Maigret kennt kein Erbarmen

Maigret kennt kein Erbarmen

Maigret kennt kein Erbarmen

Maigret kennt kein Erbarmen – Originaltitel: Maigret et l'affaire Saint-Fiacre – Regie: Jean Delannoy – Drehbuch: Jean Delannoy und Rodolphe-Maurice Arlaud, nach dem Roman "Maigret und die Affäre Saint-Fiacre" von Georges Simenon – Kamera: Louis Page – Schnitt: Henri Taverna – Musik: Jean Prodromidès – Darsteller: Jean Gabin, Michel Auclair, Robert Hirsch, Michel Vitold, Valentine Tessier, Jacques Morel, Paul Frankeur, Serge Rousseau, Camille Guérini, Jacques Marin, Hélène Tossy, Gabrielle Fontan, Micheline Luccioni, Marcel Pérès u.a. – 1959; 100 Minuten

Inhaltsangabe

Kommissar Maigret kommt aus Paris nach Moulins und übernachtet im Schloss der Gräfin von Saint-Fiacre, in dem er aufwuchs, weil sein Vater dort Verwalter war. Die Gräfin erhielt eine anonyme Morddrohung, und Maigret will sie beschützen. Aber während der Frühmesse am nächsten Morgen erliegt sie einem Herzschlag. Während der Arzt von einer natürlichen Todesursache ausgeht, ist der Kommissar überzeugt, dass es jemand darauf anlegte, die Gräfin umzubringen ...
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Kritik

"Maigret kennt kein Erbarmen", die Verfilmung des Kriminalromans "Maigret und die Affäre Saint-Fiacre" von Georges Simenon durch Jean Delannoy, gilt als Klassiker. Jean Gabin verkörpert Kommissar Maigret so überzeugend wie kein anderer Darsteller.
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Jules Maigret (Jean Gabin), ein Kriminalkommissar aus Paris, fährt mit dem Zug nach Moulins und wird dort von der Gräfin von Saint-Fiacre (Valentine Tessier) und deren Chauffeur Albert (Jacques Marin) abgeholt. Sie fahren zum gräflichen Schloss. Kommissar Maigret ist gekommen, um dort zu übernachten, denn die Gräfin erhielt eine anonyme Morddrohung, in der es heißt, sie werde die Aschermittwochmesse am nächsten Tag nicht überleben. Er hat zwar hier keine polizeilichen Befugnisse, aber er will den Tod der Gräfin verhindern.

Im Schloss des Grafen von Saint-Fiacre wuchs Jules Maigret auf, denn sein Vater Évariste war hier Verwalter. Als Kind erlebte Jules, wie der Graf im April 1917 die damals 18-Jährige heiratete, die inzwischen seit zehn Jahren Witwe ist. Vor 40 Jahren sahen die Gräfin und Maigret sich zum letzten Mal. Er verließ Saint-Fiacre nach dem Tod seines Vaters am 18. September 1919, um in Paris zu studieren.

Seit dem Tod des Grafen ist das Schloss heruntergekommen. In der Bibliothek fehlen die wertvollen Erstausgaben und an den Wänden zeugen nur noch helle Rechtecke von den Gemälden, die früher hier hingen. Auch ein Großteil der Ländereien wurde verkauft. Es heißt, Maurice de Saint-Fiacre (Michel Auclair), der Sohn der Gräfin, führe in Paris ein Leben im großen Stil und besuche seine Mutter nur, um sie auszubeuten.

Als Maigret am nächsten Morgen kurz nach 7 Uhr erwacht, erfährt er, dass die Gräfin bereits zur Messe gegangen ist. Besorgt eilt er zur Kirche. Die Gräfin lässt sich von Abbé Jodet (Michel Vitold) das Aschekreuz auf die Stirn machen, kehrt dann in ihre Bank zurück, schlägt ihr Gebetbuch auf – und ist gleich darauf tot. Bouchardon (Paul Frankeur), der langjährige Hausarzt der Gräfin, diagnostiziert einen Herzschlag. Darüber wundere er sich nicht, sagt er, denn die Patientin sei schwer herzkrank gewesen. Ein Erschrecken oder eine Aufregung hätte genügt, um sie zu töten.

Ein paar Stunden später trifft Maurice, wie angekündigt, mit einem Cabrio ein. Erst jetzt erhält er die Nachricht vom Tod seiner Mutter.

Offenbar ist er auf Lucien Sabatier (Robert Hirsch), den Privatsekretär seiner Mutter, nicht gut zu sprechen. Es gibt Gerüchte, denen zufolge Sabatier wie seine Vorgänger der Gräfin auch im Bett zu Diensten war, und Maurice beschuldigt ihn, sich auf Kosten seines Erbes bereichert zu haben. Der junge Graf wirft den Sekretär kurzerhand hinaus.

Die Zeitung in Moulins schreibt, Maurice de Saint-Fiacre habe sich in Paris aus Scham über den Lebenswandel seiner Mutter erschossen [Selbstmord]. Offenbar handelt es sich um eine Falschmeldung. Wie Kommissar Maigret herausfindet, wurde sie am Vorabend von jemanden aus Moulins durchgegeben und vom Redakteur (Jean-Pierre Granval) ungeprüft übernommen. Eine Meldung wie diese könnte die herzkranke Gräfin zu Tode erschreckt haben. Allerdings traf die Zeitungsausgabe erst nach der Messe in Marie Tatins (Gabrielle Fontan) Dorfladen ein.

Überzeugt davon, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Zeitungsartikel und dem Tod der Gräfin gibt, nimmt Kommissar Maigret inoffizielle Ermittlungen auf. Dabei beobachtet er, dass der Redakteur mit der neuen Zeitungsausgabe in der Manteltasche in ein Nachtcafé in Moulins geht, in dem sich Sabatier mit der Tänzerin Myriam (Armande Navarre) trifft, die glaubt, dass er sie heiraten werde. Auch der Bankangestellte Émile Gaulthier (Serge Rousseau), der Sohn des Verwalters von Schloss Saint-Fiacre und dessen Ehefrau Adèle (Camille Guérini, Hélène Tossy) kommt regelmäßig in das Café. Sowohl Lucien Sabatier als auch Émile Gaulthier könnten die Zeitung mit der Falschmeldung gestohlen und der Gräfin zugespielt haben. Aber wieso starb sie dann während der Messe, als niemand in ihrer Nähe war?


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Maigret fordert Abbé Jodet auf, ihm dabei zu helfen, die letzten Minuten im Leben der Gräfin in der Kirche zu rekonstruieren. Unmittelbar vor ihrem Tod öffnete sie ihr Gebetbuch. Der Geistliche legte es nach dem Abtransport der Leiche in einen Schrank der Sakristei. Als er es nun hervorholen will, ist es nicht mehr da. Rasch ahnt Maigret, dass der Ministrant André das mit einem Goldschnitt versehene Buch an sich genommen und versteckt hat. Tatsächlich findet er es auf einem Schrank. Zwischen den Seiten des Gebetbuchs klemmt ein Ausriss aus der Zeitung mit der Falschmeldung über den Selbstmord des jungen Grafen.

Um herauszufinden, wer den Artikel lancierte und ins Gebetbuch der Gräfin legte, lädt Kommissar Maigret alle als Mörder in Frage kommenden Personen zu einem Abendessen ins Schloss ein: Maurice de Saint-Fiacre, den Verwalter Gaulthier und seinen Sohn Émile, den Chauffeur Albert, den Hausarzt Bouchardon. Lucien Sabatier kommt in Begleitung seines Anwalts Mauléon (Jacques Morel), denn inzwischen weiß man, dass ihn die Verstorbene in ihrem Testament großzügig bedacht hat und er muss deshalb damit rechnen, als Mörder verdächtigt zu werden. Bevor Abbé Jodet sich zu den anderen an den Tisch setzt, legt er das mitgebrachte Gebetbuch neben die im Schlafzimmer aufgebahrte Leiche. Weder er noch Maigret erwähnen, dass sie darin den Zeitungsartikel fanden.

Unter verschiedenen Vorwänden verlassen Sabatier, Gaulthier und Albert nacheinander für kurze Zeit den Raum. Albert tut es in Absprache mit dem Kommissar zweimal, um jeweils einen Blick ins Gebetbuch der Toten zu werfen. Als Sabatier wieder am Tisch sitzt, ist der Ausriss noch da, aber nachdem der Verwalter kurz draußen war, fehlt er. Mit dieser Beobachtung konfrontiert, bleibt Gaulthier nichts anderes übrig, als den zerknüllten Zeitungsartikel aus der Hosentasche zu nehmen.

Er nutzte die Gutgläubigkeit der Gräfin schamlos aus und bereicherte sich seit dem Tod des Grafen mit Hilfe seines in der Bank angestellten Sohnes auf ihre Kosten. In der Absicht, die Gräfin zu töten und den Mordverdacht auf Sabatier zu lenken, schickte Émile Gaulthier den Drohbrief und lancierte die Falschmeldung. Im Nachtcafé in Moulins stahl er ein Exemplar der entsprechenden Zeitungsausgabe und brachte sie seinem Vater, der den Ausriss rechtzeitig vor der Frühmesse am Aschermittwoch ins Gebetbuch der herzkranken Gräfin legte.

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Über die Figur des Kriminalkommissars Jules Maigret schrieb Georges Simenon zwischen 1931 und 1972 insgesamt 75 Romane und 28 Erzählungen. „L’Affaire Saint-Fiacre“ erschien 1932. Der Kriminalroman wurde mehrmals verfilmt, unter anderem von Jean Delannoy mit Jean Gabin in der Titelrolle: „Maigret et l’affaire Saint-Fiacre“ bzw. „Maigret kennt kein Erbarmen“.

Dieser Schwarz-Weiß-Film gilt als Klassiker. Die Auflösung ist vielleicht ein bisschen enttäuschend und wirkt aufgesetzt, aber Jean Delannoy erzählt die Geschichte unverschnörkelt, lakonisch und unaufgeregt. Und Jean Gabin (1904 – 1976) verkörpert Kommissar Maigret so überzeugend wie kein anderer Darsteller. Er spielt die Rolle übrigens auch in „Kommissar Maigret stellt eine Falle“ (1958) von Jean Delannoy und „Kommissar Maigret sieht rot“ (1963) von Gilles Grangier.

Als Vorbild für Schloss Saint-Fiacre diente übrigens Paray-le-Frésil bei Moulins, eines der fünf Schlösser des Marquis Raymond d’Estutt de Tracy, bei dem Georges Simenon 1923/24 als Privatsekretär beschäftigt war.

Die erste deutsche Übersetzung des Romans stammt von Hansjürgen Wille und Barbara Klau. Sie erschien 1958 unter dem Titel „Maigret und das Geheimnis im Schloss“ im Verlag Kiepenheuer & Witsch. 1986 veröffentlichte der Diogenes Verlag eine Neuübersetzung von Werner De Haas. Sie trägt den Titel „Maigret und die Affäre Saint-Fiacre“.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2012

Georges Simenon (kurze Biografie)

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