Gefahr und Begierde

Gefahr und Begierde

Gefahr und Begierde

Gefahr und Begierde – Originaltitel: Se Jie / Lust, Caution – Regie: Ang Lee – Drehbuch: James Schamus und Hui-Ling Wang, nach der Kurzgeschichte "Lust, Caution" von Eileen Chang – Kamera: Rodrigo Prieto – Schnitt: Tim Squyres – Musik: Alexandre Desplat – Darsteller: Tony Leung Chiu Wai, Wei Tang, Joan Chen, Leehom Wang, Chung Hua Tou, Chih-ying Chu, Ying-hsien Kao, Ko Yu-Luen, Johnson Yuen, Kar Lok Chin, Yan Su, Saifei He u.a. – 2007; 155 Minuten

Inhaltsangabe

Die Studentin Wong Jiazhi schließt sich 1938 in Hongkong einer Theatergruppe an, die sich rasch zu einer Zelle des Widerstands gegen die japanische Besatzung entwickelt und ein Attentat auf den Kollaborateur Herrn Lee plant. Weil der Politiker schwer bewacht wird, gibt Wong sich als Frau eines reichen Geschäftsmanns aus und macht sich an Herrn Lees Gattin heran. Bevor der Anschlag durchgeführt werden kann, ziehen Herr Lee und seine Frau nach Shanghai. Drei Jahre später soll Wong es erneut versuchen ...
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Kritik

In "Gefahr und Begierde" – der Verfilmung einer Kurzgeschichte von Eileen Chang – beschränkt Ang Lee sich auf einige wenige Figuren, die nuanciert und eindrucksvoll dargestellt werden.

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Bevor im Juli 1937 der zweite Japanisch-Chinesische Krieg ausbrach, hatte sich der verwitwete Vater der Studentin Wong Jiazhi (Wei Tang) mit seiner jüngeren Tochter nach England abgesetzt, aber es war ihm nicht mehr gelungen, Wong nachzuholen. In einem nüchternen Brief teilt er ihr schließlich mit, dass er sich neu verheiraten werde.

1938, als China großenteils von Japan besetzt ist, schließt sich die schüchterne Studentin Wong Jiazhi in Hongkong der von ihrem Kommilitonen Kuang Yu Min (Leehom Wang) gegründeten Theatergruppe an, die mit ihren Agitprop-Aufführungen den Patriotismus der Chinesen wachhalten will.

Als Kuang Yu Min auf den hohen chinesischen Politiker Herrn Yee (Tony Leung Chiu Wai) aufmerksam wird, der heimlich mit der Besatzungsmacht kollaboriert, ruft er die Theatergruppe zu einem Attentat auf. Weil Herr Yee rund um die Uhr bewacht wird, soll Wong Jiazhi die Ehefrau eines reichen chinesischen Geschäftsmannes spielen und sich an Herrn Yees Ehefrau (Joan Chen) heranmachen. Um ihre neue Identität als Frau Mak glaubwürdig zu machen, spielt der Student Auyang Ling Wen (Johnson Yuen) ihren Ehemann, und ein weiteres Mitglied der Theatergruppe mimt dessen Chauffeur. Außerdem mietet die Theatergruppe, die sich nun zur revolutionären Zelle gewandelt hat, eine luxuriöse Wohnung.

Nachdem es der verführerischen „Frau Mak“ gelungen ist, in den Kreis der Mahjong spielenden Freundinnen von Frau Yee aufgenommen zu werden, richtet sie es geschickt ein, dass Herr Yee ihre Telefonnummer erfährt. Er ruft sie unter einem Vorwand an und lädt sie zum Essen ein. Anschließend bringt er sie nach Hause. Dort warten die Verschwörer mit entsicherten Pistolen auf ihn, aber er ist vorsichtig und verabschiedet sich an der Tür.

Weil damit zu rechnen ist, dass Herr Yee sich erneut melden und Wong zu seiner Geliebten machen wird, lässt sie sich von einem Mitglied der Untergrundgruppe deflorieren.

Bevor es jedoch zu einer erneuten Begegnung kommt, teilt Frau Yee ihrer vermeintlichen Freundin telefonisch mit, dass sie und ihr Mann ganz plötzlich nach Shanghai zurückkehren.

Damit ist der Attentatsplan gescheitert. Während die Verschwörer die eigens gemietete Wohnung räumen, taucht Tsao (Kar Lok Chin) auf, einer der bisherigen Leibwächter von Herrn Yee. Tsao ahnt seit einiger Zeit, dass es sich bei Frau Mak um einen Lockvogel handelt und möchte sich jetzt den Rebellen anschließen. Er ist wütend auf Herrn Yee, weil dieser ihn nicht mit nach Shanghai nahm. Die Gruppe misstraut dem Mann. Es kommt zu einer Prügelei. Kuang Yu Min rammt Tsao ein Messer in den Bauch. Aber die Studenten müssen noch ein halbes Dutzend Mal zustechen, bis Tsao über die Treppe hinunterstürzt, wehrlos liegenbleibt und Kuang ihm das Genick bricht.

Nach diesem Mord zerstreut sich die Gruppe.

1941 läuft Wong Jiazhi, die inzwischen mit finanzieller Unterstützung einer Tante (Ruhui Song) in Shanghai studiert, Kuang Yu Min über den Weg. Er hat sie gesucht, denn er gehört jetzt zu den Untergrundkämpfern von General Chiang Kai-shek und will das Attentat auf den inzwischen zum Minister und Geheimdienstchef der japanischen Besatzungsmacht aufgestiegenen Herrn Yee doch noch durchführen, nicht zuletzt, um die zahlreichen Folteropfer zu rächen. Er und sein Vorgesetzter, der sich Wu (Chung Hua Tou) nennt, überreden Wong, erneut die Rolle der reichen Frau Mak zu spielen und es so einzurichten, dass sie Frau Yee wie zufällig begegnet.

Das gelingt. „Frau Mak“, die sich angeblich ohne ihren Mann und nur vorübergehend in Shanghai aufhält, gehört bald wieder zu den Mahjong spielenden Damen, und Frau Yee lädt sie ein, statt im Hotel zu wohnen bei ihr im Haus ein Gästezimmer zu beziehen.

Als Wong zum ersten Mal mit Herrn Yee allein ist, küsst sie ihn und beginnt, sich lasziv auszuziehen. Da springt er ungeduldig auf, zerfetzt ihr Kleid, wirft sie aufs Bett und nimmt sie gewaltsam.

Herr Yee fühle sich erst lebendig, wenn er eine Frau im Bett zum Weinen und Wimmern gebracht habe, erklärt die Studentin Wu und Kuang, die den Gedanken an ihre Qualen kaum ertragen. Und sie wollen auch nicht zuhören, als Wong klagt, Herr Yee schleiche sich wie eine Schlange in ihr Herz.

Einmal muss Wong zwei Stunden lang im Auto vor dem Hauptquartier des Geheimdienstes warten, bis Herr Yee endlich herauskommt. Man habe zwei Verschwörer gefasst, erklärt er und lässt durchblicken, dass sie zu Tode gefoltert wurden.

Nach einiger Zeit kündigt „Frau Mak“ ihrer Gastgeberin zum Schein ihre Rückkehr nach Hongkong an und zieht in eine von Herrn Yee für sie in Shanghai gemietete Wohnung. Damit sind die Attentäter ihrem Ziel ein gutes Stück näher gekommen.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

An einem Abend bringt Herrn Yees Chauffeur Wong Jiazhi in ein Bordell im japanischen Viertel, wo Herr Yee auf sie wartet. Zum Abschied gibt dieser ihr einen Umschlag, den sie am nächsten Tag dem Juwelier Khalid Saiduddin (Anupam Kher) bringen soll. Wu und Kuang öffnen das Kuvert mit Dampf. Es enthält nur Herrn Yees Visitenkarte. Will er seine Geliebte auf die Probe stellen? Hat er sie durchschaut?

Mit dem Schlimmsten rechnend, sucht Wong das Juweliergeschäft auf. Nachdem Khalid Saiduddin die Visitenkarte aus dem Umschlag genommen hat, zeigt er Wong verschiedene wertvolle Diamanten und fordert sie auf, einen davon auszusuchen. Herr Yee habe das mit ihm abgesprochen. Sie soll sich auf seine Kosten einen Ring machen lassen.

Als das Schmuckstück fertig ist, ruft sie Kuang von einem Café aus an und gibt kodiert das Zeichen zum Losschlagen. Dann trifft sie sich mit Herrn Yee und überredet ihn, sie zum Juwelier zu begleiten. Im Geschäft und auf der Straße davor lauern die Verschwörer. Im Obergeschoss lassen Herr Yee und seine Geliebte sich von Khalid Saiduddin den Ring geben. Unvermittelt zischt Wong Herrn Yee zu: „Geh! Jetzt!“ Er versteht sofort, dass ein Anschlag auf ihn geplant ist, rennt durch den Laden und hechtet in seinen Wagen. Der Chauffeur gibt Gas.

Wong verlässt das Geschäft ebenfalls und ruft nach einer Rikscha. Aber sie kommt nicht weit: Herr Yee hat das Viertel bereits abriegeln lassen. Weder Wong noch einer der fünf anderen Attentäter entkommen. Die Männer werden gefoltert, aber die attraktive junge Frau rühren die Folterknechte nicht an; das überlassen sie dem Geheimdienstchef persönlich. Der lehnt es jedoch ab, sie noch einmal zu sehen und befiehlt, sie und die anderen Verschwörer unverzüglich zu töten. Wong und ihre Komplizen werden zu einem Steinbruch gefahren und müssen sich vor den Abgrund knien, während Herrn Yees Männer ihre Pistolen entsichern.

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Der Film „Gefahr und Begierde“ von Ang Lee basiert auf der Kurzgeschichte „Lust, Caution“ der renommierten chinesischen Schriftstellerin Eileen Chang (1920 – 1995).

In „Gefahr und Begierde“ treffen naive Idealisten und skrupellose Kriegsgewinnler aufeinander. Eine Studentin findet in der Selbstverleugnung, in der Identität, die sie vortäuscht, paradoxerweise zu sich selbst. Aus Pflichtgefühl unterdrückt sie ihre Sehnsucht, verliert aber zugleich die Kontrolle über sich und gerät in den Sog einer Amour fou, die nur tragisch enden kann. Bei ihrem Gegenspieler handelt es sich um einen mächtigen Geheimdienstchef, der privat das Leben eines reichen und kultivierten Herrn führt, jedoch im Dienst Oppositionelle grausam foltern lässt und seine Geliebte brutal misshandelt.

Obwohl „Gefahr und Begierde“ über zweieinhalb Stunden lang ist, beschränkt Ang Lee sich auf einige wenige Figuren. Umso intensiver leuchtet er ihr Innenleben und das Beziehungsgeflecht aus. Das wäre ohne grandiose Schauspieler wie Tony Leung Chiu Wai und Wei Tang nicht möglich gewesen. Überzeugend sind auch die bis ins Detail stimmige Ausstattung und die elegante Kameraführung. Mitunter wirkt die Inszenierung ein wenig gravitätisch. Dennoch schwelgen wir in großen Gefühlen.

Bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig wurde Ang Lee für „Gefahr und Begierde“ 2007 mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2010

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