Fellinis Roma

Fellinis Roma

Fellinis Roma

Fellinis Roma - Originaltitel: Roma - Regie: Federico Fellini - Drehbuch: Federico Fellini, Bernadino Zapponi und Giuseppe Rotunno - Kamera: Giuseppe Rotunno - Schnitt: Ruggero Mastroianni - Musik: Nino Rota - Darsteller: Marcello Mastroianni, Anna Magnani, Alberto Sordi, Peter Gonzales, Fiona Florence, Marne Maitland, Federico Fellini, Pia De Doses u.a. - 1971; 115 Minuten

Inhaltsangabe

Im Alter von zwanzig Jahren kommt Federico Fellini erstmals aus seiner Heimatstadt Rimini nach Rom und fängt an, das Leben in der Stadt zu erkunden. Dreißig Jahre später dreht er ein filmisches Porträt von Rom, um Fremden einen Eindruck vom Leben in der Metropole zu vermitteln.
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Kritik

Der Episodenfilm "Fellinis Roma" ist kein objektives, sondern bewusst ein sehr persönlich gefärbtes Porträt der italienischen Hauptstadt.
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Nachdem er schon in der Schule viel von Rom gehört hat, kommt Federico Fellini im Alter von zwanzig Jahren (dargestellt von Peter Gonzales) aus seiner Heimatstadt Rimini in die römische Hauptstadt. Abends mischt er sich unter die Menschen, die an den im Freien aufgestellten Tischen eines einfachen Restaurants essen und sich nicht stören lassen, wenn die Straßenbahn neben ihnen quietscht und rattert oder Straßenmusikanten ihnen ins Ohr singen. – Nachts treibt dann ein Schäfer seine Herde durch die leeren Straßen Roms.

Dreißig Jahre später beginnt Federico Fellini (nun er selbst) mit einem Porträt der Stadt Rom. Als Erstes fängt die Filmcrew das Inferno des Verkehrs auf dem Autobahnring ein. Dann wird in einem Varieté gedreht, wo Kinder im Publikum herumtollen, während einem schnarchenden Mann der Kopf nach hinten gesunken ist. Ein beim U-Bahn-Bau gefundener Mammutzahn weckt das Interesse der Filmemacher, bevor sie in der unterirdischen Röhre bis zur Fräse vordringen. Dort erleben sie, wie die Bauarbeiter durch Zufall in ein mehr als zweitausend Jahre altes Haus durchbrechen, dessen leuchtende Fresken durch die eindringende Luft innerhalb von Minuten zerstört werden. An der Spanischen Treppe sonnen sich halbnackte Mädchen; Hippies sitzen herum, und Paare küssen sich ungeniert. Federico Fellini erinnert sich, dass Liebe zu seiner Jugendzeit nur im Verborgenen gemacht wurde, denn sie galt als etwas Schmutziges. Besser als das freizügige Treiben auf der Spanischen Treppe passt dazu die Filmszene in einem armseligen Bordell, vor dessen Eingang die Männer sich in einem weiß gekachelten Korridor drängeln, bis sie sich eine der ordinären Nutten aussuchen dürfen.

Das Bordell, das der zwanzigjährige Fellini aufsuchte, sah anders aus: Da saß er mit einem skurrilen, ständig kichernden Freund auf einem mit rotem Samt bezogenen, vergoldeten und verschnörkelten Sofa. Als offenbar eine hochgestellte Persönlichkeit eintraf, die nicht gesehen werden wollte, mussten die Freier sich gedulden, bis der Politiker, Geistliche – oder was immer er war – in einem Nebenraum seine Auswahl getroffen hatte.

Als die vielen an den Wänden hängenden Gemälde von Kirchenfürsten abgestaubt sind, führt eine Principessa einen Kardinal in den Saal, in dem sie mit ihm als Ehrengast eine Modenschau mit extravaganten Modellen für Nonnen, Messdiener, Geistliche und Päpste veranstaltet. Zwei Landpfarrer fahren mit Fahrrädern über den Laufsteg, zwei städtische Priester tun es mit Rollschuhen. Vollends in Ekstase gerät das begeisterte Publikum, als der Papst persönlich erscheint.

Federico Fellini will sein Filmporträt der Stadt Rom mit der Festa de Noantri in Trastevere beschließen. Bei dem Volksfest nimmt er einen amerikanischen Touristen auf, der mit vielen anderen Menschen an einem großen Tisch beim Essen sitzt und sagt: „Es ist kein Zufall, dass Rom die Stadt der Kirche, der Regierung und des Films ist: Sie alle produzieren Illusionen – so wie jeder von uns.“ Dann fügt er hinzu: „Allmählich nähert sich unsere Welt dem Ende: Zu viele Menschen, zu viele Autos, zu viel Gift! Und wo könnte man besser als in dieser Stadt, die schon so viele Male wiedergeboren wurde, in Ruhe und Frieden abwarten, ob das Ende durch Übervölkerung und Umweltverschmutzung eintrifft oder nicht? Rom ist wirklich der ideale Ort, um zu sehen, wie alles endet.“

Anna Magnani geht durch eine nächtliche Altstadtgasse zu ihrer Haustür. Fellini möchte mit ihr reden, aber sie traut ihm nicht, lässt sich auf kein Gespräch mit ihm ein, wünscht ihm nur freundlich eine gute Nacht und schlüpft ins Haus.

Als die Straßen spät in der Nacht vollends ausgestorben sind, tauchen zwei Dutzend Rocker mit ihren Motorrädern auf, und die Kamera begleitet das dröhnende Geschwader auf den Runden, die es durch Rom dreht.

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In dem fulminanten und skurrilen Episodenfilm zeigt Federico Fellini, wie in Rom – trotz Verfall und Niedergang – das Leben pulst. „Fellinis Roma“ ist kein objektives, sondern bewusst ein sehr persönlich gefärbtes Porträt der italienischen Hauptstadt.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002/2004

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