Nathan Leopold jr. / Richard Loeb


Nathan Leopold jr. (19. November 1904 – 29. August 1971) und Richard Loeb (11. Juni 1905 – 28. Januar 1936), zwei aus wohlhabenden Familien stammende Studenten der Universität von Chicago, waren davon überzeugt, durch ihre Intelligenz in der Lage zu sein, ein perfektes Verbrechen zu begehen.

Am 21. Mai 1924 lockten sie den vierzehnjährigen Bobby Franks, der mit Richard Loeb verwandt war und in der Nachbarschaft wohnte, in einen Mietwagen. Nachdem sie den Jungen mit einem Meißel bewusstlos geschlagen hatten, erdrosselten sie ihn. Bevor sie den Toten außerhalb von Chicago versteckten, verätzten sie das Gesicht mit Säure, um die Identifizierung zu erschweren. Dann schickten sie den Eltern des Opfers eine Lösegeldforderung, obwohl es ihnen eigentlich nicht um das Geld ging, sondern um den Beweis ihrer Überlegenheit.

Die Leiche wurde noch vor der Geldübergabe entdeckt. Eine am Fundort sichergestellte Brille brachte die Polizei auf die Spur von Nathan Leopold, und es stellte sich heraus, dass die Lösegeldforderung auf einer von ihm auch sonst benutzten Schreibmaschine getippt worden war. In den Verhören gestanden Nathan Leopold und Richard Loeb schließlich unabhängig voneinander die Tat, beschuldigten sich allerdings gegenseitig, Bobby Franks ermordet zu haben.

Richard Loebs Eltern engagierten den Rechtsanwalt Clarence Darrow. Der überredete die beiden Studenten, sich schuldig zu bekennen. Andernfalls hätte die Verhandlung vor einem Geschworenengericht stattgefunden, und aufgrund der Medienberichte über „Leopold und Loeb“ wäre dann ein Todesurteil zu erwarten gewesen. Das Plädoyer von Clarence Darrow soll zwölf Stunden gedauert haben und wurde als leidenschaftliche Argumentation gegen die Todesstrafe verstanden. Offenbar überzeugte er damit den Richter, der Nathan Leopold und Richard Loeb zu lebenslangen Haftstrafen verurteilte.

Richard Loeb erlag am 28. Januar 1936 den Verletzungen, die ihm der Mithäftling James Day mit einem Rasiermesser zugefügt hatte, angeblich um einen Vergewaltigungsversuch abzuwehren.

Nathan Leopold jr. wurde nach dreiunddreißig Jahren auf Bewährung entlassen (1958). Er zog sich nach Puerto Rico zurück und starb am 29. August 1971 an einem Herzinfarkt.

Patrick Hamilton (1904 – 1962) griff den Fall „Leopold und Loeb“ in seinem Theaterstück „The Rope“ auf, das von Alfred Hitchcock verfilmt wurde (deutscher Titel: „Cocktail für eine Leiche“). Auch der 1956 von Meyer Levin veröffentlichte Roman „Compulsion“ handelt von dem Fall „Leopold und Loeb“. In der Verfilmung des Romans („Der Zwang zum Bösen“) hält Orson Welles in der Rolle des Rechtsanwalts Jonathan Wilk ein langes, eindringliches Plädoyer gegen die Todesstrafe. Außerdem liegt der Fall „Leopold und Loeb“ dem Psychothriller „Mord nach Plan“ von Barbet Schroeder zugrunde.

Der Zwang zum Bösen – Originaltitel: Compulsion – Regie: Richard Fleischer – Drehbuch: Richard Murphy, nach dem Roman „Compulsion“ von Meyer Levin – Kamera: William C. Mellor – Schnitt: William Reynolds – Musik: Lionel Newman – Darsteller: Orson Welles, Diane Varsi, Dean Stockwell, Bradford Dillman, E.G. Marshall, Martin Milner, Richard Anderson, Robert F. Simon, Ed Binns, Robert Burton, Wilton Graff, Louise Lorimer, Gavin MacLeod, Terry Becker, Russ Bender, Gerry Lock, Harry Carter, Simon Scott, Voltaire Perkins u.a. – 1959; 100 Minuten

© Dieter Wunderlich 2007

Alfred Hitchcock: Cocktail für eine Leiche
Barbet Schroeder: Mord nach Plan

W. Somerset Maugham - Silbermond und Kupfermünze
Auch wenn Charles Strickland und Paul Gauguin viele Ähnlichkeiten aufweisen, hat W. Somerset Maugham keine Gauguin-Biografie geschrieben, sondern einen Künstlerroman über den Konflikt zwischen einem Genie und der bürgerlichen Gesellschaft: "Silbermond und Kupfermünze".
Silbermond und Kupfermünze

W. Somerset Maugham

Silbermond und Kupfermünze

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