Wut

Wut

Wut

Originaltitel: Wut - Regie: Züli Aladag - Drehbuch: Max Eipp - Kamera: Wojciech Szepel - Schnitt: Andreas Wodraschke, Dora Vajda - Musik: Johannes Kobilke - Darsteller: Oktay Özdemir, Robert Höller, August Zirner, Corinna Harfouch, Ralph Herforth, Demir Gökgöl, Melika Foroutan, Yunus Emre Budak, Güvent Ibraim Oglu, Stanislav van Hoffs, Hendrik Arnst u.a. - 2006; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Die Frustration über fehlende Zukunftsperspektiven macht den in Berlin geborenen Sohn eines streng gläubigen türkischen Immigranten aggressiv: Can versammelt eine Straßengang um sich und reagiert seine Wut ab, indem er Gymnasiasten aus gutsituierten deutschen Familien bedroht und demütigt. Als er sich Felix dafür aussucht und dessen Vater einschreitet, um seinen Sohn zu beschützen, gerät die Situation außer Kontrolle ...
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Kritik

"Wut" ist ein realistisches und packendes Fernsehdrama von Züli Aladag. Sehenswert ist es nicht nur wegen des brisanten Themas, sondern auch aufgrund der gelungenen Inszenierung mit Oktay Özdemir in der Hauptrolle.
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Der Berliner Gymnasiast Felix Laub (Robert Höller) wächst als Einzelkind in einer liberalen, wohlsituierten Familie auf. Sein Vater Simon (August Zirner) ist Dozent für Literatur an der Universität und wird in Kürze seine Antrittsvorlesung als Professor halten. Seine Mutter Christa (Corinna Harfouch) stammt nicht nur aus einer steinreichen Familie, sondern verdient auch seit fünfzehn Jahren als Immobilienmaklerin viel Geld.

Eines Tages kommt Felix barfuß von der Schule nach Hause. Can (Oktay Özdemir), der in Deutschland geborene Anführer einer türkischen Straßenbande, hat sie ihm abgenommen, um ihn zu demütigen. Christa weiß schon länger, dass ihr Sohn terrorisiert wird, aber Simon erfährt es erst aufgrund dieses Vorfalls. Weil Felix aus Furcht vor Cans Rache nicht zur Polizei gehen will, drängt Christa ihren Mann, Felix beizustehen. Am nächsten Tag begleitet Simon ihn. Tatsächlich begegnen sie Can und seiner Gang. Simon spricht Can höflich an und verlangt die Schuhe zurück, aber die Jugendlichen nehmen den Akademiker nicht ernst und verspotten ihn. Es bleibt Simon nichts anderes übrig, als sich mit Felix zurückzuziehen. Dennoch erklärt er seinem Sohn, dass diese frustrierten türkischen Jugendlichen keine Zukunftsperspektive sähen und ihre Wut verständlich sei.

Kurz darauf schlagen die türkischen Jugendlichen Felix zusammen. Er behauptet zu Hause zwar, auf einer Treppe gestürzt zu sein, aber seine Eltern glauben ihm nicht. Simon sucht Cans streng gläubigen Vater (Demir Gökgöl) auf. Der beteuert, Can sei ein guter Junge und verspricht, die Schuhe wiederzubeschaffen.

Am nächsten Tag wartet Can mit den Schuhen vor der Villa der Laubs auf Felix und lässt sich von dem eingeschüchterten Jungen nicht davon abhalten, mit hineinzugehen. Er sieht sich um und lässt absichtlich eine Vase auf dem Boden zersplittern. Als Simon und Christa heimkommen, fordern sie den ungebetenen Gast zum Verlassen des Hauses auf. Von draußen schimpft Can auf Simon: „Du hast scheiß Geld und geile Frau, aber keine Ehre!“

Ein paar Tage später stößt Can zufällig in einer Bar auf Simon und eine von dessen Studentinnen. Er kann sich denken, dass Dominique (Melika Foroutan) die Geliebte des angehenden Professors ist und provoziert diesen, wird jedoch vom Wirt hinausgeworfen. Als Simon mit Dominique zu seinem Wagen geht, sind seine Reifen durchstochen.

Can zwingt Felix, sich einem anderen Türken im Wettkampf zu stellen. Dabei legt jeder seine linke Hand mit gespreizten Fingern auf den Tisch und hackt mit einem spitzen Messer so schnell wie möglich abwechselnd in die Lücken. Wer sich dabei verletzt, hat Spiel und Einsatz verloren. In der ersten Runde gewinnt Felix, aber während der Revanche erzählt Can ihm von Simon und Dominique. Dadurch wird Felix abgelenkt und trifft mit dem Messer einen Finger.

Als Simon die neue Verletzung seines Sohnes bemerkt, geht er noch einmal zu Cans Vater, aber der lässt ihn dieses Mal gar nicht erst in die Wohnung. Die Kinder müssten ihre Probleme selbst lösen, meint er.

Beim gemeinsamen Rauchen eines Joints erfährt Can von Felix, dass dessen Vater am nächsten Tag seine Antrittsvorlesung halten wird.

Can platzt mitten in die Vorlesung, wirft Simon Nacktfotos auf den Katheter, die er Felix gestohlen hat und wendet sich dann an die im Publikum sitzende Dominique. Ob der Professor sie immer noch ficke oder inzwischen eine andere habe, fragt er sie laut. Beleidigungen rufend, verlässt er den Hörsaal.

Nach diesem Skandal folgt Simon Can mit dem Auto und filmt ihn heimlich beim Verkauf von Marihuana. Als er auch seinen Sohn unter den Kunden entdeckt, springt er aus dem Wagen und stellt ihn zur Rede, aber Can und dessen Kumpane schlagen ihn zusammen. Hilflos muss Felix zusehen, wie sein bereits am Boden liegender Vater von den Türken getreten wird.

Danach geht Simon mit Felix zum nächsten Polizeirevier. Obwohl Felix behauptet, nichts gesehen zu haben, wird Can festgenommen. In der Wohnung findet die Polizei einen größeren Vorrat an Drogen, den Can dort ohne Wissen seines Vaters versteckt hat.

Cans Anhänger, die annehmen, Felix sei an der Verhaftung schuld, schlagen den Gymnasiasten zusammen und werfen ihn bewusstlos vor die Tür seines Elternhauses.

Als Simon erfährt, dass Can bis zum Prozess frei sein wird, will er sich von seinem Freund, dem Mechaniker Michael (Ralph Herforth), eine Pistole besorgen, aber der meint, das sei nichts für Simon und verspricht, die Angelegenheit an seiner Stelle zu regeln.

Michael wartet, bis Can allein auf der Straße ist und schlägt ihn dann brutal zusammen.

Simon sitzt gerade mit seiner Frau und seinem Sohn bei Tisch, als Michael anruft und Vollzug meldet. Simon prahlt daraufhin, Can habe „ordentlich was abbekommen“ und werde in Zukunft Ruhe geben. Christa und Felix glauben, Simon habe sich Can vorgeknöpft und sind stolz auf ihn – bis Felix von Can die Wahrheit erfährt.

Als Simon sich mit einer Flasche Wein bei Michael bedanken will, merkt er durch einen Zufall, dass dieser mit Christa ein Verhältnis hat. Wütend schlägt er ihn zu Boden.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Can wird von seinem Vater aus der Wohnung geworfen.

Hasserfüllt besorgt der Junge sich eine Pistole und überfällt die Familie Laub. Weil Felix in seinem Zimmer sitzt und im Kopfhörer Musik hört, bekommt er zunächst nichts davon mit. Can klebt Christa den Mund zu und fesselt sie. Dann wartet er, bis ihr von ihm zu Boden geschlagener Mann wieder zu sich kommt. Um seinen Sohn zu schützen, behauptet Simon, Felix habe einen Autounfall gehabt und liege im Krankenhaus. Doch inzwischen hat Felix den Kopfhörer abgenommen und Can gehört. Leise pirscht er sich zum Wohnzimmer und nimmt Cans herumliegende Pistole in die Hand. Can lässt sich jedoch nicht einschüchtern: Er schlägt Felix die Waffe aus der Hand, klebt auch ihm den Mund zu und hält ihm ein Messer an den Hals. Mit der Drohung, Felix die Halsschlagader zu zerschneiden, zwingt er Simon, die Pistole zu nehmen, sich die Mündung an die Schläfe zu halten und abzudrücken. Entsetzt sehen Christa und Felix dabei zu. Aber es klickt nur. Die Pistole ist nicht geladen. Vor Angst hat Simon in die Hose genässt.

Angewidert geht Can zur Tür.

Simon folgt ihm und stürzt sich auf ihn. Während des Kampfes fallen sie in den Pool. Simon lässt erst von Can ab, als dieser leblos auf dem Wasser treibt.

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„Wut“ ist ein brisantes, sozialkritisches Fernsehdrama von Züli Aladag. Es geht um ein Thema, mit dem Jugendliche jeden Tag konfrontiert sind: Gewalt und Terror. Die Frustration über fehlende Zukunftsperspektiven macht den in Berlin geborenen Sohn eines streng gläubigen türkischen Immigranten aggressiv: Can versammelt eine Straßengang um sich und reagiert seine Wut ab, indem er Gymnasiasten aus gutsituierten deutschen Familien wie Felix bedroht und demütigt. Dabei ist Can Täter und Opfer zugleich. Als die Situation eskaliert, werden Chancen zur Verständigung verpasst – und es endet in einer Katastrophe.

Max Eipp (Drehbuch) und Züli Aladag (Regie) erzählen die Geschichte vor dem Hintergrund der Migrantenproblematik, ohne sich um political correctness zu kümmern und zeigen zugleich, wie brüchig die Fassade der gutbürgerlichen deutschen Familie ist. Can wird von Oktay Özdemir überzeugend dargestellt, aber auch die anderen Rollen – bei denen es sich ebenfalls um komplexe, widersprüchliche Charaktere handelt – sind erstklassig besetzt. „Wut“ ist ein realistischer, beinahe authentisch wirkender, spannender und packender Film, der bewusst mehr Fragen stellt als Antworten gibt.

Im März 2007 wurde der Film „Wut“ mit einem Grimme-Preis ausgezeichnet.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006/2007

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