It's All About Love

It’s All About Love

It's All About Love

Originaltitel: It's All About Love - Regie: Thomas Vinterberg - Drehbuch: Thomas Vinterberg, Mogens Rukov - Kamera: Anthony Dod Mantle - Schnitt: Valdís Óskarsdóttir - Musik: Zbigniew Preisner, Nikolej Egelund - Darsteller: Joaquin Phoenix, Claire Danes, Sean Penn, Douglas Henshall, Alun Armstrong, Margo Martindale, Mark Strong, Geoffrey Hutchings, Harry Ditson u.a. - 2003; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Als der polnische Literaturprofessor John im Sommer 2021 zu einem Vortrag nach Calgary fliegt, verabredet er sich mit seiner getrennt von ihm lebenden Ehefrau Elena zur Unterzeichnung der Scheidungspapiere in einer Lounge auf einem der Airports in New York. Dort wird er statt von der weltberühmten Eistänzerin von zwei Herren ihres Managements abgeholt, und er stellt fest, dass Elena von der "Familie", deren Einkommensquelle sie darstellt, wie eine Gefangene gehalten wird ...
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Kritik

"It's All About Love" ist eine opulente Mischung aus Melodram, Thriller und Science Fiction. Es geht um Liebe, mafiose Strukturen im Showgeschäft, Missbrauch der Gentechnik und Klimakatastrophen.
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Als der polnische Literaturprofessor John (Joaquin Phoenix) im Sommer 2021 nach Calgary fliegt, wo er einen Vortrag halten soll, legt er einen Zwischenstopp in New York ein und verabredet sich mit seiner getrennt von ihm lebenden, ebenfalls aus Polen stammenden Ehefrau Elena (Claire Danes) zur Unterzeichnung der Scheidungspapiere in einer Flughafen-Lounge. Doch Elena ist nicht am Flughafen; John wird stattdessen von zwei Herren aus dem Management der weltberühmten Eistänzerin abgeholt. Arthur (Mark Strong) und George (Harry Ditson) drängen John, seinen Weiterflug auf den nächsten Tag zu verschieben und mit ihnen zu dem Luxushotel in Manhattan zu fahren, in dem Elena untergebracht ist.

Dort wird John von der „Familie“ überschwänglich empfangen, von Elena, ihrem Bruder Michael (Douglas Henshall), Betsy (Margo Martindale), dem Clanchef David (Alun Armstrong) und dem gesamten Management.

Am Telefon erfährt John, dass sein Bruder Marciello (Sean Penn) eine Überdosis eines Mittels gegen Flugangst nahm und in einem Flugzeug um die Erde kreist.

In den Straßen von New York liegen Tote, von denen es heißt, das Herz sei ihnen gebrochen. Die Passanten, die den Anblick längst gewöhnt sind, steigen einfach über sie hinweg. In den Fernsehnachrichten wird berichtet, dass sich die Menschen in Uganda mit Seilen am Boden befestigen müssen, um nicht wegzufliegen. Offenbar wirkt dort die Schwerkraft nicht mehr.

Am anderen Morgen, vor der Fahrt zu einer Pressekonferenz, fleht Elena ihren Mann an, ihr zu helfen. Sie ist verzweifelt. Offenbar wird sie von der „Familie“, deren Einkommensquelle sie darstellt, wie eine Gefangene gehalten. John flieht mit ihr nach Brooklyn. Dort schneit es plötzlich – mitten im Juli. Sie rufen Michael an und teilen ihm mit, wo sie sind, damit er sie bei der weiteren Flucht begleitet. Aber statt Michael erscheint ein halbes Dutzend von Davids Handlangern, die Elena mit Gewalt in das Luxushotel zurückbringen und ihr im Auto eine Droge injizieren. John fährt ebenfalls nach Manhattan – und stößt im Hotel auf zwei Frauen, die Elena zum Verwechseln ähnlich sehen.

David tadelt Elena und John wegen der versuchten Flucht, aber er zeigt Verständnis dafür, dass Elena mit dem Eislaufen aufhören möchte, redet offen über drei Klone, die Elena ersetzen sollen und verspricht John und dessen Ehefrau die Freiheit.

Michael warnt John jedoch vor einem geplanten Mordanschlag. Von Betsy erfährt John, dass Elena einen Herzfehler hat und deshalb durch Klone ersetzt werden soll: Das Geschäft mit der weltberühmten Eisläuferin muss weitergehen.

Plötzlich gefriert alles Süßwasser auf der Erde.

Am Abend kommt Elena einer Bitte der Klone nach und probt mit ihnen auf dem Eis. Aus dem Dunkel der Zuschauerränge knallen Schüsse. Eine Eisläuferin nach der anderen bricht tot zusammen.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Nur Elena erhebt sich anschließend wieder und flieht mit John und Michael.

Irgendwo in einer verschneiten Landschaft steigen sie aus einem Zug und stapfen zu Fuß weiter. Nach einiger Zeit gesteht Michael, dass er John und Elena verraten hat. Bitter beklagt er sich darüber, dass es immer nur um John und Elena ging, während die „Familie“ ihn wie einen Hund behandelte. Jetzt will er das endlich ändern. Er kehrt um, erfriert jedoch bald darauf in einem Schneesturm. John und Elena setzen ihren Weg fort, bis Elena nicht mehr kann. Nach einer gemeinsamen Liebeserklärung stirbt sie in Johns Armen, und statt allein weiterzugehen, legt John sich neben Elena und erfriert ebenfalls.

„Allein die Liebe zählt“, diktiert Marciello in seinem „Bericht über den Zustand der Welt“. Landen kann sein Flugzeug nicht mehr, denn alle Flughäfen sind vereist.

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In „It’s All About Love“ bricht Thomas Vinterberg (* 1969) radikal mit dem „Dogma 95“; es ist ein opulenter Film, der allen „Dogma“-Regeln widerspricht.

[…] wir die Dogma-Regeln genau auf den Kopf gestellt haben. Dort ging es um die Schauspieler, hier geht es ganz stark um den Raum, der sie umgibt, um die Musik, die Farben, die Ausstattung, die Bilder – in der Dogma-Kirche sind das Kapitalverbrechen. (Thomas Vinterberg in einem Interview, Süddeutsche Zeitung, 20. März 2003)

Zu Beginn des Films kündigt John aus dem Off an, er werde von den letzten sieben Tagen seines Lebens erzählen. Auf ein Happy End braucht man sich also nicht einzustellen. „It’s All About Love“ handelt vom Neuanfang in einer gescheiterten Liebesbeziehung. Aber der Film ist nicht nur ein Melodram, sondern weist auch Züge aus den Genres Thriller und Science Fiction auf, denn es geht um mafiose Strukturen im Show- bzw. Sportgeschäft, Missbrauch der Gentechnik, Materialismus, Mangel an Liebe und eine Klimakatastrophe im Jahr 2021.

In den ersten zwei Dritteln des Films ist es gelungen, aus geheimnisvollen Andeutungen eine spannende Atmosphäre aufzubauen und dabei die Balance zwischen Realismus und Surrealismus zu halten, aber gegen Ende verflacht die Darstellung.

Das Drehbuch schrieb Vinterberg gemeinsam mit Mogens Rukov, seinem früheren Professor an der Filmhochschule.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006

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