Rom, offene Stadt

Rom, offene Stadt

Rom, offene Stadt

Rom, offene Stadt - Originaltitel: Roma, città aperta - Regie: Roberto Rossellini - Drehbuch: Sergio Amidei, Federico Fellini und Roberto Rossellini - Kamera: Ubaldo Arata - Musik: Renzo Rossellini - Darsteller: Anna Magnani, Aldo Fabrizzi, Maria Michi, Marcello Pagliero u.a. - 1945; 100 Minuten

Inhaltsangabe

Im Winter 1944/45 verfolgt die SS eine Gruppe italienischer Widerstandskämpfer in Rom. Eines der führenden Mitglieder stirbt unter der Folter, ohne etwas verraten zu haben. Der Priester, der ebenfalls dazugehört, wird von einem deutschen Exekutionskommando vor den Augen von italienischen Kindern erschossen.

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Kritik

Aufgebracht durch die Erschießung eines Priesters durch die Deutschen, drehte Roberto Rossellini unmittelbar nach dem Einmarsch der Alliierten mit vorwiegend Laienschauspielern den Schwarzweiß-Film "Rom, offene Stadt", der inzwischen als Klassiker des Neorealismus gilt.
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Rom im Winter 1944/45. SS-Männer durchsuchen in einer Pension das Zimmer des italienischen Ingenieurs Georgio Manfredi (Marcello Pagliero). Er ist nicht da, und die Wirtin behauptet, nichts weiter über ihn zu wissen.

Kurz darauf taucht der Ingenieur bei Pina (Anna Magnani) auf und fragt nach deren Nachbarn, dem Drucker Francesco (Vito Annicchiarico). Er sei ein Freund von ihm. Die Witwe hat seit zweieinhalb Jahren ein Verhältnis mit Francesco, aber wegen des Kriegs haben sie die Hochzeit immer wieder verschoben. Inzwischen ist sie schwanger, und am nächsten Morgen soll die kirchliche Trauung stattfinden. Pina sperrt dem Ingenieur die Nachbarwohnung auf und schickt auf seinen Wunsch hin ihren kleinen Sohn Marcello zu Don Pietro (Aldo Fabrizzi). Marcello kommt mit Don Pietro zurück. Unter vier Augen bittet der Ingenieur den Priester, der wie er selbst zu den Widerstandskämpfern gegen die deutschen Besatzer gehört, bei Francesco in der Druckerei das in ausgehöhlten Büchern versteckte Geld abzuholen und es einem Vertrauensmann der Untergrundorganisation zu bringen.

Währenddessen kommt der Polizeipräsident von Rom zu SS-Obersturmbannführer Bergmann und zeigt ihm das Foto auf einer Karteikarte über den Ingenieur Luigi Ferrari: Offenbar handelt es sich bei ihm und Georgio Manfredi um ein und dieselbe Person.

Unmittelbar bevor Pina und Francesco zur Trauung in die Kirche gehen wollen, wird das Mietshaus von SS-Einheiten umstellt. Alle Hausbewohner müssen sich im Hof versammeln. Als Pina sieht, wie Francesco und einige andere Männer mit einem Lastwagen weggebracht werden, läuft sie dem Fahrzeug schreiend hinterher und wird von den Deutschen erschossen.

Die Festgenommenen werden durch einen Überfall anderer Widerstandskämpfer befreit. Francesco und der Ingenieur treffen sich in einer Kneipe, deren Wirt ebenfalls zu ihrer Organisation gehört, mit Marina Mari, einer Revuetänzerin, die mit dem Ingenieur liiert ist, und gehen anschließend zu ihr in die Wohnung, um dort zu schlafen. Als der Ingenieur zufällig in Marinas Handtasche Drogen entdeckt, stellt er seine Geliebte zur Rede, aber sie lügt ihm vor, das Mittel von einem Zahnarzt gegen Schmerzen erhalten zu haben. Er ahnt nicht, dass sie das Rauschgift von Rita, einer Mitarbeiterin des SS-Obersturmbannführers, erhält und seinen Aufenthalt in Francescos Wohnung verraten hatte.

Don Pietro besorgt dem Ingenieur einen neuen, gefälschten Ausweis. Der Priester will ihn, Francesco und einen deutschen Deserteur in einem Kloster verstecken. Doch auf der Straße werden sie von SS-Männern festgenommen. Nur Francesco, der sich noch von Marcello verabschiedet und deshalb zurückgeblieben ist, entgeht der Verhaftung.

Der SS-Obersturmbannführer verhört den Ingenieur und den Priester. Als sie nichts verraten, lässt er den Ingenieur im Nebenraum foltern. Währenddessen geht er ins Casino. Dort zeigt er sich überzeugt davon, dass der Ingenieur reden wird, denn wenn ein Italiener unter der Folter schweigen würde, wäre er ja beinahe wie ein Deutscher. Es könne aber nicht sein, dass ein Angehöriger eines Sklavenvolks sich wie ein Mitglied der Herrenrasse verhalte. Wozu hätte man sonst den ganzen Krieg geführt?

Ohne etwas verraten zu haben, stirbt der gemarterte Ingenieur im Beisein des Priesters. Marina hat sich mit Rita im Casino aufgehalten und folgt ihrer vermeintlichen Freundin ins Büro des SS-Obersturmbannführers. Die Tür zum Nebenraum steht offen. Als sie den zerschlagenen Leichnam des Ingenieurs sieht, bricht sie zusammen. Ungerührt reißt Rita den Mantel, den sie Marina für den Verrat geschenkt hatte, an sich und verlässt mit dem frustrierten SS-Obersturmbannführer das Büro.

Der Deserteur hat sich in seiner Zelle erhängt. Don Pietro wird von einem deutschen Kommando auf einen Stuhl gefesselt und erschossen. Italienische Kinder beobachten die Exekution.

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Im Zweiten Weltkrieg wurde Rom zur „offenen Stadt“ erklärt, am 10. September 1943 von den Deutschen besetzt und am 4. Juni 1944 kampflos den Alliierten überlassen. Noch in der Besatzungszeit fing Roberto Rossellini an, heimlich einen Film zu planen. Ausgangspunkt war zunächst die Erschießung von Don Moroni durch die Deutschen. Dann erweiterte Rossellini die Filmhandlung zu einem dokumentarisch wirkenden Spielfilm über italienische Widerstandskämpfer gegen die deutschen Besatzer. Unmittelbar nach dem Einmarsch der Alliierten begann er mit den Dreharbeiten. Bei den Darstellern handelte es sich mit Ausnahme von Anna Magnani und Aldo Fabrizzi um Laienschauspieler. Weil Filmmaterial Mangelware war, konnte er sich nur in Ausnahmefällen leisten, einen Take zu wiederholen. Als einer der ersten Filme der Nachkriegszeit wurde „Rom, offene Stadt“ am 24. September 1945 in Rom uraufgeführt.

„Rom, offene Stadt“ gilt längst als Klassiker des Neorealismus. Durch die bewusste emotionale Distanz wirkt der Schwarzweiß-Film authentisch.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2003

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