My Blueberry Nights

My Blueberry Nights

My Blueberry Nights

My Blueberry Nights – Originaltitel: My Blueberry Nights – Regie: Wong Kar-wai – Drehbuch: Wong Kar-wai, Lawrence Block – Kamera: Darius Khondji, – Schnitt: William Chang Suk Ping – Musik: Ry Cooder – Darsteller: Norah Jones, Jude Law, David Strathairn, Natalie Portman, Rachel Weisz, Chan Marshall, Frankie Faison u.a. – 2007; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Nach der Trennung von ihrem untreuen Freund kommt Elizabeth mit dem Café-Besitzer Jeremy ins Gespräch. Aber dann erträgt sie es wegen des Liebeskummers in New York nicht länger. Sie reist nach Memphis und schlägt sich dort als Kellnerin durch. Dabei wird sie mit einem Paar konfrontiert, dessen Ehe zerbrochen ist. In Nevada lernt sie die Zockerin Leslie kennen, die im Gegensatz zu ihr niemandem vertraut ...
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Kritik

Die Handlung dieses Selbstfindungstrips ist dünn, aber die schauspielerischen Leistungen überzeugen, und die Optik von "My Blueberry Nights" ist vom Feinsten.
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Im Café „Klyuch“ in New York beschreibt Elizabeth (Norah Jones) dem Besitzer Jeremy (Jude Law) ihren Freund und fragt ihn, ob er ihn gesehen habe. Als sie erfährt, dass er mit einer anderen Frau hier war, ruft sie ihn an und macht wütend Schluss mit ihm. Dann wirft sie seinen Wohnungsschlüssel auf den Tresen und fordert Jeremy auf, ihn dem „Arschloch“ bei seinem nächsten Besuch im Café zu geben.

Jeremy ist dafür bekannt, dass er Schlüssel für Gäste aufbewahrt. Deshalb hat er sein Café auch mit dem russischen Wort für Schlüssel benannt: „Klyuch“. Als er gefragt wird, warum er die Schlüssel nicht einfach wegwerfe, antwortet er: „If I threw these keys away then those doors would be closed forever and that shouldn’t be up to me to decide, should it?“

Auch an den folgenden Abenden kommt Elizabeth ins Café „Klyuch“ und plaudert mit Jeremy.

Jeremy: At the end of every night, the cheesecake and the apple pie are always completely gone. The peach cobbler and the chocolate mousse cake are nearly finished … but there’s always a whole blueberry pie left untouched.
Elizabeth: So what’s wrong with the blueberry pie?
Jeremy: There’s nothing wrong with the blueberry pie. Just … people make other choices. You can’t blame the blueberry pie, just … no one wants it.

Daraufhin isst Elizabeth Blueberry Pie mit Vanilleeis.

Sie geht zur Wohnung ihres Freundes (Chad Davis) und sieht ihn durchs Fenster mit einer Frau (Katya Blumenberg). Daraufhin erträgt sie es in New York nicht mehr. Kurz entschlossen fährt sie mit dem Bus nach Memphis/Tennessee.

Dort arbeitet sie tagsüber als Kellnerin in einem Diner, und weil sie ohnehin zu aufgewühlt ist, um schlafen zu können, bedient sie nachts in einer Bar. Sie schreibt Jeremy Ansichtskarten, gibt jedoch keine Adresse an, und er ruft auf der Suche nach ihr vergeblich alle Bars in Memphis an. Nirgendwo kennt man eine Elizabeth, und Jeremy ahnt nicht, dass sie sich nun Lizzy nennt.

In der Bar hängt der Trinker Arnie (David Strathairn) herum. Sandy (Adriane Lenox), die schon länger in der Bar arbeitet, rät ihrer neuen Kollegin, Arnie einfach die Rechnung zum Abzeichnen hinzuschieben, wenn sie nachts schließen will. Als Elizabeth ihn dann im Diner wiedersieht, trägt er eine Uniform: Er ist Polizist. Zuflucht im Alkohol sucht er, seit ihn seine Ehefrau Sue Lynne (Rachel Weisz) verließ. Mehrere Male versuchte er, mit dem Trinken aufzuhören und war auch bei den Anonymen Alkoholikern, aber länger als 90 Tage hielt er nie durch.

Eines Abends treffen Arnie und Sue Lynne in der Bar aufeinander. Sie verlangt von ihm, dass er sich mit der Trennung abfindet und sie in Ruhe lässt. Schließlich verprügelt sie ihn. Als sie zur Tür geht, bedroht Arnie sie mit einer Pistole, bringt es aber nicht fertig, auf sie zu schießen. An diesem Abend gibt er Elizabeth besonders viel Trinkgeld. Dann fährt er los. Es handele sich um einen Unfall, heißt es, als seine Leiche im zertrümmerten Wagen gefunden wird, er sei von der Straße abgekommen.

Sue Lynne taucht daraufhin noch einmal in der Bar auf und trinkt. Als der Wirt (Frankie Faison) sie auffordert, die offene Rechnung ihres Mannes – immerhin 800 Dollar – zu begleichen, weigert sie sich und läuft davon.

Elizabeth folgt ihr. Die Southern Belle erzählt ihr, wie sie Arnie kennenlernte. Er hielt sie damals mit dem Auto an. Sie war erst 14, hatte also noch keinen Führerschein, und stand außerdem unter Drogen. Schließlich heirateten sie, aber sie fühlte sich von Arnie zunehmend eingeengt, regelrecht erdrückt. Deshalb wollte sie losgelassen werden.

Am nächsten Tag kommt Sue Lynne nüchtern in den Diner und gibt Elizabeth das Geld für die in der Bar noch offene Rechnung ihres Mannes. Dann verlässt sie Memphis.

Jeremy wird von seiner früheren Freundin Katya (Cat Power alias Chan Marshall) besucht. Vor dem Café rauchen sie zusammen eine Zigarette. Katya hat nur kurz in New York zu tun, am nächsten Morgen wird sie wieder abreisen. Sie erinnern sich wehmütig an die Zeit, die sie miteinander verbrachten, wissen aber, dass sie vorbei ist.

Elizabeth reist weiter nach Nevada und arbeitet als Bedienung in einem Spielkasino. Eines Abends messen sich dort Leslie (Natalie Portman) und Aloha (Michael May) beim Poker. Sie gehen aufs Ganze, und Leslie verliert alles. Niemand ist bereit, ihr etwas Geld zu leihen, damit sie weiterspielen kann. Als sie erfährt, dass Leslie 2200 Dollar für ein Auto gespart hat, schwatzt sie ihr das Geld ab und versichert ihr, es sei kein Risiko dabei. Entweder werde sie ihr Geld zurückbekommen und ein Drittel des Gewinns dazu oder Leslie werde ihr das draußen geparkte Jaguar-Cabrio abtreten. Wieder gehen Leslie und Aloha aufs Ganze. Elizabeth hat zu tun und bekommt nicht mit, wie das Spiel ausgegangen ist, aber Leslies Miene entnimmt sie, dass erneut alles weg ist. Der Jaguar gehöre jetzt ihr, bestätigt Leslie, aber Elizabeth müsse sie noch damit nach Las Vegas fahren.

Dort liegt ihr Vater angeblich im Sterben. Leslie, die allen Menschen grundsätzlich misstraut, argwöhnt allerdings, dass es sich bei der Mitteilung um einen Trick handeln könnte, mit dem ihr Vater sie nach Las Vegas zu locken versucht. Sie behauptet, ihr Vater sei ihr egal, aber das glaubt Elizabeth ihr nicht.

Um nicht in eine Falle zu tappen, schickt Leslie nach der Ankunft in Las Vegas zunächst Elizabeth ins Krankenhaus. Als diese zurückkommt und sagt, Leslies Vater sei bereits gestorben, fragt sie, wie viel man ihr für diese Lüge bezahlt habe. Erst nach einer Weile begreift sie, dass ihr Vater wirklich tot ist und sie zu spät gekommen ist.

Nun gesteht sie Leslie, dass sie Elizabeth den Wagen nicht überlassen könne, denn der habe ihrem Vater gehört. Sie stahl ihn vor einiger Zeit und riss damit aus, aber statt sie anzuzeigen machte ihr Vater sie ausfindig und schickte ihr die Fahrzeugpapiere. Elizabeth geht allerdings nicht leer aus, denn Leslie gewann die letzte Pokerrunde. Sie habe gelogen, erklärt Leslie, um Elizabeth auf ihre Leichtgläubigkeit hinzuweisen und weil sie nicht allein nach Las Vegas fahren wollte.

Endlich kann Elizabeth ein Auto kaufen. Leslie begleitet sie. Als Elizabeth sich für einen Wagen entschieden hat, versucht Leslie den Preis immer weiter zu drücken, aber Elizabeth widerstrebt das: Sie gibt sich mit dem angebotenen Preisnachlass zufrieden und kauft das Auto.

Die Wege der beiden Frauen trennen sich. Elizabeth fährt nach New York zurück, wo Jeremy seit einem Jahr auf sie wartet. Die Wohnung ihres Ex-Freundes steht leer, und im Fenster hängt ein Schild mit der Aufschrift „For Rent“.

Jeremy hebt inzwischen keine Schlüssel mehr auf.

Elizabeth gesteht ihm, dass sie am Abend vor ihrer Abreise vor dem Café gestanden habe, aber nicht zu ihm hineingegangen sei, weil sie eine Andere werden wollte.

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Wegen der Handlung braucht man „My Blueberry Nights“ von Wong Kar-wai nicht anzuschauen, die ist dünn, oberflächlich und ideenarm. Besser gelungen ist die melancholische Atmosphäre. Sehenswert ist „My Blueberry Nights“ aber wegen der Optik und der Darsteller.

Vor allem Natalie Portman und David Strathairn beeindrucken mit ihrem schauspielerischen Können. Überzeugend finde ich auch Norah Jones. Dabei stand die erfolgreiche Soul- und Jazz-Sängerin – eine Tochter von Susan Jones und Ravi Shankar – hier zum ersten Mal als Schauspielerin vor der Kamera.

Dazu kommt, wie gesagt, eine opulente Optik. Die Bildkompositionen in „My Blueberry Nights“ sind stilvoll. Darius Khondji spielt mit bunten Farben, Überlagerungen und Spiegelungen ebenso wie mit dem Wechsel von Schärfe und Unschärfe, er filmt aus ungewohnten Perspektiven und wagt lange Einstellungen. Dazu kommen leichte Variationen der Wiedergabe-Geschwindigkeit.

Die Dreharbeiten fanden im Sommer 2006 in New York und Memphis sowie an verschiedenen Orten in Nevada und Kalifornien statt. Die Weltpremiere von „My Blueberry Nights“ erfolgte am 16. Mai 2007 bei den 60. Internationalen Filmfestspielen von Cannes.

Folgende Songs sind in „My Blueberry Nights“ zu hören:

  • Norah Jones: The Story
  • Cat Power: Living Proof, The Greatest
  • Ry Cooder: Ely Navada, Long Ride, Bus Ride
  • Otis Redding: Try a Little Tenderness
  • Ruth Brown: Looking Back
  • Mavis Staples: Eyes on the Prize
  • Chikara Tsuzuki: Yumeji’s Theme
  • Amos Lee: Skipping Stone
  • Cassandra Wilson: Harvest Moon
  • Hello Stranger: Devil’s Highway
  • Gustavo Santaolalla: Pajaros
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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2013

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