutet der Umzug auch einen Schulwechsel – und die Konfrontation mit einer ungewohnten Umgebung. Eine von dem Deutschtürken Erol (Inanç Oktay Özdemir) angeführte Straßenbande wählt ihn sogleich als Opfer: Er wird zusammengeschlagen, seiner Schuhe beraubt und muss Schutzgeld bezahlen, 50 Euro fürs Erste.

Um das Geld aufzutreiben, bricht Michael mit seinen neuen Freunden Crille (Arnel Taci) und Matze (Kai Michael Müller) in Klaus Peters‘ Villa ein. Für das erbeutete Silberbesteck bekommen sie von dem Hehler „Captain Nemo“ (Roland Florstedt) gerade einmal 300 Euro. Michael versteckt seinen Anteil unter der Matratze, aber der Möchtegern-Künstler Rainer (Fabian Krüger), mit dem Miriam gerade zusammen ist, stiehlt ihm den 100-Euro-Schein und prahlt dann damit, ein Bild verkauft zu haben.

Kommissar Gerber (Hans Löw), der in dem Einbruchsfall ermittelt, befragt routinemäßig auch Miriam, die frühere Lebensgefährtin des Bestohlenen. Während er ihre Fingerabdrücke nimmt, verliebt er sich in sie und beginnt, um sie zu werben, zunächst ohne Erfolg, denn sie hat gerade eine Affäre mit Hotte (Stephan Grossmann).

Als Michael wieder einmal mit Verletzungen nach Hause kommt, die Erol ihm zufügte, steckt ihm Hotte ein Bleigewicht zu. Das nimmt Michael bei der nächsten Konfrontation mit der Straßenbande in die Hand, und gleich sein erster Schlag bricht Erols Nase.

Beeindruckt von dem Mut des Fünfzehnjährigen, bietet ihm der Drogendealer Hamal (Erhan Emre) eine Tätigkeit als Drogenkurier an.

Einige Zeit wagen Erol und seine Kumpane nicht mehr, Michael zu belästigen. Doch sie warten ab, bis er einen größeren Auftrag erledigt hat und mit 80 000 Euro im Rucksack unterwegs ist. Die Bande stellt sich Michael in den Weg, raubt ihm den Rucksack und wirft das Gepäckstück über eine Brücke auf das Dach einer gerade losfahrenden S-Bahn.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Hamal regelt die Angelegenheit auf seine Weise: Er fährt mit Michael zu einem gottverlassenen Gelände. Seine Männer bringen Erol. Sie haben ihn gefesselt und blutig geschlagen. Wehrlos liegt er am Boden. Hamals Vertrauensmann Barut (Kida Ramadan) drückt Michael einen Revolver in die Hand: Damit soll er entweder Erol oder sich selbst erschießen. Zögernd zielt Michael auf seinen schlimmsten Feind. Hamal rät ihm, näher hinzugehen und auf den Nacken zu zielen. Es dauert lang, bis Michael den tödlichen Schuss abfeuert.

Danach weigert er sich, zu den Gangstern ins Auto zu steigen. Stattdessen geht er zum Polizeirevier, fragt nach Kommissar Gerber und erzählt ihm die ganze Geschichte.

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Der Film „Knallhart“ basiert auf dem gleichnamigen Jugendroman, den Gregor Tessnow (* 1969) 2004 veröffentlichte (156 Seiten, C. Ueberreuter Verlag, Wien 2004, ISBN-13 9783800050789). Zusammen mit seinem Schriftstellerkollegen Zoran Drvenkar (* 1967) schrieb Gregor Tessnow auch das Drehbuch. Detlev Buck führte Regie.

Es handelt sich um ein aus der Perspektive des fünfzehnjährigen Protagonisten Michael Polischka erzähltes Großstadt-Drama. Gregor Tessnow, Zoran Drvenkar und Detlev Buck zeichnen in „Knallhart“ ein hässliches Bild des Berliner Stadtteils Neukölln. Wenn in der U-Bahn ein Betrunkener vom Sitz kippt und auf dem Boden liegen bleibt, kümmert sich keiner der Fahrgäste um ihn, und die Straßen werden von einer Jugendbande mit brutaler Gewalt beherrscht. Mit fast schwarz-weißen Bildern unterstreicht Kolja Brandt die Trostlosigkeit. Hektische Schnitte (Dirk Grau) geben die Aufgeregtheit der verunsicherten Figuren wieder.

[…] ein ziemlich schmerzhafter Film, der seine brutale Leidensgeschichte indes mit beharrlicher Sensibilität erzählt, die von dem sonst so forsch und flapsig auftretenden Regisseur nicht unbedingt zu erwarten war – eine Berliner Geschichte von jugendlicher Verunsicherung, ethnisch motivierter Aggression, Drogenkriminalität und Terror. Die seltenen, jäh und überraschend aufblitzenden Momente von Humor dienen nur dazu, die Inszenierung vor melodramatischer Wehleidigkeit zu bewahren. (H. G. Pflaum, Süddeutsche Zeitung, 9. März 2006)

Das Drehbuch holpert an einigen Stellen. Beispielsweise wird ein junges Mädchen eingeführt – Lisa (Amy Mußul) –, das Michael hilft, dann aber keine Rolle mehr spielt. Überflüssig ist auch die Begegnung Miriams mit Simone (Franziska Jünger), der neuen Freundin Klaus Peters‘. Stark ist dagegen die Szene, in der Michael seinem in dieser Situation friedlichen Feind Erol hilft, einen Kinderwagen mit einem Zwillingspärchen über eine Treppe hinaufzutragen.

Die schauspielerischen Leistungen sind exzellent: David Kross spielt überzeugend, und Inanç Oktay Özdemir wirkt wie in „Wut“ unglaublich authentisch, aggressiv und energiegeladen. Bemerkenswert ist auch Jenny Elvers-Elbertzhagen, der viele eine glaubhafte Darstellung wie die der überforderten allein erziehenden Mutter Miriam Polischka gar nicht zugetraut hätten.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008

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