Heinrich Böll : Und sagte kein einziges Wort

Und sagte kein einziges Wort

Heinrich Böll

Und sagte kein einziges Wort

Und sagte kein einziges Wort Erstausgabe: Kiepenheuer & Witsch 1953
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Um 1950 in Köln. Ein Tag, die Nacht und der folgende Vormittag im Leben von Fred und Käte Bogner. Die beiden heirateten vor dem Krieg. Während des Kriegs starben zwei der fünf Kinder, und die Wohnung wurde durch Bomben zerstört. Als der Krieg vorbei war, zogen Fred und Käte mit ihren drei noch lebenden Kindern in eine Notunterkunft. Die engen Wohnverhältnisse machen Fred so zu schaffen, dass er seine Kinder zu schlagen beginnt ...

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Kritik


In "Und sagte kein einziges Wort" zeigt Heinrich Böll ein realistisches Bild des scheinbar trivialen Alltags in der Nachkriegszeit, der Not vieler Bundesbürger und der Selbstgerechtigkeit und Unbarmherzigkeit einiger ihrer Mitmenschen, die sich besser zurechtfanden.

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Um 1950 in Köln. Ein Tag, die Nacht und der folgende Vormittag im Leben von Fred und Käte Bogner.

Die beiden heirateten vor dem Krieg. Während des Kriegs, den Fred als Fernmeldesoldat erlebte, starben zwei der fünf Kinder, und die Wohnung wurde durch Bomben zerstört. Als der Krieg vorbei war, zogen Fred und Käte mit ihren drei noch lebenden Kindern in eine Notunterkunft. Dieses Zimmer trennte das Ehepaar Franke durch einen Verschlag behelfsmäßig von seiner geräumigen Wohnung ab. Frau Franke engagiert sich in verschiedenen Komitees der katholischen Kirche, geht jeden Tag in die Kirche, um die Kommunion zu empfangen und gilt als uneigennützige Christin. Dabei erweist sie sich im Umgang mit anderen — beispielsweise den Kindern der Familie Bogner — als lieblos und gefühlskalt.

Als Telefonist in der katholischen Kirchenverwaltung verdient Fred ein wenig Geld. Die engen Wohnverhältnisse machten ihm so zu schaffen, dass er seine Kinder zu schlagen begann, obwohl er sie liebt. Damit sich das nicht wiederholt, zog er aus. Ein Bekannter, der auf eine Dreizehn-Zimmer-Wohnung aufpasst, deren Besitzer neun Monate im Jahr verreist sind, lässt Fred in einer Abstellkammer übernachten. In dem Haus ist selbst das Zimmer des Hundes größer als die Notunterkunft der Bogners. Fred lebt in den Tag hinein, planlos und ohne Hoffnung. Das Geld, das er sich leiht, vertrinkt er oder verspielt es an Automaten. Verantwortungsbewusstsein beweist er allerdings, indem er Käte regelmäßig seinen kargen Lohn schickt, obwohl er selbst nichts als Schulden hat.

Der Buchtitel „Und sagte kein einziges Wort“ bezieht sich wohl auf Käte, die ihr trostloses Schicksal der Kinder wegen erträgt, ohne darüber zu klagen. Nur nachts, wenn die Kinder schlafen, weint sie. Erschreckt stellt sie fest, dass sie offenbar erneut schwanger ist.

Hin und wieder verbringen Fred und Käte eine Nacht zusammen in einem billigen Hotelzimmer. Eine dieser Nächte bildet den Mittelpunkt der Romanhandlung.

Es gelingt Fred, sich auch das dafür erforderliche Geld zu leihen, obwohl er bei dem Telefonat in Schweiß ausbricht. Und er widersteht der Versuchung, das Geld zu vertrinken oder zu verspielen. Käte bezahlt einen jungen Mann dafür, dass er während ihrer Abwesenheit auf die Kinder aufpasst. Den gemeinsamen Abend beginnen Fred und Käte mit einem Besuch auf dem Rummelplatz. Da wird der Schwangeren jedoch übel. Wegen eines Drogistenkongresses in der Stadt hat Fred diesmal nur ein Zimmer in einem Stundenhotel bekommen. Käte schämt sich, von den Männern in der Wirtsstube wie eine Prostituierte angegafft zu werden. In dieser Nacht wird ihr klar, dass es so nicht weitergehen kann. Lieber will sie sich endgültig von Fred trennen.

Fred aber beschließt am nächsten Vormittag, ein paar Stunden nach dem Abschied von seiner Frau, zu seiner Familie zurückzukehren.

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Heinrich Böll schildert diese gut 24 Stunden abwechselnd aus der Sicht Freds und Kätes. Der größte Teil besteht aus inneren Monologen. Als der Roman 1953 veröffentlicht wurde, handelte es sich um eine aktuelle Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit. Heute erfahren die Leserinnen und Leser etwas über die Hungerjahre in den zerbombten Städten. Es ist ein realistisches Bild des scheinbar trivialen Alltags in der Nachkriegszeit, der Not vieler Bundesbürger und der Selbstgerechtigkeit und Unbarmherzigkeit einiger ihrer Mitmenschen, die sich besser zurechtfanden. Zugleich kritisiert der Autor die katholische Kirche, die ihre Rituale unverändert weiterpflegte, als ob nichts geschehen sei.

Heinrich Böll wurde 1972 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002

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