Monster's Ball

Monster’s Ball

Monster's Ball

Monster's Ball - Originaltitel: Monster's Ball - Regie: Marc Forster - Drehbuch: Milo Addica und Will Rokos - Kamera: Roberto Schaefer - Schnitt: Matt Chesse - Musik: Chris Beaty, Thad Spencer und Richard Werbowenko - Darsteller: Billy Bob Thornton, Halle Berry, Peter Boyle, Heath Ledger, Sean Combs u.a. - 2001; 112 Minuten

Inhaltsangabe

Eine Afroamerikanerin verliert kurz nach der Hinrichtung ihres Mannes bei einem Verkehrsunfall auch ihren 12-jährigen Sohn und wird wegen der Schulden aus ihrem Haus geworfen. Geholfen wird ihr ausgerechnet vom einem Weißen, der ihren Mann zum elektrischen Stuhl führte, in seinen Mitmenschen nur Funktionsträger sieht und von seinem Vater zum Rassisten erzogen worden ist.
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Kritik

Statt auf Pathos oder inhaltsschwere Dialoge setzt Marc Forster in "Monster's Ball" auf ruhige Szenen, ausdrucksvolles Schweigen und die nuancierte Darstellung von Gefühlen durch Mimik und Gestik.
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In einem Gefängnis in Georgia werden die Vorbereitungen für die Hinrichtung des Schwarzen Lawrence Musgrove (Sean Combs) mit routinierter Effizienz abgeschlossen. Am Nachmittag besucht ihn seine Frau Letitia (Halle Berry) mit dem zwölfjährigen Sohn Tyrell (Coronji Calhoun) zum letzten Mal. Elf Jahre lang hat Letitia ihren Mann im Gefängnis besucht, weil sie es für ihre Pflicht hielt. Jetzt – so erwähnt sie – sei sie nur gekommen, damit Tyrell sich von seinem Vater verabschieden kann. Lawrence verspricht seinem Sohn, er werde ihn später noch einmal anrufen – aber der Gefängnisdirektor erlaubt es nicht, und der Junge wartet vergeblich vor dem Telefonapparat.

Zwei Vollzugsbeamte sitzen vor dem Gitter der Todeszelle: Hank Grotowski (Billy Bob Thornton) und dessen Sohn Sonny (Heath Ledger), der – anders als sein Vater – zum ersten Mal an einer Hinrichtung beteiligt ist. Hank schärfte ihm deshalb ein, dass er keine Fehler machen dürfe. Es gehe für ihn nicht um die Frage, ob das Urteil gerecht ist oder nicht, sondern er habe seinen Job fehlerfrei zu erledigen. Mitgefühl störe dabei nur. Sonny hat kaum weniger Angst vor der Hinrichtung als Lawrence, der während seiner Haft ein Dutzend Porträts gezeichnet hat, um sich zu beruhigen. „Nur ein Mensch kann einen Menschen wirklichen sehen“, sagt er, als er zum Schluss die Gesichter von Hank und Sonny Grotowski zeichnet und die beiden Blätter mit Datum und Signatur versieht, bevor er sie zu seinen anderen Sachen in einen Karton für Tyrell packt.

Im Morgengrauen wird Lawrence Musgrove zum elektrischen Stuhl geführt. Plötzlich wird es Sonny übel, er muss sich in einem Korridor übergeben und bleibt zurück. Nach der Hinrichtung wirft ihm Hank rasend vor Zorn vor, er habe versagt und den zum Tod Verurteilten um die Würde des letzten Gangs betrogen. Die Schlägerei zwischen Vater und Sohn wird von Kollegen beendet – wobei Hank einen schwarzen Kollegen wegen seiner Hautfarbe beschimpft.

Hanks Vater Buck (Peter Boyle), der früher ebenfalls Aufseher im Todestrakt des Staatsgefängnisses war, ist schwer krank und kann ohne Hilfe kaum gehen. Seine Frau hat sich vor vielen Jahren umgebracht, und darüber ist er nach wie vor wütend. Auch Hanks Frau starb durch Selbstmord. Buck, Hank und Sonny wohnen zusammen in einem Haus. Als Buck durchs Fenster zwei schwarze Nachbarskinder auf dem Grundstück sieht, weiß Hank, was er zu tun hat: Mit zwei Warnschüssen verscheucht er sie.

Die Auseinandersetzung zwischen Hank und Sonny geht zu Hause weiter. Hank will seinen Sohn vor die Tür setzen, der aber greift zum Revolver. Nachdem sein Vater zugegeben hat, dass er ihn für einen Versager hält und ihn immer gehasst hat, setzt Sonny sich die Waffe auf die Brust und tötet sich vor den Augen seines Vaters und seines Großvaters.

Nach der Beerdigung trifft Hank sich in einem Motel mit der Prostituierten Vera, die auch seinem Sohn regelmäßig zu Diensten war, aber noch nichts von dessen Tod erfahren hat. Sie weiß, was von ihr erwartet wird, zieht sich umstandslos aus und beugt sich über eine Anrichte. Wie sie es auch von Sonny gewohnt war, öffnet Hank nur die Hose, bevor er sich für einen kurzen, unsentimentalen Akt von hinten nähert. „Wie geht’s Sonny?“, fragt sie. Da schließt Hank die Hose wieder und schickt sie fort.

Er kündigt und kauft sich eine Tankstelle – obwohl Buck Grotowski über diesen Bruch mit der Familientradition entsetzt ist.

Sobald Tyrell Musgrove sich unbeobachtet fühlt, stopft er Schokoladenriegel in sich hinein. Wenn es seine Mutter merkt, prügelt sie verzweifelt auf ihn ein, weil er ohnehin schon viel zu fett ist. An ihre Haustür hat die Polizei einen Räumungsbescheid genagelt. Das Geld, das sie als Bedienung verdient, reicht nicht, um die Schulden bezahlen zu können.

Als Letitia und Tyrell bei strömenden Regen am Straßenrand gehen, weil das Auto kaputt ist, wird der Junge von einem Auto angefahren und bleibt schwer verletzt liegen. Fahrerflucht. Hank zögert zunächst, als er die schreiende Frau mit ihrem Sohn sieht, dann hält er neben ihnen und hebt den bewusstlosen Jungen in sein Auto. Sie rasen zum Krankenhaus, aber für Tyrell kommt jede Hilfe zu spät. Letitia kann es nicht fassen und ist unfähig, zu sprechen. Wortlos folgt sie Hank zu seinem Wagen, aber er muss erst in ihrer Handtasche nach dem Führerschein suchen, um herauszufinden, wohin er sie fahren soll. Auf diese Weise erfährt er ihren Namen und kann sich denken, dass es sich um die Witwe des Hingerichteten handelt. Schweigend bringt er sie nach Hause.

Hank und Letitia begegnen sich noch zwei, dreimal zufällig auf der Straße, und sie sehen sich, wenn Hank in dem Schnellrestaurant, in dem sie bedient, einen Kaffee trinkt und mit dem eigens gewünschten Plastiklöffel ein Schokoladeneis isst. Einmal, kurz vor Dienstschluss, bietet er ihr an, sie im Auto mitzunehmen. Er fahre auf dem Heimweg sowieso bei ihrem Haus vorbei. Bevor Letitia aussteigt, verrät er ihr niedergeschlagen, dass auch sein Sohn tot ist. Sie lädt ihn ein, mit ins Haus zu kommen. Dort zeigt sie ihm Fotos von ihrem toten Sohn und weint. Hank fühlt sich hilflos, tätschelt ihr die Schulter und sagt: „Ich weiß nicht, was Sie von mir erwarten.“ In einer plötzlichen Aufwallung der Gefühle wirft sie sich ihm an den Hals, streift einen Träger ihres Tops herunter und wimmert: „Machen Sie, dass ich mich gut fühle!“ Verzweifelt lieben sich die beiden und erleben in der heftigen Umarmung den Ausbruch ihrer angestauten Emotionen.

Hank beginnt sich um die Afroamerikanerin zu kümmern. Er lässt den Pick-up seines toten Sohnes überholen – in der Werkstatt eines schwarzen Nachbarn – und schenkt ihn Letitia, deren Auto nicht mehr repariert werden kann. Auf das Schild an seiner Tankstelle pinselt er: „Letitia’s“. Sie verhökert ihren Ehering, um ihm einen Cowboyhut kaufen zu können, doch als sie ihm das Geschenk bringen will, ist er gerade nicht da, und sie stößt auf seinen alten Vater. Der erbettelt sich von ihr eine Zigarette, die sie ihm zunächst nicht geben will, weil sie das Sauerstoffgerät bemerkt, aber er lässt nicht locker, bis sie ihm eine anzündet. Dann sagt er: „Mein Sohn kommt ganz nach mir: Als ich jung war, stand ich auch auf Niggerfotzen!“ Letitia stürmt entsetzt aus dem Haus und will aufgrund dieses Vorfalls auch nichts mehr mit Hank zu tun haben.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Jetzt ist für Hank der Zeitpunkt gekommen, sich auch von seinem Vater zu trennen: Er bringt den verbitterten Kranken in einem Altersheim unter.

Polizisten holt Letitia aus ihrem Haus. Zwangsräumung. Möbelpacker tragen ihre Sachen ins Freie. Wieder ist sie auf Hanks Hilfe angewiesen. Er mietet einen Kleinlaster und quartiert sie bei sich ein. Abends im Bett fragt er, ob er sie berühren dürfe, und beim zärtlichen Liebesspiel achtet er nur auf ihre Gefühle. Danach möchte er Schokoladeneis. Während er unterwegs ist, um welches zu kaufen, findet Letitia in den Sachen, die ihrem Sohn aus dem Gefängnis geschickt wurden, die beiden Zeichnungen, die Lawrence in der letzten Nacht anfertigte. Durch die Erkenntnis, dass Hank bei der Hinrichtung ihres Mannes dabei war, ist sie völlig verstört. Sie bringt kein Wort heraus, als er zurückkommt, sich mit ihr auf die Eingangstreppe des Hauses setzt und sein Eis zu löffeln beginnt. Hank ist glücklich und hofft zuversichtlich auf einen guten Neuanfang.

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„Monster’s Ball“ ist eine Geschichte über Verlust und Erlösung. Die Afroamerikanerin Letitia Musgrove verliert kurz nach der Hinrichtung ihres Mannes ihren zwölfjährigen Sohn durch einen Verkehrsunfall und wird aus ihrem Haus geworfen, weil ihr Verdienst als Bedienung nicht reicht, um die Schulden abzubezahlen. Geholfen wird ihr von einem Weißen namens Hank Grotowski, von dem sie zunächst nicht ahnen kann, dass es sich um einen eingefleischten Rassisten handelt, der ihren Mann als Vollzugsbeamter zum elektrischen Stuhl führte. Aber dieser Mensch ist durch den Verlust seines Sohnes nachdenklich geworden; er kündigt beim Gefängnisdirektor, kauft sich eine Tankstelle und trennt sich von seinem Vater, einem unverbesserlichen Rassisten, der in Frauen bloß Sexualobjekte sieht. Als Hank der verzweifelten Mutter mit dem verletzten Kind hilft, will er nur tun, was richtig ist, doch allmählich beginnt er sich mitfühlend um die Frau zu kümmern und er merkt, dass seine Mitmenschen mehr sind als Funktionsträger (Vollzugsbeamter, Bedienung, Prostituierte). Möglicherweise gelingt es den beiden, nicht nur ihre Einsamkeit, sondern auch Rassenschranken zu überwinden.

Der Filmtitel „Monster’s Ball“ bezieht sich auf eine Art Party, die – so berichtet Hank seinem Sohn – in englischen Gefängnissen in der Nacht vor der Hinrichtung veranstaltet werde: „Monster’s Ball“. Mit den nach und nach gezeigten Vorbereitungen für die Hinrichtung Lawrence Musgroves und die Exekution selbst werden die Zuschauer denn auch in der ersten Viertelstunde konfrontiert.

Pathetische, kitschige oder rührselige Szenen gibt es in „Monster’s Ball“ ebensowenig wie inhaltsschwere Dialoge. Marc Forster setzt stattdessen auf ruhige Szenen, ausdrucksvolles Schweigen und die nuancierte Darstellung von (unterdrückten) Gefühlen durch Mimik und Gestik. Vor allem im Gesicht Billy Bob Thorntons spiegeln sich Gedanken, Empfindungen und Entscheidungen.

Oliver Stone und Sean Penn wollten das Drehbuch von Milo Addica und Will Rokos verfilmen, aber die verfügbaren Produzenten hätten Zugeständnisse an den Massengeschmack verlangt, die von den Autoren glücklicherweise abgelehnt wurden. Mit dem aus der Schweiz stammenden Regisseur Marc Forster (*1970) gelang schließlich die Realisierung des Filmprojektes. „Monster’s Ball“ ist sein zweiter Spielfilm.

Als erste farbige Schauspielerin überhaupt wurde Halle Berry mit einem „Oscar“ geehrt. Dabei handelt es sich bei ihr um eine Fehlbesetzung, nicht weil sie als Darstellerin versagt hätte, sondern weil sie für eine Schwarze aus der Unterschicht zu chic gekleidet ist und zu gut aussieht. Die Auszeichnung hätte wohl eher ihrem Partner Billy Bob Thornton zugestanden. Für einen „Oscar“ nominiert wurden auch Milo Addica und Will Rokos für ihr Drehbuch.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002

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