Frieda von Richthofen

Während die Baroness mit einem arbeitsamen Philologie-Professor verheiratet war, übernahm sie von einem anarchistischen Psychiater den Glauben an die heilsame Kraft des Liebesakts. Diese Auffassung gab sie an ihren zweiten Ehemann weiter, den Schriftsteller D. H. Lawrence, dessen Roman Lady Chatterley jahrzehntelang nur in zensierter Fassung verkauft werden durfte.


Frieda von Richthofen: »Frau der Zukunft«

Leseprobe aus
Dieter Wunderlich: Verführerische Frauen. Elf Porträts
Piper Verlag, München 2012

D. H. Lawrence stellte den Sexualtrieb in seinen Büchern als etwas vollkommen Natürliches dar, dessen man sich nicht zu schämen braucht, bestand jedoch darauf, dass seine Frau Unterwäsche aus Baumwolle trug, weil ihm Seidendessous hurenhaft vorkamen. […]

Möglicherweise war Lawrence durch Friedas Vermittlung von Otto Gross‘ Denkweise beeinflusst, wenn er im Geschlechtsakt die Urkraft des Lebens vermutete und der Sexualität regenerative Kräfte zuschrieb. »Kein anderer moderner Autor hat der physischen Vereinigung von Mann und Frau eine solche mystische, ja religiöse Bedeutung beigemessen.«

Die viktorianische Gesellschaft, in der selbst Tischbeine verhüllt werden mussten und Bücher von Autorinnen im Regal nicht zwischen denen ihrer männlichen Kollegen stehen durften, nahm den offenen Umgang mit der Sexualität freilich nicht hin: Über 1000 im Verlag und in der Druckerei beschlagnahmte Exemplare

Dieter Wunderlich: Verführerische Frauen. © Piper Verlag 2012

des im Herbst 1915 veröffentlichten Romans Der Regenbogen von D. H. Lawrence wurden aufgrund eines Gerichtsurteils vom November wegen des angeblich unzüchtigen Inhalts vernichtet.

Ungeachtet der freizügigen Einstellung, die D. H. Lawrence in seinen Romanen gegenüber der Sexualität vertrat, erwartete er, dass Frauen sich ihren Männern unterwarfen. »Meiner Ansicht nach muss die Frau dem Mann irgendwie die Führung überlassen, und er muss diese Führung übernehmen. Männer müssen, wie ich denke, absolut ihren Frauen vorangehen, ohne sich umzudrehen und die Erlaubnis oder Zustimmung ihrer Frauen einzuholen. Die Frauen müssen daher folgen, sozusagen ohne Fragen zu stellen. Ich kann es nicht ändern: das ist meine Überzeugung. Es ist nicht die Friedas. Daher unser Kampf.« Frieda war in der Tat nicht bereit, »sich seinem männlichen Supremat zu beugen« und ihre Identität aufzugeben.

Quelle: Dieter Wunderlich, Verführerische Frauen. Elf Porträts
© Piper Verlag, München 2012

Fußnoten wurden in der Leseprobe weggelassen. Zitate:
Robert Lucas, Frieda von Richthofen. Ihr Leben mit D. H. Lawrence, 1974, S. 70 / 181

D. H. Lawrence (Biografie)

Milan Kundera - Das Fest der Bedeutungslosigkeit
Unsere Existenz sei sinnlos, meint Milan Kundera in seinem tragi­komischen Roman "Das Fest der Bedeutungslosigkeit". Mit schein­barer Leichtigkeit und verspielter Fabulierlaune skizziert er Figuren und Episoden.
Das Fest der Bedeutungslosigkeit

Milan Kundera

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