Die zwölf Geschworenen

Die zwölf Geschworenen

Die zwölf Geschworenen

Die zwölf Geschworenen - Originaltitel: Twelve Angry Men - Regie: Sidney Lumet - Drehbuch: Reginald Rose - Kamera: Boris Kaufmann - Schnitt: Carl Lerner - Musik: Kenyon Hopkins - Darsteller: Henry Fonda, Lee J. Cobb, Jack Warden, Martin Balsam, John Fiedler, E. G. Marshall, Jack Klugman, Ed Binns, Joseph Sweeney, Ed Begley, George Voskovec, Robert Webber u.a. - 1957; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Ein 19-jähriger Puertoricaner steht vor Gericht. Er soll seinen Vater erstochen haben. Im Fall einer Verurteilung droht ihm die Todesstrafe. Für die zwölf Geschworenen, die sich zur Beratung zurückziehen, scheint das Urteil klar zu sein. Doch wider Erwarten stimmt einer von ihnen für "nicht schuldig" ...


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Kritik

Zu sehen ist nichts anderes als die Diskussion der zwölf Geschworenen, die Gruppendynamik, die sich zwischen ihnen entwickelt. Mit sparsamsten Mitteln gelang es Sidney Lumet, einen großartigen und außergewöhnlich spannenden Film zu gestalten.
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Ein 19-jähriger Puertoricaner (John Savoca), der seinen Vater erstochen haben soll, steht vor Gericht. Dass er zur Tatzeit im Kino gewesen war, wie er behauptet, glaubt man ihm nicht. Andererseits wollen ihn ein Mann und eine Frau zur Tatzeit am Tatort gesehen haben. Im Fall eines Schuldspruchs droht ihm die Todesstrafe. Die Geschworenen ziehen sich zur Beratung zurück. Sie stimmen ab und stellen fest, dass einer von ihnen (gespielt von Henry Fonda) wider Erwarten „nicht schuldig“ auf seinen Zettel geschrieben hat.

Dieser Mann, ein Architekt und Vater von drei Kindern, will zwar nicht behaupten, dass der Angeklagte unschuldig ist, aber er sieht auch keinen überzeugenden Beweis für dessen Täterschaft. Im Gegenteil, er weist auf Widersprüche in der Argumentation des Staatsanwalts hin, die der Pflichtverteidiger übersah. Verbotenerweise hat er ein Springmesser bei sich, das er zwischen zwei Gerichtsverhandlungen kaufte und das genauso aussieht wie die Tatwaffe. Damit widerlegt er die Behauptung des Staatsanwalts, der Angeklagte – der beteuerte, sein Messer sei ihm gestohlen worden – habe ein Messer mit ungewöhnlichen Verzierungen besessen, die es kein zweites Mal gebe.

Den lästigen Abweichler wollen die meisten der anderen elf Geschworenen umstimmen, um die Sache so rasch wie möglich hinter sich zu bringen, zumal es sich um einen unerträglich heißen Sommertag handelt.

Bei der nächsten Abstimmung plädiert auch ein bedächtiger älterer Herr (Joseph Sweeney) gegen einen Schuldspruch. Er geht zwar zunächst noch davon aus, dass der Latino seinen Vater ermordete, unterstützt aber den Architekten in dem Bemühen, den Fall gründlich zu durchdenken.

Die Diskussion verunsichert einige weitere Mitglieder der Jury, und mit jeder neuen Abstimmung vergrößert sich die Zahl derjenigen, die für „nicht schuldig“ stimmen.

Schließlich bleibt nur noch ein einziger Geschworener (Lee J. Cobb) übrig, der für „schuldig“ votiert, und der muss nach einer heftigen Auseinandersetzung zugeben, dass er sich von seiner aggressiven Voreingenommenheit leiten ließ: Sein Sohn will ihn nicht mehr sehen, und er projizierte seine Wut auf den Angeklagten.

Am Ende kommt ein einstimmiges „Nicht schuldig“ zustande.

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Das schwarz-weiß gedrehte, kammerspielartige Justizdrama „Die zwölf Geschworenen“ von Sidney Lumet spielt nach einer kurzen einleitenden Szene im Gerichtssaal ausschließlich im Beratungszimmer der Geschworenen und zeigt nichts anderes als deren Diskussion. Keine Rückblenden lenken von der Gruppendynamik ab, die sich zwischen den zwölf Menschen entwickelt. Mit sparsamsten Mitteln gelang es Sidney Lumet, einen außergewöhnlich spannenden Film zu gestalten, der veranschaulicht, wie sehr wir uns von unreflektierten Denkschablonen leiten lassen, wie wichtig es daher ist, anderen zuzuhören, gerade wenn sie abweichende Meinungen vertreten.

Durch eine Veränderung der Optik wirkt der Raum immer enger.

Trotz seiner Brillanz spielte der in drei Wochen ohne großen Aufwand gedrehte Film nicht einmal die Produktionskosten ein. Heute gilt „Die zwölf Geschworenen“ längst als Meisterwerk und Klassiker.

„Die zwölf Geschworenen“ wurde für drei „Oscars“ nominiert (Drehbuch, Film, Regie).

Synchronsprecher in der deutschen Fassung von „Die zwölf Geschworenen“: Ernst Wilhelm Borchert (für Henry Fonda), Walter Suessenguth (Joseph Sweeney), Wolf Martini (Lee J. Cobb), Rainer Brandt, Hugo Schrader, Friedrich Schoenfelder, Axel Monje, Arnold Marquis, Horst Niendorf, Werner Lieven, Bernhard Wicki, Gert Günther Hoffmann u.a.

Die Handlung beruht auf einem authentischen Fall. Nach dem Drehbuch zum Fernsehfilm (1954) und zum Kinofilm (1957) schrieb Reginald Rose auch noch das Theaterstück „Twelve Angry Men“, das in deutscher Übersetzung 1958 erstmals in München aufgeführt wurde: „Die zwölf Geschworenen“. Harold Pinter inszenierte das Theaterstück 1996 am Comedy Theatre (heute: Harold-Pinter-Theatre) in London und 2004 im Roundabout Theatre am Broadway.

William Friedkin drehte 1997 ein Remake von „Die zwölf Geschworenen“ fürs Fernsehen.

Originaltitel: 12 Angry Men – Regie: William Friedkin – Drehbuch: Reginald Rose – Kamera: Fred Schuler – Schnitt: Augie Hess – Musik: Kenyon Hopkins – Darsteller: Jack Lemmon, Armin Mueller-Stahl, George C. Scott, Courtney B. Vance, Ossie Davis, Dorian Harewood, James Gandolfini, Tony Danza, Hume Cronyn, Mykelti Williamson, Edward James Olmos, William L. Petersen, Mary McDonnell, Tyress Allen, Douglas Spain – 1997; 115 Minuten

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002

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Martin Walser verbreitet sich in aller Ausführlichkeit auch über belanglose Einzelheiten. Wer jedoch genügend Geduld aufbringt, wird mit einem maliziösen Gesellschaftsporträt und dem sorgfältig ausgeleuchteten Psychogramm einer Neureichen belohnt: "Der Lebenslauf der Liebe".

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