Wilhelm Genazino : Die Liebesblödigkeit

Die Liebesblödigkeit

Wilhelm Genazino

Die Liebesblödigkeit

Die Liebesblödigkeit Originalausgabe: Carl Hanser Verlag, München 2005 ISBN: 3-446-20595-0, 203 Seiten, 17.90 € (D) Taschenbuch: dtv, München 2007 ISBN: 978-3-423-13540-5, 203 Seiten, 9 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Der 62-jährige Ich-Erzähler fragt sich aufgrund seines Alters und erster Anzeichen von Potenzschwäche, ob er weiterhin in der Lage ist, zwei Liebesbeziehungen parallel zu unterhalten. Sollte er sich nicht besser von einer der Frauen oder gleich von beiden trennen? Es fällt ihm schwer, sich zu entscheiden, und er ist weder stark noch mutig genug, eine Änderung der Situation herbeizuführen. Lieber grübelt er und leidet ...
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Kritik

Die rudimentäre Handlung entwickelt sich vor dem Hintergrund einer Persiflage auf das Geschäft mit der Sinnsuche. Wilhelm Genazino schmückt "Die Liebesblödigkeit" mit verschrobenen Figuren und vielen Miniaturen aus dem Alltag aus.
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Der zweiundfünfzigjährige Ich-Erzähler schlägt sich als Apokalyptiker durch.

Von Beruf bin ich freischaffender Apokalyptiker. Ich lebe von Vorträgen, Kolloquien, Tagungen und Essays in Fachzeitschriften. In Hotels veranstalte ich sogenannte Seminare und beeindrucke die Leute mit meinen erstaunlichen Vorhersagen. Ich muss sofort präzisieren: Ich bin kein Universalapokalyptiker, sondern ein Zivilisationsapokalyptiker, das heißt, ich bin kein Fundamentalist, sondern ein Fortschrittsrevisionist, ein Besinnungskonservativer. (Seite 25)

Apokalypse ist gefragt. (Seite 49)

Vor langer Zeit war er einige Jahre mit der Schockforscherin Bettina verheiratet.

Wir hatten uns in den Siebzigerjahren, während der allgemeinen erotischen Anarchie, eilig kennengelernt und leider zu schnell geheiratet. (Seite 115)

Die Ehe zerbrach nicht zuletzt daran, weil die Lubrikation bei Bettina immer stärker zunahm und er sich beim Cunnilingus vor dem Vaginalsekret ekelte.

Vor dreiundzwanzig Jahren wurde die neun Jahre jüngere Sekretärin Sandra seine Geliebte. Sie hätten damals beinahe geheiratet, zerstritten sich aber in der Kinderfrage – sie wollte Kinder, er nicht –, und nach zwei Jahren brach Sandra die Beziehung ab. Sie wurde die Frau eines Elektrotechnikers, bekam einen Sohn und ließ sich nach sechs Jahren scheiden. Noch während ihrer Ehe nahm sie heimlich die Liebesbeziehung mit dem Erzähler wieder auf. Inzwischen arbeitet sie als Chefsekretärin in einer kleinen Fabrik für Sanitärgeräte und betrachtet den Erzähler als Lebensgefährten, obwohl sie nicht zusammen wohnen.

Eine gemeinsame Wohnung ist schon deshalb nicht möglich, weil der Erzähler seit vielen Jahren eine zweite ebenso intensive Liebesbeziehung mit Judith unterhält und die beiden Frauen nichts voneinander wissen dürfen. Judith ist einundfünfzig. Bis vor zehn Jahren arbeitete sie an ihrer Karriere als Konzertpianistin, dann resignierte sie. Jetzt gibt sie nur noch Klavierunterricht und lebt außerdem von Nachhilfestunden in Latein, Englisch und Französisch.

Als der Erzähler an einer Pizzeria vorbeikommt, die zwei Pizzen zum Preis von einer anbietet, kommt er ins Grübeln:

Ich überlege, ob ich mit Sandra oder Judith dieses Lokal besuchen soll. Aber Sandra mag keine Pizzen und Judith keine Steh-Lokale. (Seite 7)

Kleine Probleme wie diese bringen ihn nicht von seiner Meinung ab, dass es erstrebenswert sei, zwei Frauen gleichzeitig zu lieben bzw. von ihnen geliebt zu werden.

Ich kann die dauerhafte Liebe zu zwei Frauen nur empfehlen. Sie wirkt wie eine wunderbare Doppelverankerung in der Welt. (Seite 23)

Ich wünsche allen Männern zwei Frauen und allen Frauen zwei Männer, wenigstens phasenweise, denn zwei Frauen oder zwei Männer sind die Mindestüppigkeit, mit der wir den Kampf gegen unser armseliges Leben antreten können, ohne uns gleich dem Gesetz der Kargheit auszusetzen. (Seite 45)

Eines Nachts plagt ihn beim Sex mit Sandra ein schmerzhafter Krampf im linken Bein. Sie ist praktisch veranlagt: Weil sie um einen Kopf kleiner ist als er, stellt sich auf zwei umgedrehte Weinkisten und meint:

„Solange du Krämpfe kriegst, vögeln wir im Stehen.“ (Seite 57)

Wegen seiner Krampfadern und Wadenkrämpfe verschreibt ihm der Arzt, den er auf Sandras Drängen hin konsultiert, Magnesiumtabletten und Stützstrümpfe. Mit dem Alter haben die Zipperlein zugenommen, und er ist auch noch ein wenig hypochrondrisch. Deshalb beginnt er darüber nachzudenken, ob er noch lange Zeit in der Lage sein wird, zwei Liebesbeziehungen gleichzeitig aufrechtzuerhalten.

Dass ich mit der Dreierkonstellation dennoch hadere, hat einen äußerlichen und deprimierenden Grund. Ich muss mir darüber klarwerden, dass ich früher oder später nicht mehr die Wendigkeit, die Lust und vermutlich auch nicht mehr die Kraft zu einer Polygamie in drei Wohnungen haben werde. Ich muss seit einiger Zeit an den Niederschlägen und Schwachheiten des Alterns teilnehmen. Das bedeutet, dass ich mich für eine Frau werde entscheiden müssen, mit der ich dann auch zusammenziehen will. (Seite 24)

Immer wieder stelle ich mir die grauenhafte Szene vor, dass ich vielleicht demnächst in einem Krankenhaus liege und gleichzeitig von den beiden Frauen besucht werde, die ich seit vielen Jahren liebe und die voneinander nichts wissen. (Seite 18)

Ich bin verstimmt, weil ich eine Lebensentscheidung treffen soll. Prompt fange ich an, Sandras und Judiths Vor- und Nachteile gegeneinander aufzurechnen. Ich weiß, das Frauenvergleichen ist widerlich und sogar geschmacklos. Aber das Vergleichen ist unterhaltsam! (Seite 24)

Während er zu einem Wochenendseminar nach Interlaken fährt und sich über den Geruch eines belegten Brotes und einer Banane ärgert, die ein anderer Fahrgast zwei Plastikboxen entnimmt, denkt er darüber nach, von welcher der beiden Frauen er sich trennen sollte. Zunächst wählt er Judith, aber der Gedanke, nicht mehr mit ihr zusammen sein zu können, erfüllt ihn mit Trauer. Beim Anblick einer jungen Bedienung im Hotel Seeblick überlegt er, ob er nicht besser sowohl Judith als auch Sandra verlassen und mit einer anderen Frau ein neues Leben beginnen sollte. Diese Idee verwirft er allerdings auch schnell wieder.

[…] leide ich inzwischen an Liebesverblödung? […] Vermutlich sehnt sich meine Sehnsucht nach etwas, was es nicht gibt. Dieses fantastische Moment wäre (ist) der Kern der Liebesverblödung. Ich benutze den Begriff Liebesverblödung, als wüsste ich, was Liebesverblödung ist […] In diesen Augenblicken macht mein Bewusstsein aus dem Wort Liebesverblödung das Wort Liebesblödigkeit. Auch dieses Wort habe ich noch nie gehört. (Seite 88ff)

Vor dem Beginn des Seminars plaudert er mit den Teilnehmern im Foyer.

Es kommt zu einem munteren Geplauder, wir zeigen, ich eingeschlossen, dass wir trotz Apokalypse gute Laune haben und sogar zu einer gewissen humorigen Ausstrahlung fähig sind. (Seite 66)

Als er wieder zurück ist, macht Sandra ihm überraschend einen Heiratsantrag. Er hatte ihr einmal erzählt, dass er keine Rentenbeiträge zahle und deshalb bis zum Umfallen arbeiten müsse. Als ihr Ehemann, meint Sandra, wäre er im Alter versorgt. Er erbittet sich Bedenkzeit – und ist froh, dass sie nie wieder auf ihr Angebot zurückkommt. Sandra fängt zu malen an, und als sie ihm bei einem Gläschen Prosecco ihre ersten Werke zeigt, fällt es ihm schwer, sein Entsetzen zu verbergen.

Ich war der Meinung, dass Sandra nicht unbedingt etwas von Kunst versteht, aber doch erkennen kann, was Kunst und was Dilettantismus ist. Und jetzt das! (Seite 110)

Während Judith zwei Wochen Urlaub auf Mallorca macht, reist Sandra für ein paar Tage zu ihrer Schwester, um ihr bei der Scheidung und dem Streit ums Sorgerecht des Kindes beizustehen. Bevor Sandra mit dem Taxi zum Bahnhof fährt, stellt sie sich erst noch einmal auf die Weinkisten, aber er hat Erektionsschwierigkeiten, und sie muss mit dem Mund nachhelfen.

Ich denke an Judith. Sie würde den Eifer dieses Weibchens, das sich so zielgenau um das Gelingen eines Schnellbeischlafs vor Reisebeginn kümmert, weder verstehen noch billigen. (Seite 127)

Der erfolglose Künstler Morgenthaler, mit dem er sich hin und wieder trifft, wird von den Delling-Werken als Empörten-Beauftragter eingestellt.

Er muss sich künftig mit den unzufriedenen Mitarbeitern der Delling-Werke so lange beschäftigen, bis sie einsehen, dass ihre Unzufriedenheit unangebracht ist. (Seite 122)

Anders als Morgenthaler findet Dr. Blaul keinen Job.

Dr. Blaul ist eigentlich Geisteswissenschaftler (sein Spezialgebiet: Die Glücksrhetorik in den Eheanzeigen der Aufklärung), aber weil er als Geisteswissenschaftler nicht den Schatten einer Stelle hat finden können, wandte er sich den Problemen der modernen Menschen zu. Mich findet Dr. Blaul zum Glück nicht interessant, weil ich für ihn ein Mensch mit veralteten Problemen bin (zwei Frauen und kein Ausweg). Für ihn bin ich jemand, der mit abgestandenen Resten einer vergangenen Epoche in die Moderne hineinragt und nur noch musealen Reiz hat. Dr. Blaul kämpft dafür, dass es Angestellten und Arbeitern erlaubt werden muss, sich pro Monat wenigstens einen freien Ekeltag zu nehmen. Die Menschen müssen das Recht haben, findet Dr. Blaul, ohne Ankündigung und ohne Begründung einen Tag ihrem Betrieb fernzubleiben, wenn sie plötzlich Ekel empfinden, sei es über die Firma, über einen Kollegen, über sich selbst oder worüber auch immer. (Seite 33)

Mehrmals läuft der Erzähler dem Postfeind Bauback über den Weg. Der beschwert sich über einen Briefträger, der den Postwagen bei Regen offen lässt und eine Briefträgerin, die ihre Einkäufe im Postwagen transportiert. Er habe deutlich gesehen, dass einige Kuverts dadurch verschmutzt wurden, erzählt er. Als er vor dem Hauptpostamt eine Ratte bemerkt, beschuldigt er die Post der Begünstigung von Schädlingen und der Ausbreitung von Seuchen. Herr Bauback kauft eigens eine Kamera, um die Vergehen der Post dokumentieren zu können. Statt sich an die zuständigen Stellen zu wenden, die seiner Meinung nach sowieso nichts gegen die Missstände unternehmen würden, will er das Material an eine Zeitung verkaufen.

Der Erzähler holt Judith vom Flughafen ab und wenige Tage später Sandra vom Zug.

In einem Schreiben der Deutschen Apokalyptischen Gesellschaft liest er „Enderektion“ statt „Endredaktion“ (Seite 143). Vermutlich eine Freud’sche Fehlleistung aufgrund der Potenzschwäche, die sich bei ihm zunehmend bemerkbar macht.

Ich grüble, was geschehen soll, wenn ich künftig immer öfter nur noch eine Wackelsexualität zustande bringe. (Seite 163)

Ich stehe, liebestechnisch gesehen, mit dem Gesicht, das heißt mit dem Geschlecht, zur Wand. Ich sollte mich vom Sexualleben zurückziehen; ich verliere, wie soll ich sagen, mehr und mehr Liebessubstanz, vornehmer ausdrückt: an Libido. Ich müsste Mut haben und zu Sandra und Judith sagen: Der aktive Teil meines Sexuallebens geht vermutlich bald zu Ende, ich bitte darum, verlassen zu werden. Die Feigheit dieses Gedankens ist leider typisch für mich. Denn genaugenommen ist Altern ein Zustand, der zu mir passt. Altern ist nur ein anderes Wort für Unwilligkeit, und unwillig war ich schon als Kind. Im Grunde habe ich von Kindheit an auf das Altern gewartet, es ist mir ähnlich. (Seite 143f)

Er schaut sich mit Judith einen Film über Johann Sebastian Bach an. Am nächsten Tag stellt Sandra ihn zur Rede: Sie war nach ihrem Malkurs noch mit zwei anderen Hobbykünstlerinnen unterwegs und sah ihn mit Judith auf der Straße. Schnell denkt er sich eine Lüge aus: Es habe sich um eine Teilnehmerin seines letzten Seminars in der Schweiz gehandelt, die ihn um ein paar zusätzliche Privatstunden auf einem Spezialgebiet der Apokalypse gebeten habe und dafür gut bezahle.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Vom Panik-Berater Dr. Ostwald lässt er sich zu einer Therapie überreden. Die besteht zunächst darin, dass er einige abgetragene Kleidungsstücke in einen alten Koffer packen und diesen auf einem belebten Platz abstellen soll. Er macht es und schaut zu, wie der Koffer gestohlen wird. Nachdem er Dr. Ostwald davon berichtet hat, lässt dieser ihn das Gleiche noch einmal tun. Diesmal räumt jemand den Koffer aus, zieht das vorgefundene Sakko an und packt die Hemden und Hosen in Plastiktüten um.

Ich bin perplex. Ich sehe einen Fremden mit meiner Jacke. So sieht etwas von dir aus, wenn es nicht mehr dir gehört. Ich betrachte mein Sakko und „gebe“ es auf. (Seite 199)

Kurz darauf überlässt er an seinem Stehtisch in einem Bistro einem verblüfften Bettler seine Portion Spaghetti. Und dann beschließt er, sich weder von Sandra noch von Judith zu trennen.

[…] gelingt es mir zum ersten Mal, die Todesangst vom bloßen Todesangsttheater zu trennen. Es ist, als trete ich aus einer sommerlichen Verwirrung hervor. Mein moralischer Hitzschlag lässt endlich nach. Schon wenige Sekunden später verstehe ich nicht mehr, wie ich mich wochenlang damit abquälen konnte, ob ich mich für Sandra oder Judith „entscheiden“ soll. Ich werde weder Sandra noch Judith verlassen, ich bekenne mich zum Durcheinander des Liebeslebens und zu dessen Endgültigkeit, es bleibt alles, wie es ist und war […] Um ein großes Liebesunrecht (entweder an Sandra oder Judith) zu vermeiden, nehme ich laufende kleine Verstöße gegen die Ethik (die Untreue) stillschweigend in Kauf. Es beglückt mich, dass ich zu dieser Überlegung fähig bin. Sie lässt mich zitternd, aber zufrieden als Überlebenden der Liebe zurück […] Durch das sanfte Hineingleiten in die Sterblichkeit ist die Frage, ob ich eine oder zwei Frauen liebe, belanglos geworden […] Die Verwirrung legt sich, ich kann wieder richtige Sätze denken. Ich schließe daraus, dass ich meine Entscheidung überlebt habe […] Ich erhole mich von den Resten meiner Liebesmilitanz, bis ich sie nicht mehr spüre. Mir gefällt meine wirre Schweigelust und das Herumstehen in der öffentlichen Belanglosigkeit. (Seite 201ff)

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In seinem melancholisch-komischen Roman „Die Liebesblödigkeit“ erzählt Wilhelm Genazino von einem Mann, der sich aufgrund seines fortgeschrittenen Alters, seiner Krampfadern und erster Anzeichen von Potenzschwäche fragt, ob er weiterhin in der Lage ist, zwei Liebesbeziehungen parallel zu unterhalten. Sollte er sich nicht besser von einer der Frauen oder gleich von beiden trennen? Obwohl Sandra und Judith ein intensives Sexualleben von ihm erwarten und Wilhelm Genazino das auch bis in die Details ausmalt, wirkt das Leben des Protagonisten banal und uninteressant. Es fällt ihm schwer, sich zu entscheiden, und er ist weder stark noch mutig genug, eine Änderung der Situation herbeizuführen. Lieber grübelt er und leidet, obwohl er sich der Lächerlichkeit dieses Verhaltens möglicherweise bewusst ist. Das erinnert ein wenig an Woody Allen.

Die rudimentäre Handlung entwickelt sich vor dem Hintergrund einer Persiflage auf den Kulturbetrieb im allgemeinen und das Geschäft mit der Sinnsuche im Besonderen.

Wilhelm Genazino schmückt „Die Liebesblödigkeit“ mit verschrobenen Figuren aus. Neben dem freischaffenden Zivilisationsapokalyptiker treten zum Beispiel auf: eine Schockforscherin, ein Empörten-Beauftragter, ein Postfeind und ein arbeitsloser Geisteswissenschaftler, der einen Ekeltag propagiert.

Gleich mit den ersten Sätzen des Romans setzt Wilhelm Genazino einen Akzent und zeigt dem Leser, dass es ihm vor allem auf Alltagsbeobachtungen ankommt.

Ich betrachte eine junge Mutter, die sich eine Daumenspitze anfeuchtet und ihrem kleinen Kind einen braunen Fleck auf der rechten Wange wegreibt. Das Kind schließt die Augen und hält der Mutter ruhig das Gesicht hin. Danach folge ich einer offenbar verwirrten Frau, die kurz nacheinander drei halbvolle Mülltonnen umwirft und dabei halblaut schimpft, dann aber umkehrt und die Mülltonnen wieder aufstellt. Zwei Halbwüchsige springen mehrmals auf die untere Plattform einer Rolltreppe, um sie zum Stillstand zu bringen. Aber die Rolltreppe leistet Widerstand und bleibt nicht stehen. Die beiden Jungen verhöhnen dafür die Rolltreppe und ziehen dann weiter. Wieder tritt die Frage an mich heran, ob ich mich für das, was um mich herum geschieht, interessieren soll oder nicht. (Seite 7)

Für diese Alltags-Miniaturen in „Die Liebesblödigkeit“ wird Wilhelm Genazino von den Kritikern fast ausnahmslos gepriesen. Mir erschließt sich nicht in jedem Fall, warum das lesenswert sein soll. Einige der banalen Szenen sind tragikomisch, ja, aber manche sind auch abgedroschen (wie der im Zug seine Klappbrote auspackende Fahrgast), und nur selten habe ich ein Aha-Erlebnis. Angenehm sind gerade in diesem Zusammenhang die stilistische Zurückhaltung und die geschliffene Sprache von Wilhelm Genazino.

Den Roman „Die Liebesblödigkeit“ von Wilhelm Genazino gibt es auch als Hörbuch, gelesen von Wilhelm Genazino selbst (Regie Georg Gess, Hamburg 2005, 5 CDs, ISBN: 3-455-30396-X).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2010
Textauszüge: © Carl Hanser Verlag

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