Untreu

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Untreu

Untreu - Originaltitel: Unfaithful - Regie: Adrian Lyne - Drehbuch: Alvin Sargent und William Broyles jr., nach "Die untreue Frau" von Claude Chabrol - Kamera: Peter Biziou - Schnitt: Anne V. Coates - Musik: Jan A.P. Kaczmarek - Darsteller: Diane Lane, Richard Gere, Olivier Martinez, Erik Per Sullivan, Kate Burton, Myra Lucretia Taylor, Michelle Monaghan, Chad Lowe, Erich Anderson, Margaret Colin u.a. - 2001; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Eine junge Amerikanerin erliegt trotz ihres Familienglücks der Versuchung, sich auf eine Affäre mit einem unbekümmerten Franzosen einzulassen und fühlt sich dabei zwischen Lust und Scham, Glücksrausch und Gewissensbissen hin- und hergerissen. Sie verliert den Respekt vor sich selbst. Winzige Veränderungen in ihrer Mimik und in ihrem Verhalten irritieren ihren Ehemann, aber statt mit ihr zu reden, setzt er einen Privatdetektiv auf sie an. Sein irrationaler Drang, den Nebenbuhler aufzusuchen, endet mit einer Katastrophe.
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Kritik

Sehenswert ist "Untreu" v. a. wegen des subtilen Spiels von Diane Lane, das mit der bewusst unspektakulären und zurückhaltenden Inszenierung von Adrian Lyne übereinstimmt.


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Connie und Edward Sumner (Diane Lane, Richard Gere) wohnen mit ihrem kleinen Sohn Charlie (Erik Per Sullivan), einem Hund und einer Haushälterin in einer Traumvilla außerhalb der Stadt New York. Sie kennen weder finanzielle noch familiäre Sorgen und führen seit elf Jahren eine glückliche Ehe.

Eines Tages kommt Wind auf. Der Wetterhahn rotiert. Während Connie mit der Bahn zum Einkaufen nach Manhattan fährt, wird daraus ein heftiger Sturm, der den Müll durch die Häuserschluchten bläst. Vergeblich ruft Connie in SoHo nach einem Taxi. Der Sturm bläst sie fast um; sie fällt hin und schlägt sich die Knie auf. Dann rennt sie auch noch einen jungen Mann (Olivier Martinez) mit einem Stapel Bücher um. Er heißt Paul Martel, ist Franzose, handelt mit Büchern und wohnt hier im Block. In seiner mit Bücherstapeln vollgestellten Wohnung klebt sie sich Pflaster auf die Abschürfungen an ihren Beinen. Dann eilt sie zum Bahnhof.

Als sie zu Hause in dem Buch blättert, das Paul ihr schenkte, fällt seine Visitenkarte heraus. Am nächsten Tag ist Connie wieder in Manhattan und wählt von einem öffentlichen Fernsprecher in der Central Station seine Nummer. Sie wolle sich nur noch einmal für seine Hilfe bedanken. Spontan lädt Paul sie ein, bei ihm vorbeizukommen. Als sie in seiner Wohnung vor einem aufgeschlagenen Buch in Blindenstrift steht, fordert er sie auf, die Augen zu schließen und führt ihren Zeigefinger über die Prägungen. Er versucht sie zu küssen, aber sie sträubt sich gegen ihre eigenen Gefühle: „Das können wir nicht tun!“ Die spießige Amerikanerin erliegt dann doch dem Charme des unbekümmerten Franzosen. Er streift seinen Pullover ab, den er auf der nackten Haut trägt und fährt mit dem Zeigefinger über ihren Nabel. Sie zittert vor Erregung. Bei der Heimfahrt im Zug lacht und weint sie abwechselnd, weil sie sich zwischen Glücksrausch und Gewissensbissen hin- und hergerissen fühlt.

Fast jeden Tag fährt sie unter irgendwelchen Vorwänden nach Manhattan und trifft sich mit Paul. Einmal ertappt sie ihn mit einer anderen Frau und macht ihm wütend eine Szene, aber es gelingt ihm, sie zurückzugewinnen.

Edward fällt auf, dass Connie beim Geschirrspülen mit offenen Augen träumt. Zufällig stößt er in einem Gespräch mit einem Bekannten auf eine der Lügen seiner Frau. Er wird misstrauisch. Um sie auf die Probe zu stellen, schlägt er ihr ein gemeinsames Mittagessen vor, und als sie einen Termin im Schönheitssalon vorschiebt, ruft er dort an, um sich zu vergewissern, dass sie dort nicht angemeldet ist. Statt mit ihr zu reden, engagiert er einen Privatdetektiv, der rasch herausfindet, mit wem sich Connie in Manhattan trifft und auch einige Fotos präsentiert.

Einige Zeit treibt sich Edward unschlüssig auf der Straße vor Pauls Wohnung herum. Connie kommt aus der Haustür und läuft zum nahen Parkplatz, doch Edward dreht ihr zufällig gerade den Rücken zu und übersieht sie. Schließlich fährt er mit dem Aufzug nach oben, klopft an Pauls Tür und stellt sich als Connies Ehemann vor. Paul bietet ihm Wodka an. Scheinbar ruhig schaut Edward sich in der Wohnung um. Er nimmt eine große Schneekugel in die Hand und setzt die darin untergebrachte Spieluhr in Betrieb. „Ich wusste gar nicht, dass da auch eine Spieluhr ist“, gibt Paul zu. Er kann auch nicht ahnen, dass Edward im Fuß der Schneekugel bzw. Spieluhr ein Familienfoto und einen Zettel mit einer Liebeserklärung an seine Frau versteckt hatte, bevor er sie ihr schenkte. Edward setzt sich auf das aufgewühlte Bett. Plötzlich taumelt er hoch, reißt die Schneekugel mit beiden Händen nach oben und schlägt sie Paul zweimal mit aller Kraft auf den Kopf.

Blutüberströmt bricht Paul zusammen. Edward rollt den Toten in einen Teppich, beseitigt das Blut, wäscht die Schneekugel sorgfältig sauber und wischt die Fingerabdrücke von seinem Glas ab. Connie ruft an und spricht auf den Anrufbeantworter: Sie müsse sich von Paul trennen, sie könne mit diesen Heimlichkeiten nicht weitermachen und dürfe ihr Familienleben nicht länger gefährden. Edward löscht die Aufnahme, bevor er den Teppich mit der Leiche zum Aufzug schleift und in seinen Kofferraum wuchtet. In der Nacht fährt er zu einem riesigen Müllplatz.

Zwei Polizisten melden sich bei Connie Sumner. Paul Martel wurde von seiner Frau als vermisst gemeldet, und auf einem Notizblock in seiner Wohnung hat man Connies Telefonnummer gefunden. Sie habe Paul Martel nur flüchtig gekannt, behauptet Connie – die auf diese Weise erfährt, dass er verheiratet war.

Ein paar Tage später kommen die beiden Beamten wieder. Diesmal ist auch Edward zu Hause. Inzwischen habe man die Leiche gefunden. Es handele sich um Mord. Deshalb komme es jetzt auf jedes Detail an. Connie beteuert noch einmal, nie in Pauls Wohnung gewesen zu sein, tut so, als könne sie sich nun erinnern, den französischen Buchhändler bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung kennen gelernt zu haben, und Edward behauptet, er sei dabei gewesen. Verwundert blickt Connie ihren Mann an.

Connie und Edward haben einige Bekannte zu Besuch. Jemand nimmt eine der Schneekugeln vom Fensterbrett und bewundert sie. Da fällt Connies Blick auf eine bis dahin verdeckte Schneekugel. Die hat sie Paul geschenkt! Jetzt weiß sie, wer ihn umgebracht hat. Sobald die Gäste gegangen sind, spricht sie mit Edward. Er will sich stellen, aber Connie hält ihn davon ab.

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„Die untreue Frau“ von Claude Chabrol (1968) lieferte die Vorlage für Adrian Lynes Spielfilm.

„Untreu“ ist nicht Adrian Lynes bester Film. Sehenswert ist das nuancierte Spiel von Diane Lane in Übereinstimmung mit der bewusst unspektakulären und zurückhaltenden Inszenierung.

Adrian Lyne wurde am 4. März 1941 in Peterborough in Northamptonshire als Sohn des Lehrers Richard Lyne und dessen Ehefrau Rosalind geboren, wuchs aber in London auf. Sein Vater war Lateinlehrer. Nach dem Besuch der Highgate School arbeitete Adrian Lyne vier Jahre lang in einer Werbeagentur in London. 1971 gründete er mit zwei Geschäftspartnern eine eigene Werbeagentur.

Zu seinen Aufgaben gehörte das Drehen von Werbespots. Seinen ersten Spielfilm inszenierte Adrian Lyne 1980: „Foxes“ / „Jeanies Clique“.

Sein Psychothriller „Fatal Attraction“ / „Eine verhängnisvolle Affäre“ wurde 1988 in sechs Kategorien für einen „Oscar“ nominiert, darunter auch für die Regie.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002

Adrian Lyne (Filmografie)

Adrian Lyne: 9½ Wochen
Adrian Lyne: Eine verhängnisvolle Affäre
Adrian Lyne: Jacob’s Ladder. In der Gewalt des Jenseits
Adrian Lyne: Ein unmoralisches Angebot
Adrian Lyne: Lolita

Tomas Espedal - Wider die Natur
Die Biografie des Protagonisten in "Wider die Natur" weist Parallelen zu der des Autors auf, aber vielleicht setzt Tomas Espedal den Eindruck des Autobiografischen nur als Stilmittel ein. Die Sprache ist lakonisch, spröde und sachlich, leise und schnörkellos.
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