Rum Diary

Rum Diary

Rum Diary

Rum Diary – Originaltitel: The Rum Diary – Regie: Bruce Robinson – Drehbuch: Bruce Robinson nach dem Roman "The Rum Diary" von Hunter S. Thompson – Kamera: Dariusz Wolski – Schnitt: Carol Littleton – Musik: Christopher Young – Darsteller: Johnny Depp, Aaron Eckhart, Michael Rispoli, Amber Heard, Richard Jenkins, Giovanni Ribisi, Amaury Nolasco, Marshall Bell, Bill Smitrovich, Julian Holloway u.a. – 2011; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Der Journalist Paul Kemp kommt 1959 nach Puerto Rico und wird von der Zeitung "The San Juan Star" eingestellt. Schließlich bieten ihm der smarte Investor Sanderson und dessen Geschäftspartner viel Geld. Dafür soll er Werbetexte für ein skrupelloses Bauprojekt auf der idyllischen Insel Vieques schreiben. Kemp lässt sich zunächst kaufen, gerät jedoch mit Sanderson in Streit und nimmt sich daraufhin vor, dessen Machenschaften anzuprangern ...
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Kritik

Bei der Filmkomödie "The Rum Diary" von Bruce Robinson handelt es sich um eine jugendfreie Adaptation des gleichnamigen Romans von und über Hunter S. Thompson. Skurrile Szenen und pointierte Dialoge zählen zur den Pluspunkten.
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Paul Kemp (Johnny Depp), ein amerikanischer Journalist und Buchautor Anfang 30, fliegt 1959 nach Puerto Rico, um sich bei der Zeitung „The San Juan Star“ zu bewerben. Das Dröhnen des Motors eines Sportflugzeuges weckt ihn am Morgen nach seiner Ankunft. Er ist schwer verkatert, und die Minibar liegt umgeworfen auf dem Boden.

Als er endlich zur Zeitungsredaktion kommt, wundert er sich über die Demonstranten vor dem Eingang. Der Chefredakteur E. J. Lotterman (Richard Jenkins) weist ihn zunächst darauf hin, dass er einen Tag zu spät gekommen sei. Obwohl Paul Kemp beteuert, nur hin und wieder mäßig Alkohol zu trinken, durchschaut Lotterman, dass er einen Trinker vor sich hat, der seine geröteten Augen hinter einer Sonnenbrille verbirgt. Lotterman behauptet, er habe ebenso wenig Lust wie die übrigen Bewohner der Stadt, den „Star“ zu lesen. Kemp soll frischen Wind in die Redaktion bringen und erhält die Aufgabe, das tägliche Horoskop zu verfassen.

Während Kemp mit einem Tretboot des Hotels herumfährt, taucht plötzlich neben ihm eine nackte Frau aus dem Wasser. Kemp fragt sie nach ihrem Namen, aber den verrät sie ihm nicht, sondern schwimmt zurück an Land.

Bei seiner Tätigkeit bleibt Kemp viel Zeit, um mit dem ebenfalls für den Star arbeitenden Pressefotografen Bob Sala (Michael Rispoli) durch San Juan zu ziehen und Rum zu trinken. Bob Sala bessert sein Einkommen auf, indem er sich mit seinem Hahn el Monstruo an Hahnenkämpfen beteiligt. Als Lotterman die Hotelrechnung mit hohen Beträgen für Entnahmen aus der Minibar moniert, zieht Kemp zu Sala in dessen schäbige Wohnung. Sala besitzt zwar kein Fernsehgerät, aber einen Feldstecher, und damit verfolgt er Fernsehsendungen durchs Fenster einer Wohnung im Haus gegenüber. Der ständig betrunkene, gleichfalls beim „Star“ angestellte Journalist Moberg (Giovanni Ribisi) kommt mit einem Glasballon vorbei und behauptet, der Inhalt habe 470 Prozent Alkohol. Weil Kemp das nicht glaubt, nimmt er einen Schluck, bläst in die Flamme seines Feuerzeugs und erzeugt einen gewaltigen Feuerstrahl.

Der Immobilienunternehmer Sanderson (Aaron Eckhart) wird auf Kemp aufmerksam und nimmt ihn im Sportwagen mit zu seiner mondänen Strandvilla. Dort trifft Kemp auf die Frau aus dem Wasser. Sie heißt Chenault (Amber Heard) und ist Sandersons Gespielin.

Bei einer Party in Sandersons Villa lernt Kemp Mr Zimburger (Bill Smitrovich) und zwei weitere Geschäftspartner Sandersons kennen. Die vier Herren möchten, dass er den Text einer Werbebroschüre für ein großes Bauprojekt verfasst. Dafür bieten sie viel Geld. Kemp soll es sich überlegen.

Sala holt seinen neuen Freund ab. Während der Fahrt im Fiat 500 trinken sie. Und sie verirren sich. Nachdem Sala in einer Kneipe mit dem Patron (Eduardo Cortés) in Streit geriet, werden sie von mehreren Puerto Ricanern verfolgt. Zur Verteidigung benutzt Kemp Mobergs Alkohol: Er steckt seinen Kopf durchs Schiebedach und spuckt Feuer gegen die Angreifer. Versehentlich setzt er auch die Dienstmütze und den Uniformkragen eines Polizisten (Jimmy Ortega) in Brand. Daraufhin werden er und Sala festgenommen und noch in der Nacht im Schnellverfahren von einem Richter (Javier Grajeda) zu 30 Tagen Haft verurteilt. Bevor sie abgeführt werden, taucht Sanderson auf, zahlt eine Kaution und sorgt dafür, dass sie freigelassen werden.

Am nächsten Morgen will Sala so schnell wie möglich sein liegen gebliebenes Auto holen, denn er macht sich Sorgen, dass es gestohlen werden könnte. Als sie mit einem Taxi hinkommen, fehlen die Seitentüren, die Sitze und etliche andere Autoteile. Auf dem Rückweg fliehen sie vor dem Polizisten, dessen Mütze Kemp in Brand setzte und rattern über eine Steintreppe hinunter.

Kemp kommt zu spät zu einer Besprechung mit Sanderson und dessen Geschäftspartnern. Bevor er Einzelheiten über das Bauprojekt erfährt, muss er eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben. Danach leiht Sanderson ihm einen Chevrolet und gibt ihm 500 Dollar Vorschuss.

Am nächsten Tag fliegt Zimburger mit Kemp und Sala in einem Wasserflugzeug zu der idyllischen Karibikinsel Vieques, wo sie sich mit dem Architekten Lazar (Bruno Irizarry) treffen. Die Investoren planen hier eine riesige Ferienanlage, wollen jedoch zunächst nur den Bau eines Hotels und eines Yachthafens bekanntgeben, um nicht schon jetzt die Umweltschützer auf den Plan zu rufen.

Vor dem Abflug wurde Kemp von Chenault zum Karneval auf der Insel Saint Thomas eingeladen. Dort hat Sanderson inzwischen seine Yacht liegen. Als er sieht, dass Kemp den Fotografen mitgebracht hat, erinnert er ihn verärgert an die Verschwiegenheitspflicht. Chenault will tanzen und lässt sich von einem jungen Puerto Ricaner anmachen. Als Sanderson sie von der Tanzfläche holen will, werden er, Kemp und Sala von Wachmännern hinausgeworfen.

Sanderson verlangt von Kemp die Wagenschlüssel zurück und beendet die Zusammenarbeit mit ihm, bevor sie richtig begonnen hat. Dann legt er mit seiner Yacht ab.

Weil Sanderson seine Kaution zurückzieht, müssen Kemp und Sala mit ihrer erneuten Festnahme bzw. gerichtlichen Vorladungen rechnen.

Am nächsten Tag sucht Chenault Zuflucht bei Kemp, der noch immer bei Sala wohnt. Aber dann setzt sie sich nach New York ab und hinterlässt Kemp 100 Dollar für ein Flugticket. Kemp will jedoch zuerst noch im „The San Juan Star“ über die Projekte und illegalen Machenschaften der Immobilienhaie berichten. Als er in die Redaktion kommt, packt Lotterman gerade seine Sachen: Sanderson und seine Geschäftsfreunde, die so einen Artikel befürchteten, sorgten dafür, dass die Banken der Zeitung die Kredite kündigten und sie ihr Erscheinen einstellen muss.

Kemp will das Material dennoch veröffentlichen und wenigstens noch eine Ausgabe des „Star“ herausbringen. Sala und Moberg unterstützen ihn dabei. Durch siegreiche Hahnenkämpfe besorgen sie sich das erforderliche Geld. Doch als sie damit zurückkommen, stellen sie fest, dass die Banken inzwischen die Druckmaschinen abtransportieren ließen.

Da gibt Kemp auf. Weil er befürchtet, am Flughafen verhaftet zu werden, lässt er sich von Sala zu Sandersons Yacht bringen und sticht damit in See.

Er heiratet Chenault in New York und wird ein erfolgreicher Journalist.

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Bei der Verfilmung des Romans „The Rum Diary“ von Hunter S. Thompson hält Bruce Robinson sich nur locker an die literarische Vorlage. Das gilt nicht nur für die Handlung; der Film ist gewissermaßen eine jugendfreie, familientaugliche Adaptation des wilden Romans.

Der amerikanische Journalist Paul Kemp, das Alter Ego von Hunter S. Thompson, gerät in einen Konflikt zwischen seiner Integrität und der Versuchung, sich gegen viel Geld in den Dienst einer skrupellosen Unternehmergruppe zu stellen. Da wird der amerikanische Traum zum Albtraum. „Rum Diary“ konstatiert dies jedoch nur, ohne die psychologischen Vorgänge auszuleuchten. Von einer inneren Zerrissenheit ist da nichts zu spüren. Auch auf die politischen Verhältnisse in Puerto Rico geht Bruce Robinson nicht ein, sondern er benutzt sie lediglich als Hintergrund der Geschichte.

Obwohl die Verfilmung dem skurrilen Humor des Romans „The Rum Diary“ nicht gerecht wird, gehören absurde Szenen und pointierte Dialoge zu den Pluspunkten der Kinoadaptation. Da heißt es beispielsweise:

Der Mensch ist das einzige Geschöpf, das behauptet, es gebe einen Gott und sich so verhält, als gäbe es keinen.

Oscar Wilde wird zitiert:

Heutzutage kennt man von allem den Preis, von nichts den Wert.

Ein republikanischer Unternehmer meint:

Ein Liberaler ist ein Kommunist, der wie ein Neger denkt.

Über den Zustand der Bereifung eines Autos sagt jemand:

Da hängen ja an einem Boot bessere.

Lustig sind auch einige Klaumauk-Szenen. Zum Beispiel: Paul Kemp hat Durst, und weil aus dem Wasserhahn wieder einmal nichts kommt, trinkt er aus dem Goldfischglas. Oder: Paul Kemp lenkt einen Fiat 500, und weil dessen Sitze und Türen gestohlen wurden, sitzt er bei Bob Sala auf dem Schoss. Wenn sie über die unebene Straße holpern, sieht es aus, als hätten sie Analverkehr. Und prompt wird ein Polizist auf sie aufmerksam, dem sie zuvor böse mitspielten. Da bleibt nur die Flucht mit dem Auto über eine Steintreppe.

Giovanni Ribisi macht seine Rolle durch Overacting zur Karikatur. Aber Johnny Depp überzeugt in „Rum Diary“ mit seiner schauspielerischen Leistung.

Fazit: „Rum Diary“ ist eine unterhaltsame aber nicht besonders anspruchsvolle Filmkomödie.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2013

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