Harold und Maude

Harold und Maude

Harold und Maude

Harold und Maude - Originaltitel: Harold and Maude - Regie: Hal Ashby - Drehbuch: Colin Higgins - Kamera: John A. Alonzo - Schnitt: William A. Sawyer und Edward Warschilka - Musik: Cat Stevens - Darsteller: Ruth Gordon, Bud Cort, Vivian Pickles, Cyril Cusack, Charles Tyner, M. Borman, Ellen Geer, Judy Engles, Shari Summers, Eric Christmas, G. Wood u.a. - 1971; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Der Sohn einer Schlossherrin wehrt sich gegen die von ihm verlangte Anpassung. Eine unternehmungslustige alte Frau verbündet sich mit dem schwermütigen jungen Mann gegen das Gleichmaß und zeigt ihm, dass man weder auf Freiheit noch auf Individualität verzichten muss und sich trotzdem über das Leben freuen kann.
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Kritik

Ein kurioses Liebespaar steht im Mittelpunkt dieser makabren, anarchischen und romantischen Satire. Eine originelle Grundidee, urkomische Einfälle, hervorragende Schauspieler und Songs von Cat Stevens haben dazu beigetragen, dass "Harold und Maude" zur Kultkomödie geworden ist.
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Der achtzehnjährige Harold Chasen (Bud Cort), der mit seiner Mutter (Vivian Pickles) und ihren Bediensteten in einem Schloss lebt, zündet feierlich zwei Kerzen an und steigt dann auf einen Stuhl … Als seine Mutter kurz darauf in den Raum kommt, sieht sie flüchtig zu ihm hin – er hängt mit einem dicken Strick um den Hals an der Zimmerdecke – und telefoniert dann ungerührt mit einer Freundin: Sie kennt die makabren Scherze Harolds zur Genüge. Immer wieder inszeniert er seinen Selbstmord. Sie findet das nicht mehr lustig.

Dass es ihm Spaß macht, sich tot zu stellen, fand er heraus, als er im Chemiesaal der Schule heimlich alle möglichen Substanzen vermischte und dadurch eine gewaltige Explosion auslöste. Kurz zuvor war er nach Hause gelaufen. Von seinem Zimmer aus hörte er, wie zwei Polizeibeamte seiner Mutter mitteilten, ihr Sohn sei offenbar bei dem Unglück in der Schule verbrannt.

Als die Wände ihres Schlafzimmers ein paar Tage später mit Blut besudelt sind und Harold inmitten einer Blutlache am Boden liegt, so als habe er sich die Kehle durchgeschnitten, reißt ihr endgültig die Geduld: Sie bringt ihn zum Psychiater (G. Wood). Der fragt Harold, was er am liebsten tue und erhält zur Antwort: Auf Beerdigungen gehen.

Dazu passt es auch, dass Harold sich als Fahrzeug einen Leichenwagen kauft. Seine entsetzte Mutter bittet ihren Bruder Victor (Charles Tyner), seinem Neffen ins Gewissen zu reden. Der hochdekorierte General, der im Krieg den rechten Arm verloren hat und die künstliche Hand mittels einer Zugvorrichtung zum zackigen Gruß an die Mütze reißt, schwärmt dem melancholisch schweigenden Jungen vom Militär vor, bringt ihn aber nur dazu, höflich zuzuhören.

Bei einer Trauerfeier wird Harold von einer Frau angesprochen, die ihm schon mehrmals auffiel, weil sie offenbar ebenfalls gern zu fremden Beerdigungen geht. Sie heißt Maude (Ruth Gordon), wird in einer Woche achtzig, wohnt in einem ausrangierten Eisenbahnwaggon und „leiht“ sich bei Bedarf irgendein fremdes Auto.

Um ihren schwermütigen Sohn auf andere Gedanken zu bringen, will ihn Mrs Chasen verheiraten und füllt zu diesem Zweck für ihn den Fragebogen eines Eheanbahnungsinstituts aus – während er Patronen in einen Revolver lädt, sich bekreuzigt, sich in den Kopf schießt, mit dem Stuhl nach hinten umkippt und regungslos liegen bleibt. Seine Mutter blickt nicht einmal vom Schreibtisch auf, tadelt ihn nur kurz: „Bitte, Harold!“, und fährt fort, die Fragen für ihn zu beantworten.

Während Candy Guld (Judy Engles), die erste Heiratskandidatin, sich bei der Schlossherrin vorstellt, beobachtet sie durchs Fenster, wie Harold im Park auf ein Podest steigt, ein weißes Tuch vor sich hält und plötzlich alles in Flammen steht. Entsetzt starrt sie auf die Stelle, wo er sich augenscheinlich gerade selbst angezündet hat, aber im nächsten Augenblick steht Harold neben ihr, um sie zu begrüßen. Candy flieht jedoch vor dem vermeintlich Verrückten.

Ohne Harold etwas zu sagen, lässt seine Mutter den Leichenwagen gegen einen Roadster von Jaguar austauschen. Still sieht Harold sein neues Auto an, setzt eine Schweißerbrille auf und macht daraus – einen Leichenwagen.

Ein Baum, der im Pflaster des Bürgersteigs zu vertrocknen droht, wird von Harold und Maude ausgegraben, in einem gestohlenen PKW mit offenem Schiebedach in den Wald gefahren und dort eingepflanzt. Weil Maude zu schnell gefahren ist, werden sie von einem Polizisten (M. Borman) auf einem Motorrad verfolgt und schließlich angehalten. Während der Officer sich in dem gestohlenen Auto umsieht, klettert Maude auf sein Motorrad, winkt Harold, hinter ihr aufzusteigen, und braust los.

Bei Edith Phern (Shari Summers), der zweiten Heiratskandidatin, handelt es sich um eine junge Buchhalterin. Sie trinkt mit Mrs Chasen und ihrem Sohn Kaffee. Unvermittelt zieht Harold ein Fleischerbeil aus dem Jackett und hackt sich zum Schein seine auf dem Tisch liegende linke Hand ab. Weil Sunshine Doore (Ellen Geer), die dritte Bewerberin, von einer Karriere als Schauspielerin träumt, zeigt Harold ihr, was Harakiri ist. Als er mit dem Schwert im Bauch umsinkt, applaudiert sie ihm und beginnt, dem scheinbar tot am Boden ausgestreckten jungen Mann eine Selbstmordszene aus einem Theaterstück vorzuspielen. Dabei ersticht sie sich mit einem Dolch, den sie für ein Requisit hielt. In dem Augenblick, als sie zusammenbricht, betritt Mrs Chasen das Zimmer und tadelt ihren Sohn: „Harold! Das war deine letzte Chance!“

Doch Harold weiß inzwischen, wen er heiraten will: Maude, die unkonventionelle Frau, die ihm nicht nur das Singen, Tanzen und Banjo-Spielen beibrachte, sondern ihn auch lehrte, sich über das Leben zu freuen. Der General, der Psychotherapeut und ein Priester (Eric Christmas) versuchen, Harold von dem wahnwitzigen Vorhaben abzubringen, der Mann einer Greisin zu werden, die seine Urgroßmutter sein könnte.

Ihren 80. Geburtstag feiert Maude mit Harold in ihrem Waggon. Er hat das Innere mit Blumen geschmückt und alles schön hergerichtet. Maude ist glücklich und bedankt sich bei Harold für den gelungenen „Abschied“. Ruhig teilt sie ihm mit, sie habe Tabletten geschluckt, um gegen Mitternacht zu sterben. Harold ruft einen Krankenwagen und fährt mit ihr in die Klinik. Doch sie ist nicht mehr zu retten.

Wie ein Verrückter rast Harold mit seinem zum Leichenwagen umgebauten Jaguar durch die Serpentinen der Küstenstraße. Der Wagen stürzt über die Klippen und überschlägt sich, bevor er verkehrt herum auf den Strand kracht. Wieder einmal – vermutlich aber zum letzten Mal – hat Harold seinen Selbstmord inszeniert: Er steht oben auf den Felsen, klimpert auf seinem Banjo herum und tanzt voller Lebensfreude.

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Filmkrktik:

Harold wehrt sich gegen die von ihm verlangte Anpassung. Eine unternehmungslustige alte Frau verbündet sich mit dem schwermütigen jungen Mann gegen das Gleichmaß und zeigt ihm, dass man weder auf Freiheit noch auf Individualität verzichten muss und sich trotzdem über das Leben freuen kann. Das kuriose Liebespaar steht im Mittelpunkt dieser makabren, anarchischen und zugleich romantischen Satire.

Eine originelle Grundidee, urkomische Einfälle, hervorragende Schauspieler und Songs von Cat Stevens haben dazu beigetragen, dass „Harold und Maude“ – ungeachtet des Misserfolgs an den Kinokassen – zur Kultkomödie geworden ist.

Das Drehbuch zu „Harold and Maude“ schrieb der Australier Colin Higgins (1941 – 1988) als Abschlussarbeit eines Drehbuchseminars an der Universität von Los Angeles.

Der Regisseur Hal Ashby wurde 1929 in Ogden, Utah, als jüngstes von vier Kindern einer Mormonenfamilie geboren. Im Alter von zwölf Jahren fand Hal Ashby die Leiche seines Vaters, der sich erhängt hatte. 1988 erlag Hal Ashby einer Krebserkrankung.

„Harold und Maude“ gibt es auch als Buch und Hörbuch (Sprecher: Max von Thun) in einer deutschsprachigen Übertragung von Marcel Keller: Pendragon Verlag, Bielefeld 2007, 168 Seiten, 14.80 € (D) / Patmos Verlag, Düsseldorf 2007, 3 CD, 22.95 €.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004 / 2007

Pierre Bost - Ein Sonntag auf dem Lande
Die kleine melancholische Geschichte spielt auf engstem Raum an einem "Sonntag auf dem Lande". Pierre Bost erzählt aufmerksam, sensibel und mit feinem Humor, unaufgeregt und ohne Effekthascherei.
Ein Sonntag auf dem Lande

Pierre Bost

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