Under Suspicion. Mörderisches Spiel

Under Suspicion. Mörderisches Spiel

Under Suspicion. Mörderisches Spiel

Mörderisches Spiel - Originaltitel: Under Suspicion - Regie: Stephen Hopkins - Drehbuch: Tom Provost und W. Peter Iliff, nach dem Drehbuch "Garde à vue" von Claude Miller, Jean Herman und Michel Audiard bzw. dem Roman "Brain-Wash" von John Wainwright - Kamera: Peter Levy - Schnitt: John Smith - Darsteller: Gene Hackman, Morgan Freeman, Thomas Jane, Monica Bellucci, Nydia Caro, Miguel Angel Surárez, Pablo Cunqueiro, Isabel Algaze, Jackeline Duprey, Luis Caballero u.a. - 2001; 110 Minuten

Inhaltsangabe

Henry Hearst, ein angesehener Anwalt in Puerto Rico, hat beim Joggen die Leiche eines knapp dreizehnjährigen Mädchens entdeckt und sich bei der Polizei gemeldet. Captain Victor Benezet, der ihn für den Mörder nicht nur dieses, sondern auch eines weiteren Mädchens hält, bringt ihn dazu, sich bei seiner Aussage in Widersprüche zu verwickeln ...
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Kritik

Im Kern besteht die Handlung aus einem verbissenen Psychoduell. Schade, dass Stephen Hopkins nicht ein Kammerspiel daraus macht, sondern Einzelheiten der Aussage des Mordverdächtigen ambitioniert illustriert. Davon abgesehen, ist "Under Suspicion" ein spannender Thriller mit großartigen Darstellern.
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San Juan, die Hauptstadt von Puerto Rico, wurde von einem Hurrikan verwüstet. Für die bedürftigen Opfer soll bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung Geld gesammelt werden. Die Veranstalter haben den angesehenen und vermögenden Steueranwalt Henry Hearst (Gene Hackman) gebeten, eine entsprechende Rede zu halten. Der Siebenundfünfzigjährige ist seit zehn Jahren mit Chantal (Monica Bellucci) verheiratet, einer wesentlich jüngeren, überaus attraktiven Frau. Die beiden hatten sich kennen gelernt, als Chantal elf Jahre alt war. Ihr drei Jahre später verstorbener Vater hatte zu Henrys Mandaten gehört. Das kinderlose Ehepaar macht sich gerade fertig, um zu der Wohltätigkeitsveranstaltung zu fahren, als das Telefon läutet. Polizeicaptain Victor Benezet (Morgan Freeman) fordert seinen alten Schulfreund Henry höflich aber bestimmt auf, vor der Rede noch kurz bei ihm vorbeizukommen, um ein paar Fragen zu klären. Es werde nicht länger als zehn Minuten dauern. Henry bringt seine Frau zu dem Fest und drängt sich durch die auch auf der Straße tanzenden Menschen auf die andere Seite hinüber ins Polizeirevier, wo Victor Benezet und der junge Detective Felix Owens (Thomas Jane) auf ihn warten.

Henry hat am Vortag den Fund der Leiche eines knapp dreizehnjährigen Mädchens bei der Polizei gemeldet. Laut seiner Aussage fand Henry die Tote, als er mit „Tango“, dem Hund seines Nachbarn, beim Joggen war und sich wunderte, warum der Hund im Gebüsch verschwand und kläffte. Die Polizei hat inzwischen Henrys Nachbarn befragt und herausgefunden, dass „Tango“ am Vortag nicht von ihm abgeholt worden war. Jetzt behauptet Henry, unterwegs auf den streunenden Hund gestoßen zu sein. Warum die Polizei neben der Leiche keine Hundespuren fand, kann er allerdings durch den Hinweis auf herumliegendes Laub nicht überzeugend erklären.

Sechzehn Tage vor Sue Ellen war bereits ein zwölfjähriges Mädchen namens Polina auf einer Müllhalde erwürgt aufgefunden worden. Zwei Streifenbeamten fiel zur Mordzeit ein in der Nähe des Tatorts geparkter Wagen auf, und die Überprüfung ergab, dass es sich um Henrys Auto handelte. Henry erklärt, er habe an diesem Tag die ältere Schwester seiner Frau besucht, Maria Rodriguez (Jackeline Duprey) mit ihrem Mann Paco (Luis Caballero) und ihrer Tochter Camille (Isabel Algaze). Aber sein Auto sei den Streifenbeamten um 2 Uhr nachts aufgefallen, entgegnet Victor. Da behauptet Henry, nach dem Besuch bei den Verwandten in einer Kneipe gewesen zu sein. Weil er sich zu betrunken gefühlt habe, sei er noch einige Zeit in der Gegend herumgelaufen und dann erst nach Hause gefahren.

Detective Owens verliert immer häufiger die Beherrschung: Henry Hearst war an beiden Tatorten und ändert immer wieder Einzelheiten seiner Aussage, wenn er sich in Widersprüchen verfängt. Für Owens gibt es keinen Zweifel, dass der angesehene Anwalt beide Mädchen ermordet hat. Davon ist auch Victor Benezet überzeugt, doch er bleibt ruhig und stellt seine Fragen sachlich. Henry beschuldigt ihn dennoch, durch die Überführung eines angesehenen Anwalts als Mörder einen weiteren Karrieresprung machen und sein eigenes Versagen als Ehemann und Vater kompensieren zu wollen.

Als Henry zwölf Minuten vor dem geplanten Beginn seiner Rede aufsteht und gehen will, nehmen die beiden Polizisten ihn fest. Dabei rutscht Owens im Übereifer heraus, dass die beiden Mädchen vor ihrer Ermordung vergewaltigt wurden. Dann werde ein Gentest seine Unschuld beweisen, meint Henry. Nein, erwidert Victor, denn der Täter habe Kondome benutzt und keine Spermaspuren hinterlassen.

Während Victor in den Festsaal hinübergeht, um mit Superintendent Miguel (Miguel Angel Surárez) zu reden, seinem Vorgesetzten, der das Wohltätigkeitsfest veranstaltet, soll Owens auf Henry aufpassen. Dabei eskaliert die Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern in einem Handgemenge, bei der Henry sein Toupet verliert und der rechte Ärmel seines Smokings halb abgerissen wird. Sobald Victor von dem Streit Owens mit Henry erfährt, schickt er den unbeherrschten Detective wütend fort: „Setzen Sie eine Pappnase auf. Tun Sie einfach, was Idioten so tun!“ Um den Erfolg der Benefizveranstaltung nicht zu gefährden, besteht der Superintendent darauf, dass Henry seine Rede halten kann.

Nach seiner Rede wird Henry von Victor ins Polizeirevier zurückgebracht. In einem der Büros sitzt Chantal und redet mit Owens. Victor, der ebenso überrascht ist wie Henry, fordert Owens zum Verlassen des Raums auf und unterhält sich unter vier Augen mit Chantal, bevor er nebenan mit dem Verhör ihres Mannes fortfährt. Detective Castillo (Pablo Cunqueiro), der an Owens Stelle getreten ist, zeichnet es mit einer Videokamera auf.

Verbissen konfrontiert Victor seinen ehemaligen Freund mit den Aussagen minderjähriger Prostituierter, die ihn auf Fotos als regelmäßigen Freier erkannt haben. Erst jetzt räumt Henry ein, nach dem Besuch bei Maria und Paco bei einer jungen Hure gewesen zu sein und gibt zu bedenken, dass Chantal ihn seit zwei Jahren nicht mehr zu sich ins Bett lasse, und sein Schlafzimmer von dem ihren durch einen zwanzig Meter langen Korridor getrennt sei.

Zwischendurch geht Victor zu Chantal hinüber, die im Nebenraum sitzen geblieben ist, und Henry kann die beiden zwar nicht hören, aber durch einen Einwegspiegel beobachten. Chantal erzählt von einer Weihnachtsfeier vor zwei Jahren bei Maria und Paco. Nachdem Henry zu viel getrunken hatte, war er plötzlich verschwunden. Sie fand ihn im Kinderzimmer ihrer dreizehnjährigen Nichte Camille dicht neben dem Mädchen auf der Couch sitzend. Seit damals schläft sie nicht mehr mit ihm.

Chantal erlaubt Owen und den anderen Polizisten, die sie nach Hause fahren, sich dort umzusehen, auch in der Dunkelkammer, die Henry für sein Hobby eingerichtet hat. Bald darauf kehrt sie mit Owen ins Polizeirevier zurück und nimmt erneut in dem an Victors Büro angrenzenden Raum Platz.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Nach seinem Verhältnis zu Sue Ellen befragt, behauptet Henry, das Mädchen nur flüchtig vom Sehen gekannt zu haben. Da konfrontieren Owen und Victor ihn mit Fotos aus seiner Dunkelkammer, auf denen Sue Ellen und Polina abgebildet sind. Entsetzt stammelt Henry: „Ich hätte nie gedacht, dass sie so weit gehen und mir so in den Rücken fallen würde!“ Gebrochen gibt er zu, die beiden Mädchen vergewaltigt und ermordet zu haben.

Während Henry mit seiner Aussage über die näheren Umstände fortfährt, wird Victor von einer Kollegin hinausgerufen. Sie zeigt ihm ein Album mit Polaroidfotos der toten Mädchen: Man hat den Mörder gefasst.

In der Menschenmenge, die noch immer in der Straße feiert, begegnen sich Henry und Chantal. Wortlos geht er an ihr vorbei. Dann sitzen sie einige Zeit auf zwei benachbarten Anlagenbänken, bis Henry aufsteht und allein fortgeht.

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„Under Suspicion. Mörderisches Spiel“ ist ein Remake des französischen Klassikers „Das Verhör“ von Claude Miller aus dem Jahr 1981 mit Michel Serrault als Notar Jerome Martinaud, Lino Ventura als Inspektor Antoine Gallien und Romy Schneider als Chantal Martinaud. Bei dem Kinofilm „Das Verhör“ handelt es sich wiederum um die Verfilmung des Romans „Brain-Wash“ von John Wainwright.

Es geht um einen Polizisten, der einen angesehenen Anwalt als Mörder zweier Mädchen verdächtigt und einen zu Unrecht Beschuldigten, der sich beim gnadenlosen Verhör in Widersprüche verwickelt und nicht verhindern kann, dass sein unglückliches Eheleben durchleuchtet und seine heimliche Obsession für blutjunge Mädchen aufgedeckt wird. Im Kern besteht die Handlung aus einem verbissenen Psychoduell. Das hätten die beiden hervorragenden Hauptdarsteller Gene Hackman und Morgan Freeman durchaus in einer Art Kammerspiel austragen können. Leider gab Stephen Hopkins sich damit nicht zufrieden und bebilderte die Aussagen mit Szenen (nicht Rückblenden), in denen der Beschuldigte dem Ermittler am Tatort erläutert, was angeblich geschah. Das wirkt schon deshalb aufgesetzt, weil das Verhör ausschließlich auf dem Polizeirevier stattfindet. Ebenso deplaciert sind die Hubschrauberflüge über den Schauplätzen und die kurzen Zeitraffersequenzen, die Tonverfremdungen und -wiederholungen. Eindrucksvoller wäre es gewesen, wenn Hopkins sich wie Claude Miller in „Das Verhör“ auf den Dialog der beiden Hauptfiguren beschränkt hätte. Davon abgesehen ist „Under Suspicion. Mörderisches Spiel“ ein außergewöhnlich spannender und sehenswerter Psychothriller.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

Claude Miller: Das Verhör

Michela Murgia - Accabadora
Michela Murgia räsoniert nicht, sondern inszeniert in einer wortkargen, vitalen Sprache eine packende Geschichte, die in einer archaischen Umgebung spielt. "Accabadora" ist eine Perle anspruchsvoller Literatur.
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