Transsiberian

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Transsiberian – Originaltitel: Transsiberian – Regie: Brad Anderson – Drehbuch: Brad Anderson, Will Conroy – Kamera: Xavi Giménez – Schnitt: Jaume Martí – Musik: Alfonso Vilallonga – Darsteller: Woody Harrelson, Emily Mortimer, Ben Kingsley, Kate Mara, Eduardo Noriega, Thomas Kretschmann u.a. – 2008; 110 Minuten

Inhaltsangabe

Das amerikanische Ehepaar Roy und Jessie Nusser fährt mit der Transsibirischen Eisenbahn von Peking nach Moskau. Die Viererkabine teilen sie sich mit den Rucksacktouristen Carlos und Abby. Jessie, in deren Beziehung mit Roy es kriselt, entgehen nicht die begehrlichen Blicke des Katalanen, und sie findet ihn ebenfalls interessant. Beim Aufenthalt in Irkutsk besichtigen die beiden Männer alte Dampflokomotiven. Als der Zug weiterfährt, vermisst Jessie ihren Mann ...
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Kritik

"Transsiberian" ist ein spannender Thriller von Brad Anderson ohne kulturellen Anspruch. Die auf einem klug durchdachten Drehbuch basierende Handlung drängt unaufhaltsam vorwärts.
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Das amerikanische Ehepaar Roy und Jessie Nusser (Woody Harrelson, Emily Mortimer) fliegt nach Peking, um sich dort im Rahmen einer Mission ihrer Freikirche für Kinder zu engagieren. Jessie hatte Roy kennengelernt, als sie ihm betrunken ins Auto gefahren war. Sie war mit 17 von zu Hause fortgelaufen und hat eine wilde Jugend hinter sich. Roy, der Jessie nicht nur als Ehefrau, sondern auch als Mitglied seiner Glaubensgemeinschaft gewonnen hat, wirkt unbedarft. Er betreibt einen Eisenwarenhandel, besitzt eine Modelleisenbahn, schwärmt für Lokomotiven und schlägt Jessie vor, für das erste Stück der Rückreise statt des Flugzeugs den Zug zu nehmen: die Transsibirische Eisenbahn von Peking nach Moskau. Roy hofft, dass er Jessie mit der sieben Tage langen Fahrt durch unwirtliches Land beeindrucken kann.

Im Speisewagen erzählt ihnen ein Franzose (Etienne Chicot) vom schlimmen Erlebnis eines Freundes mit der russischen Polizei. Weil dessen Name im Visum falsch geschrieben war, verlangten die Beamten 5000 Dollar von ihm, und als er sich weigerte, das Geld zu bezahlen, hielten sie ihn 28 Tage lang fest und schnitten ihm zwei Zehen ab. Nachdem der Fahrgast das erzählt hat, steht er auf und – hinkt zum Ausgang.

Ein junges Paar steigt zu und belegt die beiden anderen Liegen in der Viererkabine: Carlos (Eduardo Noriega) ist Katalane und seine Freundin Abby (Kate Mara) kommt aus Seattle. Die beiden behaupten, seit zwei Jahren als Rucksacktouristen unterwegs zu sein. Carlos besorgt Wodka, und Roy freundet sich rasch mit ihm an. Jessie trinkt als Einzige nicht mit. Seit dem Verkehrsunfall trinkt sie keinen Alkohol mehr. Aber Carlos‘ begehrliche Blicke entgehen ihr nicht, und sie findet den gut aussehenden charmanten Spanier interessant.

Als Carlos einmal allein mit Jessie im Abteil ist, zeigt er ihr ein Dutzend Matrjoschkas in seinem Gepäck und gesteht ihr, durch den Schmuggel der Puppen Geld zu verdienen.

Nachts beobachtet Jessie das andere Paar auf der Liege gegenüber beim Sex. Carlos merkt, dass sie nicht schläft und blickt ihr schamlos in die Augen. Da dreht Jessie den Kopf zur Wand.

An der chinesisch-russischen Grenze schaut Roy begeistert zu, wie die Waggons der Reihe nach angehoben und die Drehgestelle gewechselt werden, damit der Zug auf der russischen Breitspur weiterfahren kann.

Beim Aufenthalt in Irkutsk besichtigt Roy auf dem Nebengleis abgestellte alte Dampflokomotiven. Carlos begleitet ihn, teilt jedoch die Schwärmerei des Amerikaners nicht. Die beiden Frauen schlendern währenddessen über den Bahnsteig, und Abby vertraut Jessie an, dass sie von einem Landhaus am Meer bei Vancouver träumt. Ihr Großvater verschleuderte es, um seine Ausflüge nach Las Vegas zu finanzieren. Abby möchte es zurückkaufen und deutet an, dass sie weiß, wie sie an das erforderliche Geld kommt.

Als der Zug weiterfährt, vermisst Jessie ihren Ehemann. Vergeblich sucht sie den Zug nach ihm ab und alarmiert das Personal. In der Hoffnung, Roy habe die Abfahrt des Zugs in Irkutsk verpasst und werde mit dem nächsten nachkommen, steigt Jessie im nächsten Bahnhof aus. Carlos und Abby wollen sie nicht allein lassen und folgen ihr. Sie quartieren sich im Hotel Pushkin ein. Der nächste Zug aus Wladiwostok wird in 24 Stunden erwartet.

Am nächsten Morgen steht Carlos bei Jessie in der Tür und bittet darum, bei ihr duschen zu dürfen. Die Dusche im anderen Zimmer sei defekt. Während er im Bad ist, erhält Jessie einen Anruf von der Rezeption. Man habe Roy in Irkutsk gefunden, heißt es. Aufgeregt rennt sie hinunter. Aber in der Halle erfährt sie, dass es sich um eine Verwechslung handelte.

Carlos drängt Jessie, mit ihm einen Ausflug zu machen. Zeit dafür bleibt genug, denn der Zug kommt erst am späten Nachmittag. Carlos verspricht der Hobbiefotografin Jessie ein schönes Motiv, und nach anfänglichem Zögern lässt sie sich zu einer Busfahrt überreden. Als sie einen Wald durchqueren, bereut Jessie ihr Nachgeben bereits, aber dann fotografiert sie begeistert die gut erhaltenen Fresken in einer verfallenen Kapelle. Carlos küsst sie. Da brechen auch bei Jessie die Dämme: Trotz der Kälte fangen beide an, sich gegenseitig die Kleidung aufzureißen. Aber als ein Balken aus dem Dachstuhl herabstürzt, kommt Jessie zur Besinnung. Carlos will weitermachen. Weil Jessie eine Vergewaltigung befürchtet, rennt sie davon und hebt ein Kantholz auf. Damit schlägt sie auf den Verfolger ein, obwohl dieser beteuert, er werde ihr nichts tun. Als Carlos Blut übers Gesicht läuft, gerät Jessie vollends in Panik und schlägt ihn tot.

Verstört kehrt sie zum Bahnhof zurück. Kurz darauf steigt Roy aus dem Zug. Sie fallen sich in die Arme. Roy wundert sich darüber, wie aufgewühlt Jessie ist, aber er führt es auf ihre Sorge um ihn zurück.

Die beiden setzen die Reise fort. Jessie sieht noch, wie Abby auf der Suche nach Carlos verzweifelt über den Bahnsteig läuft.

Der russische Drogenfahnder Ilja Grinko (Ben Kingsley), der sich das Abteil mit dem Ehepaar Nusser teilt, ist unterwegs von Wladiwostok nach Moskau, wo er an einer Konferenz teilnehmen will. Früher seien sie geflogen, klagt der 58-Jährige, aber inzwischen müssten sie mit der tagelangen Bahnfahrt vorlieb nehmen. Als er von Schmugglern erzählt, kommt Roy auf Carlos und Abby zu sprechen. Vielleicht seien das auch Schmuggler, meint er. Grinko erkundigt sich nach Einzelheiten, und Jessie behauptet, sich von den beiden verabschiedet zu haben, als sie ausstieg, um auf ihren Mann zu warten.

In ihrem Kamerakoffer stößt Jessie auf die Matrjoschkas. Carlos muss sie in ihr Gepäck geschmuggelt haben, als er zum Duschen bei ihr im Zimmer war. In der Toilette stellt sie fest, dass die Puppen nicht aus Holz geformt, sondern vermutlich aus pulverisierten Drogen gepresst sind. Aufgeregt versucht sie, die Matrjoschkas loszuwerden. Aber das gelingt ihr weder im Zug noch im nächsten Bahnhof.

Grinko fragt Jessie schließlich, ob Carlos und Abby tatsächlich weitergefahren seien. Er bezweifelt es inzwischen, denn er rief Kollegen an und bat sie, den entsprechenden Zug zu durchsuchen. Man fand die beiden nicht. Der Kommissar stellt dem Ehepaar Nusser einen Mann namens Kolzak (Thomas Kretschmann) vor, den er als Kollegen ausgibt. Die beiden holen Jessie zur Vernehmung in den Speisewagen. Sie bleibt bei ihrer Aussage, aber Grinko weiß bereits, dass Carlos und Abby mit ihr im Hotel waren.

Schließlich findet auch Roy die Matrjoschkas. Jessie sagt, die könne nur Carlos ihr unbemerkt zugesteckt haben und gibt zu, dass das junge Paar mit ihr ausstieg. Roy geht mit Jessie und dem Kamerakoffer zu Grinko und Kolzak, die noch im Speisewagen sitzen. Die beiden Männer erklären, dass die Puppen aus Heroin bestehen, beschlagnahmen sie und durchsuchen das Gepäck der Nussers. Dabei schaut Grinko sich auch die in Jessies Kamera gespeicherten Fotos an und entdeckt die Aufnahmen von der Kapellenruine.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Einige Zeit später will Jessie Zucker für den Tee ihres Mannes aus dem Speisewagen holen, aber sie tritt plötzlich ins Freie: Grinko und Kolzak haben während des letzten Aufenthalts die restlichen Waggons abgekoppelt. Der korrupte Kommissar und sein Komplize halten den Zug an und zwingen die Nussers mit vorgehaltener Waffe zum Aussteigen.

Roy und Jessie werden in ein ehemaliges Militärlager geführt. Auf einem Tisch liegt Abby. Man hat sie zusammengeschlagen und ihr ein Dutzend Mal mit einem Messer tief in ihren rechten Oberschenkel geschnitten. Grinko behauptet, Abby habe Carlos in Wladiwostok dazu angestiftet, einen Drogenkurier namens Nozin Kalandarow zu überfallen. Grinko fand das Opfer, in dessen Hals noch ein Messer steckte. Tatsächlich geht es Grinko und Kolzak darum, das Geld aufzuspüren, das Kalandarow geraubt wurde. Es handelt sich um einen hohen Betrag. Die beiden Kriminellen vermuten, dass Jessie es Carlos abgenommen hat, so wie das Heroin.

Roy und Jessie gelingt die Flucht zum wartenden Zug. Nachdem Roy den Lokführer mit einem Schraubenschlüssel niedergeschlagen hat, werfen sie den Bewusstlosen aus dem Zug. Roy, der einmal in einem Eisenbahnmuseum in einem Simulator saß, setzt den Zug in Bewegung, aber Grinko und Kolzak springen noch auf. Es kommt zum Kampf. Jessie gibt zu, Carlos getötet zu haben. Kolzak glaubt ihr das nicht. Er ist überzeugt, dass sie Carlos bestohlen und das Geld versteckt hat. Der Zug bleibt stehen und rollt dann auf der abschüssigen Strecke zurück, bis er mit einem Militärtransport zusammenstößt.

Grinko lässt sich von Kolzak die Pistole aushändigen und erschießt dann seinen Komplizen kaltblütig. Den Soldaten zeigt er seine Polizeimarke. Er behauptet, das amerikanische Ehepaar sei von Kolzak entführt worden, und er habe den Kidnapper erschossen, um die Touristen zu retten. Während sich die Männer um Roy und die verletzte Jessie kümmern, verschwindet Grinko im nahen Wald.

In einem Moskauer Hotel erfahren Jessie und Roy von einem Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft (Colin Stinton), dass Kommissar Grinko mit einer usbekischen Bande von Drogenhändlern zusammenarbeitete und auch Carlos wegen Drogenschmuggels gesucht wird. Dass der Katalane tot ist, verschweigt Jessie.

Vor dem Rückflug in die USA besucht Jessie die schwerverletzte Abby im Krankenhaus.

Was sie ihr gesagt habe, fragt Roy im Flugzeug. Lachend behauptet Jessie, sie habe Abby geraten, bei einem Doughnut nicht aufs Loch zu schauen.

Tatsächlich verriet sie Abby wohl, was während des Ausflugs mit Carlos geschah, denn im letzten Bild sehen wir, wie Abby die Leiche im Schnee findet und eine ganze Anzahl von in Plastik verpackten Banknotenbündeln aus der Jacke des Toten zieht. Damit wird sie sich ihren Traum vom Landhaus am Meer erfüllen können.

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Im Vorspann von „Transsiberian“ ist zu sehen, wie der russische Kommissar Ilja Grinko in Wladiwostok die Leiche des ermordeten und ausgeraubten Drogenkuriers Nozin Kalandarow entdeckt. Aber dann sieht es erst einmal so aus, als handele der Film von den Beziehungsproblemen des Ehepaars Roy und Jessie Nusser und Versuchungen durch ein junges Paar, das die beiden anderen Liegen in der Viererkabine der Transsibirischen Eisenbahn belegt hat. Als dann Jessie ihren Mann im Zug vermisst und man befürchten muss, dass er ermordet wurde, mutiert „Transsiberian“ zum Eisenbahn-Thriller, und in der letzten halben Stunde setzt Brad Anderson mit Splatter-Elementen noch eins darauf.

Die Handlung drängt unaufhaltsam vorwärts, da gibt es keinen Leerlauf, (fast) jedes Detail ist bedeutsam. Entsprechend steigert sich die Spannung. Und darauf kommt es Brad Anderson offensichtlich an: „Transsiberian“ ist ein packender Unterhaltungsfilm ohne den Anspruch, etwas wie eine Botschaft zu vermitteln.

Obwohl Brad Anderson und Will Conroy Klischees bedienen (barsche Schaffnerin, verstopfte Zugtoiletten) und den Zuschauer mindestens einmal auf billige Weise täuschen, um ihn auf eine falsche Spur zu locken, ist das Drehbuch im Ganzen durchdacht und überzeugend. Dazu gehören auch einige überraschende Wendungen.

Eindrucksvoll ist auch die Optik, obgleich der Kameramann Xavi Giménez nicht – wie man bei einem in der Transsibirischen Eisenbahn spielenden Film erwarten könnte – in Landschaftsaufnahmen schwelgt, sondern die verschneiten Weiten nur nutzt, um die bedrohliche Atmosphäre zu unterstreichen.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2012

Brad Anderson: Der Maschinist

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