William Shakespeare's Romeo und Julia

William Shakespeare’s Romeo und Julia

William Shakespeare's Romeo und Julia

Originaltitel: William Shakespeare's Romeo and Juliet - Regie: Baz Luhrmann - Buch: Baz Luhrmann und Craig Pearce, nach der Tragödie von William Shakespeare - Kamera: Donald M. McAlpine - Schnitt: Jill Bilcock - Musik: Nellee Hooper - Darsteller: Leonardo DiCaprio (Leonardo Di Caprio), Claire Danes, Brian Dennehy, Harold Perrineau, John Leguizamo, Paul Sorvino, Miriam Margolyes, Pete Postlethwaite, Paul Rudd, Diane Venora u.a. - 1996; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Baz Luhrmann verlegt die Handlung der Shakespeare-Tragödie "Romeo und Julia" in ein urbanes südamerikanisches Inferno des 20. Jahrhunderts. So werden Schwerter durch matt schimmernde Pistolen ersetzt, die Polizei greift von Hubschraubern aus in die Straßenkämpfe der Jugendgangs ein, und im Fernsehen wird über die blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Montagues und den Capulets berichtet.
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Kritik

Offenbar von Comics und Video Clips inspiriert, gestaltete Baz Luhrmann aus Shakespeare-Versen und Versatzstücken des Action- und Gangsterfilms ein mit Popmusik untermaltes grellbuntes, furioses, opernhaftes Spektakel: "Romeo und Julia".
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Two households, both alike in dignity,
In fair Verona, where we lay our scene
[…]

Im „lieblichen Verona“ hat William Shakespeare seine Tragödie angesiedelt. Der Australier Baz Luhrmann verlegt die Handlung in eine schmutzige, von Gewalt geprägte lateinamerikanische Küstenstadt: Verona Beach.

Verona Beach wird von zwei verfeindeten Familienoberhäuptern beherrscht: Ted Montague (Brian Dennehy) und Fulgencio Capulet (Paul Sorvino). Nahezu jeden Tag berichtet das Fernsehen von blutigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Familienclans. In dieser gewalttätigen, von Hass erfüllten Welt wachsen Ted Montagues Sohn Romeo (Leonardo DiCaprio) und Fulgencio Capulets Tochter Julia (Claire Danes) auf.

Romeo und sein schwarzer Freund Mercutio (Harold Perrineau) schleichen sich als Ritter und als Drag-Queen verkleidet bei einem glamourösen Maskenball in der von uniformierten Leibwächtern kontrollierten schlossähnlichen Villa der Capulets ein. Julia trägt ein weißes Engelskostüm mit Flügeln. An einem riesigen Aquarium begegnen sich Romeo und Julia zum ersten Mal. Es ist Liebe auf den ersten Blick!

Julia ahnt noch nicht, dass Romeo ein Montague ist. Doch auch so muss sie auf der Hut sein, denn ausgerechnet bei diesem Fest einigen sich Fulgencio und Gloria Capulet (Diane Venora) mit dem reichen Geschäftsmann Dave Paris (Paul Rudd) – der im Astronautenanzug erschienen ist – über dessen Eheschließung mit ihrer Tochter Julia.

Nach dem Feuerwerk, das den Ball beschließt, versteckt Romeo sich im Park und klettert dann zu Julias Balkon hinauf, um ihr Liebe zu schwören. Als sie sich umarmen und leidenschaftlich küssen, verlieren sie den Halt und stürzen in den Pool. Der Uniformierte am Überwachungsmonitor hat etwas bemerkt und schickt einen Kollegen, um nachzusehen, doch im Pool scheint nur Julia zu sein, und dass sie mit ihrem weißen Kleid im Wasser plantscht, irritiert den Wachmann offenbar nicht. Romeo versteckt sich hinter ihr und hält unter Wasser den Atem an. Erst als Julias Amme (Miriam Margolyes) lautstark ruft, muss das junge Liebespaar sich trennen.

Am nächsten Tag taucht die Amme bei Romeo auf und will ihm die Unmöglichkeit einer Liebesbeziehung zwischen einer Capulet und einem Montague klarmachen, aber Romeo lässt sich nicht beirren und überzeugt die wohlmeinende Frau von seinen ernsten Absichten. Er nennt der Amme einen Zeitpunkt, an dem sie mit Julia zur heimlichen Hochzeit in die Kirche von Pater Laurence (Pete Postlethwaite) kommen soll. Zur vorgesehenen Stunde reißt sich Pater Laurence, auf dessen Rücken ein Kreuz tätowiert ist, von seinen alchemistischen Experimenten los, zieht ein Hawaiihemd an und streift das Messgewand über. Nach der Trauung kehrt Julia in die Villa ihrer Eltern zurück, während Romeo am Strand herumschlendert.

Gloria Capulets Neffe Tybalt (John Leguizano), der Romeo auf dem Ball erkannt hatte und den Eindringling auf der Stelle erschlagen wollte, wurde von Fulgencio Capulet zurückgehalten, weil dieser keinen blutigen Streit auf seinem Fest haben wollte. Doch jetzt suchen Tybalt und seine Leute nach Romeo. Am Strand stoßen sie auf ihn und seine Freunde. Romeo wehrt sich nicht gegen die Schläge und Tritte seines Gegners. Stattdessen beschwört er Tybalt, die Familienfehde zu beenden. Aber der geht nicht darauf ein und tötet Mercutio. Da greift Romeo zur Pistole und erschießt Tybalt.

Pater Laurence bringt Romeo auf einem Campingplatz außerhalb der Stadt in Sicherheit.

Am Abend bevor Julia mit Dave Paris verheiratet werden soll, wendet sie sich verzweifelt an Pater Laurence. Der kennt aufgrund seiner Experimente eine Droge, die einen vierundzwanzig Stunden lang anhaltenden Scheintod bewirkt. Damit soll Julia einen Suizid vortäuschen. Gleich nachdem Julia ihn mit dem Fläschchen verlassen hat, schickt Pater Laurence seinem Schützling Romeo eine Depesche, in der er seinen Plan erklärt. Doch Romeo erhält die Depesche nicht und erfährt stattdessen von einem Freund, der in der Stadt war, dass Julia sich das Leben genommen habe. Da sucht er einen alten Giftmischer auf, besorgt sich eine Ampulle eines tödlichen, rasch wirkenden Giftes und eilt in die Stadt, um sich heimlich zu der aufgebahrten vermeintlichen Leiche zu schleichen. Gerade als Julia wieder zu sich kommt, schluckt Romeo neben ihr das Gift, und während er verwundert in Julias offene Augen blickt, bricht er tot zusammen. Nach dem ersten Schock begreift Julia, was geschehen ist. Ohne Romeo mag sie nicht mehr leben: Sie greift nach seiner Pistole und erschießt sich.

[…]
For never was a story of more woe
Than this of Juliet and her Romeo.

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Kritik:

William Shakespeare schrieb seine Theaterstücke nicht für ein elitäres, sondern für ein breites Publikum. Also ist es durchaus legitim, die Tragödie „Romeo und Julia“ als publikumswirksames Spektakel zu verfilmen. Genau das hat der australische Filmregisseur Baz Luhrmann getan.

Das dem Stück zugrunde liegende Thema – die Tragik, die in einer Welt voller Hass aus einer verbotenen Liebe entsteht –, gehört zu jenen Mythen, die uns alle tief im Innersten berühren. […] Was wir versucht haben, war, diesen Film so wild, verführerisch, unbarmherzig und unterhaltsam zu drehen, wie Shakespeare es getan hätte, wenn er Filmemacher gewesen wäre. (Baz Luhrmann)

Obwohl Baz Luhrmann in seinem Film „William Shakespeare’s Romeo und Julia“ die Versform beibehält (auch wenn er sie in der Originalfassung mit amerikanischem Akzent sprechen lässt), verlegt er die Handlung in ein urbanes südamerikanisches Inferno des 20. Jahrhunderts. So werden Schwerter durch matt schimmernde Pistolen ersetzt, die Polizei greift von Hubschraubern aus in die Straßenkämpfe der Jugendgangs ein, und im Fernsehen wird über die blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Montagues und den Capulets berichtet.

Die für Shakespeare charakteristische Kombination aus tragischen und komödiantischen Elementen übernahm Baz Luhrmann. Offenbar von Comics und Video Clips inspiriert, gestaltete er aus Shakespeare-Versen und Versatzstücken des Action- und Gangsterfilms ein mit Popmusik untermaltes grellbuntes, furioses, opernhaftes Spektakel. An der überbordenden Bilder- und Schnittorgie mit atemberaubenden Zooms, Schwenks und Kamerafahrten können die Zuschauer ihre Wahrnehmungsfähigkeit testen.

[…] die Kamera als Zentrifuge und als Häckselmaschine der Schneidetisch […] Dieser vermeintliche Regie-Berserker [Baz Luhrmann] weiß in jedem Augenblick erstaunlich genau, was er will. Immer Hochdruck, immer Volldampf, immer Looping, immer Kitsch-as-Kitsch-can – doch im Zentrum der ganzen brillanten Schaumschlägerei ein Moment innigsten Gefühls, die Begegnung zwischen Julia und Romeo […] Der australische Revue- und Opernregisseur Baz Luhrmann […] präsentiert eine Hochglanz-Gesellschaft, in der alles nur noch Zitat ist, nur Pose, Stil, nur Reklame für sich selbst […] (Urs Jenny in „Der Spiegel“ 11/1997)

Die beiden Hauptrollen in „William Shakespeare’s Romeo und Julia“ sind mit Claire Danes und Leonardo DiCaprio ideal besetzt, aber auch die Nebenrollen werden originell und perfekt verkörpert.

Die Ausstatterin Catherine Martin wurde für einen „Oscar“ nominiert.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2003

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Verena Lueken - Alles zählt
"Alles zählt" wirkt autobiografisch, aber die Frage, ob die Ich-Erzählerin die Autorin Verena Lueken vertritt, bleibt offen. Die Darstellung enthält essayistische Züge, und die Sprache ist so sachlich, als protokolliere hier tatsächlich eine Krebspatientin ihre Gedanken und Gefühle.
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Verena Lueken

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