Muhammad Ali / Cassius Clay


Cassius Marcellus Clay jr. wurde am 17. Januar 1942 in Louisville, Kentucky, als erster von zwei Söhnen des trinkfesten Schildermalers Cassius Clay sen. und dessen Ehefrau Odessa geboren. Es heißt, dass er im Alter von zwölf Jahren beschloss, Boxer zu werden, weil ihm jemand sein Fahrrad gestohlen hatte und er den Dieb verprügeln wollte. Jedenfalls stellte sich rasch heraus, dass er über eine außergewöhnliche Reaktionsgeschwindigkeit verfügte: Er brauchte sich kaum zu decken, denn er wich Schlägen blitzschnell aus und nutzte die Gelegenheit, den Gegner anzugreifen. Mit sechzehn beendete er die Schule und verlegte sich ganz aufs Boxen.

Seinen internationalen Durchbruch schaffte Cassius Clay, als er bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom die Goldmedaille im Halbschwergewicht gewann.

Einige Zeit später forderte der Zweiundzwanzigjährige Sonny Liston heraus, den Boxweltmeister im Schwergewicht, und brachte den Champion am 25. Februar 1964 dazu, in der siebten Runde aufzugeben.

Legendär sind die narzisstisch-großmäuligen Sprüche von Cassius Clay vor Journalisten („ich bin der Größte“), die Schimpftiraden, in die er angesichts seiner Gegner ausbrach und seine egomanische Selbstinszenierung. Man hielt ihn für größenwahnsinnig. „Ich weiß, wohin ich gehe, ich kenne die Wahrheit“, sagte er einmal, „Ich muss nicht sein, wie ihr mich haben wollt, ich bin frei zu sein, was ich will.“

Von 1964 bis 1966 war Cassius Clay mit dem Fotomodell Sonji Roi verheiratet. Scheiden ließ er sich von ihr, angeblich weil er ihre Kleidung für zu aufreizend hielt.

Cassius Clay war mit dem afroamerikanischen Aktivisten Malcolm Little alias Malcolm X befreundet und trat Mitte der Sechzigerjahre der „Nation of Islam“ (vulgo: „Black Muslims“) bei, einer militanten Sekte, die von Malcolm X und Elijah Muhammad geführt wurde. Fortan verlangte er, nicht mehr mit dem „Sklavennamen“ Cassius Clay, sondern mit seinem neuen Namen „Muhammad Ali“ angesprochen zu werden. Daraufhin wurde er von Geheimagenten observiert und abgehört. (Malcolm X trennte sich 1964 von den Black Muslims. Er wurde am 21. Februar 1965 in New York erschossen. Spike Lee drehte 1992 einen Film über ihn, mit Denzel Washington in der Titelrolle.)

Malcolm X – Regie: Spike Lee – Drehbuch: Spike Lee und Arnold Perl, nach „The Autobiography of Malcolm X“ von Malcolm X und Alex Haley – Kamera: Ernest R. Dickerson – Schnitt: Barry Alexander Brown – Musik: Terence Blanchard – Darsteller: Denzel Washington, Angela Bassett, Albert Hall, Al Freeman jr., Delroy Lindo, Spike Lee, Theresa Randle, Kate Vernon, Lonette McKee, Tommy Hollis, James McDaniel, Ernest Thomas, Jean-Claude La Marre, O. L. Duke, Larry McCoy, Maurice Sneed, Debi Mazar, Phyllis Yvonne Stickney, Scot Anthony Robinson, Sonny Jim Gaines, Joe Seneca, LaTanya Richardson, Wendell Pierce, Michael Guess, Leland Gantt, Giancarlo Esposito, Leonard L. Thomas, Roger Guenveur Smith u. a. – 1992; 200 Minuten

Als er 1965 zum Wehrdienst eingezogen werden sollte, protestierte Cassius Clay gegen den Vietnam-Krieg („ain’t got no quarrel with the Viet Cong“) und weil er sich beharrlich weigerte, seinen Militärdienst anzutreten, verurteilte ihn ein Gericht zu fünf Jahren Haft und 10 000 Dollar Strafe; der Weltmeistertitel wurde ihm 1967 aberkannt, die Box-Lizenz entzogen und der Reisepass abgenommen, damit er auch nicht im Ausland boxen konnte.

Aufgrund von Einsprüchen und Berufungen zog sich die gerichtliche Auseinandersetzung hin. Während dieser Zeit trat Muhammad Ali – der auf Kaution in Freiheit war – statt im Ring in Fernsehsendungen auf und spielte in einem Theaterstück am Broadway mit. Wegen seines Erfolgs, seiner Unangepasstheit und seiner Ablehnung des Vietnam-Kriegs identifizierten sich viele afroamerikanische Amerikaner mit ihm, und er wurde zum Idol nicht nur der rebellierenden Jugend. Norman Mailer meinte: „Er war Amerikas Superego.“

1971 befand der Supreme Court, Muhammad Ali hätte aus Gewissensgründen von der Wehrpflicht befreit werden müssen und hob das Gerichtsurteil auf.

Muhammad Ali durfte wieder boxen, aber sein Können hatte in den drei Jahren nachgelassen: Er unterlag im März 1971 „Smoky“ Joe Frazier, und zwei Jahre später brach Ken Norton ihm den Kiefer. Dennoch forderte Muhammad Ali 1974 den Olympiasieger von 1968 heraus, George Foreman, der siebenunddreißig seiner vierzig Profi-Kämpfe durch k. o. gewonnen hatte.

Der Kampf fand am 30. Oktober in Kinshasa statt und wurde deshalb als „Rumble in the Jungle“ angekündigt. Erwartungsgemäß entschied George Foreman die ersten Runden für sich, aber Muhammad Ali hielt sich bewusst zurück und legte es darauf an, seinen Gegner zu ermüden. In der achten Runde schlug er ihn dann k. o. und gewann damit den Weltmeistertitel zurück. Mehrmals verteidigte er den Titel erfolgreich, beispielsweise 1975 gegen Joe Frazier und 1976 gegen Ken Norton. Im Februar 1978 wurde er zwar von Leon Spinks besiegt, aber im September holte er sich den Titel zurück.

Danach verabschiedete sich Muhammad Ali vom Profi-Boxsport.

„Kein Boxer“, sagt der amerikanische Boxhistoriker Bert Randolph Sugar, „hatte eine ähnliche Karriere. Nicht Jack Dempsey, nicht Joe Louis, nicht Rocky Marciano, sie hatten doch kaum große Gegner.“ Ali hingegen hat Sonny Liston entthront, zweimal den früheren Weltmeister Floyd Patterson zermürbt. Er hat sich drei legendäre Duelle mit Joe Frazier geliefert und den Koloss George Foreman zerstört. Dreimal Weltmeister im Schwergewicht, 56 Siege, 37 Knockouts, nur fünf Niederlagen. Ali hat zwei Generationen von Champions überlebt und die größte Ära des Schwergewichtsboxens dominiert mit seinem revolutionären Boxstil: „Float like a butterfly / Sting like a bee / Your hands can’t hit / What your eyes can’t see.“ (Stern, 6. August 2004)

Nach der Scheidung von Belinda, seiner zweiten Frau, mit der er von 1967 bis 1975 verheiratet war, vermählte sich Muhammad Ali mit Veronica Porsche. Aber auch seine dritte Ehe scheiterte. Lonnie Williams wurde 1986 seine vierte Frau. Insgesamt hat Muhammad Ali neun eheliche Kinder.

Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele 1996 in Atlanta entzündete Muhammad Ali das Olympische Feuer. Drei Jahre später ernannte ihn das Internationale Olympische Komitee zum „Sportler des Jahrhunderts“.

Bei der Frankfurter Buchmesse stellte Muhammad Ali im Oktober 2003 einen 830 Seiten dicken, 29 Kilogramm schweren und 3000 Euro teuren Bildband mit dem Titel „GOAT. Greatest of All Time“ vor (Taschen Verlag, Köln 2003, limitierte Auflage).

US-Präsident George W. Bush verlieh ihm 2005 die „Freiheitsmedaille“, die bedeutendste zivile Auszeichnung der USA.

Seit Jahren leidet Muhammad Ali an der Parkinsonschen Krankheit.

Ein Porträt von Muhammad Ali in den Jahren von 1964 bis 1974 inszenierte Michael Mann unter dem Titel „Ali“ (2001). Leon Gast erhielt einen „Oscar“ für seinen Dokumentarfilm über den Kampf von Muhammad Ali gegen George Foreman am 30. Oktober 1974 in Kinshasa („When We Were Kings“). Der Film setzt sich vor allem mit dem politischen Umfeld und der Bedeutung des Ereignisses für das Selbstverständnis der Afrikaner und der Afroamerikaner auseinander.

Originaltitel: When We Were Kings – Regie: Leon Gast – Drehbuch: Leon Gast – Kamera: Maryse Alberti, Paul Goldsmith, Kevin Keating, Albert Maysles, Roderick Young – Schnitt: Leon Gast, Taylor Hackford, Jeffrey Levy-Hinte, Keith Robinson – Musik: Miriam Makeba („Am Am Pondo“), Lauryn Hill („Rumble in the Jungle“), Joe Josea und B. B. King („Sweet Sixteen“), Wyclef Jean
– Mit: Muhammad Ali, George Foreman, Don King, James Brown, B. B. King, Mobutu Sese Seko, Spike Lee, Norman Mailer, George Plimpton, Thomas Hauser, Malik Bowens, Lloyd Price, Wilton Felder, Wayne Henderson, Stix Hooper, Joe Sample, Miriam Makeba u. a. – 1996; 90 Minuten

© Dieter Wunderlich 2006

Michael Mann: Ali

Iwan Bunin - Vera
Unter dem Titel "Vera" sind fünf Erzählungen aus dem Jahr 1912 zusammengefasst. Iwan Bunin beobachtet die Protagonisten, versucht aber nicht, ihr Verhalten zu analysieren. Mit den derben Charakteren kontrastieren edle Pferde und die karge Naturschönheit der Landschaft.
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