Fred Vargas. Bei Einbruch der Nacht

Fred Vargas. Bei Einbruch der Nacht

Fred Vargas. Bei Einbruch der Nacht

Fred Vargas. Bei Einbruch der Nacht – Originaltitel: L'homme à l'envers – Regie: Josée Dayan – Drehbuch: Emmanuel Carrère, nach dem Roman "Bei Einbruch der Nacht" von Fred Vargas – Kamera: Stefan Ivanov – Schnitt: Yves Langlois – Musik: Reno Isaac – Darsteller: Jean-Hugues Anglade, Hélène Fillières, Tobias Moretti, Alain Fromager, Maurice Garrel, Corinne Masiero, Christine Murillo, Jacques Spiesser, Paul Vallespi u.a. – 2009; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Die Komponistin Camille und ihr Freund, der kanadische Grizzly-Forscher Lawrence verbringen den Sommer im südfranzösischen Nationalpark Mercantour, wo es wieder Wölfe gibt. Als wiederholt Schafe gerissen werden und die Spuren auf eine riesige Bestie hindeuten, wird der Eigenbrötler Massart verdächtigt, ein Werwolf zu sein. Die Schafzüchterin Suzanne wird mit zerfleischter Kehle aufgefunden. Zur gleichen Zeit verschwindet Massart. Er scheint nach Norden zu wollen ...
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Kritik

Bei der Verfilmung des Romans "Bei Einbruch der Nacht" von Fred Vargas handelt es sich um eine groteske Mischung aus Thriller, Horrorfilm und Road Movie. Die Handlung – vor allem die Auflösung – kann nicht überzeu-gen, aber die Atmosphäre ist dicht und die Figuren sind originell.
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Die Komponistin und Hobby-Klempnerin Camille (Hélène Fillières), die sich von dem Pariser Kriminalkommissar Jean-Baptiste Adamsberg (Jean-Hugues Anglade) getrennt hat, verbringt den Sommer mit ihrem neuen Freund, dem kanadischen Grizzly-Forscher Lawrence (Tobias Moretti), im Nationalpark Mercantour in den französischen Seealpen, wo es wieder Wölfe gibt.

Als wiederholt Schafe gerissen werden und die Spuren auf eine riesige Bestie hindeuten, verbreitet sich das Gerücht von einem Werwolf. Lawrence erzählt Camille, dass die Schafzüchterin Suzanne (Christine Murillo) den allein in einem abgelegenen Haus lebenden Eigenbrötler Massart für den Werwolf halte. Kurz darauf findet man sie mit aufgerissener Kehle im Schafstall.

Lawrence glaubt zwar nicht an Werwölfe, aber er hält es für möglich, dass Massart seinen großen Hund auf Suzanne und die Schafe gehetzt hat. Er will den Verdächtigen aufsuchen und befragen. Camille kommt mit. Aber Massart ist nicht da. In dem verwaisten Haus finden die beiden eine Straßenkarte, auf der eine Route nach Calais eingezeichnet ist. Entlang der Strecke sind Orte angekreuzt. Bei den südlichsten der markierten Orten handelt es sich um die, in denen unlängst Schafe gerissen wurden. Zurück im Dorf, erfahren Camille und Lawrence, dass auch im nächsten auf der Karte markierten Ort Schafe gerissen wurden. Massart scheint also wirklich der Täter zu sein. Offenbar ist er unterwegs nach Norden. Lawrence alarmiert die Gendarmerie.

Weil die Polizei ihrer Meinung nach zu wenig unternimmt, wollen der alte Schäfer (Maurice Garrel) und der afrikanische Junge Soliman den Mörder selbst jagen. Der Schäfer liebte Suzanne heimlich, und bei Soliman handelt es sich um Suzannes Adoptivsohn. Er war als Baby in einem Korb vor der Kirche abgelegt worden, und während die anderen Dorfbewohner das schwarze, schreiende Findelkind nicht anzufassen wagten, nahm Suzanne es mit und zog es auf. Weil weder der Schäfer noch Soliman einen Führerschein haben, überreden sie Camille, sich ans Steuer von Suzannes klapprigem Viehtransporter zu setzen.

An den auf der Landkarte angekreuzten Stellen werden Männer umgebracht. Camille, Soliman und der Schäfer können es nicht verhindern. Notgedrungen ruft Camille bei Kommissar Adrien Danglard (Jacques Spiesser) in Paris an und fragt ihn nach Jean-Baptiste Adamsberg. Der steckt gerade selbst in Problemen, weil er bei der Verhaftung einer Bande einen Kriminellen erschoss, dessen Freundin Sabrina ihm nun nach dem Leben trachtet. Er kommt in seinem Kleinwagen angefahren und schließt sich Camille, Soliman und dem Schäfer an.

Jean-Baptiste Adamsberg liebt Camille noch immer, doch als Lawrence auftaucht, der ihnen mit seinem Motorrad nachgefahren ist, überlässt er ihm seinen Schlafplatz neben Camille auf dem Viehtransporter und nimmt sich ein einfaches Hotelzimmer. Von dort telefoniert er mit seinem Mitarbeiter Adrien Danglard. Der reist mit dem Zug an.

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Am Abend bittet Jean-Baptiste Adamsberg seinen Kollegen, allein mit dem Auto zum Hotel zu fahren, denn er wolle zu Fuß gehen. Unbemerkt kehrt Danglard zu dem Viehtransporter zurück und versteckt sich dort. Wie erwartet, klettert Lawrence aus dem Fahrzeug, als alle anderen schlafen. In einiger Entfernung lässt Lawrence sein Motorrad an und fährt los. Kurz darauf überfällt er Jean-Baptiste Adamsberg und versucht, ihm mit den Fangzähnen eines riesigen Wolfsschädels, den er aus Kanada mitgebracht hat, die Kehle zu zerfleischen. Da taucht Danglard mit einer Pistole in der Hand auf. Die beiden Kommissare überwältigen den Verbrecher.

Kurz darauf findet die Gendarmerie Massarts verscharrte Leiche und den Kadaver seines Hundes.

Camille kann es nicht fassen, dass der Mann, bei dem sie sich geborgen fühlte, eine Bestie ist. Jean-Baptiste Adamsberg erklärt ihr, was er und sein Kollege herausfanden:

Die Geschichte begann vor fünfundzwanzig Jahren, als ein Mann namens Simon in Austin, Texas, die Zweigstelle einer Kosmetikfirma eröffnete und eine Affäre mit einer Französin begann, die mit einem Amerikaner verheiratet war. Rasend vor Eifersucht entführte John Pattwill, der gehörnte Ehemann, seinen Nebenbuhler, und folterte ihn zu Tode. Pattwill wurde festgenommen. Aufgrund einer falschen Zeugenaussage von Simons Bruder Paul billigte ihm das Gericht keine mildernden Umstände zu, sondern verurteilte ihn zu einer langjährigen Haftstrafe. Arianne Pattwill zog daraufhin mit ihrem neuen Liebhaber, Simons Bruder Paul, nach Frankreich. Ihr Sohn Stewart, der als Achtjähriger Zeuge der tödlichen Folterung geworden war, wuchs bei seiner Großmutter auf und besuchte mit ihr jede Woche seinen Vater im Gefängnis. Dabei schärfte ihm John Pattwill ein, er müsse ihn rächen. Stewart wurde Grizzly-Forscher und Tierfilmer. Als er von den Wölfen im Nationalpark Mercantour erfuhr, reiste er unter dem falschen Namen Lawrence hin und begann, seinen Racheplan in die Tat umzusetzen. Bei den ermordeten Männern handelte es sich um ehemalige Liebhaber seiner Mutter. Massart musste sterben, damit es einen Sündenbock gab, und Suzanne, um Massart als Monster zu stilisieren.

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Bei „Fred Vargas. Bei Einbruch der Nacht“ handelt es sich um eine groteske Mischung aus Thriller, Horrorfilm und Road Movie. Die Handlung – vor allem die Auflösung – kann nicht überzeugen, aber die Atmosphäre ist dicht und die Figuren sind originell: Ein introvertierter Kommissar, der unglücklich verliebt ist, sein Mitarbeiter, der fünf Kinder allein erzieht, eine Komponistin, die auch Klempnerarbeiten ausführt und gern in Werkzeugkatalogen blättert, ein afrikanischer Waisenjunge, der ständig Begriffsdefinitionen aus dem Lexikon zitiert und ein alter Schäfer, der am Telefon mit seinen Schafen redet.

Josée Dayan verfilmte 2008/09 mit Jean-Hugues Anglade als Jean-Baptiste Adamsberg drei Kriminalromane von Fred Vargas (eigentlich: Frédérique Audoin-Rouzeau): „Fred Vargas. Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord“, „Fred Vargas. Bei Einbruch der Nacht“ und „Fred Vargas. Der vierzehnte Stein“.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009

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