Life of Pi

Life of Pi

Life of Pi

Life of Pi. Schiffbruch mit Tiger – Originaltitel: Life of Pi – Regie: Ang Lee – Drehbuch: David Magee, nach dem Roman "Schiffbruch mit Tiger" von Yann Martel – Kamera: Claudio Miranda – Schnitt: Tim Squyres – Musik: Mychael Danna – Darsteller: Suraj Sharma, Irrfan Khan, Tabu, Rafe Spall, Gérard Depardieu, Adil Hussein, Ayush Tandon, Shravanthi Sainath, Andrea Di Stefano u.a. – 2012; 125 Minuten

Inhaltsangabe

Pi, der 17-jährige Sohn eines indischen Zoodirektors, überlebt als einziger Mensch den Untergang eines Frachters, der ihn und seine Familie mit der Menagerie nach Kanada bringen sollte. Ein Zebra, ein Orang-Utan, eine Hyäne und ein Tiger schaffen es ebenfalls auf das Rettungsboot, aber von ihnen bleibt nur der Tiger am Leben. 227 Tage lang treiben Pi und der Tiger in dem Boot über den Pazifik, bis sie die mexikanische Küste erreichen ...
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Kritik

"Life of Pi. Schiffbruch mit Tiger" – die Verfilmung eines fantasievollen Romans von Yann Martel durch Ang Lee – besticht mit grandiosen, vorwiegend im Studio aufgenommenen bzw. computergenerierten Bildern.

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Santosh Patel (Adil Hussain), der früher ein großes Hotel in Madras führte, besitzt nun einen Zoo in Pondicherry, der früheren Hauptstadt Französisch-Indiens. Er und seine Ehefrau Gita (Tabu) haben zwei Söhne: Ravi (Ayaan Khan / Mohd Abbas Khaleeli / Vibish Sivakumar) und dessen zwei Jahre jüngeren Bruder Piscine Molitor (Gautam Belur / Ayush Tandon / Suraj Sharma). Der Name des Jüngeren bedeutet im Französischen Schwimmbad, aber in der Schule wird aus der Abkürzung Pi der Spitzname Pisser. Als Pi zum Gymnasium wechselt, erklärt er seinen neuen Mitschülern, er heiße wie die Kreiszahl und schreibt aus dem Kopf hunderte von Nachkommastellen der Zahl Pi an die Tafel.

Obwohl sein Vater nur an die Naturwissenschaften glaubt, wendet Pi sich zunächst dem Hinduismus, dann aber auch dem Christentum und dem Islam zu. Jede der Religionen stellt für ihn eine andere Facette des Unbegreiflichen dar.

Im Zoo gibt es einen bengalischen Tiger. Dass er Richard Parker heißt, ist die Folge eines Irrtums in den Papieren, denn der frühere Besitzer nannte den Tiger Thirsty, aber bei der Umschreibung verwechselte jemand den Namen des Menschen und des Tieres. Pi, der von dem prächtigen Tiger fasziniert ist, streckt ihm eines Tages durch die Käfigstäbe ein Stück Fleisch entgegen. Im letzten Augenblick reißt Santosh Patel seinen Sohn zurück. Danach muss Pi dabei zusehen, wie Richard Parker eine Ziege zerfleischt. Auf diese Weise demonstriert der Vater ihm, dass das wilde Tier niemals sein Freund sein kann. Es hätte ihm den Arm abgerissen.

Im Alter von 17 Jahren verliebt Pi sich in ein Mädchen namens Anandi (Shravanthi Sainath), aber bald darauf müssen die beiden Abschied nehmen, denn Santosh Patel beabsichtigt, mit der Familie nach Kanada auszuwandern. Die Einnahmen genügen nicht, um den Zoo weiterzuführen. Santosh Patel will die Menagerie deshalb in Kanada verkaufen und mit dem Erlös ein neues Leben anfangen.

Der japanische Frachter „Tsimtsum“ soll die Familie und die Tiere in die neue Heimat bringen. Aber bei einem Unwetter auf dem Pazifik sinkt das Schiff. Pi, der seine Eltern und seinen Bruder retten will, wird von der Besatzung in ein Rettungsboot gezerrt, das gleich darauf aus der Verankerung reißt. Ein Zebra springt vom Schiff in das Boot und bricht sich dabei die Hinterbeine. Später retten sich auch noch eine Tüpfelhyäne, ein Orang-Utan-Weibchen und Richard Parker in das Boot. Der verstörte Tiger verkriecht sich zunächst unter einer Plane. Um aus der Reichweite der gefährlichen Tiere zu gelangen, bastelt Pi für sich ein winziges Floß und befestigt es mit einer mehrere Meter langen Leine am Boot.

Auf dem Boot tötet die Hyäne das Zebra und den Orang-Utan, wird aber schließlich vom Tiger gerissen.

In einem Stauraum des Rettungsbootes findet Pi Wasser und Zwieback, aber der Tiger hat bald alle Kadaver aufgefressen, und die Ratte, die Pi ihm zuwirft, sättigt das Tier auch nicht. Pi versorgt den Tiger mit Wasser und angelt Fische für ihn. Weil er sich deutlich an die Demonstration seines Vaters mit der Ziege erinnert, vermeidet er es, dem wilden Tier zu nah zu kommen. Aber er beginnt auch damit, es zu dressieren. Als das Floß mitsamt den Resten des Proviants von einem Wal zertrümmert und bei einem Sturm schließlich abgerissen wird, behauptet Pi sich in einer Hälfte des Rettungsbootes gegenüber dem Tiger.

Nach einigen Wochen sind Mensch und Tier erschöpft. Pi bettet den Kopf des Tigers auf seinen Schoß und streichelt ihn.

Sie stranden an einer kleinen, nur von Millionen Erdmännchen bevölkerten Insel. Der Boden besteht aus essbaren Algen, und Pi badet in einem Süßwassertümpel. Während Richard Parker die Nächte auf dem Boot verbringt, bastelt Pi sich zum Schlafen eine Hängematte zwischen den Bäumen. Nach einigen erholsamen Tagen findet Pi in einer Pflanze einen menschlichen Backenzahn und begreift, dass er die Insel verlassen muss, denn nachts fressen die tagsüber harmlosen Pflanzen Fleisch und das Wasser der Tümpel verwandelt sich in Säure.

Nach 227 Tagen erreichen die Schiffbrüchigen die mexikanische Küste. Ohne sich noch einmal umzudrehen, verschwindet der Tiger im Dschungel. Es schmerzt Pi, dass er sich von dem Tier ebenso wenig verabschieden konnte wie von seinem Vater. Dorfbewohner finden Pi und bringen ihn ins Krankenhaus.

Dort besuchen ihn zwei Mitarbeiter (James Saito, Jun Naito) des japanischen Unternehmens, bei dem der Frachter „Tsimtsum“ versichert war und befragen den einzigen Überlebenden des Unglücks. Pi erzählt ihnen von seinen Erlebnissen mit dem Tiger, aber die beiden Herren meinen, die fantastische Geschichte könnten sie nicht in ihren Bericht aufnehmen, damit würden sie sich lächerlich machen.

Daraufhin erzählt Pi ihnen, seine Mutter, der französische Schiffskoch (Gérard Depardieu) und ein buddhistischer Seemann mit gebrochenem Bein (Bo-Chieh Wang) hätten es ebenfalls auf das Rettungsboot geschafft. Der Schiffskoch amputierte dem Seemann das verletzte Bein, aber der Buddhist starb trotzdem. Daraufhin aß der Koch Teile des Fleisches [Kannibalismus] und verwendete andere als Köder für Fische. Als Gita Patel dagegen protestierte, erschlug der Koch auch sie, wurde jedoch gleich darauf von Pi getötet.

Den beiden Japanern fällt auf, dass Pi in der zweiten Geschichte nur die Tiere gegen Menschen ausgetauscht hat: Der verletzte Seemann, die Mutter, der Koch und Pi entsprechen dem Zebra, dem Orang-Utan, dem Koch und dem Tiger.

Jahre später wird Pi (jetzt: Irrfan Khan), der inzwischen in Montreal lebt, verheiratet ist und zwei Kinder hat, von einem kanadischen Schriftsteller (Rafe Spall) besucht, der in Indien einen Geschäftsmann kennenlernte, der mit Santosh Patel befreundet war und seinem Gesprächspartner riet, sich Pis Geschichte anzuhören und daraus einen Roman zu machen. Nachdem Pi seinem Besucher beide Versionen erzählt hat, fragt er ihn, welche ihm besser gefalle. Die Geschichte mit dem Tiger sei die bessere, meint der Schriftsteller. „Und genau so ist es auch mit Gott“, erwidert Pi.

Er lässt den Besucher in dem Bericht für das Versicherungsunternehmen blättern. Darin steht, Pi habe 227 Tage mit einem Tiger zusammen auf dem Rettungsboot überlebt. Selbst die beiden Angestellten wählten bei ihrer Berichterstattung am Ende nicht die realistische, sondern die fantastische Geschichte.

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David Magee (Drehbuch) und Ang Lee (Regie) verfilmten den 2001 von Yann Martel veröffentlichten Roman „Schiffbruch mit Tiger“.

An einigen Stellen weichen sie in „Life of Pi“ von der literarischen Vorlage ab. Im Film fehlen beispielsweise die Begegnung Pis mit anderen Schiffbrüchigen und die Szene, in der ihn die Fontäne eines Wals aus seiner Bewusstlosigkeit weckt. Andererseits gibt es im Buch keine Berührung von Mensch und Tiger wie im Film. Auch die fluoreszierenden Quallen wurden von Ang Lee hinzugefügt.

„Life of Pi. Schiffbruch mit Tiger“ ist ein in eine Rahmenhandlung eingebettetes Abenteuer-Drama. Ang Lee beschwört in der lebensbejahenden Fabel die Magie des Erzählens und vermittelt dadurch eine spirituelle Erfahrung. Aber auch wenn man nicht glaubt, dass die Weltreligionen verschiedene Facetten eines unbegreiflichen Gottes zeigen, wird man von der grandiosen 3D-Optik des Films „Life of Pi“ beeindruckt sein.

Die meisten der digitalen Aufnahmen entstanden im Studio bzw. in einem mit 6,5 Millionen Liter Wasser gefüllten Tank in Taichung auf Taiwan. Der Tiger und die anderen Tiere wurden im Computer animiert. Nur für Zwischenschnitte verwendete Ang Lee Bilder echter Tiere. Die CGI-Wesen sehen so echt aus, dass angeblich eine Tierschutzbehörde die Filmemacher verdächtigte, Tiere gequält zu haben.

Beraten ließ sich das Filmteam u. a. von einem amerikanischen Segler, der nach einem Schiffsunglück 76 Tage lang auf einem Floß überlebt hatte.

Mehrere tausend – die Angaben schwanken zwischen 3000 und 5000 – indische Jugendliche wurden für die Hauptrolle gecastet. Ang Lee entschied sich für den Philosophie-Studenten Suraj Sharma (* 1993) aus Delhi, der noch nie vor einer Kamera gestanden hatte und auch erst noch schwimmen lernen musste.

Übrigens war zunächst geplant, auch die zweite Version der Geschichte zu visualisieren. Es sollen auch schon Takes dafür gemacht worden sein. Aber am Ende beschloss Ang Lee, sich auf die verbale Darstellung zu beschränken.

Das Budget von „Life of Pi. Schiffbruch mit Tiger“ wird auf 120 Millionen Dollar geschätzt.

„Life of Pi. Schiffbruch mit Tiger“ bekam vier „Oscars“ in den Kategorien Beste Regie (Ang Lee), Beste Kameraführung (Claudia Miranda), Beste Filmmusik (Mychael Danna) und Beste visuelle Effekte (Bill Westenhofer, Guillaume Rocheron, Erik-Jan de Boer, Donald R. Elliott). Nominiert hatte man „Life of Pi. Schiffbruch mit Tiger“ außerdem in den Kategorien Bester Film, Bestes Drehbuch (David Magee), Bester Schnitt (Tim Squyres), Bestes Produktionsdesign (David Gropman, Anna Pinnock), Bester Song (Mychael Danna und Bombay Jayashri für „Pi’s Lullaby“, Bester Tonschnitt (Eugene Gearty, Philip Stockton) und Beste Tonmischung (Ron Bartlett, D. M. Hemphill, Drew Kunin).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2013

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