Stieg Larsson


Stieg Larsson (eigentlich: Karl Stig-Erland Larsson) wurde am 15. August 1954 in Umeå geboren. Seine Eltern waren damals neunzehn. Stieg wuchs zunächst bei seinen Großeltern auf. Erst im Alter von acht Jahren, nachdem sein Vater in Umeå Arbeit als Zeichner gefunden hatte, kam er zu seinen Eltern zurück. Schon

als Jugendlicher engagierte er sich gegen Rechtsradikale. 1978/79 war er Präsident des größten schwedischen Science-Fiction-Fan Clubs („Skandinavisk Förening för Science Fiction“). Von 1979 bis 1999 arbeitete er als Grafiker für die schwedische Nachrichtenagentur Tidningarnas Telegrambyrå (TT). Nebenher fotografierte er, schrieb Essays und Buchkritiken. Außerdem betätigte er sich ab 1982 als Skandinavien-Korrespondent des britischen „Searchlight Magazine“, das sich gegen Rassismus und Rechtsextremismus engagiert. Dass Rechtsradikale 1995 mehrere Schweden ermordeten, veranlasste Stieg Larsson zur Gründung der Expo-Stiftung, und er gab das antifaschistische Magazin „Expo“ heraus. Bereits 1991 hatte er sich in dem zusammen mit Anna-Lena Lodenius geschriebenen Buch „Extremhögern“ mit dem Thema Rechtsradikalismus auseinandergesetzt. Er galt schließlich als Experte für die Beurteilung rechtsextremer und rassistischer Kreise. Weil er Morddrohungen erhielt, hielt er seine Adresse geheim.

In seiner Freizeit schrieb Stieg Larsson ab 2002 an einer auf zehn Bände geplanten Kriminalromanreihe mit dem schwedischen Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist und der Hackerin Lisbeth Salander als Protagonisten. Um nicht mit dem Regisseur und Drehbuchautor Stig Larsson verwechselt zu werden, fügte er bei seinem Vornamen ein E ein und nannte sich als Buchautor Stieg Larsson.

Am 9. November 2004 starb Stieg Larsson in Stockholm an einem Herzinfarkt.

Er hinterließ die ersten drei der geplanten zehn Romane. Sie wurden posthum als „Millennium-Trilogie“ veröffentlicht:

  • „Män som hatar kvinnor“ (2005, Männer, die Frauen hassen; deutscher Titel: „Verblendung“, 2006)
  • „Flickan som lekte med elden“ (2006, Das Mädchen, das mit dem Feuer spielte; deutscher Titel: „Verdammnis“, 2007)
  • „Luftslottet som sprängdes“ (2007, Das Luftschloss, das gesprengt wurde; deutscher Titel: „Vergebung“, 2008)

Für jeden der drei Kriminalromane wurde Stieg Larsson posthum mit dem Skandinavischen Krimipreis ausgezeichnet (2005, 2006, 2008). Die „Millennium-Trilogie“ erwies sich als Weltbestseller. Sie wurde von Niels Arden Oplev mit Michael Nyqvist als Mikael Blomkvist und Noomi Rapace als Lisbeth Salander in einer sechsteiligen Fernsehserie verfilmt. In Deutschland kam der erste Teil – „Verblendung“ – am 1. Oktober 2009 in die Kinos: „Stieg Larsson. Verblendung“. David Fincher drehte 2011 das Hollywood-Remake „Verblendung“.

Es heißt, dass Stieg Larsson seinen Besitz der Sozialistischen Partei in Umeå vermachen wollte. Da allerdings kein Testament vorlag, beerbten ihn sein Vater Erland und sein vier Jahre jüngerer Bruder Joakim. Der Streit zwischen ihnen und Eva Gabrielsson, die zweiunddreißig Jahre lang Stieg Larssons Lebensgefährtin gewesen war, verhinderte bisher eine Entscheidung über die Verwendung der von Stieg Larsson hinterlassenen Konzepte und Manuskript-Fragmente für drei weitere Romane über Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander. Im November 2009 erklärten sich Erland und Joakim Larsson in einem Interview bereit, von den zu erwartenden Tantiemen (ca. 25 Millionen Euro) 2 Millionen an Eva Gabrielsson abzutreten – die angeblich über Stieg Larssons Laptop mit einem halb fertigen Manuskript des vierten Bandes über Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander verfügt.

Kurdo Baksi, dessen 1987 gegründete Zeitschrift „Svartvitt“ 1999 mit „Expo“ zusammengegangen war, veröffentlichte Anfang 2010 das Buch „Min vän Stieg Larsson“ (Mein Freund Stieg Larsson). Darin stellte er den verstorbenen Schriftsteller als mittelmäßigen Journalisten dar. In der dadurch ausgelösten Diskussion behauptete der Journalist Anders Hellberg am 22. Januar in „Dagens Nyheter“, Stieg Larsson habe das Handwerk des Schreibens nicht beherrscht. Nun wird darüber spekuliert, ob Eva Gabrielsson die Bücher lektoriert oder vielleicht sogar nach den Konzepten ihres Lebensgefährten geschrieben haben könnte.

Nachtrag: David Lagercrantz erweiterte die Millenium-Trilogie von Stieg Larsson mit dem Band „Verschwörung“ zur Tetralogie (Übersetzung: Ursel Allenstein, Heyne Verlag, München 2015, 605 Seiten).

© Dieter Wunderlich 2009 / 2013 / 2015

Stieg Larsson: Verblendung / Verfilmung 2009 / 2011
Stieg Larsson: Verdammnis / Verfilmung 2009
Stieg Larsson: Vergebung

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