Ingmar Bergman


Ernst Ingmar Bergman wurde am 14. Juli 1918 in Uppsala geboren. Seine Großmutter Anna (geb. Calwagen, 1864 – 1934) hatte als eine der ersten Frauen in Schweden studiert und unterrichtete Französisch in Uppsala. Verheiratet war sie mit dem 20 Jahre älteren Eisenbahn-Ingenieur Johan Åkerblom (1844 – 1919), dessen drei Söhne aus erster Ehe kaum jünger als Anna waren. Er besaß außer einer großbürgerlichen Stadtwohnung in Uppsala ein Sommerhaus in der Nähe von Duvnäs. Anna Åkerblom gebar zwei Kinder: Ernst und Karin. Karin (1889 – 1966) heiratete 1913 einen Cousin, den lutherischen Pastor Erik Bergman (1886 – 1970). Der stammte aus einer Familie von Pastoren und Bauern und war nach dem früheren Tod seines Vaters Axel in Gävle bei seiner Mutter Alma, deren Schwester Emma und seiner verwitweten Großmutter aufgewachsen. Erik Bergman übernahm nach dem Theologie-Studium zunächst die kleine Minengemeinde Söderhamn. 1924 ließ er sich zur Hedwig-Eleonora-Kirche in Stockholm versetzen und zog mit seiner Frau und den drei Kindern Dag, Ingmar und Margareta in die Hauptstadt.

Als Dag mit 14 einen Kinematografen geschenkt bekam, überredete ihn sein vier Jahre jüngerer Bruder zum Tausch gegen seine Zinnsoldaten-Sammlung und kaufte sich von seinem Taschengeld Filmmaterial. Eine Laterna magica kannte er aus dem Religionsunterricht seines Vaters, und er durfte seine Großmutter des Öfteren ins Kino begleiten.

1934 verbrachte Ingmar Bergman die Sommerferien bei Freunden der Familie in Deutschland und erlebte Hitler in Weimar. Im Alter von 81 Jahren gestand Ingmar Bergman, dass er Hitler in der Jugend bewundert habe.

Als Jugendlicher begeisterte sich Ingmar Bergman nicht nur fürs Kino, sondern auch für Literatur, vor allem für August Strindberg und andere Dramatiker. Sein 1937 begonnenes Literaturstudium an der Universität Stockholm brach er allerdings ab. Ingmar Bergman engagierte sich beim Amateurtheater im Mäster Olofsgården in Stockholm, wurde 1940 Mitglied des Stockholmer Studententheaters und leitete ein Kindertheater im Stockholmer Bürgerhaus. Parallel dazu schrieb er Theaterstücke und sammelte Erfahrungen als Regieassistent an der Königlichen Oper. 1941 inszenierte er die „Gespenstersonate“ von August Strindberg im Medborgarhuset in Stockholm.

Die Svensk Filmindustri wurde auf ihn aufmerksam und stellte ihn Anfang der Vierzigerjahre als Drehbuchautor ein. Alf Sjölberg verfilmte das erste von Ingmar Bergman geschriebene Drehbuch: „Die Hörige“ (1944). Zugleich übernahm Ingmar Bergman die Leitung des Stadttheaters in Helsingborg. Und er führte auch erstmals selbst Regie bei einem Film: „Kris“ (1946).

In seinen stilistisch vom Neorealismus geprägten Filmen thematisierte er die Einsamkeit des Menschen, die Suche nach Gott und den Tod.

Von 1943 bis 1945 war Ingmar Bergman mit Else Fisher verheiratet, danach bis 1950 mit Ellen Lundström, und 1951/52 mit Gun Grut. Aus diesen drei ersten Ehen stammen die Kinder Lena (* 1943), Eva (* 1945) und Jan (* 1946), die Zwillinge Anna und Mats (* 1948) sowie der Sohn Ingmar (* 1951).

Nach Regiearbeiten an verschiedenen Theatern, darunter am Stadttheater in Göteborg, inszenierte Ingmar Bergman Mitte der Fünfzigerjahre eine Reihe von Stücken am Stadttheater in Malmö.

Bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes wurde Ingmar Bergman 1956, 1957, 1958 und 1959 ausgezeichnet, und für „Wilde Erdbeeren“ bekam er 1958 einen „Goldenen Bären“. Seine Filme „Die Jungfrauenquelle“ und „Wie in einem Spiegel“ setzten sich 1961 bzw. 1962 in der „Oscar“-Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ als Preisträger durch.

Von 1959 bis 1965 war Ingmar Bergman mit der Konzertpianistin Käbi Laretei (1922 – 2014) verheiratet, danach lebte er bis 1969 mit der Schauspielerin Liv Ullmann (* 1938) zusammen, und von 1971 bis zu ihrem Tod am 20. Mai 1995 war Gräfin Ingrid von Rosen (1930 – 1995) seine vierte Ehefrau. Käbi Laretei gebar 1962 den Sohn Daniel, Liv Ullmann 1966 die Tochter Linn. Mit Ingrid von Rosen zeugte Ingmar Bergman bereits lange vor der Eheschließung die Tochter Maria (* 1959).

Mitte der Siebzigerjahre wurde gegen Ingmar Bergman wegen angeblicher Steuerhinterziehung ermittelt. Die Staatsanwaltschaft ließ zwar die Anfang 1976 erhobene Anklage wieder fallen, aber Ingmar Bergman zog verärgert nach München. Dort war er bis 1985 am Münchner Residenztheater tätig.

Nachdem Ingmar Bergman 1983 bereits für sein Lebenswerk mit dem „Goldenen Löwen“ von Venedig geehrt worden war, gewann sein sechseinhalb Stunden (TV) bzw. mehr als drei Stunden (Kino) langes Opus magnum „Fanny und Alexander“ 1984 vier „Oscars“: Bester fremdsprachiger Film, Beste Kamera, Beste Ausstattung und Beste Kostümgestaltung. Nominiert hatte man den Film außerdem in den Kategorien Beste Regie und Bestes Drehbuch.

1985 führte Ingmar Bergman erneut Regie am Königlichen Dramatischen Theater in Stockholm.

Bei den 50. Internationalen Filmfestspielen von Cannes im Mai 1997 nahm seine Tochter Linn für ihn die „Palme der Palmen“ entgegen, die Auszeichnung als „Bester Filmregisseur aller Zeiten“.

Am 30. Juli 2007 starb Ingmar Bergman in seinem Haus auf der Ostseeinsel Fårö.

Das Archiv der 2002 gegründeten Ingmar-Bergman-Stiftung in Stockholm wurde von der UNESCO ins Weltdokumentenerbe aufgenommen.

Ingmar Bergman: Filmografie (Auswahl)

  • 1944: Die Hörige (Regie: Alf Sjöberg; Drehbuch: Ingmar Bergman)
  • 1946: Kris
  • 1946: Es regnet auf unsere Liebe
  • 1947: Schiff nach Indialand
  • 1948: Musik im Dunkeln
  • 1948: Hafenstadt
  • 1949: Gefängnis
  • 1949: Durst
  • 1950: Menschenjagd
  • 1950: An die Freude
  • 1951: Einen Sommer lang
  • 1952: Sehnsucht der Frauen
  • 1953: Die Zeit mit Monika
  • 1953: Abend der Gaukler
  • 1954: Lektion in Liebe
  • 1955: Frauenträume
  • 1955: Das Lächeln einer Sommernacht
  • 1957: Das siebente Siegel
  • 1957: Wilde Erdbeeren
  • 1958: Nahe dem Leben
  • 1958: Das Gesicht
  • 1959: Die Jungfrauenquelle
  • 1960: Das Teufelsauge
  • 1961: Wie in einem Spiegel
  • 1962: Licht im Winter
  • 1963: Das Schweigen
  • 1964: Ach, diese Frauen
  • 1966: Persona
  • 1968: Die Stunde des Wolfs
  • 1968: Schande
  • 1968: Der Ritus
  • 1969: Passion
  • 1971: The Touch
  • 1972: Schreie und Flüstern
  • 1973: Szenen einer Ehe
  • 1975: Die Zauberflöte
  • 1976: Von Angesicht zu Angesicht
  • 1977: Das Schlangenei
  • 1978: Herbstsonate
  • 1980: Aus dem Leben der Marionetten
  • 1982: Fanny und Alexander
  • 1984: Nach der Probe
  • 1988: Die Gesegneten
  • 1991: Die besten Absichten (Regie: Bille August; Drehbuch: Ingmar Bergman)
  • 1992: Sonntagskinder (Regie: Daniel Bergman; Drehbuch: Ingmar Bergman)
  • 1996: Enskilda samtal (Regie: Liv Ullmann; Drehbuch: Ingmar Bergman)
  • 1996: Dabei: Ein Clown
  • 2000: Die Treulosen (Regie: Liv Ullmann; Drehbuch: Ingmar Bergman)
  • 2003: Sarabande

Literatur über Ingmar Bergman:

  • Lars Åhlander: Gaukler im Grenzland. Ingmar Bergman
  • Olivier Assayas, Stig Björkman: Gespräche mit Ingmar Bergman
  • Ingmar Bergman: Die besten Absichten
  • Ingmar Bergman: Sonntagskinder
  • Ingmar Bergman: Laterna Magica. Mein Leben
  • Ingmar Bergman, Ingrid Bergman, Maria von Rosen: Der weiße Schmerz. Drei Tagebücher
  • Ingmar Bergman: Essays, Daten, Dokumente (Hg.: Deutsche Kinemathek)
  • Renate Bleibtreu (Hg.): Ingmar Bergman. Im Bleistift-Ton. Ein Werk-Porträt
  • Kristina Jaspers, Nils Warnecke, Rüdiger Zill (Hg.): Wahre Lügen. Bergman inszeniert Bergman
  • Thomas Koebner: Ingmar Bergman. Eine Wanderung durch sein Werk
  • Roger W. Oliver (Hg.): Ingmar Bergman. Der Film. Das Theater. Die Bücher
  • Nils Warnecke, Kristina Jaspers (Hg.): Ingmar Bergman. Von Lüge und Wahrheit
  • Eckhard Weise: Ingmar Bergman

© Dieter Wunderlich 2014 / 2015

Michael Ende - Momo
"Momo" ist eine märchenhafte Parabel auf unsere rastlose Zeit, eine Warnung vor "grauen Herren", die den Menschen einreden wollen, sie müssten ihre Zeit möglichst effizient einteilen.
Momo

Michael Ende

Momo

Meine vor 18 Jahren selbstgestrickte Website wurde im Juli durch einen professionellen Neubau ersetzt. Aber das Informationsangebot bleibt kostenlos und werbefrei.

Alte Homepage: