Mein erstes Wunder

Mein erstes Wunder

Mein erstes Wunder

Originaltitel: Mein erstes Wunder - Regie: Anne Wild - Drehbuch: Anne Wild - Kamera: Wojciech Szepel - Schnitt: Dagmar Lichius - Musik: Nicholas Lens - Darsteller: Henriette Confurius, Leonard Lansink, Juliane Köhler, Gabriela Maria Schmeide, Devid Striesow, Andreas Patton u.a. - 2002; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Dole, eine Elfjährige, die sich weigert, die Liebe ihrer Mutter mit einem Stiefvater zu teilen, lernt während der Ferien an einem Ostseestrand einen mehr als 30 Jahre älteren Mann kennen, der mit seiner Frau und seinen drei Stiefkindern ebenfalls dort Urlaub macht. Von ihren Angehörigen argwöhnisch beobachtet, flüchten die beiden in eine Traumwelt. Auch nach den Ferien setzen sie ihre unmögliche Beziehung fort ...
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Kritik

Aus zahlreichen kurzen Episoden haben Anne Wild und Dagmar Lichius den Film "Mein erstes Wunder" montiert. Wojciech Szepel erhöhte durch vermeintliche Fehler wie zum Beispiel das Filmen durch eine spiegelnde Autoscheibe den Eindruck der Authentizität, und die Widmung im Nachspann lässt vermuten, dass Anne Wild tatsächlich eigene Erlebnisse verarbeitet hat.
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Franziska (Juliane Köhler), die berufstätige und allein erziehende Mutter einer Elfjährigen namens Dole (Henriette Confurius), ist glücklich, als der Geschäftsmann Philipp (Devid Striesow) eine Liebesbeziehung mit ihr beginnt. Dole bäumt sich allerdings dagegen auf, die Liebe ihrer Mutter mit Philipp teilen zu müssen. Als sie die Ferien zu dritt an einem Ostseestrand verbringen, sorgt sie beispielsweise durch ihr aufsässiges, unausstehliches Benehmen im Restaurant für Ärger und läuft noch während des Essens davon. Dole klettert auf ein Baugerüst und droht, sich in die Tiefe zu stürzen, bis ein etwas tollpatschiger Fremder sie vorsichtig herunterholt, während alle anderen nur gaffen.

Doles Retter heißt Hermann (Leonard Lansink), ist Mitte vierzig, ein erfolgloser Kosmetikvertreter aus Doles Heimatort, der den Urlaub hier mit seiner Frau Margot (Gabriela Maria Schmeide) und den drei Kindern verbringt. Als er mit seinem Sohn Kim Ball spielen möchte und seine Schuhe sucht, hört er, wie dieser zu seiner Mutter sagt, er habe keine Lust dazu, zumal Hermann auch nicht sein richtiger Vater sei.

Dole dagegen glaubt Hermann, dass es Elfen gibt, und als Philipp mit ihr im Laden einer Tankstelle einkauft, sucht sie nach einer Unterwasserkamera, um sie fotografieren zu können. Philipp erklärt ihr mehrmals, sie brauche ihre Wünsche nur zu äußern, aber statt etwas von ihm anzunehmen, stiehlt sie die Kamera. Obwohl Hermann nicht schwimmen kann, wagt er sich mit einer Luftmatratze und dann sogar mit einem Schlauchboot aufs Wasser, um dabei zu sein, wenn Dole taucht und die Feen mit etwas rotem Gelee vom Kuchenbüfett anlockt. Hermann und Dole flüchten sich in eine Traumwelt. Der prosaische Kim, dem Dole schließlich auch von den Elfen erzählt, hält sie für dumm, und sein Vater murmelt – angesichts der verwunderten Miene seiner Frau –, es gebe „Achten, Neunen und eben auch Elfen“. Blamiert und zornig läuft Dole davon.

Auf den Urlaubsfotos, die Hermann nach einer Weile aus einem Geschäft an seinem Wohnort abholt, sind durch zufällige Doppelbelichtungen zwei Mädchen unter Wasser zu sehen, obwohl Dole allein getaucht war. Fasziniert wartet er vor ihrer Schule auf sie, um ihr die Fotos zu zeigen. Dole hat ihre Verärgerung längst vergessen und läuft begeistert auf ihn zu, sobald sie ihn entdeckt. Dole überredet Hermann, ihr einen Brief zu schreiben, mit dem sie dann gegenüber ihren Schulfreundinnen prahlt und über ihre Einsamkeit hinwegtäuscht. Als Margot einen Liebesbrief von Dole an ihren Mann öffnet und daraus erfährt, dass die beiden sich auch nach dem Urlaub noch getroffen haben, untersagt sie ihm jeden weiteren Kontakt mit dem Mädchen.

Hermann hält sich daran. Stattdessen steht das Mädchen eines Tages, während er und Margot mit Freunden eine Gartenparty feiern, mit einem schweren Rucksack auf dem Rücken in der Tür: „Ich bin gekommen, um dich abzuholen.“ Zunächst wagt Hermann es nicht, mit ihr fortzugehen und blickt ihr traurig nach. Dann aber folgt er Dole und begleitet sie.

Margot und Franziska suchen gemeinsam nach den beiden, und Margots Bruder (Andreas Patton), der bei der Polizei ist, hilft ihnen dabei.

„Was ist das mit uns?“, fragt Dole ihren Freund. „Es tut weh. In der Mitte.“ Darauf meint Hermann: „Ist nicht schlimm, wenn das Herz weh tut. Dann wächst es.“

Sie trampen zum Meer und gehen auf einem Landesteg ein Stück hinaus. Hermann trägt Dole wie ein Kleinkind auf den Armen, als sich Streifenwagen mit Blaulicht nähern. Da schickt Hermann seine kleine Freundin fort, aber sie will nicht gehen. Ruhig spricht er mit ihr und bringt sie dazu, die Augen zu schließen, um wieder einmal Elfen sehen zu können. Nach einer Weile öffnet sie die Augen wieder. Hermann ist nicht mehr da. Sie rennt den Steg entlang, aber es fehlt jede Spur von ihm. Er ist ins Wasser gegangen.

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„Mein erstes Wunder“ handelt nicht von Zuneigung zwischen einem erwachsenen Mann und einem elfjährigen Mädchen, auch nicht von einem Vater-Tochter-Verhältnis, einer pädophilen Neigung oder einem Kindesmissbrauch; sondern es geht um die Verwirrungen einer Pubertierenden und eine ebenso unschuldige wie unmögliche Liebesbeziehung, die an „Harold und Maude“ erinnert. Dole ähnelt Lolita in keiner Weise, aber sie ist es, die am Ende die Initiative ergreift und Hermann „entführt“. Die Widmung im Abspann („Meiner großen Liebe“) lässt vermuten, dass Anne Wild in ihrem ersten abendfüllenden Spielfilm eigene Erlebnisse inszeniert hat. Gerade deshalb wäre es vielleicht ratsam gewesen, den Film aus der Perspektive des Mädchens zu erzählen.

Aus zahlreichen kurzen Episoden haben Anne Wild und Dagmar Lichius den Film „Mein erstes Wunder“ montiert. Wojciech Szepel erhöhte durch vermeintliche Fehler wie zum Beispiel das Filmen durch eine spiegelnde Autoscheibe den Eindruck der Authentizität.

Anne Wild wurde für ihren poetischen Debütfilm „Mein erstes Wunder“ mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

Jan Costin Wagner - Sonnenspiegelung
In den bildstarken Erzählungen baut Jan Costin Wagner durch dunkle An­deutungen eine dichte, beklem­men­de Atmosphäre auf. Dabei erkennen wir die Zusammen­hänge erst nach und nach oder durch eine über­raschende Schlusswendung.
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