John Banville : Der Unberührbare

Der Unberührbare
Originalausgabe: The Untouchable Dublin 1997 Der Unberührbare Übersetzung: Christa Schuenke Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 1997 ISBN 3-462-02638-0, 546 Seiten
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

1979 wird öffentlich bekannt, dass der inzwischen 72-jährige Kunsthistoriker Victor Maskell in den Dreißiger- und Vierzigerjahren als Doppelspion tätig gewesen war. Der Skandal und die Enttäuschung über Freunde, die ihn verrieten, veranlassen ihn, Bilanz zu ziehen ...

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Kritik

Lakonisch, sarkastisch und unpathetisch erzählt der Protagonist von seinem Leben. Die Wirkung des Romans "Der Unberührbare" basiert auf der nuancierten Charakterisierung der Hauptfigur und der melancholischen, nihilistischen Grundstimmung des Buches.
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Victor Maskell, der angesehene Kunsthistoriker aus Cambridge und Konservator der königlichen Kunstsammlungen, wird kurz vor seinem zweiundsiebzigsten Geburtstag öffentlich als Doppelagent angeprangert.

Ich war ehrlich überrascht, als man mir den Adelstitel absprach, das Trinitiy mir die Ehrendoktorwürde aberkannte und das Institut mir dezent zu verstehen gab, dass meine weitere Anwesenheit dort, und sei es auch nur zum Zwecke der Forschung, unerwünscht sei. (Aus dem Palast habe ich nichts gehört: Mrs W. hasst Skandale.) (Seite 146)

Um mit Victor Maskell sprechen zu können und mehr von ihm zu erfahren, gibt eine junge Frau – Serena Vandeleur – sich zunächst als Journalistin und dann als Buchautorin aus. In den Gesprächen mit ihr, vor allem aber, wenn er allein in seiner Wohnung am Schreibtisch sitzt, erinnert Victor Maskell sich an frühere Erlebnisse, grübelt über sein Leben nach und hält seine Gedanken in einer Art Tagebuch fest. Schon nach kurzer Zeit merkt er, dass seine Aufzeichnungen den Rahmen eines Tagebuches sprengen.

Als Tagebuch kann ich das hier wohl nicht mehr bezeichnen, denn es reicht gewiss weit hinaus über eine getreuliche Schilderung meiner Tage, die sich jetzt, wo der Skandal abgeflaut ist, ohnehin kaum noch voneinander unterscheiden. Nennen wir es also Erinnerungen; ein Skizzenbuch mit Erinnerungen. Oder machen wir gleich Nägel mit Köpfen und sagen, es ist eine Autobiografie, Notizen dafür. (Seite 84)

Zugleich wundert Victor Maskell sich darüber, dass er zunächst weniger über sich selbst als über seine Begegnungen mit Freunden schreibt.

Während ich mir diese Seiten noch einmal durchlese, bin ich verblüfft, wie wenig ich darin vorkomme. Natürlich ist überall das Personalpronomen, das Fundament des Gebäudes, das ich errichte, doch was steht hinter diesem kleinen Ich? (Seite 68)

Victor Maskell wurde 1907 in Carrickdrum in Irland geboren, und zwar als Sohn eines protestantischen Pfarrers, der es später zum Bischof brachte. Sein Bruder Freddie war geistesgestört. Als die Mutter starb, war er noch keine fünf Jahre alt. Der Vater heiratete nach dem Trauerjahr in zweiter Ehe eine lebenslustige Frau mit „dicken Waschfrauenarmen“ namens Hermione („Hettie“).

Als sie in unser Leben trat, gab ich mir alle Mühe, sie zu hassen und ihr einen Strich durch die Rechnung zu machen, doch gegen ihre Fröhlichkeit kam ich nicht an. (Seite 97)

Während des Studiums in Cambridge befreundete sich der eigenbrötlerische Pfarrersohn, der den Stoizismus pries, mit Kommilitonen, die sich vom Marxismus eine bessere Welt versprachen. „Apostel“ nannten sie sich. Einmal ließ er sich im Rausch von seinem Freund Boy Bannister, der auch zu den „Aposteln“ gehörte, ins Bett zerren. Am anderen Morgen blickte er verlegen auf den Boden, während Boy unbekümmert nach neuen homosexuellen Abenteuern Ausschau hielt und erzählte, wodurch er schwul geworden war:

„Gott, war das furchtbar! Da war sie, die arme Mutter, platt auf dem Rücken, die Beine in der Luft, und hat gekreischt, und mein massiger Vater lag nackt auf ihr drauf, mausetot. Ich hatte meine liebe Not, ihn von ihr runterzukriegen. Und wie das gerochen hat! Zwölf Jahre war ich da alt. Seitdem kann ich keine Frau mehr angucken, ohne dass ich Maters weiße Brüste vor mir seh, wie ein Fischbauch die Farbe.“ (Seite 80f)

Zu Victors Freunden gehört auch Nicholas („Nick“) Brevoort, der Sohn des reichen Verlegers Max Brevoort (Brevoort & Klein, London). Mit ihm verbrachte Victor einen Sommer in London, und Nick nahm ihn auch einmal zu seiner Familie mit nach Oxford. 1936 reisten sie zusammen nach Spanien, aber trotz ihrer sozialistischen Überzeugung blieben sie nicht dort, um in einer der „Internationalen Brigaden“ gegen Franco zu kämpfen. Zwei Jahre später schlug Nick seinem Freund eine Spritztour in seinen irischen Geburtsort Carrickdrum vor. Victor schämte sich für seinen Vater, der einen zerschlissenen Pullover trug, seine inzwischen noch dicker gewordene Stiefmutter und seinen sabbernden, schwachsinnigen Bruder. Nach drei Tagen reisten er und Nick wieder ab.

Der junge Kunsthistoriker, der durch seine Mutter – einer Cousine der Ehefrau von König Georg VI. – zu den entfernten Verwandten des Königshauses zählte, erhielt den Auftrag, in Windsor den riesigen Bestand an Zeichnungen zu katalogisieren, die seit Heinrich VIII. angehäuft worden waren.

Niemand ahnte, dass Victor seit 1936 für die Sowjets spionierte. Sein Kommilitone Alastair Sykes (Spitzname „Psyche“) hatte ihn mit dem KGB-Offizier Felix Hartmann zusammengebracht, einem Ungarn deutsch-slawischer Abstammung, der zur Tarnung einen Pelzhandel in London betrieb. Warum er Spion wurde? Vielleicht aus einem „frivolen Impuls“ heraus, auf der Suche nach Zerstreuung und um der Langeweile zu entgehen (Seite 192). Zusammen mit anderen neu angeworbenen Agenten wurde Victor nach Leningrad und Moskau eingeladen, aber was er dort sah, desillusionierte ihn.

Russland, begriff ich, war am Ende; was wir für den Anfang gehalten hatten, war in Wirklichkeit das Ende […] (Seite 189)

Es belustigte ihn, dass man im sowjetischen Geheimdienst glaubte, einen Agenten im unmittelbaren Machtzentrum Englands sitzen zu haben, weil er auf Schloss Windsor verkehrte und sowohl der König als auch „Mrs W[indsor]“ hin und wieder mit ihm sprachen. Offenbar wussten die Sowjets nichts von der Machtlosigkeit des englischen Königshauses, dessen Rolle sich im Wesentlichen auf repräsentative Aufgaben beschränkte.

Zehn Jahre nach seinem Besuch bei den Brevoorts in Oxford begegnete Victor bei einer Gesellschaft in London Nicks Schwester, einer inzwischen neunundzwanzigjährigen androgynen Frau, die eigentlich Vivienne hieß, aber von allen nur „Baby“ genannt wurde. Einige Stunden später machte Victor ihr am Telefon einen Heiratsantrag, und sie meinte dazu lapidar: „In Ordnung.“ Obwohl Vivienne ihm klar zu verstehen gab, dass sie ihn nicht liebte, vermählten sich die beiden. Während der Flitterwochen in Taormina erzählte Vivienne ihm freimütig von ihren Liebhabern, aber Victor war noch nie mit einer Frau zusammen gewesen.

Das Sexuelle war einfacher, als ich erwartet oder befürchtet hatte. (Seite 140)

Als Premierminister Neville Chamberlain und sein französischer Amtskollege Edouard Daladier am 29. September 1938 im Münchner Abkommen die Tschechoslowakei verrieten und sich bald darauf das Scheitern der Appeasement-Politik herausstellte, gingen viele von Victors Freunden zum britischen Geheimdienst, um auf diese Weise Flagge gegen Hitler zu zeigen. Nick vermittelte seinem Schwager ein Treffen mit Billy Mytchett, dem stellvertretenden Leiters des Militärischen Geheimdienstes, der nur drei Jahre älter als Victor war. Am Tag nach der Geburt seines Sohnes fuhr Victor nach Aldershot, um in Bingley Manor mit seiner Grundausbildung zu beginnen. Seine Kontakte zu den Russen brachen ab. Als jemand herausfand, dass er einmal in Russland gewesen war und in einem Zeitschriftenartikel über den „unaufhaltsamen Vormarsch des Weltsozialismus“ geschrieben hatte, wurde er nach London beordert und von Mytchett zur Rede gestellt, aber er konnte sich herausreden.

Anfang Dezember 1939 wurden Nick und Victor nach Frankreich geschickt und in Boulogne stationiert, doch als die Deutschen ein halbes Jahr später Frankreich überrollten und sich näherten, flohen sie auf ein Schiff, das nach England auslief. Während deutsche Granaten ringsherum ins Wasser klatschten, machte Nick sich einen Spaß daraus, Victor darüber aufzuklären, dass ihr Schiff vier Tonnen Sprengstoff geladen hatte.

Als Nick mir fröhlich von dem Dynamit im Frachtraum erzählte, verspürte ich als Erstes einen starken Druck in der Brust und merkte dann, dass ich einfach nur den Drang hatte, laut loszulachen; wenn ich damals wirklich gelacht hätte, wäre daraus wahrscheinlich ein Schrei geworden. Als nächstes blitzte vor meinem geistigen Auge unglaublich klar und deutlich der Tod des Seneca auf, mitsamt dem Rahmen – englisch, Ende achtzehntes Jahrhundert, aber gut – und allem Drum und Dran: das Stückchen nordlichtbeschienene Wand in der Wohnung in der Gloucester Terrace, wo es damals hing, und sogar das Lacktischchen, das darunter stand. Ich hätte an Weib und Kind denken sollen, an Vater und Bruder, Tod, Jüngstes Gericht und Auferstehung, doch das tat ich nicht; ich habe, mag Gott mir vergeben, an das gedacht, was ich wirklich liebte. Dinge sind für mich immer wichtiger gewesen als Menschen. (Seite 298f)

Während seiner Abwesenheit war Vivienne jedes zweite Wochenende zu ihren Eltern nach Oxford gefahren. Victor hatte ihr kein einziges Mal geschrieben. Beim Wiedersehen sagte sie sarkastisch:

„Und, ja, deinem Sohn geht es auch sehr gut. Er heißt übrigens Julian, falls du das vergessen haben solltest.“ (Seite 303)

Ein Freund namens Querell brachte Victor in Bletchley Park unter, einer Dechiffrierungsstelle 60 Kilometer nördlich von London. Auch die Russen nahmen wieder Kontakt zu ihm auf, und zwar über einen Führungsoffizier namens Oleg Dawidowitsch Kropotzki.

Als Victor die Nachricht vom Tod seines Vaters erhielt, reiste er nach Carrickdrum und brachte seinen Bruder Freddie in einem geschlossenen Heim unter. (Der Unglückliche starb dort ein halbes Jahr später.)

Im Mai 1941 kam Vivienne in Oxford mit einer Tochter nieder, die den Namen Blanche erhielt.

Victor wohnte zu dieser Zeit mit Nick und Boy in einem Haus in London, das ihrem gemeinsamen Freund Leo Rothenstein gehörte, der aufgrund einer Erbschaft finanziell ausgesorgt hatte. Mit Boys Lover Danny Perkins erlebte Victor während deutscher Luftangriffe seine erste richtige homosexuelle Liebesnacht.

Sicher, der Liebesakt mit Danny Perkins war eine Erfahrung, die nicht die geringste Ähnlichkeit hatte mit den kühlen und immer etwas zerstreuten Pflichtübungen meiner Frau, aber dennoch wusste ich, wo ich war; o ja, ich wusste, wo ich war. Eigentlich rechnete ich fest damit, dass ich diese Nacht nicht überleben würde, in der die Heftigkeit der Leidenschaft, die ich empfand, mich genauso umbringen konnte wie die Bomben die Stadt, auf die sie herniederregneten, und doch blieb ich angesichts dieser Aussicht vollkommen gelassen; der Tod war ein gelangweilter, leicht angewiderter Geist, der ungeduldig in einer Zimmerecke saß und wartete, dass Danny und ich fertig wurden, damit er mich holen konnte und mich mitnehmen auf den letzten Gang. Ich schämte mich nicht für das, was ich mit mir machen ließ, das entsetzliche Gefühl von Grenzüberschreitung, das ich mir vorgestellt hatte, blieb aus. Im Grunde hat es mir beim ersten Mal, glaube ich, auch gar kein wirkliches Vergnügen bereitet. Ich kam mir, offen gesagt, eher wie jemand vor, der sich freiwillig für ein abstruses und bemerkenswert brutales medizinisches Experiment zur Verfügung gestellt hat. (Seite 394f)

Victor hielt das Erlebnis zunächst für einen Ausrutscher, eine sexuelle Ausschweifung, die andere bereits im Internat hinter sich gebracht hatten. Jahrzehnte später fragt er sich:

[…] wieso um alles in der Welt habe ich nur so lang gebraucht, bis mir klar war, dass ich andersrum bin? (Seite 286)

Ausgerechnet am Morgen nach Victors Liebesnacht mit Danny Perkins traf die Nachricht ein, dass Nicks Vater auf einer Straße in London durch ein Schrapnell getötet worden war. (Nick war inzwischen mit einer Frau namens Sylvia Lydon verlobt, und es hieß gerüchtweise, er treibe es auch mit ihrer Schwester Lydia.) Vivienne kaufte sich von ihrem väterlichen Erbe ein kleines Haus in Mayfair und zog mit den beiden Kindern hin.

Victor wurde vom britischen Geheimdienst zum Major befördert und von den Sowjets mit dem Rotbannerorden ausgezeichnet – der ihm allerdings aus Sicherheitsgründen nur kurz von Oleg Kropotzki gezeigt wurde.

Unmittelbar erhielt Victor den Auftrag, nach Deutschland zu reisen und Familiendokumente der königlichen Familie herauszuschmuggeln, die den amerikanischen Besatzungstruppen nicht in die Hände fallen sollten. Verwahrt wurden sie von Prinz Wilhelm, einem Cousin von König Georg VI., der mit seiner Mutter, Gräfin Margarete, auf Schloss Altberg bei Regensburg lebte. Die im Schloss kommandierende US-Offizierin – Major Alice Stirling – hielt die Verwandten des englischen Königshauses bis zur Klärung ihrer Beziehungen zu den Nationalsozialisten unter Hausarrest. Tatsächlich gelang es Victor mit Hilfe von Gräfin Margarete, die Kiste mit den Papieren heimlich aus dem Schloss zu schaffen. Unbehelligt brachte er sie nach London. In Anerkennung dieses Erfolgs ernannte Georg VI. ihn zum Konservator der Königlichen Gemäldesammlung. Das nahm Victor zum Anlass, um seine Spionagetätigkeiten einzustellen und sich ganz seiner Monographie über den französischen Barockmaler Nicolas Poussin (1594 – 1665) zu widmen. Für dessen Gemälde „Der Tod des Seneca“ schwärmte er ganz besonders.

Inzwischen hatte er sich seine Homosexualität vollends eingestanden. Das Verbotene daran fand er weniger abschreckend als reizvoll.

Die Fünfzigerjahre waren die letzte große Ära der Homosexualität. Heute redet ja alles von Freiheit und Stolz (Stolz!), aber diese jungen Hitzköpfe in ihren rosaroten Schlaghosen, die dafür plädieren, dass jeder das Recht haben soll, es auf offener Straße zu tun, wenn ihm danach ist, scheinen gar nicht zu ahnen oder zumindest nicht wahrhaben zu wollen, wie aphrodisierend Heimlichkeit und Angst wirken können. Wenn ich nachts loszog auf die Klappe, musste ich vorher immer eine Stunde lang einen großen Gin nach dem anderen kippen – als Nervenstärkung und um mich für die lauernden Gefahren zu stählen. Die Möglichkeit, zusammengeschlagen oder ausgeraubt zu werden oder mich mit einer Krankheit anzustecken, war nichts, verglichen mit der Aussicht auf Verhaftung und öffentliche Schmach. (Seite 476)

Victors Sohn Julian heiratete und machte ihn zusammen mit seiner Frau Pamela zum Großvater.

Der Gedanke, dass ich Enkelkinder habe, deprimiert mich ganz besonders. (Seite 346f)

Nach dem Tod Viviennes gestand ihm sein Freund Querell, dass er seit vielen Jahren ein Verhältnis mit ihr hatte. Victor tat so, als habe Vivienne ihm alles erzählt.

Eines Tages wurde er von ebenso höflichen wie schweigsamen Herren in seiner Wohnung abgeholt: Durch den Verrat eines Freundes wusste man beim Geheimdienst über seine Spionagetätigkeit für die Russen Bescheid. Aus Sorge, er könne Peinliches über die königliche Familie preisgeben, wurde er zwar weder angeklagt noch eingesperrt, aber als jemand die Medien über die frühere Doppelagentenrolle des Kunsthistorikers und Konservators der königlichen Kunstsammlungen unterrichtete, kam es zu einem Skandal.

Victor Maskell verbrennt Papiere, von denen niemand etwas erfahren soll, legt seine Aufzeichnungen für Serena Vandeleur bereit, nimmt eine Pistole, die mit zwei Patronen geladen ist und überlegt, ob er sich in den Kopf oder doch besser ins Herz schießen soll.

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Der zweiundsiebzigjährige, aus Irland stammende Kunsthistoriker Victor Maskell, wurde gerade als früherer Doppelagent angeprangert. Der Skandal und die Enttäuschung über Freunde, die ihn verrieten, veranlassen ihn, Bilanz zu ziehen.

In den Dreißigerjahren hatte er sich zwar, wie viele seiner Kommilitonen in Cambridge, zum Marxismus bekannt, aber er war nie den großen Illusionen erlegen und hatte sich weniger aus Überzeugung denn aus Langeweile zunächst von den Sowjets und einige Zeit später auch von den Engländern als Spion anwerben lassen. Er war bereits verheiratet, Vater von zwei Kindern und über dreißig, als er sich seiner Homosexualität bewusst wurde. Aber auch dann ließ er keinen Menschen näher an sich heran und blieb unfähig für engere Bindungen.

Ich mag es nicht, wenn man mich anfasst. (Seite 524)

Dinge sind für mich immer wichtiger gewesen als Menschen. (Seite 298f)

Seine einzige wirkliche Liebe galt der Kunst, vor allem dem Gemälde „Der Tod des Seneca“ von Nicolas Poussin.

Lakonisch und sarkastisch, langsam, unpathetisch und undramatisch erzählt Victor Maskell von seinem Leben. Dabei folgt er weniger der Chronologie als der assoziativen Kette seiner Erinnerungen. Der Ich-Erzähler spannt den Leser nicht auf die Folter, sondern deutet die entscheidenden Phasen seines Lebens gleich zu Beginn an. Die Wirkung des Romans „Der Unberührbare“ beruht auf der nuancierten Charakterisierung des Protagonisten und auf der melancholischen, nihilistischen Grundstimmung des Buches.

Bei der Konzipierung der Hauptfigur dachte John Banville vermutlich an Anthony F. Blunt (1907 – 1983), der während des Zweiten Weltkrieges – wie mehrere seiner Kommilitonen in Cambridge – den englischen und zugleich den russischen Geheimdienst mit kriegswichtigen Informationen über Deutschland versorgte, um zur Vernichtung des verabscheuten Hitler-Regimes beizutragen.

Für seinen Roman „The Sea“ wurde John Banville im Oktober 2005 mit dem „Man-Booker-Preis“ ausgezeichnet.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004
Textauszüge: © Verlag Kiepenheuer & Witsch

John Banville (kurze Biografie / Bibliografie)

John Banville: Das Buch der Beweise
John Banville: Geister
John Banville: Athena
John Banville: Sonnenfinsternis
John Banville: Caliban
John Banville: Die See
John Banville: Unendlichkeiten
John Banville: Im Lichte der Vergangenheit

Isaac Rosa - Im Reich der Angst
Aufbau und Sprache des brisanten Romans "Im Reich der Angst" sind eigenwillig. Lesenswert ist das Buch, weil Isaac Rosa die psychologische Dynamik realistisch, differenziert und nachvollziehbar darstellt.
Im Reich der Angst

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