Die Insel

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Die Insel – Originaltitel: The Island – Regie: Michael Bay – Drehbuch: Caspian Tredwell-Owen, Alex Kurtzman, Roberto Orci – Kamera: Mauro Fiore – Schnitt: Paul Rubell, Christian Wagner – Musik: Steve Jablonsky – Darsteller: Ewan McGregor, Scarlett Johansson, Djimon Hounsou, Sean Bean, Steve Buscemi, Michael Clarke Duncan, Ethan Phillips, Brian Stepanek, Siobhan Flynn u.a. – 2005; 135 Minuten

Inhaltsangabe

Lincoln Six-Echo und Jordan Two-Delta gehören zu den Bewohnern einer futuristischen unterirdischen Anlage, die sich für die Überlebenden einer atomaren Katastrophe halten, bei der die gesamte Erdoberfläche verseucht wurde. Ihr Tagesablauf ist minutiös vorgeschrieben, und sie werden auf Schritt und Tritt überwacht. Lincoln rebelliert gegen die Monotonie. Als er eine lebende Motte entdeckt, beginnt er daran zu zweifeln, dass die Außenwelt kontaminiert ist ...
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Kritik

In "Die Insel" geht es zwar um Überwachung, Klone und Organhandel, aber die brisanten Themen werden nicht vertieft. Sehenswert ist der Film wegen seiner überwältigenden Optik und den spektakulären Verfolgungsjagden.
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Wie schon häufiger erwacht Lincoln Six-Echo (Ewan McGregor) auch am 19. Juli 2019 aus einem Albtraum. Immer wieder träumt er, auf die Insel zu kommen, aber dort zu ertrinken. Der Computer hat bereits registriert, dass er schlecht schlief, und die automatische Analyse seines Morgenurins ergibt keine besonders guten Werte. Deshalb erhält er bei der Frühstücksausgabe keinen Speck. Den schiebt ihm allerdings heimlich seine Freundin Jordan Two-Delta (Scarlett Johansson) zu. Als sie mit ihren Tabletts nebeneinander stehen, ermahnt eine Wache sie, sich zu trennen.

Lincoln Six-Echo und Jordan Two-Delta leben mit vielen anderen in einer hermetisch abgeschlossenen unterirdischen High-Tech-Anlage. Die Bewohner halten sich für die Überlebenden einer atomaren Katastrophe, bei der die gesamte Erdoberfläche verseucht wurde. Alle tragen die gleiche weiße Kleidung. Der Tagesablauf jedes Einzelnen ist ebenso minutiös vorgegeben wie sein Fitnessprogramm, die Zusammensetzung der Nahrung und die Art der Getränke. Die hier Lebenden werden auf Schritt und Tritt kontrolliert, von Wachposten, durch Überwachungskameras und über ein mit dem Zentralcomputer verbundenes biometrisches Armband. Da die Bewohner keine Sexualität kennen, ertragen sie es auch, dass Berührungen verboten sind. Hoffnung gibt ihnen eine Lotterie: Die Gewinner dürfen auf die Insel, in ein unverseucht gebliebendes Paradies.

Wegen seiner Schlafstörungen wird Lincoln Six-Echo zu Dr. Merrick (Sean Bean) gerufen. Der Leiter der Anlage lässt sich die Yacht „Renovatio“ zeichnen, die Lincoln in seinen Albträumen sieht. Lincoln rebelliert gegen die Monotonie. Er hätte gern Speck zum Frühstück und möchte wissen, wer seine Wäsche reinigt und während seiner Abwesenheit in seinen Schrank räumt.

Jordan gewinnt in der Lotterie. Am nächsten Morgen soll sie zur Insel gebracht werden. Obwohl Lincoln die Trennung bedauert, freut er sich mit ihr.

In der Nacht folgt er einer herumflatternden Motte. Wie konnte sie auf der kontaminierten Erdoberfläche entstehen und wie kam sie durch die Filter in die unterirdische Anlage? Jordan gelangt zunächst in die Entbindungsstation und beobachtet entsetzt, wie Lima One Alpha (Siobhan Flynn) unmittelbar nach der Geburt ihres Kindes von der Hebamme (Svetlana Efremova) vergiftet wird. Nebenan warten Adoptiveltern auf die Übergabe des Säuglings. Dann entdeckt Lincoln den gestrigen Gewinner der Lotterie: Starkweather Two Delta (Michael Clarke Duncan) befindet sich nicht auf der Insel, sondern liegt auf einem Operationstisch, und die Ärzte bereiten gerade die Entnahme seiner Leber vor. Der schwarze Hüne erwacht jedoch aus der Narkose und versucht davonzulaufen. Jordan steht fassungslos im Korridor, als eine Gruppe von Helfern Starkweather Two Delta wieder in den Operationssaal zerrt.

Dr. Merrick sieht sich die Aufzeichnungen der Überwachungskameras von dem Zwischenfall an. Dabei bemerkt er Lincoln Six-Echo. Was treibt der Agnat im medizinischen Trakt? Er schickt die Wachen aus, um nach Lincoln zu suchen.

In der Zwischenzeit rannte Lincoln zu Jordan und brachte sie ohne lange Erklärungen dazu, mit ihm aus der Anlage zu fliehen. Die Beobachtung der Motte überzeugte ihn davon, dass die Erdoberfläche nicht verseucht ist. Und das Schicksal des „Lotteriegewinners“ Starkweather Two Delta lässt darauf schließen, dass es die Insel gar nicht gibt.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Obwohl ihnen die Außenwelt unbekannt ist, erreichen Lincoln und Jordan nach einem Fußmarsch ein Motel, in dem sich Byker treffen. Dort finden sie James McCord (Steve Buscemi), einen Mitarbeiter des unterirdischen Instituts, der sich heimlich mit Lincoln angefreundet hatte. McCord nimmt die Flüchtenden mit nach Hause, schickt seine Freundin Suzie (Shawnee Smith) zum Einkaufen und klärt die beiden Gäste darüber auf, dass Dr. Merrick in der unterirdischen, durch ein gigantisches Hologramm getarnten Anlage menschliche Klone züchtet. Für 5 Millionen Dollar kann man bei Dr. Merrick einen Klon in Auftrag geben, der dann im Bedarfsfall als Organspender dient. Wer in der Lage ist, den Preis für so ein Ersatzteillager zu bezahlen, gehört der High Society an und will keine Einzelheiten über die Aufzucht der Klone wissen. Wenn man einen Hamburger esse, sagt McCord, wolle man ja auch nicht vorher die Kuh sehen, von der das Fleisch stammt. Lincoln sei drei Jahre alt, Jordan vier Jahre, meint er, ihre Erinnerungen an eine Kindheit habe man ihnen einprogrammiert. Als die beiden entflohenen Agnaten erfahren, dass ihre Auftraggeber Tom Lincoln bzw. Sarah Jordan in Los Angeles leben, beschließen sie, hinzufahren und die Menschen über das unterirdische Gefängnis zu informieren. McCord fährt sie zum Bahnhof und besorgt ihnen Zugfahrkarten nach Los Angeles.

Der Bahnhof wird jedoch bereits von Dr. Merricks Sicherheitschef Albert Laurent (Djimon Hounsou) und dessen Leuten überwacht. Als McCord einen der Sicherheitsleute sieht, kann er Lincoln und Jordan gerade noch warnen, bevor er erschossen wird. Die Verfolgten entkommen zunächst mit dem Zug, werden aber von der Polizei in Los Angeles mit Hilfe der überall positionierten Überwachungskameras und eines Computerprogramms zur Identifikation von Gesichtern rasch gefunden und verhaftet. Man verdächtigt sie, James McCord ermordet zu haben. Laurents Team rammt den Streifenwagen, um die Festgenommenen gewaltsam zu übernehmen, aber die beiden springen auf einen vorbeifahrenden Transporter, und um die Verfolger abzuschütteln, wälzt Lincoln Eisenbahnachsen von der Ladefläche.

Schließlich flüchten Lincoln und Laurent ins 70. Stockwerk eines Bürogebäudes. Dort werden sie von einem Hubschrauber aus beschossen. Sie klammern sich an das riesige Firmenlogo an der Außenwand des Wolkenkratzers, das jedoch unter dem Beschuss aus der Verankerung bricht und mit ihnen in die Tiefe stürzt. Glücklicherweise landen Lincoln und Laurent in einem zum Schutz der Straßenpassanten vor herabfallenden Fassadenteilen aufgespannten Netz.

Jordan Two-Delta staunt, als sie auf einem riesigen Bildschirm an der Fassade eines Gebäudes ihr Ebenbild Sarah Jordan (Scarlett Johansson) in einem Calvin-Klein-Spot sieht.

Als die Agnaten bei der Schauspielerin klingeln, ist nur deren Sohn (James Granoff) zu Hause. Von ihm erfahren sie, dass Sarah Jordan schwer krank im Krankenhaus liegt.

Die Haustüre von Tom Lincolns (Ewan McGregor) Villa öffnet sich automatisch, denn der Scanner kann die Iris von Lincoln Six-Echo nicht von der des Besitzers unterscheiden. Tom Lincoln stammt aus Schottland und verdient sein Geld als Designer von schnellen Motorrädern und Yachten. Weil er sich beim Geschlechtsverkehr mit Hepatitis-B-Viren infizierte, befürchtet er, dass seine Leber versagen könnte. Deshalb bestellte er einen Klon als Organspender. Die Besucher berichten ihm, wie die Klone gezüchtet werden, und er erklärt sich bereit, mit seiner Kopie gemeinsam zu einem Fernsehsender zu fahren, um die Nation über Dr. Merrick und dessen Machenschaften aufzuklären. Unter dem Vorwand, seine Schuhe holen zu wollen, geht er jedoch erst noch ins Schlafzimmer und alarmiert das Klon-Institut.

Während der Autofahrt werden Tom Lincoln und Lincoln Six-Echo von Laurents Leuten angehalten und zum Aussteigen gezwungen. Die Verfolger können nicht zwischen Original und Agnat unterscheiden, die beide behaupten, Tom Lincoln zu sein. Sie zögern – und erschießen dann den Falschen, also das Original. Der PR-Manager Charles Whitman (Kim Coates) entschuldigt sich kurz darauf für den Zwischenfall. Selbstverständlich werde man kostenlos einen neuen Agnaten für Tom Lincoln züchten. Er möge bitte zur Entnahme von Körperzellen vorbeikommen.

Lincoln kehrt in die Wohnung des toten Auftraggebers zurück, wo Jordan auf ihn wartet. Zum ersten Mal küssen sie sich, und nach dem Koitus bedauern sie, nicht schon früher von Liebe, Erotik und Sexualität gewusst zu haben. Mit Tom Lincolns Yacht „Renovatio“ wollen sie zu einer einsamen Insel. Aber sie halten es für ihre Pflicht, vorher die anderen Agnaten zu befreien.

Also fährt Lincoln zum Institut und meldet sich zur Zellentnahme. Jordan lässt sich von Laurents Männern festnehmen und ebenfalls zum Institut bringen. Dort wird sie sofort in einen Operationssaal gebracht, denn die todkranke Sarah Jordan wartet im Krankenhaus dringend auf ein Transplantat. Jordan hat jedoch eine Pistole bei sich, überwältigt die Hilfskräfte und lässt sich deren Schlüssel aushändigen. Auf ihrem Weg durch die Korridore sieht sie gerade noch, wie eine Gruppe von angeblichen Lotteriegewinnern in eine Gaskammer gesperrt wird. Mit vorgehaltener Waffe zwingt sie den Institutsangestellten, die Tür wieder zu öffnen und rettet die Agnaten. Lincoln zerstört währenddessen die Anlagen im Maschinenraum. Merrick versucht ihn davon abzuhalten und kämpft mit ihm, aber dabei verunglückt er tödlich.

Tausende von weiß angezogenen Agnaten laufen aufgeregt und staunend ins Freie. Nur Lincoln und Jordan tragen bereits bunte Kleidung.

Sie verwirklichen ihr Vorhaben und reisen mit der Yacht „Renovatio“ zu einer paradiesischen Insel.

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Stilistisch kann man in „Die Insel“ von Michael Bay zwei Teile unterscheiden. Zunächst wird das durchgestylte Innere einer futuristischen unterirdischen Anlage in ruhigen, opulenten Bildern gezeigt. Dann weichen die sterilen Weiß- und Schwarztöne der Buntheit auf der Erde, und die Handlung wird von spektakulären Verfolgungsjagden bestimmt. Die bombastischen Action-Szenen übertreffen auch die der James-Bond-Filme. Zwischendurch sorgen auch witzige Einfälle in den Dialogen für Unterhaltung. Und dass die Geschichte aus der Perspektive von zwei Betroffenen erzählt wird, erleichtert es den Zuschauern, sich in ihre Lage zu versetzen.

In „Die Insel“ geht es zwar um Überwachung, Klone und Organhandel, aber die brisanten Themen werden nicht vertieft. Sehenswert ist der Film wegen seiner überwältigenden Optik.

Unter Agnaten versteht man eigentlich Blutsverwandte, die in männlicher Linie von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen. In „Die Insel“ wird der Begriff jedoch als Synonym für Klon verwendet.

Das Budget für „Die Insel“ betrug 120 Millionen Dollar.

Übrigens wurde der Spot mit Sarah Jordan bzw. Scarlett Johansson nicht für „Die Insel“ gedreht, sondern er stammt aus der Werbung für Calvin Klein.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009

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