Sommer der Gaukler

Sommer der Gaukler

Sommer der Gaukler

Originaltitel: Sommer der Gaukler – Regie: Marcus H. Rosenmüller – Drehbuch: Robert Hültner, Klaus Wolfertstetter, nach dem Roman "Sommer der Gaukler" von Robert Hültner – Kamera: Stefan Biebl – Schnitt: Georg Söring – Musik: Gerd Baumann – Darsteller: Max von Thun, Lisa Maria Potthoff, Nicholas Ofczarek, Michael Kranz, Anna Maria Sturm, Erwin Steinhauer, Maxi Schafroth, Butz Ulrich Buse, Anna Brüggemann, Fritz Karl, Martin Weinek, Christian Lerch, Florian Teichtmeister, Rainer Haustein u.a. – 2011; 105 Minuten

Inhaltsangabe

In der Hoffnung, das Libretto für eine Oper von Wolfgang Amadeus Mozart schreiben zu dürfen, reist Emanuel Schikaneder im Sommer 1780 mit seiner Theatertruppe nach Salzburg. Aber die Komödianten stranden in einem bayrischen Bergdorf, denn der Salzburger Fürstbischof verweigert ihnen die Einreisegenehmigung. Während die exaltierten Schauspieler auf unkultivierte Bergbauern prallen, erheben sich die Bergarbeiter gegen den Besitzer des Bergwerks ...
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Kritik

"Sommer der Gaukler" – die Verfilmung eines Romans von Robert Hültner durch Marcus H. Rosenmüller – ist eine turbulente, uneinheitliche Mischung aus Heimatfilm-Parodie, Tragikomödie, Farce und Klamauk.
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Vergeblich hofft der Theaterdirektor Emanuel Schikaneder (Max von Thun), dass Wolfgang Amadeus Mozart (Florian Teichtmeister) eine seiner Vorstellungen in Nürnberg besuchen würde, denn er träumt davon, das Libretto für eine Oper des Komponisten zu schreiben. Nach einer letzten Aufführung seines Stückes „Agnes Bernauer“ in Nürnberg macht Emanuel Schikaneder sich im Sommer 1780 mit seiner „Schau- und Operngesellschaft“ auf den Weg nach Salzburg.

Ein Gesuch an den Salzburger Fürstbischof Hieronymus von Colloredo schickt Emanuel Schikaneder voraus, denn ohne dessen Genehmigung darf die Wandertheatertruppe nicht in die Stadt und schon gar nicht dort auftreten. Weil die Antwort auf sich warten lässt, quartieren sich die Komödianten bei dem Wirt Kolber (Martin Weinek) in einem bayrischen Bergdorf kurz vor Salzburg ein, obwohl Schikaneder längst das Geld ausgegangen ist.

In diesem Dorf wohnt der Bergwerksbesitzer Franz Paccoli (Erwin Steinhauer) mit seiner Tochter Babett (Anna Maria Sturm), um deren Hand der Dorfrichter (Butz Ulrich Buse) angehalten hat. Nachdem im Bergwerk mehrmals nacheinander Stollen eingestürzt sind, rotten sich die Bergleute zusammen und schicken einen der ihren – den Ostallgäuer Georg Vester (Maxi Schafroth) – zum Vorarbeiter (Christian Lerch). Vester beschwert sich über das morsche Holz, mit dem die Stollen abgestützt werden und verlangt besseres Stempenholz. Der Vorarbeiter will ihn hinauswerfen, bricht aber selbst bei dem Gerangel durch das morsche Holz der Eingangstreppe und fällt den dort wartenden Steigern vor die Füße. Die Männer fühlen sich dadurch ermutigt, die Arbeit niederzulegen.

Die Schauspieler, denen die finanzielle Misere ihres Direktors nicht verborgen bleibt, beginnen ebenfalls zu murren.

Emanuel Schikaneder lässt sich von dem Aufstand der Bergarbeiter zu einem neuen Stück inspirieren und beginnt zu schreiben.

Währenddessen wird seine Frau Eleonore (Lisa Maria Potthoff) von dem Schauspieler Wallerschenk (Nicholas Ofczarek) umworben.

Die Magd Maria (Anna Brüggemann) überrascht im Stall einen Mann, der wilde Drohungen ausstößt. Beherzt greift sie ihn mit einer Mistgabel an, aber er erklärt ihr, dass er eine Rolle fürs Theater einübe. Maria zeigt sich beeindruckt, als er ihr noch ein paar Szenen vorspielt. Die beiden verlieben sich, aber als Maria schließlich herausfindet, dass Alfons (Michael Kranz) gar kein Schauspieler ist, sondern nur Kutscher, will sie nichts mehr von ihm wissen.

Der Steiger Georg Vester verliebt sich ausgerechnet in Babett Paccoli, ahnt jedoch nicht, dass es sich bei ihr um die Tochter des Bergwerksbesitzers und Braut des Richters handelt. Babett erwidert seine Gefühle.

Nach einer Woche wird der Wirt ungeduldig, und er fordert Schikaneder zum Bezahlen auf. Der Theaterdirektor vertröstet ihn auf den nächsten Tag, weiß jedoch nicht, woher er das Geld nehmen soll, zumal er vom Salzburger Fürstbischof eine schriftliche Absage bekommt.

Noch am selben Abend überbringt ihm der Vorarbeiter des Bergwerks eine Einladung des Besitzers. Der verachtet zwar die Komödianten, möchte aber anlässlich der bevorstehenden Verlobung seiner Tochter mit dem Richter ein Bühnenstück aufführen lassen. Die Einzelheiten sollen beim Abendessen besprochen werden. Obwohl Schikaneder das von Franz Paccoli gebotene Honorar dringend brauchen könnte, ist er zu stolz, um für einen Kulturbanausen wie den Bergwerksbesitzer zu spielen: Er lehnt den Vorschlag ab.

Am nächsten Morgen holt ihn der Wirt mit zwei kräftigen Kerlen aus dem Bett. Emanuel Schikaneder flüchtet im Nachthemd aus der Gaststätte. Zufällig fährt gerade Wolfgang Amadeus Mozart durchs Dorf, erkennt ihn und lädt ihn ein, zu ihm und seinen drei Begleiterinnen in die Kutsche zu steigen. Mozart bringt den bankrotten Theaterdirektor zu Viktor Baron von Playen (Fritz Karl), der eine Vorstellung in seinem Schloss in Auftrag gibt.

Aus Sorge, dass die Arbeitsniederlegung zu einer blutigen Auseinandersetzung führen könnte, sucht Georg Vester den Bergwerksbesitzer auf und bittet um eine Unterredung. Franz Paccoli lässt ihn jedoch von seinem Vorarbeiter hinterrücks niederschlagen und in eine Scheune sperren. Als der Richter gegen die nicht legitimierte Gefangennahme protestiert, übergibt ihm Paccoli kurzerhand den Schlüssel für die Scheune und macht Vester dadurch zum Häftling des Richters.

Kurz darauf lässt der Richter Emanuel Schikaneder wegen Zechprellerei zu Georg Vester in die Scheune sperren.

Um Georg Vester zu befreien, dringt Babett ins Schlafzimmer des Richters ein und raubt den Schlüssel. Damit läuft sie zu der Scheune, wo sie leise durch die Bretterwand ruft. Vester schläft, aber Schikaneder tut so, als sei er der Bergarbeiter und flüstert zurück. Er rät Babett, den Schlüssel zurückzubringen und stattdessen ihren Vater zu überreden, die Rechnung beim Wirt als Gegenleistung für eine Theateraufführung der „Schau- und Operngesellschaft“ zu begleichen. Schikaneder sei angesichts seiner Schulden bestimmt bereit, eine Vorstellung zu geben. Und Babett soll so tun, als wolle sie sich mit dem Richter verloben.

Während der Theateraufführung, zu der auch Mozart mit zwei Begleiterinnen kommt, überschlagen sich die Ereignisse: Emanuel Schikaneder begreift, dass Eleonore und Wallerschenk sich lieben. Maria, die sich ebenfalls unter den Zuschauern befindet, sieht, dass Alfons eine Rolle übernommen hat und versöhnt sich mit ihm. Georg Vester wird von Kollegen befreit. Als Franz Paccoli sieht, wie seine Tochter und der Bergarbeiter sich küssen, geht er mit einer Pistole auf ihn los, aber Babett stellt sich vor Georg Vester. Der Richter bringt den Bergwerksbesitzer dazu, besseres Stempenholz zu versprechen. Wolfgang Amadeus Mozart will mit Emanuel Schikaneder zusammen eine Oper schreiben. Babett flieht mit dem erschöpften Georg Vester auf ihren Schultern. Und die Komödianten reisen ab.

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Bei der Verfilmung seines Romans „Sommer der Gaukler“ (btb, München 2006, 222 Seiten, ISBN 978-3-442-75130-3) durch Marcus H. Rosenmüller arbeitete Robert Hültner am Drehbuch mit. In der literarischen Vorlage präsentiert er ein Gesellschaftsporträt aus der Zeit kurz vor der Französischen Revolution: Bergarbeiter nehmen das schlechte Material, mit dem der reiche Unternehmer Kosten spart, aber ihr Leben riskiert, nicht länger hin und erheben sich gegen den Bergwerksbesitzer. Zugleich prallen zwei weitere Gegensätze aufeinander: Eine Wandertheatertruppe trifft auf unkultivierte Bergbauern, die nichts anderes kennen als ihr Dorf und die nähere Umgebung. In dieser konfliktreichen Situation begegnen sich Wolfgang Amadeus Mozart und Emanuel Schikaneder und beschließen, gemeinsam eine Oper zu schreiben.

Im Film „Sommer der Gaukler“ wird daraus eine turbulente Farce, eine uneinheitliche Mischung aus Heimatfilm-Parodie, Tragikomödie, Burleske und Klamauk. An einer Stelle baut Marcus H. Rosenmüller sogar eine Musicalnummer ein: Maxi Schafroth singt in der Rolle des Steigers Georg Vester einen Rap Song und wird vom Chor der Bergarbeiter begleitet. Ein Großteil der Situationskomik in „Sommer der Gaukler“ ergibt sich aus der Konfrontation exaltierter Schauspieler mit Alltagsmenschen. In den Dialogen funkelt die eine oder andere Pointe und die zahlreichen Parallelschnitte sind originell, aber Teile der Handlung bleiben unplausibel und die meisten Figuren wirken völlig überdreht. Das gilt vor allem für Emanuel Schikaneder, gespielt von Max von Thun, und Wolfgang Amadeus Mozart, bei dessen Darstellung Florian Teichtmeister sich offenbar an Tom Hulce in „Amadeus“ orientiert.

Ein Großteil der Dreharbeiten für „Sommer der Gaukler“ fand im Museumsdorf Bayerischer Wald statt, einem 1974 gegründeten Freilichtmuseum bei Tittling am Dreiburgensee.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2013

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