Nina Lugowskaja : Ich will leben. Ein russisches Tagebuch

Ich will leben. Ein russisches Tagebuch

Nina Lugowskaja

Ich will leben. Ein russisches Tagebuch

Ich will leben.Ein russisches Tagebuch 1932 - 1937 Übersetzung: Christiane Körner Carl Hanser Verlag, München / Wien 2005 ISBN 3-446-20571-3, 436 Seiten, 24.90 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Mit 13 begann Nina Lugowskaja, ein Tagebuch zu führen. Als ihr aus der Verbannung in Sibirien zurückgekehrter Vater keine Aufenthaltserlaubnis für Moskau erhielt, wünschte sie sich wütend Stalins Tod. 1937 wurde Ninas Tagebuch bei einer Hausdurchsuchung durch den sowjetischen Geheimdienst beschlagnahmt. Aufgrund der regimekritischen Äußerungen unterstellte man der Achtzehnjährigen, einen Terrorakt geplant zu haben und verhaftete die gesamte Familie.
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Kritik

Das Tagebuch der jungen Russin Nina Lugowskaja – "Ich will leben" – gilt als aufschlussreiches Zeitdokument über das stalinistische Alltagsleben und widerlegt diejenigen, die nach Stalins Tod behaupteten, nichts von dessen Verbrechen gewusst zu haben.

Im Alter von dreizehn Jahren begann Nina Lugowskaja, ein Tagebuch zu führen. Ihr Vater, der Moskauer Bäcker Iwan Rybin-Lugowskoj, kehrte gerade aus der Verbannung in Sibirien zurück, erhielt jedoch keine Aufenthaltserlaubnis für seine Heimatstadt und lebte illegal bei seiner Frau und den drei Töchtern, von denen Nina die jüngste war. Die Familie musste deshalb ständig mit dem Auftauchen der Polizei rechnen.

Und dann haben sie Papa den Pass verweigert. Wut überkam mich, ohnmächtige Wut. Ich brach in Tränen aus, rannte durchs Zimmer, fluchte und kam zu dem Entschluss, dass man dieses Gesindel umbringen muss. Tagelang habe ich mir abends im Bett vorgestellt, wie ich ihn [Stalin] umbringe. Und dieser Diktator macht noch Versprechungen, dieser Unmensch, dieser Lump, dieser gemeine Georgier, der Russland zugrunde richtet. (Nina Lugowskaja in ihrem Tagebuch, März 1933)

Nina Lugowskaja schrieb in ihrem Tagebuch von der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft durch Stalin, bei der Millionen ums Leben kamen. Sie hielt fest, was sie über Hungersnöte und Kannibalismus erfahren hatte.

Natürlich stand nicht die Regimekritik im Mittelpunkt ihrer Aufzeichnungen, sondern die Selbstbespiegelung, die Suche nach der eigenen Identität. Nina Lugowskaja hielt sich zeitweise für genial, doch sie litt auch immer wieder unter Minderwertigkeitskomplexen, vor allem, weil sie schielte. Einmal versuchte sie sogar, sich mit Opium umzubringen. Sie beschäftigte sich mit Familienkonflikten, dem Verhalten ihres patriarchalischen, aber seit der Verbannung gebrochenen Vaters und begehrte gegen die überkommene Rolle der Frau auf.

1937 wurde Ninas Tagebuch bei einer Hausdurchsuchung durch den sowjetischen Geheimdienst NKWD beschlagnahmt. Aufgrund der regimekritischen Äußerungen unterstellte man der Achtzehnjährigen, einen Terrorakt geplant zu haben und verhaftete die gesamte Familie.

Ein Gericht verurteilte Nina Lugowskaja zu einer verhältnismäßig milden Strafe: Fünf Jahre Zwangsarbeit in einem ostsibirischen Lager.

Nach ihrer Freilassung im Jahr 1942 heiratete sie einen Künstler jüdischer Herkunft, den sie im Arbeitslager kennen gelernt hatte und betätigte sich als Bühnenbildnerin. 1963 wurde Nina Lugowskaja rehabilitiert. Dreißig Jahre später starb sie im Alter von fünfundsiebzig Jahren in Wladimir.

Eine Mitarbeiterin der Menschenrechtsorganisation „Memorial“ entdeckte 2003 die drei von Nina Lugowskaja beschriebenen Hefte im Russischen Staatsarchiv.

Endlich hat auch der Bolschewismus seine Anne Frank.
(Sonja Zekri in „Süddeutsche Zeitung“, 12. Dezember 2005)

Das unter dem Titel „Ich will leben“ auch in deutscher Sprache veröffentlichte Tagebuch von Nina Lugowskaja gilt als aufschlussreiches Zeitdokument über das stalinistische Alltagsleben und widerlegt diejenigen, die nach Stalins Tod behaupteten, nichts von den Verbrechen des Regimes gewusst zu haben.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005
Textauszüge: © Hanser

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