Coco Chanel

Coco Chanel, die Tochter eines französischen Straßenhändlers und einer Bauerntochter, schlug sich zunächst als Näherin in der Provinz durch. Der steinreiche englische Unternehmer Arthur Capel lieh ihr schließlich das Geld für ein Hutgeschäft in Paris. 1914 entwarf Coco Chanel den Körper locker umspielende Kleider, und während des Kriegs kreierte sie aus einem Restposten Jersey eine neue Mode mit klaren Linien statt der üblichen Verzierungen. Bald beschäftigte sie 300 Näherinnen, und sie konnte ihre Schulden begleichen. Das war ihr wichtig, denn sie wollte von niemand abhängig sein, um nicht wie ihre Mutter darunter zu leiden.

Coco Chanel (Kurzbiografie)


Coco Chanel:
Operation „Modellhut“

Leseprobe aus
Dieter Wunderlich: EigenSinnige Frauen. 10 Porträts
Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 1999 / Piper Taschenbuch, München 2004 (17. Auflage: 2011)

An den im Mai 1936 in Paris ausgerufenen Streiks beteiligen sich auch die viertausend Mitarbeiter Coco Chanels. „Ein Sitzstreik auf meinen Kleidern…“, klagt sie mit ihrer Papageienstimme. „Das ist eine Idee aus den Vereinigten Staaten, ein Sitzstreik! Frauen auf ihrem Hintern, das ist obszön! Und kommen Sie mir nicht mit den Gehältern. Meine Gehälter sind völlig in Ordnung, bezahlter Urlaub noch dazu!“ Aber nach heftigen Auseinandersetzungen muss sie sich auf die Forderungen der Streikenden einlassen. Verständnis bringt sie dieser Entwicklung nicht entgegen.

Im Frühjahr 1939 stellt sie noch einmal eine neue Kollektion vor, aber als Frankreich am 3. September dem Deutschen Reich den Krieg erklärt, entlässt sie die Näherinnen, beendet ihre Tätigkeit als Modeschöpferin und führt lediglich die Boutique weiter – wozu sie aufgrund der Vereinbarungen mit den Gebrüdern Wertheimer verpflichtet ist.

Sie argwöhnt, dass sie bei dem Vertragsabschluß über die Vermarktung ihrer Parfums übervorteilt
worden sei, und ein von ihr beauftragter Anwalt versucht, die Abmachungen zu ändern – vergeblich. Eine neue Gelegenheit dafür sieht Coco Chanel, als die Deutschen große Teile Frankreichs besetzen und von Juden geführte Unternehmen beschlagnahmen, doch Paul und Pierre Wertheimer haben ihre Anteile rechtzeitig einem französischen Flugzeugfabrikanten überschrieben und sich nach New York abgesetzt.

Niemand ist darüber wütender als Coco Chanels neuer Liebhaber, der dreizehn Jahre jüngere Hans Gunther Baron von Dincklage, ein Attaché der deutschen Botschaft in Paris, der vielleicht auch als Spion für die Nationalsozialisten arbeitet.

Als der Deutsche erfährt, dass sich Coco Chanel und Winston Churchill kennen, bringt er seine Geliebte auf eine Idee: „Du musst versuchen, ihn wiederzusehen und für deutsch-englische Geheimgespräche über einen Separatfrieden zu gewinnen. Wenn du ihn wenigstens dazu überreden kannst, zuzuhören …“

Coco Chanel sieht die Chance, etwas für den Frieden zu tun; vielleicht hält sie es auch für opportun, mit einflußreichen Deutschen zusammenzuarbeiten.

Baron von Dincklage weiht Rittmeister Theodor Momm ein. Der stellt die richtigen Kontakte her,
und tatsächlich interessiert sich SS-Obersturmführer Walter Schellenberg, der Leiter des Auslandsnachrichtendienstes im Reichssicherheitshauptamt, für den Vorschlag.

Coco Chanel erinnert sich an ihre frühere Mitarbeiterin und Freundin Vera, die ebenfalls zu Winston Churchills Freundeskreis gehört hat: Im Oktober 1943 schreibt sie der inzwischen mit einem antifaschistischen Italiener in Rom verheirateten Engländerin: „Ich will mich wieder an die Arbeit machen, und ich möchte, dass Sie mir helfen.

Dieter Wunderlich: EigenSinnige Frauen © Piper Verlag

Tun Sie genau, was der Überbringer dieser Nachricht von Ihnen verlangt. Kommen Sie so schnell wie möglich! Vergessen Sie nicht, dass ich voller Freude und Ungeduld auf Sie warte.“

Vera ist misstrauisch, zumal ein deutscher Offizier den Brief überbringt, denn ihr Mann hält sich verborgen, und die Nationalsozialisten könnten sie als Geisel missbrauchen, um ihn aus seinem Versteck zu locken: Sie sträubt sich, Rom zu verlassen – aber sie wird kurzerhand verhaftet und zweieinhalb Wochen später von SS-Angehörigen nach Paris gebracht.

Die beiden Damen reisen nach Madrid, um zunächst mit dem englischen Botschafter Kontakt
aufzunehmen. Heimlich sucht Vera ihn als erste auf, verrät ihm den Plan, und er verspricht, ihr
zu helfen, damit sie bis zum Kriegsende in Spanien bleiben kann.

Am 16. Dezember 1943 wird bekanntgegeben, dass Winston Churchill – der seit der Konferenz von Teheran in Marrakesch eine Lungenentzündung auskuriert – ernstlich erkrankt sei und bis auf weiteres keine Besucher empfangen könne.

Die Operation „Modellhut“ ist gescheitert. Coco Chanel kehrt allein nach Paris zurück.


Das Kapitel über Coco Chanel aus dem Buch Dieter Wunderlich, EigenSinnige Frauen. 10 Porträts gibt es auch als Hörbuch, gelesen von der Fernsehmoderatorin Susi Mueller: Coco Chanel“.

Quelle: Dieter Wunderlich, EigenSinnige Frauen. 10 Porträts
© Pustet Verlag, Regensburg 1999
Als Piper-Taschenbuch überall im Buchhandel

Fußnoten wurden in der Leseprobe weggelassen. Zitate:
Axel Madsen: Chanel. Die Geschichte einer einzigartigen Frauen, 1995, S. 46 / 304

Coco Chanel (Kurzbiografie)

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