Training Day

Training Day

Training Day

Training Day – Originaltitel: Training Day – Regie: Antoine Fuqua – Drehbuch: David Ayer – Kamera: Mauro Fiore – Schnitt: Conrad Buff – Musik: Mark Mancina – Darsteller: Denzel Washington, Ethan Hawke, Scott Glenn, Eva Mendes, Tom Berenger, Harris Yulin, Raymond J. Barry, Cliff Curtis, Dr. Dre, Snoop Dogg, Macy Gray, Charlotte Ayanna, Nick Chinlund, Jaime Gomez, Kyjel N. Jolly u.a. – 2001; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Jake Hoyt, der seit 19 Monaten beim LAPD ist, soll an einem "Training Day" zeigen, dass er fürs Drogendezernat geeignet ist. Einen Tag lang begleitet er den erfahrenen Drogenfahnder Alonzo Harris bei der Arbeit. Jake wundert sich über die Gesetze und Dienstvorschriften missachtenden Methoden Alonzos. Aber vielleicht stimmt es, dass man ein Wolf sein muss, um Wölfe zu fangen. Rechtfertigen Erfolge in der Verbrechensbekämpfung Alonzos Vorgehensweise, die auf Selbstjustiz hinausläuft?
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Kritik

Unverbrauchte Einfälle lassen die Szenen und Dialoge funkeln. "Training Day" ist ein durchdacht und eindrucksvoll inszeniertes Cop-Drama mit zwei überzeugenden Hauptdarstellern: Denzel Washington und Ethan Hawke.
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Jake Hoyt (Ethan Hawke) ist seit neunzehn Monaten beim Los Angeles Police Department. Seine Frau Lisa (Charlotte Ayanna) und er haben ein Baby. Weil der junge Idealist nicht nur als Streifenpolizist Verkehrsdelikte aufnehmen möchte, hat er sich zur Drogenfahndung gemeldet. Nun soll er einen Tag lang den erfahrenen Undercover-Drogenfahnder Alonzo Harris (Denzel Washington) bei der Arbeit begleiten. In dessen Abteilung wird man ihn versetzen, wenn er sich an diesem „Training Day“ bewährt.

Nach dem Aufstehen glaubt Jake noch, der „Training Day“ werde mit einer Dienstbesprechung im Polizeipräsidium beginnen. Aber bevor er das Haus verlässt, gibt Alonzo ihm ein Café als Treffpunkt an. Dienstbesprechungen seien nur etwas für Weicheier, erklärt er. Auch sonst läuft an diesem Tag alles anders, als es Jake auf der Polizeischule gelernt hat.

Der Afroamerikaner Alonzo, der seit dreizehn Jahren bei der Drogenfahndung des LAPD beschäftigt ist, trägt einen schwarzen Ledermantel und fährt einen 1978 Chevrolet Monte Carlo Lowrider; er sieht nicht nur wie ein Ghettogangster aus, er benimmt sich auch so. Ohne behelligt zu werden, lässt er die Limousine durch das Schwarzenviertel rollen, in das sich die Polizei normalerweise nur in Truppenstärke vorwagt. Offenbar hat Alonzo hervorragende Beziehungen in der Unterwelt und wird zudem von einflussreichen Vorgesetzten gedeckt.

Zum Auftakt observiert Alonzo mit Jake einen kleinen Drogendealer. Es dauert nicht lang, bis drei Jugendliche (Fran Kranz, Brett Sorenson, Sarah Danielle Madison) in einem VW-Käfer vorbeikommen und sich etwas „Angel Dust“ (Phencyclidin) besorgen. Nach einer kurzen Verfolgungsjagd hält Alonzo den um ihr Leben fürchtenden College-Studenten seine großkalibrige Pistole vors Gesicht und nimmt ihnen die Drogen ab. Dann lässt er sie weiterfahren und lacht über den gelungenen Spaß.

Nun soll Jake etwas von dem Angel Dust rauchen. Er sträubt sich, denn es ist nicht nur verboten, sondern die Polizisten des LAPD müssen auch mit überraschenden Urinkontrollen rechnen. Wenn man ihn mit Drogen im Blut erwischen würde, müsste er sich einen neuen Job suchen. Alonzo macht jedoch mitten auf einer Straßenkreuzung eine Vollbremsung und schüchtert Jake so ein, dass er es doch tut.

Vom Auto aus sind in einer Seitenstraße zwei Männer zu sehen, die ein Mädchen (Samantha Becker) vergewaltigen wollen. Alonzo scheint das nicht zu interessieren, aber Jake verlangt, dass er anhält, stürzt sich auf die Männer und überwältigt sie. Alonzo schaut nur zu. Erst als Jake die beiden gefesselt hat, tritt er in Aktion, jagt ihnen mit seiner Pistole Angst ein und tritt einem der beiden in die Hoden. Von einer Festnahme hält er nichts. Einem Ausweis, der bei dem Gerangel auf den Boden gefallen war, entnimmt Jake, dass es sich bei dem inzwischen fortgelaufenen Mädchen um eine Vierzehnjährige namens Letty handelt.

Nachdem die beiden Polizisten bei einem Gangster namens Roger (Scott Glenn), mit dem Alonzo augenscheinlich befreundet ist, teuren Whisky getrunken haben, soll Jake im Auto auch noch eine Dose Bier trinken.

Das Spiel, das der ausgebuffte Zyniker mit dem idealistischen Neuling treibt, wird zunehmend ernster. Jake ist hin- und hergerissen, ob er die Verstöße gegen Gesetze und Dienstvorschriften mitmachen oder auf die gewünschte Versetzung ins Drogendezernat verzichten soll. Alonzo interessieren nur die großen Verbrecher; diese Wölfe könne man jedoch nur fangen, erklärt er Jake, wenn man selbst zum Wolf werde. Wie Mephisto lockt der geschickte Manipulator nicht nur mit einem aufregenden Job, sondern er verspricht Jake auch eine steile Karriere.

Ohne einen Durchsuchungsbefehl zu haben, dringt Alonzo mit Jake im Gefolge in das Haus des zur Zeit inhaftierten Drogendealers Sandman ein. Während Jake die Ehefrau (Macy Gray) und den Sohn mit vorgehaltener Pistole in Schach halten muss, sucht Alonzo nach Drogen, findet jedoch nur ein paar Banknoten. Als Sandmans Frau merkt, dass die Cops keinen Durchsuchungsbefehl haben und ihr Geld rauben, schreit sie die Nachbarschaft zusammen. Alonzo und Jake laufen zum Wagen. Beim Wegfahren werden sie beschossen. Ein paar Kugeln durchschlagen die Heckscheibe, aber sie bleiben unverletzt.

Am Abend besucht Alonzo seine Lebensgefährtin Sara (Eva Mendes) und seinen Sohn (Kyjel N. Jolly). Jake und der kleine Junge sind vor dem Fernsehgerät einschlafen, als Alonzo und Sara aus dem Schlafzimmer zurückkommen.

Bei einer Unterredung von Alonzo mit drei Honoratioren der Stadt (Tom Berenger, Harris Yulin, Raymond J. Barry) erfährt Jake, dass der sonst so cool wirkende Drogenfahnder kürzlich in Las Vegas mit einem russischen Mafioso in Streit geriet und ihn im Affekt umbrachte. Deshalb ist jetzt die Russenmafia hinter ihm her, und die „drei Weisen“, wie Alonzo sie nennt, glauben nicht, dass sein Leben noch viel wert ist.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Ungerührt ruft Alonzo seine fünf Mitarbeiter zusammen. Sie sollen eine Kettensäge und eine Schaufel mitbringen. Sobald sie einsatzbereit sind, fahren sie zu Rogers Haus, brechen die Tür auf und halten den Gangster mit ihren Waffen in Schach, während Jake an einer von Alonzo angegebenen Stelle den Holzfußboden zersägt und ein Loch gräbt. In einem halben Meter Tiefe stößt er auf eine Kiste, die sorgfältig in Plastik verpackte Geldbündel enthält. Alonzo weiß, dass es 5 Millionen Dollar aus Drogengeschäften sind.

Unvermittelt fordert er Jake auf, Roger zu erschießen, der schwer bewacht in einem Sessel sitzt. Jake überlegt, ob er es ernst meint oder einen schlechten Scherz macht. Da erschießt Alonzo seinen vermeintlichen Freund. Dann drückt er dem Toten eine Pistole in die Hand und schießt zweimal auf seinen Mitarbeiter Jeff (Peter Greene), der zwar eine schusssichere Weste trägt, aber beim zweiten Mal verletzt wird. Während die Polizeibeamten auf den Krankenwagen und Verstärkung warten, gibt Alonzo die Sprachregelung vor: Beim Zugriff gegen den Drogenhändler habe dieser einen Schusswechsel angefangen und Jeff zweimal getroffen, bevor Jake ihn tötete.

Während Jeff in den Krankenwagen getragen wird, fährt Alonzo mit Jake zu einem Gauner namens Smiley (Cliff Curtis), der mit seinen Kumpanen Karten spielt. Plötzlich ist Alonzo verschwunden, und die Bande fällt über Jake her. Die Männer drücken ihn kopfüber in die Badewanne und wollen ihn erschießen. Da fällt ihm der Ausweis der Vierzehnjährigen aus der Tasche. Zufällig handelt es sich um Smileys Nichte. Jake beteuert, er habe dem Mädchen nichts getan. Smiley ruft Letty an, und als sie bestätigt, dass sie an diesem Vormittag vergewaltigt worden wäre, wenn nicht ein junger Polizist es verhindert hätte, lassen die Ganoven Jake laufen.

Jake ist entsetzt. Was sich in Rogers Haus abspielte, war glatter Mord. Bisher dachte er, dass Alonzo mit ungewöhnlichen Mitteln Verbrecher verfolgt. Jetzt begreift er, dass der Zugriff gegen Roger an diesem Abend erfolgen musste, weil die Russenmafia Alonzo ein Ultimatum gestellt hat, sich bis Mitternacht mit 1 Million Dollar freizukaufen.

Er sucht nach Alonzo, um ihm das Geld abzunehmen und ihn zu verhaften. Dazu wagt er sich zu Fuß in das Schwarzenghetto. Er findet ihn bei Sara und dem Jungen. Alonzo flüchtet mit dem Geld in einer Sporttasche durch ein Fenster. Bei der Verfolgungsjagd über Dächer und Balkone kommt es mehrmals zum Kampf. Am Ende verlässt Jake das Ghetto mit dem Geld, während Alonzo mit seinem Wagen losfährt. Als er vor einer roten Verkehrsampel stehen bleibt, nähern sich mehrere schwarze Limousinen. Er stirbt im Kugelhagel.

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Die Handlung des zweistündigen Cop-Dramas „Training Day“ von David Ayer (Drehbuch) und Antoine Fuqua (Regie) beschränkt sich auf einen einzigen ereignisreichen Tag.

Ein unerfahrener Idealist trifft auf einen selbstsicheren Zyniker, der ihn raffiniert manipuliert. Die gegensätzlichen Rollen werden von Denzel Washington und Ethan Hawke großartig gespielt. Beide wurden für einen „Oscar“ nominiert; am Ende bekam allerdings nur Denzel Washington die Auszeichnung.

Bis zur ersten Action-Szene in „Training Day“ vergeht viel Zeit, aber keine Minute ist langweilig, denn unverbrauchte Einfälle lassen die Szenen und Dialoge funkeln. Das ist sowohl dem Drehbuch als auch der Inszenierung zu verdanken.

Zunächst geht es uns wie Jake: Wir wundern uns über die Gesetze und Dienstvorschriften missachtenden Methoden, mit denen Alonzo gegen bedeutende Drogendealer vorgeht. Aber vielleicht stimmt es, dass man ein Wolf sein muss, um Wölfe zu fangen, wie Alonzo behauptet. Immer wieder müssen verhaftete Verbrecher freigelassen werden, weil die gerichtlich verwertbaren Beweise gegen sie nicht ausreichen. Andererseits: Gesetzlosigkeit bedeutet Willkür. Rechtfertigen Erfolge in der Verbrechensbekämpfung Alonzos Vorgehensweise, die auf Selbstjustiz hinausläuft? Dieser Konflikt wird in „Training Day“ mitreißend dargestellt.

Am Schluss kippt der Film um. Da sind die Fronten klar, und es kommt zum Kampf zwischen Gut und Böse.

Das stereotype Ende von „Training Day“ könnte zwar aus jedem anderen Action-Film sein, und einige Episoden sind (hoffentlich) unrealistisch, aber bis auf die letzten zehn Minuten handelt es sich um ein grandioses, durchdacht und eindrucksvoll inszeniertes Cop-Drama. Auch die Kameraführung und der Schnitt sind erstklassig.

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Inhaltsangabe und Filmkritik: © Dieter Wunderlich 2009

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