Niccolò Ammaniti : Lasst die Spiele beginnen

Lasst die Spiele beginnen

Niccolò Ammaniti

Lasst die Spiele beginnen

Originalausgabe: Che la festa cominci Giulio Einaudi editore, Torino 2009 Lasst die Spiele beginnen Übersetzung: Petra Kaiser und Ulrich Hartmann Piper Verlag, München 2013 ISBN: 978-3-492-05516-1, 326 Seiten, 19.99 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Der Immobilienhai Sasà Chiatti will den von ihm ersteigerten und umgestalteten Park Villa Ada in Rom mit einem Fest der Superlative einweihen und lädt dazu alles ein, was wenigstens halbwegs prominent ist, darunter auch den eitlen Schriftsteller Fabrizio Ciba und die attraktive Popsängerin Larita. Die Künstlerin wollen die vier Mitglieder einer Satanssekte auf dem Fest enthaupten, um endlich von den Medien beachtet zu werden ...
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Kritik

"Lasst die Spiele beginnen" ist keine gesellschaftskritische Satire, son­dern Klamauk. Teile der Handlung mögen als Groteske durchgehen, aber insgesamt fehlt es dem Roman von Niccolò Ammaniti an Esprit.
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Saverio Moneta, der Sohn eines Arbeiters und einer Hausfrau, fing als Buchhalter in einem Möbelunternehmen an, im Mobilificio dei Masti d’Ascia in Oriolo Romano. Eines Abends, als er noch zu tun hatte, während die übrigen Angestellten bereits gegangen waren, wurde Serena, die Tochter des Firmeneigners Egisto Mastrodomenico, auf ihn aufmerksam.

Sie warf die Haare zurück und fragte: Soll ich dir einen blasen?“

Mit diesem Tag begann die wundersame Verwandlung des Saverio Moneta vom unbekannten Buchhalter zum Sherpa, der Serena auf ihren Razzien in die Einkaufszentren begleitete, zum Chauffeur ihres SUV, zum Laufburschen, Gepäckträger, Pony Express, Klempner, Reparateur von Satellitenschüsseln, Ehemann und Vater ihrer Kinder.
Und außerdem war es das erste und letzte Mal in ihrer zehnjährigen Beziehung, dass Serena ihm einen blies.

Die beiden heirateten. Zu diesem Zeitpunkt wusste Saverio bereits, dass Serena Geschlechtsverkehr verabscheut. Dementsprechend entschied sie sich für eine künstliche Befruchtung, als sie Kinder haben wollte. Die Zwillinge sind inzwischen ein Jahr alt. Saverio leitet im Unternehmen seines Schwiegervaters eine Möbelabteilung, aber seine Verkaufszahlen sind unterdurchschnittlich.

Weder Serena noch ihr Vater dürfen wissen, dass Saverio unter dem Namen Mantos der Anführer der Satanssekte „Bestien des Abaddon“ ist, der allerdings nach dem Ausscheiden mehrerer Mitglieder nur noch drei Männer und eine Frau angehören: die Psychologiestudentin Silvia Butti alias Silvietta, der in einem Baumarkt in Vetralla jobbende Jura-Student Roberto Morsillo alias Murder, der Elektriker Edoardo Sambreddero alias Zombie und Mantos, alle über 30 Jahre alt.

Silvia Butti war ursprünglich als Opfer der Sekte ausersehen. Die Männer hatten sie mit Rohypnol betäubt, nackt auf einen Opferalter im Wald von Sutri gelegt, sie mit dem Blut eines frisch geköpften Huhns bespritzt, der Reihe nach vergewaltigt und schließlich im Waldboden verscharrt. Als die Teufelsanbeter weg waren, kam Silvia wieder zu sich und grub sich aus. Inzwischen gehört sie nicht nur selbst zu den „Bestien des Abaddon“, sondern ist auch mit Murder verlobt.

Die von dem Konditor Kurtz Minetti angeführte konkurrierende Satanssekte „Kinder der Apokalypse“ in Pavia sorgt ständig für Schlagzeilen, zuletzt durch die Enthauptung einer Nonne mit einer Doppelaxt. Um endlich ebenfalls von den Medien beachtet zu werden, will Mantos mit einer bei eBay ersteigerten Reproduktion des Durendal – also des legendären Schwertes des französischen Helden Roland – einen Prominenten köpfen. Die „Bestien des Abaddon“ wissen nur noch nicht, wer das Opfer sein soll.

Während Mantos noch überlegt, erhält er einen Anruf seines als Oberkellner einer Cateringfirma beschäftigten Cousins Antonio Zauli. Der muss in Kürze das Büffet für ein Fest der Superlative anrichten, und nachdem ihm vier polnische Hilfskräfte abgesprungen sind, drängt er seinen Verwandten, ihm mit den drei Leuten auszuhelfen, mit denen er ihn mehrmals herumhängen sah. Saverio Moneta lehnt zunächst ab, aber als er erfährt, dass bei der VIP-Veranstaltung auch ein Liveauftritt von Larita geplant ist, ändert er seine Meinung. Larita (bürgerlich Elsa Martelli) sang zunächst bei „Lord of Flies“, einer Heavy Metal Gruppe aus Chieti Calo. Dann bekehrte sie sich zum Christentum und begann eine Solokarriere als schmalzige Popsängerin. Sie ist das ideale Opfer! Mantos will ihr mit dem Durendal auf dem Fest den Kopf abschlagen.

Zu den zahlreichen Prominenten, die zu der Jahrhundertparty eingeladen sind, gehört auch der 41-jährige Schriftsteller Fabrizio Ciba, der Autor des Bestsellers „Löwengrube“, der allerdings seit fünf Jahren keinen neuen Roman mehr zustande gebracht hat.

Während Saverio Moneta alias Mantos seine Pläne schmiedet, sitzt Fabrizio Ciba mit dem indischen Literaturnobelpreisträger Sarwar Sawhney, der Übersetzerin Alice Tyler und dem Literaturprofessor Gino Tremagli auf der Bühne in der Villa Malaparte in Rom. Sarwar Sawhneys neuer Roman „Ein Leben in der Welt“ wird vorgestellt. Fabrizio Ciba, dessen Bücher im selben Verlag – Martinelli – erschienen, soll nach Gino Tremagli reden. Weil er keine Lust hatte, den Roman des Nobelpreisträgers zu lesen, ließ er sich von einem Freund eine kleine Rede schreiben. Als der Literaturprofessor zum Ende kommt und Fabrizio die drei Blätter nun aus dem Jackett zieht, bemerkt er, dass sich der Text auf ein anderes Buch des Inders bezieht. Offenbar verwechselte der Freund die Titel. Jetzt ist es zu spät, sich noch einen Eindruck von dem Roman zu verschaffen. Und da ist Fabrizio auch schon an der Reihe. „Ich werde nicht lange sprechen“, hebt er an.

Er suchte nach einem Anfang, irgendeinem Knaller, mit dem er loslegen könnte. „Hm hm …“ Er räusperte sich, klopfte ans Mikrofon. Trank ein Glas Wasser, um seine Lippen zu befeuchten. Nichts. Sein Kopf war leer wie ein schwarzer Bildschirm, eine geplünderte Schatztruhe. Ein kaltes Universum ohne Sterne. Eine Kaviardose ohne Kaviar. […]
Am Anfang war das Feuer.
Ein flüchtiges Bild aus einem alten französischen Film, irgendwann mal gesehen, kam über ihn wie der Heilige Geist und erregte seine Hirnrinde, die Schwärme von Neurotransmittern freisetzte, welche ihrerseits an empfangsbereiten Rezeptoren andockten und andere Zellen des zentralen Nervensystems aufweckten.
„Verzeihung, ich hatte mich in einem faszinierenden Bild verloren.“ Er warf seine Haare zurück, stellte die Höhe des Mikrofons besser ein.
„Morgendämmerung. Ein schmutziger Morgen vor achthunderttausend Jahren. […]
Das Publikum war nicht mehr da, es war in der Urgeschichte. In Erwartung, dass er fortfuhr.
Fabrizio fragte sich, warum, verdammt noch mal, er sie in die Urgeschichte mitgenommen hatte und worauf er eigentlich hinauswollte. Wie auch immer, er musste weiterreden. […]
„Warum erzähle ich Ihnen das alles, ich weiß es auch nicht …“ Gelächter. „Oder doch, vielleicht weiß ich es doch. Sarwar Sawhney, dieser außergewöhnliche Schriftsteller, ist einer jener Menschen, die die unglaublich schwere Verantwortung auf sich genommen haben, das Feuer am Leben zu halten und es uns zu bringen, wenn der Himmel sich verdüstert und die Kälte in unsre Seele eindringt. Kultur ist kein Feuer, das man löschen und mit einem Streichholz wieder anzünden kann. Kultur muss man hegen, hochhalten, nähren. […]“

Während die 300 Besucher nach der Vorstellung des Romans „Ein Leben in der Welt“ das Büffet stürmen, setzt Fabrizio sich mit der attraktiven Übersetzerin Alice Tyler auf eine Bank im Park der Villa. Sie küssen sich, und weil er ihren Büstenhalter nicht aufkriegt, schiebt er seine Hand in ihren Slip, während sie anfängt, seinen erigierten Penis zu massieren. Da tauchen Federico Gianni und Achille Pennacchini auf, der Geschäftsführer und der Generaldirektor des Verlags Martinelli. Fabrizio und Alice erstarren. Während Gianni schräg vor ihnen uriniert, unterhält er sich über die Schulter weiter mit Pennacchini, der ein paar Meter hinter ihm stehen geblieben ist. Sie äußern sich abfällig über Fabrizio. Dessen Penis erschlafft in Alices Hand.

Gedemütigt und aufgewühlt bricht er auf, sobald die Verlagschefs in die Villa zurückgegangen sind. Obwohl es schon spät ist, fährt er zu seiner Literaturagentin Margherita Levin Gritti. Aber statt den Türöffner zu drücken, versucht sie ihn über die Gegensprechanlage zu verscheuchen.

„Warte, es ist etwas Furchtbares passiert. Martinelli will mich abservieren. Mach auf!“, kommandierte er. „Ich will nicht bumsen.“
„… Aber ich, ich bin gerade dabei.“

Im Jähzorn kündigt Fabrizio das Vertragsverhältnis mit der Agentin.

Das Fest der Superlative findet im Villa Ada genannten Park statt. Der römische Stadtrat versteigerte das Gelände am 25. Dezember 2004 aus finanziellen Gründen. Den Zuschlag erhielt Salvatore („Sasà“) Chiatti für 450 Millionen Euro. Der Unternehmer aus Kampanien hatte in den Neunzigerjahren ein riesiges Immobilien­vermögen zusammengerafft. Zwischendurch verbüßte er eine Haftstrafe wegen Steuerflucht und Viehdiebstahls. 2007 begannen die Umbau­arbeiten an der königlichen Villa und im Park. Außerdem siedelte Sasà Chiatti auf dem Areal zahlreiche Wildtiere an. Mit der Eröffnungsparty will er alles in den Schatten stellen, was es bisher an Einweihungsfeiern gab. Für das leibliche Wohl der Gäste sorgt der bulgarische Koch Zóltan Patrovič, der Besitzer des Gourmet-Restaurants „Le regioni“, und bevor ein gewaltiges Feuerwerk das Fest im Morgengrauen beenden wird, finden in der Villa Ada drei Jagden statt: eine englische Fuchsjagd, eine afrikanische Löwenjagd und eine indische Tigerjagd.

Mantos, Silvietta, Murder und Zombie melden sich am Lieferanteneingang. Das in einen Teppich eingerollte Schwert fällt zwar im Metalldetektor auf, aber Mantos erklärt dem Wachmann, er werde in der bevorstehenden Show als Zauberer mit seinen drei Assistenten auftreten und das Schwert sei bloß eine auf der Bühne als Requisite benötigte Nachbildung. Damit kommt er durch. Antonio Zauli teilt seinen Cousin und dessen Begleiter für Hilfsarbeiten ein. Sie müssen beispielsweise Kisten schleppen und Kartoffeln schälen.

Sasà Chiatti, der seine Verlobte bei sich hat, das Model Ecaterina Danielsson, eröffnet das Fest.

Fabrizio Ciba genießt es, wenn er von anderen Gästen erkannt und angehimmelt wird. Auch Umberto Gruciani ist da. Der greise Schriftsteller, der seit zwei Jahrzehnten zurückgezogen auf einem Bauernhof im Oltrepò Pavese lebt und seit 1976 nichts mehr veröffentlicht hat, sitzt im Rollstuhl. Fabrizio erfährt von Professor Paolo Bocchi, mit dem er zur Schule ging und der jetzt als Chefarzt für Schönheitschirurgie der Klinik San Roberto Bellamino in Rom viel Geld verdient, dass Umberto Gruciani an einem Buch arbeitet, das erst nach seinem Tod erscheinen soll. Aus Furcht vor einer Ausspähung löscht der greise Schriftsteller das Manuskript auf der Festplatte jedes Mal, nachdem er es auf einem 40-GB-USB-Stick gespeichert hat, den er Tag und Nacht an einer Halskette trägt.

Von den Frauen hat es Fabrizio zunächst die Schauspielerin Simona Somaini angetan, die Miss Italia 2003. Sie kommen sich näher, aber dann will Cristina Lotto, die Ehefrau des Großunternehmers Ettore Gelati, unbedingt mit ihm reden und zieht ihn fort. Sie und ihr gelegentlicher Liebhaber Fabrizio wurden von Cristinas Sohn Samuel nicht nur in flagranti ertappt, sondern auch noch heimlich gefilmt. Nun droht der junge Mann, das Video ins Internet zu stellen. Auf 100 000 Euro beläuft sich die Forderung des Erpressers. Statt mit Simona Somaini oder Cristina Lotto vergnügt Fabrizio sich dann mit der begehrenswerten Sängerin Larita. Die beiden werden schließlich zur indischen Tigerjagd eingeteilt und aufgefordert, auf einen von vier Elefanten zu klettern.

Der koreanische Beleuchtungskünstler Kim Doo Soo hat den Park in märchenhaftes Licht getaucht.

Der von 38 Reitern gejagte Fuchs überquert den Weg der Elefanten, und die Verfolger prallen gegen die Urwaldkolosse, die daraufhin in Panik geraten. Fabrizio und Larita werden auf einem wild gewordenen Elefantenrücken herum­geschleudert, bis das Tier in eine Schlucht stürzt. Wie durch ein Wunder überleben Fabrizio und Larita den Unfall nahezu unverletzt.

Zur gleichen Zeit werden Murder und Silvietta aus der Satanssekte „Bestien des Abaddon“ verstoßen, weil Zombie sie belauschte, als sie über ihre Heiratsabsicht sprachen. Offenbar wollen sie sich nach der Opferung Laritas nicht am geplanten Selbstmord der „Bestien des Abaddon“ beteiligen.

Während Mantos dann mit der Durendal-Reproduktion nach Larita sucht, geht Zombie zum Kraftwerk, um den Strom auszuschalten, damit die Lampen ausgehen und die Opferung im Mondlicht stattfinden kann. Vor einem 20 000-Volt-Kabel stehend, holt Zombie mit einer Axt zum Schlag aus. Als er das Hochspannungs­kabel durchtrennt, verkohlen seine Hände und Arme auf der Stelle, und sein Körper geht nach einem Blitz in Flammen auf. In der Villa und im Park verlöschen die Lampen, die Eingangstore verschließen sich automatisch, und die Pumpen der künstlichen Wasserläufe bleiben stehen.

Mantos findet im Kraftwerk die Leiche seines Anhängers. Kurz darauf tauchen drei betrunkene Gäste auf, und weil es nach verbranntem Fleisch riecht, nehmen sie an, dass hier gegrillt wird. Mantos zückt das Schwert und fragt, welche Teile er für sie von dem Toten abtrennen soll. Irritiert ziehen sie sich zurück.

Der Mailänder Galerist Piero Baglione Montuori wird vor den Augen seiner Frau Mara von drei Krokodilen zerfleischt.

Als Sasà Chiatti merkt, dass sein Fest im Chaos endet, feuert er mit einem Sturmgewehr und einem Granatwerfer wild um sich, bis er bei einer Explosion von einem Metallteil an der Stirn getroffen wird, auf einen Glastisch stürzt und eine Glasscherbe seinen Nacken durchbohrt.

Überlebende – darunter Mantos, Fabrizio und Larita – werden in die Priscilla-Katakomben verschleppt.

Der Schriftsteller Matteo Saporelli vermutet, dass der Überfall ihm gilt, weil er über die Korruption in Albanien berichtete, aber das hält Fabrizio Ciba für Unsinn; er ist überzeugt, dass sie von Finnen entführt wurden, denen seine Kritik an der Verwüstung in den finnischen Wäldern missfiel.

Tatsächlich handelt es sich bei den Menschen, in deren Gewalt sie sich nun befinden, um russische Sportler und deren Nachfahren. Ludmilla und Arkadi Brusilov, sie Kunstturnierin, er Speerwerfer, hatten 1958 in dem Dorf Kutuko bei Moskau geheiratet und sich vorgenommen, die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 1960 in Rom zur Emigration zu nutzen. 20 andere Olympioniken aus ihrem Team schlossen sich ihnen an. Sie setzten sich ab und tauchten in den Priscilla-Katakomben unter. Nur wenn es dunkel ist und der Park geschlossen ist, kommen sie an die Oberfläche und suchen nach Essensresten.

Nachdem die Russen erfahren haben, dass sich der Ostblock auflöste und es sich bei ihren Gefangenen nicht um Kommunisten handelt, erklären sie sich bereit, sie freizulassen. Daraufhin meinen einige der Partygäste, dieses Abenteuer sei besser als die Fuchs-, Löwen- und Tigerjagd zusammen.

Aber die Euphorie ist von kurzer Dauer.

Der texanische Wasserbauingenieur Nick Roach, der die Pumpanlagen der Villa Ada für Sasà Chiatti auf den neuesten technischen Stand brachte, entdeckte nämlich ein Ventil der Gießerei Trebbiani aus dem Jahr 1846, und weil er durch seine Mutter Jennifer Trebbiani zu den Nachfahren der italienischen Unternehmerfamilie gehörte, brachte er es nicht übers Herz, dieses alte Ventil auszuwechseln. Seit nun aber Computer und Pumpen ausfielen, baut sich ein Überdruck auf, dem das Ventil aus dem 19. Jahrhundert nicht standhält. Es zerplatzt, und das Wasser des künstlichen Sees überflutet die Katakomben.

Fabrizio lässt Larita im Stich und sucht für sich einen Weg ins Freie. Larita wird ausgerechnet von Mantos gerettet, der vom Wasser gegen Felsen geschleudert wurde und sich dabei einen Oberschenkel brach, aber ihr mit letzter Kraft hilft, sich in einem Schacht an Wurzeln hochzuziehen, bevor ihn die Fluten weiter mitreißen.

Der 77-jährige Piero Ristori führt in der Nähe des Parks seinen Hund aus, als eine Wasserfontäne hochschießt und ein Kanaldeckel auf das Dach eines geparkten Autos geschleudert wird.

Fabrizio ist aus den Katakomben herausgekommen. Er stößt auf die aus dem Rollstuhl gekippte Leiche des Schriftstellers Umberto Gruciani. Ohne lang zu überleben, reißt er ihm den USB-Stick vom Hals.

Larita freut sich, als sie sieht, dass Fabrizio unter den Überlebenden ist und schon wieder ein Interview gibt. Aber gerade als sie zu ihm gehen will, drängt sich Simona Somaini zwischen die Journalisten. Sie hat eine winzige Rot-Kreuz-Decke umgehängt, ist darunter aber fast nackt, und ihre „Fingerhut großen Nippel“ werden von dem zerfetzten Büstenhalter nicht länger verdeckt. Sie animiert Fabrizio zu der Aussage, sie seien ein Paar. Außerdem kündigt der Schriftsteller einen neuen Roman mit dem Titel „Ein Licht im Nebel“ an. Den werde er allerdings nicht im Verlag Martinelli veröffentlichen, sagt er.

Murder und Silvietta heiraten und bekommen ein Kind. Jedes Jahr am 29. April schließen sie ihren Familienbetrieb in Oriolo und gedenken der Toten im Park der Villa Ada mit einem Picknick. Im vierten Jahr hat es ein Schäferhundwelpe in der Nähe dem zweijährigen Sohn Bruce angetan. Die Eltern gehen hin, schauen zu, und als sie zu ihrer Decke zurückkommen, finden sie das Picknick geplündert vor. Den gierig essenden Dieb entdecken sie im Gebüsch. Sobald er sich ertappt fühlt, humpelt er tiefer ins Dickicht.

Wie erstarrt blieben die beiden zurück.
Silvietta legte die Hand auf den Mund. „Sag nicht, das war …“
Murder starrte auf die Büsche, dann schluckte er und sah seine Frau an. „Nein. Ich sag es nicht.“

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Der Roman „Lasst die Spiele beginnen“ soll wohl eine Satire über die von den Medien verdorbene Spaßgesellschaft und den zum bloßen Geschäft verkommenen Literaturbetrieb sein. Bevölkert ist das von Niccolò Ammaniti entwickelte Panoptikum mit eingebildeten, missgünstigen Schriftstellern, die sich für unwiderstehlich halten, eitlen Promis, geltungssüchtigen Nobodys und ebenso skrupellosen wie größenwahnsinnigen Geschäftsleuten. Die Männer in diesem Mikrokosmos beurteilen Frauen ausschließlich nach dem Körper, und den stellen diese denn auch zur Schau.

Mehr als Klamauk ist Niccolò Ammaniti nicht eingefallen. „Lasst die Spiele beginnen“ ist keine Gesellschaftskritik, sondern leichte Unterhaltung. Der sich um den Literaturbetrieb rankende Handlungsstrang und der Beginn des Festes in der Villa Ada mögen als Groteske durchgehen, aber die Episoden über die Satanssekte „Bestien des Abaddon“ wirken absurd und infantil. Mit der Realität hat „Lasst die Spiele beginnen“ allenfalls ansatzweise zu tun. Das wäre nicht schlimm, wenn Niccolò Ammaniti wenigstens noch ein paar ebenso witzige Szenen geschrieben hätte wie die mit der improvisierten Rede des Schriftstellers Fabrizio Ciba in der Villa Malaparte.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2013
Textauszüge: © Piper Verlag

Niccolò Ammaniti: Du und ich

Hans-Ulrich Treichel - Tristanakkord
Der vergnügliche Roman "Tristanakkord" wirkt weniger durch den Plot, als durch die parodistische Ausgestaltung der einzelnen Episoden, und die Sprache von Hans-Ulrich Treichel besticht durch ihre Rhythmik.
Tristanakkord

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