Elke Schwab : Galgentod auf der Teufelsburg

Galgentod auf der Teufelsburg

Elke Schwab

Galgentod auf der Teufelsburg

Galgentod auf der Teufelsburg Originalausgabe: Conte Verlag, St. Ingbert 2013 ISBN: 978-3-941657-39-7, 320 Seiten, 12.90 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Innerhalb weniger Tage werden zwei Lehrkräfte des Max-Planck-Gymnasiums in Saarlouis ermordet. Unter ihren Schikanen litten zahlreiche Schüler auch früherer Generationen, darunter Fred Recktenwald, der inzwischen als Fremdenführer auf der Teufelsburg arbeitet. Weil er kein Alibi hat und seine DNA an beiden Tatorten sichergestellt wird, nimmt ihn die Polizei fest. Aber Kommissar Jürgen Schnur bezweifelt, dass es sich um den Doppelmörder handelt ...
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Kritik

Elke Schwab ordnet in ihrem unterhaltsamen Regionalkrimi "Galgentod auf der Teufelsburg" einer ganzen Reihe von Personen ein Mordmotiv zu und sorgt dadurch für Spannung.

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Eines Morgens hängt im Lichthof des Max-Planck-Gymnasiums in Saarlouis die Leiche des Deutschlehrers Bertram Andernach mit heruntergezogener Hose. Bevor die Polizei den Fundort der Leiche absperren kann, tauchen die ersten von Schülern mit Handys aufgenommenen Fotos und Videos im Internet auf. Augenscheinlich handelt es sich nicht um einen Suizid, sondern ein Gewaltverbrechen. Der Gerichtsmediziner Dr. Thomas Wolbert kommt rasch zu dem Schluss, dass der Oberstudienrat noch lebte, als er aufgehängt wurde. Bertram Andernach war zweifach geschieden und kinderlos. Die Schüler mochten ihn nicht, weil er sich einen Spaß daraus machte, sie bei jeder Gelegenheit bloßzustellen.

Die Ermittlungen leitet der Kommissar Jürgen Schnur mit seinem Team, wobei auch der zum Kommissariatsleiter aufgestiegene Kriminalrat Dieter Forseti mehrmals eingreift.

Erik Tenes, der wie Esther Weis, Andrea Westrich und Anton Grewe zur Soko gehört, wird im Treppenhaus seiner Privatwohnung von Mirna Voss abgepasst. Die junge, außergewöhnlich attraktive Frau versucht, den Kommissar zu verführen, aber er widersteht ihr. Sie verfügt über die Schlüssel zur Nachbarwohnung, denn sie ist mit dem Studenten Yannik Hoffmann befreundet.

Erik Tenes findet heraus, dass Mirna Voss am 17. Juni 1988 in Saarlouis geboren wurde. Der Vater ist unbekannt, und die Mutter Irina Voss verschwand, als Mirna zwölf Jahre alt war. Das Mädchen wuchs dann weiter bei der Großmutter in Saarlouis-Picard auf. Seit einigen Monaten lebt die Großmutter in einem Pflegeheim, und Mirna bewohnt deren Haus allein. Vor einem Jahr scheiterte sie beim Abitur am Max-Planck-Gymnasium. Sie fühlt sich als Opfer nicht nur Bertram Andernachs, sondern beispielsweise auch der verbitterten Geschichtslehrerin Mathilde Graufuchs und des alkoholkranken Mathematiklehrers Günter Laug. Da ist sie allerdings nicht allein. Selbst der Schulsprecher Dominik Jost und die Schülervertreterin Lara Ferringer beklagen sich über diese Lehrkräfte. Während Mirna Voss einen zweiten Anlauf fürs Abitur erst noch plant, hat ihr Freund Yannik Hoffmann die Reifeprüfung am Max-Planck-Gymnasium bereits geschafft – allerdings auch erst beim zweiten Versuch. Er ist deshalb auch nicht besonders gut auf die Lehrer zu sprechen.

Mathilde Graufuchs fürchtet sich nach dem Tod ihres Kollegen davor, in die Schule zurückzukehren, denn sie hält es für möglich, dass es der Mörder auf Lehrkräfte des Max-Planck-Gymnasiums abgesehen hat. Zunächst meldet sie sich krank, und am vierten Tag unternimmt sie mit ihrer Klasse einen Schulausflug zur Teufelsburg auf einer Bergnase westlich von Saarlouis. Hinter der Kasse sitzt ein etwa 40 Jahre alter Mann, den die Geschichtslehrerin auch bereits unterrichtete: Ferdinand („Fred“) Recktenwald.

Seine Eltern hat er nie kennengelernt. Er wuchs bei einer Adoptivmutter in Saarlouis-Picard auf. 1974 stürzte er im Alter von vier Jahren von einem Traktor und lag tagelang im Koma. Die Ärzte diagnostizierten damals ein Frontalhirnsyndrom. Trotz der geistigen Behinderung bestand seine als Lehrerin an der Wackenbergschule in Picard unterrichtende Adoptivmutter darauf, dass er das Max-Planck-Gymnasium besuchte. Das war für ihn die Hölle, zumal ihn Lehrkräfte wie Mathilde Graufuchs und Bertram Andernach immer wieder vor den anderen Schülern demütigten. Weil er die Mittlere Reife nicht schaffte, musste er ohne Schulabschluss abgehen. Seit einiger Zeit arbeitet er als Fremdenführer für die Fördergemeinschaft Teufelsburg e. V. in Überherrn. Und er wohnt in einem Haus in Picard, das der Stadt Saalouis gehört, die nur eine geringe Miete verlangt. Mirna Voss ist seine Nachbarin.

Während der Führung durch die Teufelsburg versucht Mathilde Graufuchs mehrmals, Fred Recktenwald vor der Schulklasse zu demütigen. Weil dann schon die nächste angemeldete Gruppe eintrifft, überlässt er die verhasste Lehrerin und ihre Schüler am Ende sich selbst und beginnt mit einer weiteren Führung.

Einen Tag später wird Mathilde Graufuchs‘ Leiche auf der Teufelsburg gefunden. Sie hängt an einem Eisengitter. Der Mörder fesselte sie so, dass sich die Schlinge um ihren Hals bei jeder Bewegung ihrer Hände fester zuzog. Nachdem ihr Hitze und Dehydrierung zugesetzt und Raben oder Krähen die Augen ausgehackt hatten, erstickte sie.

Fred Recktenwald wird festgenommen. Zeugen wollen ihn in der Nacht, als Bertram Andernach erhängt wurde, beim Max-Planck-Gymnasium gesehen haben. Und seine DNA wird an beiden Tatorten sichergestellt. Dass ihn Lehrkräfte wie Bertram Andernach und Mathilde Graufuchs drangsalierten, liegt zwar lange zurück, könnte jedoch ein Tatmotiv sein. Dazu kommt, dass Fred Recktenwald im letzten Jahr bei dem Deutschlehrer gegen die Behandlung Mirnas protestierte und dabei von Bertram Andernach nur lächerlich gemacht wurde – ebenso wie von der Geschichtslehrerin während der Führung durch die Teufelsburg.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Trotzdem bezweifelt Kommissar Jürgen Schnur, dass Fred Recktenwald die beiden Lehrkräfte ermordete. Rat suchend ruft er seinen erfahrenen Kollegen Norbert Kullmann an, der sich gerade in Frankreich aufhält. Der hat bereits von dem Doppelmordfall gehört und weiß, dass der Tatverdächtige bei einer Adoptivmutter aufwuchs. Norbert Kullmann erinnert sich daran, dass im 1968 Zwillinge vor der Kirche St. Ludwig in Saarlouis ausgesetzt wurden und schlägt Jürgen Schnur vor, darüber Erkundigungen einzuholen.

Die neugeborenen eineiigen Zwillinge wurden am 3. Juni 1968 vor der Kirche gefunden. Auf einem Zettel standen ihre Namen: Ferdinand und Friedolinus. Die Mutter der beiden Jungen ertränkte sich noch in derselben Nacht in der Saar. Die Waisen wurden von zwei Lehrerinnen in Saarlouis adoptiert: Ferdinand von Marlene Recktenwald, Friedolinus von Anita Kalkbrenner. Beide Frauen sind inzwischen tot: Marlene Recktenwald starb an Krebs, und Anita Kalkbrenner verunglückte mit ihrem Auto. Die DNA-Spuren können also auch von Fred Recktenwalds Bruder stammen!

Erik Tenes hat bereits mehrere Annäherungsversuche Mirnas zurückgewiesen, aber als sie ihn erneut anruft, gelingt es ihr, ihn zur Turnhalle des Max-Planck-Gymnasiums zu locken. Sie behauptet, die Tür trotz des schulfreien Tages offen vorgefunden zu haben. Er fährt hin, und sobald er aus seinem Wagen ausgestiegen ist, wirft Mirna sich ihm in die Arme. Dann verschwindet sie im Gebäude, und er folgt ihr. Mitten in der Turnhalle sitzt der Mathematiklehrer Günter Laug gefesselt auf einem Stuhl. Bevor Erik Tenes begreift, was er sieht, erhält er einen Schlag auf den Hinterkopf. Als er wieder zu sich kommt, ist er ebenfalls gefesselt und geknebelt und spürt eine Schlinge um seinen Hals. Mit den Zehen steht er auf dem Holm eines Barrens. Ein Fremder beschimpft ihn, seine Tochter angemacht zu haben und malt ihm aus, wie er sich erdrosseln wird, wenn seine Kräfte nachlassen und er sich nicht mehr auf dem Barrenholm abstützen kann. Er sei nicht nur Mirnas Vater, sondern auch Fred Recktenwalds Zwillingsbruder, erklärt Friedolinus („Linus“) Kalkbrenner. Er habe es lediglich zum Hilfsarbeiter bei Opel in Rüsselsheim gebracht, fährt er fort, weil Bertram Andernach ihn ebenso wie seinen Zwillingsbruder in der Schule scheitern ließ. Als er kürzlich von Opel entlassen wurde und sich bei Fred in Saarluis-Picard einquartierte, erfuhr er, dass der Deutschlehrer seiner Tochter genau das Gleiche angetan hatte. Da drehte er durch. Er brachte Bertram Andernach um, dann Mathilde Graufuchs und soeben Günter Laug. Erik Tenes soll ebenfalls sterben, weil Linus Kalkbrenner ihm unterstellt, dass er seine Tochter ins Bett kriegen wollte.

Mirna protestiert gegen die Ermordung Eriks, aber ihr Vater hört nicht auf sie, sondern verlässt mit ihr die Turnhalle. Statt seines eigenen roten Opel Corsa benutzt er den BMW des Kommissars, und dessen Handy wirft er unterwegs in einen Müllcontainer in Beaumarais, damit ihn die Polizei damit nicht orten kann.

Tatsächlich fahnden Jürgen Schnur und seine Mitarbeiter inzwischen nicht nur nach Linus Kalkbrenner, sondern suchen zugleich nach dem vermissten Kollegen. Sie entdecken den auf Friedolinus Kalkbrenner zugelassenen roten Corsa am Max-Planck-Gymnasium. In dem Augenblick, in dem Erik Tenes sich nicht mehr halten kann, vom Barren abrutscht und das Bewusstsein verliert, stürmen die Polizisten in die Turnhalle. Sie retten ihm das Leben. Nach den Untersuchungen im Krankenhaus äußern die Ärzte sich zuversichtlich darüber, dass er sich von seinen Verletzungen erholen wird.

Für Günter Laug kommt allerdings jede Hilfe zu spät: Der Kopf des auf den Stuhl Gefesselten wurde nach hinten gezogen, und in seinem Hals steckt eine leere Bierflasche. Vermutlich war sie zunächst voll, und der Mathematiklehrer erstickte an der auslaufenden Flüssigkeit.

Erik Tenes‘ Auto wird gefunden. Zwischen Von-der-Heydt und Riegelsberg kam es von der Autobahn ab. Der Fahrer wurde mit einem Rettungshubschrauber zum Winterberg-Krankenhaus in Saarbrücken geflogen. Linus Kalkbrenner wird sich wegen dreifachen Mordes und eines weiteren Mordversuchs vor Gericht verantworten müssen. Seine nicht angeschnallte Tochter Mirna starb noch an der Unfallstelle.

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Auch wenn das eine oder andere in „Galgentod auf der Teufelsburg“ etwas konstruiert wirkt, hat Elke Schwab darauf geachtet, Abläufe und Zusammenhänge ebenso nachvollziehbar zu machen wie die Motive der Handelnden und die Ermittlungen der Polizei. Entsprechend einer seit längerer Zeit bestehenden Gepflogenheit im Genre Kriminalroman beschränkt sie sich nicht auf die Aufklärung eines Verbrechens, sondern flicht Szenen aus dem Privatleben der Kommissare ein.

Die Handlung des Lokalkrimis „Galgentod auf der Teufelsburg“ spielt in Saarlouis, und es fehlt auch nicht an Schauplätzen, die auf der Landkarte gefunden werden können, wie die Teufelsburg in Überherrn, die nach der Zerstörung der Burg Altenfelsberg auf dem Hansenberg in Wallerfangen Mitte des 14. Jahrhunderts errichtet wurde. Während man die Steine der Oberburg um 1680 beim Bau der Festung Saarlouis verwendete, wurde die Hauptburg ab 1968 ausgegraben, auf den erhaltenen Fundamenten neu errichtet und 2009/10 restauriert.

Einer ganzen Reihe von Personen in „Galgentod auf der Teufelsburg“ ordnet Elke Schwab ein Mordmotiv zu. Zwar wird bald ein Tatverdächtiger festgenommen, aber die Autorin sät Zweifel, ob es sich bei ihm wirklich um den Mörder handelt. Die Spannung lässt deshalb nicht nach, bis sich die Auflösung gegen Ende andeutet, übrigens aufgrund eines Hinweises des bereits 2001 von Elke Schwab mit „Ein ganz klarer Fall“ eingeführten Kommissars Norbert Kullmann, der hier gar nicht zu den Ermittlern zählt und nur einen telefonischen Kurzauftritt in „Galgentod auf der Teufelsburg“ hat.

Die Sprache des unterhaltsamen Kriminalromans ist eher alltäglich als literarisch. Das demonstrieren Sätze, denen es an lebendigen Verben fehlt:

Große Scham überkam sie.

Mit aller Heftigkeit trat der Anblick des Toten vor Mathilde Graufuchs‘ Augen.

Ihr Atem ging schwer. Sie hatte alle Mühe, ihre Gefühle zu unterdrücken.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2015
Textauszüge: © Conte Verlag

César Aira - Die nächtliche Erleuchtung des Staatsdieners Varamo
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