Léon. Der Profi

Léon. Der Profi

Léon. Der Profi

Léon. Der Profi – Originaltitel: Léon – Regie: Luc Besson – Drehbuch: Luc Besson – Kamera: Thierry Arbogast – Schnitt: Sylvie Landra – Musik: Eric Serra – Darsteller: Jean Reno, Natalie Portman, Gary Oldman, Danny Aiello, Peter Appel u.a. – 1996; 110 (125) Minuten (Director's Cut)

Inhaltsangabe

Léon arbeitet als "Cleaner" für den Mafia-Paten Tony in New York. Der einsame Wolf ist ein Misanthrop, aber als die Nachbarfamilie von dem korrupten Drogenfahnder Norman Stansfield und dessen Männern ermordet wird, erbarmt er sich der einzigen Überlebenden, der 12-jährigen Mathilda, und gewährt ihr Zuflucht. Für eine Nacht, denkt er, aber als sie begreift, dass er ein Profikiller ist, lässt sie sich nicht mehr fortschicken, denn sie will den Tod ihres vierjährigen Bruders rächen ...
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Kritik

"Léon. Der Profi" ist eine Mischung aus Action-Thriller, Buddy-Movie, Tragikomödie und Melodram. Ein origineller Plot, schräge Einfälle, eine meisterhafte Inszenierung und exzellente Schauspieler sorgen für ein außergewöhnliches Sehvernügen.

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Léon (Jean Reno) arbeitet als professioneller „Cleaner“, also Auftragsmörder, für den Italo-Mafia-Paten Tony (Danny Aiello) in New York, seit er im Alter von 19 Jahren in die USA kam. In seiner italienischen Heimat hatte er die Tochter einer reichen Familie geliebt, die von ihrem Vater getötet wurde, weil sie sich gegen dessen Verbot weiter mit dem Habenichts getroffen hatte. Dem Mörder gelang es, der Polizei einen Unfall vorzutäuschen. Aber er hatte dann auch einen tödlichen „Unfall“ – und danach wanderte Léon aus. Er ist einsam und hat bis auf Tony keine Kontaktperson, nur eine Zimmerpflanze – eine Aglaonema –, die er sorgfältig pflegt und an der er schätzt, dass sie ebenso wenig an einem Ort verwurzelt ist wie er selbst. Das wenige Geld, das Léon zum Leben benötigt, erhält er von Tony. Der zahlt ihm die Honorare für die Auftragsmorde nicht aus, sondern behauptet, Léons Geld sei bei ihm sicherer als bei einer Bank deponiert. Léon ist längst ein Profi, der ebenso fehlerfrei wie emotionslos Männer tötet, die Tony im Weg stehen. Allerdings gilt für ihn: Keine Frauen, keine Kinder.

Léon tötet die Leibwächter eines konkurrierenden Drogenbosses (Frank Senger), der sich gerade mit einer Prostituierten vergnügt, und hält dem Gangster dann ein Messer an die Kehle, bis er verspricht, New York zu verlassen. Danach stiehlt Léon ein paar Packungen Milch in einem Laden und kehrt in das Mietshaus zurück, in dem er wohnt. Im Treppenhaus sitzt die jüngere Tochter seiner Nachbarn, ein zwölfjähriges Mädchen. Dass Mathilda (Natalie Portman) eine brennende Zigarette zu verstecken versucht, entgeht Léon ebenso wenig wie die Hämatome in ihrem Gesicht.

Kurz darauf erhält Mathildas Vater (Michael Badalucco) Besuch von zwei korrupten Agenten der Drug Enforcement Administration (DEA): Norman Stansfield (Gary Oldman) und dessen Adlatus Malky (Peter Appel) beschuldigen ihn, die bei ihm deponierten Drogen verschnitten, also einen Teil davon für sich selbst abgezweigt zu haben. Für die Wiederbeschaffung räumen sie ihm eine Frist bis zum nächsten Tag, 12 Uhr, ein. Stansfield ist ein Psychopath, der selbst Designerdrogen nimmt und während seiner illegalen Gewalttaten in Musik von Ludwig van Beethoven schwelgt.

Am nächsten Vormittag begegnen sich Léon und Mathilda erneut im Treppenhaus. Er kommt gerade aus dem Kino, wo er sich über Gene Kelly in „Vorwiegend heiter“ amüsierte. Weil Mathildas Nase blutet, gibt er ihr ein Taschentuch. Sie wollte gerade zum Einkaufen gehen und bietet an, Milch für ihn zu besorgen.

Als sie zurückkommt, steht die Wohnungstüre ihrer Familie offen und wird von einem bewaffneten Mann bewacht. Norman Stansfield und andere korrupte DEA-Agenten haben in der Wohnung ein Massaker veranstaltet. Bis auf Mathilda sind alle Familienangehörigen tot. Das Mädchen schätzt die Lage sofort richtig ein, geht vorbei und klingelt bei Léon. Er schaut durch den Türspion und will eigentlich nicht öffnen, tut es aber dann doch, weil er weiß, dass die verzweifelt zu ihm aufblickende Zwölfjährige sonst verloren wäre.

Leid tut es ihr nur um ihren Bruder (Carl J. Matusovich), der nur vier Jahre alt wurde. Der Vater schlug sie, und die Stiefmutter (Ellen Greene) beachtete sie ebenso wenig wie die Stiefschwester (Elizabeth Regen). Dass Mathilda bereits seit zwei Wochen die Schule schwänzt, fiel niemandem in ihrer Familie auf.

Ob das Leben nur für Kinder so hart sei, fragt Mathilda. „Es wird immer so sein“, antwortet Léon. Ihm sind Schweine lieber als Menschen. Mit einem Topflappen, der mit dem Motiv eines Schweinekopfes verziert ist, bringt er Mathilda zum Lachen. „Ich bin schon erwachsen, ich muss nur noch älter werden“, sagt Mathilda, und Léon erwidert: „Bei mir ist es genau anders her rum: Ich bin alt genug, muss jedoch noch erwachsen werden.“ Während er Milch aus dem Kühlschrank holt, öffnet Mathilda einen Koffer, der ein zerlegtes Präzisionsgewehr enthält. Sie begreift, dass es sich bei Léon um einen Profikiller handelt. Kurz entschlossen drängt sie ihn, ihr das Töten beizubringen, damit sie ihren kleinen Bruder rächen kann. Als Gegenleistung bietet sie ihm an, zu putzen, einzukaufen und dem Analphabeten Lesen und Schreiben beizubringen. Weil er ihr nicht zutraut, mit einer Waffe zu schießen, ergreift sie eine und ballert ziellos aus dem Fenster.

Das zwingt ihn, das Mietshaus mit ihr zu verlassen. In einem Hotel geben sie sich als Vater und Tochter aus, und weil sich der Hotelier (George Martin) über den mitgebrachten Geigenkasten wundert, behauptet Mathilda schlagfertig, sie sei Musikschülerin. Um Léon nicht in Verlegenheit zu bringen, füllt sie das Anmeldeformular aus. Aber als sie nach ein paar Tagen dem Hotelier im Übermut erzählt, sie sei gar nicht die Tochter des älteren Mannes, sondern dessen Geliebte, müssen Léon und sie ein neue Unterkunft suchen.

Noch einmal kehrt Mathilda in die Wohnung ihrer Familie zurück, um ein unter einer Bodendiele verstecktes Banknotenbündel im Wert von 20 000 Dollar zu holen.

Léon übt mit Mathilda das Schießen mit einem Präzisionsgewehr. Nachdem sie gemeinsam den ersten Mann erschossen haben, feiern sie in einem Restaurant. Mathilda trinkt Sekt, möchte Léon küssen und sorgt durch einen Lachanfall für Aufsehen.

Das Killerpaar arbeitet bald nach einer festen Routine, um in die Wohnungen von Zielpersonen einzudringen: Mathilda nimmt einen Kaugummi aus dem Mund und verklebt damit den Türspion. Dann klingelt sie. Léon hält einen Bolzenschneider in Höhe der vermuteten Sperrkette und trennt sie durch, sobald die Tür einen Spalt geöffnet wird. Ein Bewohner schießt ohne Vorwarnung durch die Tür, statt zu öffnen. In so einem Fall verwendet Léon eine Handgranate, und er zeigt Mathilda den abgezogenen Ring, bevor der Sprengkörper im Wohnungsinneren explodiert.

Zu einer besonders gefährlichen Operation nimmt Léon die Zwölfjährige nicht mit. Zufällig ist es Norman Stansfields Adlatus Malky, den Léon in Chinatown zu erschießen hat. Als er nach Hause kommt, findet er einen Zettel von Mathilda vor. Inzwischen kann er lesen. Sie schreibt, dass sie selbst versuchen wolle, Stansfield zu töten.


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Das harmlos aussehende Mädchen hat sich mit einem in einem Proviantkorb versteckten Waffenarsenal an den Kontrollen vorbei ins DEA-Gebäude eingeschlichen, aber der Mordanschlag misslingt. Norman Stansfield lässt Mathilda in sein Büro bringen. – Sobald Léon den Zettel gelesen hat, nimmt er ein Taxi, stürmt an den Sicherheitskontrollen des DEA-Gebäudes vorbei, erschießt die beiden Bewacher Mathildas und befreit sie.

Daraufhin sucht Norman Stansfield mit seinen Männern Tony auf und beschwert sich. Der Mafioso wird geschlagen, bis er verrät, wo Léon und Mathilda zu finden sind.

Mathilda kommt vom Einkaufen zurück, als sie im Treppenhaus von einem halben Dutzend vermummten und schwerbewaffneten Männern überfallen wird. Man zwingt sie, die Wohnungsschlüssel herauszugeben. Ein Großaufgebot der DEA stürmt das Gebäude, und nachdem Léon die ersten ins Apartment eingedrungenen Agenten getötet hat, fordert Stansfield Verstärkung an. Indem Léon damit droht, einen weiteren DEA-Agenten zu erschießen, bringt er die Männer dazu, Mathilda freizugeben, und er verbarrikadiert sich mit ihr in der Wohnung. Mit einer Axt schlägt er ein Loch in die Wand, damit das schlanke Mädchen durch den Lüftungsschacht fliehen kann. Für einen Erwachsenen ist die Öffnung zu eng.

Während Mathilda unerkannt mit Léons Zimmerpflanze die Polizeiabsperrungen auf der Straße passiert, gelingt es Léon, den Kampfanzug eines getöteten Agenten anzuziehen und sich dessen Gasmaske aufzusetzen. Man bringt den Verletzten zu Sanitätern. Aber Stansfield erkennt ihn und schießt von hinten auf ihn, als Léon zu einem Kellerausgang des Hauses geht. Triumphierend beugt er sich über den Sterbenden. Mit den Worten, das sei ein Geschenk von Mathilda, drückt Léon ihm etwas in die Hand. Stansfield erkennt den Abzug einer Handgranate und öffnet den Mantel des am Boden Liegenden. In dem Augenblick, in dem er die acht Handgranaten erblickt, die der Profikiller umgeschnallt hat, detoniert die abgezogene Handgranate und löst eine verheerende Kettenreaktion aus.

Vergeblich wartet Mathilda bei Tony auf Léon. Als die Nachricht von seinem Tod eintrifft, eröffnet Tony der Zwölfjährigen, dass Léon ihn gebeten habe, ihr seine Ersparnisse zu überlassen. Das Geld solle sie ihm ebenso anvertrauen, wie Léon es tat, meint Tony.

Nachdem er ihren Wunsch, als Auftragsmörderin für ihn zu arbeiten, entrüstet zurückgewiesen hat, kehrt Mathilda zur Spencer School zurück. Die Schulleiterin (Betty Miller) zeigt Verständnis und nimmt sie wieder auf. Mathilda pflanzt daraufhin Léons Pflanze in der zum Internat gehörenden Wiese ein und murmelt: „Hier wird es uns gut gehen, Léon.“

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Luc Besson zeichnet in „Léon. Der Profi“ ein düsteres Bild von unserer Gesellschaft: Der staatliche Drogenfahnder Norman Stansfield handelt selbst mit Drogen, bereichert sich und genießt den Machtrausch, wenn er Männer, Frauen und Kinder ermordet. Der Profikiller Léon erfüllt zwar emotionslos Aufträge, aber der einsame Misanthrop besinnt sich unter dem Einfluss der zwölfjährigen Mathilda auf Mitmenschlichkeit, und das Mädchen hat längst gelernt, dass die Familie kein Hort der Geborgenheit ist.

„Léon. Der Profi“ ist eine Mischung aus Action-Thriller, Buddy-Movie, Tragikomödie und Melodram. Luc Besson geht mit Gewaltszenen nicht zimperlich um, aber er erzählt auch eine ungewöhnliche Beziehungsgeschichte über einen einsamen Wolf und eine verzweifelt nach Geborgenheit suchende Waise. Die Handlung ist unrealistisch, wird aber so konsequent entwickelt, dass die innere Logik überzeugt. Dazu tragen vor allem auch die beiden Hauptdarsteller Jean Reno und Natalie Portman mit eindrucksvollen schauspielerischen Leistungen bei, mit denen sie sich eigentlich für einen „Oscar“ qualifiziert hätten. Die am 9. Juni 1981 in Jerusalem geborene Amerikanerin Natalie Portman (bürgerlich: Neta-Lee Hershlag) war übrigens noch keine zwölf Jahre alt, als sie sich beim Casting für „Léon. Der Profi“ gegen rund 2000 Konkurrentinnen durchsetzte, obwohl Luc Besson zunächst eine etwa 15 Jahre alte Filmfigur Mathilda vorgesehen hatte.

Ein origineller Plot, schräge Einfälle, exzellente Schauspieler, eine meisterhafte Inszenierung, eine brillante Kameraführung, ein perfekter Schnitt und eine kongeniale Musikuntermalung machen aus „Léon. Der Profi“ ein außergewöhnliches Sehvergnügen.

In der Sequenz, in der Léon und Mathilda Männer in ihren Apartments ermorden, sind übrigens Luc Besson und Jean-Hugues Anglade in Cameo-Auftritten als Opfer zu sehen.

Bei dem Film, den Léon sich im Kino anschaut, handelt es sich um „Vorwiegend heiter“. Gene Kelly gleitet als Ted Riley auf Rollschuhen durch die Straßen von New York und singt „I like myself“.

Vorwiegend heiter – Originaltitel: It’s Always Fair Weather – Regie: Stanley Donen, Gene Kelly – Drehbuch: Betty Comden, Adolph Green – Kamera: Robert Bronner – Schnitt: Adrienne Fazan – Musik: André Previn – Darsteller: Gene Kelly, Dan Dailey, Michael Kidd, Cyd Charisse, Dolores Gray, David Burns u.a. – 1955; 95 Minuten

Deutsche Synchronstimmen in „Léon. Der Profi“: Joachim Kerzel (Léon), Andrea Imme (Mathilda), Friedrich G. Beckhaus (Tony), Thomas Petruo (Norman Stansfield), Tilo Schmitz (Malky) u. a.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002 / 2016

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