Providence

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Providence

Originaltitel: Providence - Regie: Alain Resnais - Drehbuch: David Mercer - Kamera: Ricardo Aronovich - Schnitt: Jean-Pierre Besnard und Albert Jurgenson - Musik: Miklós Rózsa - Darsteller: John Gielgud, Dirk Bogarde, David Warner, Ellen Burstyn, Elaine Stritch u.a. - 1977; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Statt zu schlafen, malt sich ein von Schmerzen geplagter betrunkener Schriftsteller in der Nacht vor seinem 78. Geburtstag eine groteske Romanhandlung aus, in der sich seine Ängste und Erinnerungen vermischen. Protagonisten sind seine beiden Söhne und seine Schwiegertochter. Als sie am nächsten Morgen zu ihm kommen, um mit ihm Geburtstag zu feiern, scheinen die Nachtgedanken verflogen zu sein ...
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Kritik

"Providence" ist eine kammerspielartige, poetische und manierierte Groteske über Familienbeziehungen, Schuldgefühle, das Altern und die Angst vor dem Tod.

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In der Nacht vor seinem 78. Geburtstag wird der von Schmerzen gepeinigte, dem Alkohol verfallene Schriftsteller Clive Langham (Sir John Gielgud) von Ängsten, Schuldgefühlen und Erinnerungen heimgesucht. Statt zu schlafen, malt er sich eine groteske Romanhandlung aus.

Ein seniler Landstreicher (Samson Fainsilber) läuft in einem Wald vor einer Militärpatrouille fort und versteckt sich im Gebüsch, wird jedoch von den Soldaten mit ihren Maschinenpistolen angeschossen und liegen gelassen. Mit letzter Kraft schleppt sich der schwer Verletzte aus dem Versteck und fleht einen Nachzügler der Soldaten an, ihm den Gnadenschuss zu geben. Der junge Mann kommt seinem Wunsch nach.

Deshalb muss er sich – er heißt Kevin Woodford (David Warner) und sieht aus wie der uneheliche Sohn des alten Schriftstellers – wegen Mordes vor Gericht verantworten. Claude Langham (Dirk Bogarde) – Clives anderer Sohn – vertritt gnadenlos und selbstgerecht die Anklage gegen ihn. Claudes Ehefrau Sonia (Ellen Burstyn) sitzt im Publikum, verfolgt angewidert die Gerichtsverhandlung und ist froh, als der Angeklagte am Ende freigesprochen wird.

Anschließend ist Claude mit seiner Frau und dem Sachverständigen Dr. Mark Eddington (Cyril Luckham) in einem Restaurant zum Essen verabredet. Sonia kommt etwas zu spät, bringt unerwartet Kevin Woodford mit und fordert ihren Mann auf, sich wegen seiner rüden Vorgehensweise im Prozess bei Kevin zu entschuldigen – was dieser jedoch nicht tut.

Sonia nimmt Kevin mit nach Hause, lässt ihren Mantel auf den Boden fallen und beginnt, ihre Bluse aufzuknöpfen, doch als Kevin sich müde in einen Sessel fallen lässt, versucht sie nicht länger, ihn zu verführen. Claude kommt nach Hause und wundert sich auf sarkastische Weise darüber, dass es nicht nach Sex riecht. Er lässt keinen Zweifel daran, dass er Kevin nicht leiden kann, aber weder wirft er ihn hinaus noch unternimmt er etwas, um Sonia und Kevin auseinanderzubringen. Stattdessen besucht er seine Geliebte Helen (Elaine Stritch), die einige Jahre älter ist und so aussieht wie seine Mutter Molly, die sich die Pulsadern aufgeschnitten hatte, als sie an Krebs erkrankt war.

Als Claude beabsichtigt, seinen greisen Vater in einem Pflegeheim unterzubringen, protestiert Sonia: Claude wolle wohl einen eigenständigen Menschen wegschließen, so wie er es mit ihr gemacht habe. Sie war siebzehn und unerfahren, als Claude sie heiratete. Inzwischen bedauert sie es, ihre Unabhängigkeit für ihn aufgegeben zu haben.

Clive Langham erwacht am nächsten Morgen gut angezogen in einem Liegestuhl auf dem Rasen seines Landsitzes. Die Sonne scheint, und die Vögel zwitschern. Der Diener Nils (Peter Arne) fand den Betrunkenen im Morgengrauen auf dem Fußboden, badete ihn und kleidete ihn an. Kevin, Claude und Sonia treffen ein, um mit dem würdigen alten Herrn Geburtstag zu feiern. Die Söhne bringen Toasts auf ihren Vater aus. Alle geben sich freundlich, harmonisch und liebevoll. Ein Familienidyll. Als Kevin und Claude zwischendurch mit den Hunden ihres Vaters im Park herumtollen, meint Sonia bedauernd, dass Claude sich stets beherrsche, ein untadeliges Leben führe, deshalb selbst unangreifbar sei und aus seiner Selbstgerechtigkeit heraus Clive für den Selbstmord seiner Mutter verantwortlich mache.

Nachdem die kleine Geburtstagsgesellschaft das von der Haushälterin Karen (Anna Wing) aufgetischte Mittagessen und den Wein genossen hat, fordert Clive seine Besucher leise aber bestimmt auf, ihn allein zu lassen und auf Abschiedsfloskeln und Umarmungen zu verzichten. Wortlos entfernen Kevin, Claude und Sonia sich. Jeder von ihnen blickt sich noch einmal um. Der Greis bleibt sitzen, ohne ihnen nachzusehen und genehmigt sich noch ein Glas Wein: Er weiß, dass seine Ängste und Albträume mit dem Leben verbunden sind, an dem er noch immer hängt.

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„Providence“ ist eine kammerspielartige, poetische und manierierte Groteske über Familienbeziehungen, Schuldgefühle, das Altern und die Angst vor dem Tod. Vier Fünftel des kopflastigen Films spielen sich in Clive Langhams Vorstellung ab; der Schriftsteller korrigiert und kommentiert dann auch die Szenen und ärgert sich selbst darüber, dass Kevins Bruder, der berühmte Fußballer Dave (Denis Lawson) immer wieder völlig unmotiviert durchs Bild joggt. Wenn er einen Dialog entwirft, überlagert sich mitunter die Stimme des Erzählers mit der einer Figur. Eine große Bedeutung für die albtraumartige Atmosphäre haben auch die unterschiedlichen, teilweise überdimensionalen Gebäude und Treppenhäuser, die Alain Resnais betont ins Bild setzt. – „Providence“ wurde mit sieben „Césars“ ausgezeichnet.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

Alain Resnais: Hiroshima mon amour

Alex Capus - Léon und Louise
Alex Capus vermeidet in "Léon und Louise" jede Effekthascherei. Stilsicher schreibt er in einer leisen, poetischen Sprache. Elegant und unaufdringlich arbeitet er mit Komik und Humor.

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