Carl Zuckmayer : Die Geschichte eines Bauern aus dem Taunus

Die Geschichte eines Bauern aus dem Taunus

Carl Zuckmayer

Die Geschichte eines Bauern aus dem Taunus

Die Geschichte eines Bauern aus dem Taunus Manuskript: 1925 Erstveröffentlichung: Propyläen-Verlag 1927 Bibliothek des 20. Jahrhunderts Hg.: Walter Jens und Marcel Reich-Ranicki Deutscher Bücherbund, Stuttgart / München o. J.
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Anfang 1918 wird ein Bauer wegen dringender Feldarbeiten auf seinem Hof von der Ostfront beurlaubt. Als seine Ehefrau schwanger wird, treibt es ihn in das Dorf an der Ostfront zurück, in dem er mit einer Russin ein Kind gezeugt hatte. Nicht um die Geliebte geht es ihm, sondern um das Kind, um das er Angst hat ...

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Kritik

Carl Zuckmayer erzählt "Die Geschichte eines Bauern aus dem Taunus" mit einfachen Worten. Es handelt sich um eine lebensbejahende, volkstümliche Erzählung.
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Schorsch Philipp Seuffert, seit der großen Frühlingsschlacht im Jahre 1918 zu dringender Feldarbeit reklamiert, bemerkte Mitte Juni, dass sein Weib Anna Barbara guter Hoffnung war.
Schreck war das Erste, was er empfand. (Seite 41)

Mitten in der Nacht steht der Bauer Schorsch Philipp Seuffert in seinem Gehöft am Fuchstanz im Taunus auf, zieht seine Uniform an, weckt seine Frau Anna Barbara und erklärt ihr kurz angebunden, er müsse fort. Er geht nach Frankfurt und erkundigt sich im Hauptbahnhof, wann der nächste Urlauberzug nach Südosten geht. Während er wartet, entdecken ihn seine Kriegskameraden, die gerade zufällig mit ihrem Landwehrregiment von ihrer Stellung im Südosten an die Westfront verlegt werden und in Frankfurt einen Zwischenaufenthalt haben. Ohne zur Besinnung zu kommen, befindet Seuffert sich plötzlich mit seiner militärischen Einheit im selben Zug.

An der Westfront kann Seuffert nicht bleiben. Er hat anderes vor. In einer Nacht, als die Wache eingeschlafen ist, flieht er. Unterwegs trifft er ein paar andere Deserteure und fährt mit ihnen auf einer herrenlosen Lokomotive nach Osten.

Kurz nach Weihnachten kommt Anna Barbara Seuffert mit einem Sohn nieder, den sie Schorsch nennt. Der Hufschmied umwirbt sie und rät ihr, eine Totenmesse für ihren Mann zu bezahlen, doch Anna Barbara wartet zuversichtlich auf dessen Rückkehr.

Inzwischen trifft Seuffert mit einem Zug an der russischen Grenze ein, in dem Ort, von dem aus er im Frühjahr 1918 abgereist war. Vom Bahnhof geht er zu Fuß in ein abgelegene Dorf. Schon von weitem sieht er, dass es in Flammen steht. Deutsche Soldaten rennen in entgegengesetzter Richtung. Sie wurden von den Russen überfallen. Seuffert geht weiter, zielstrebig zu einer bestimmten Hütte, deren Strohdach schwelt.

Unter der Tür lag ausgestreckt auf dem Gesicht der starre Körper einer Frau. Ihre Hand hielt ein großes Holzbeil umklammert. Aus dem Hinterkopf überm Genick sickerte Blut. (Seite 57)

Seuffert steigt über die Leiche hinweg und holt das wimmernde Kind aus der Hütte. Im Wald stößt er erneut auf versprengte deutsche Soldaten.

„Wirf den Balg fort, lauf, sie sind uns auf den Fersen!“ (Seite 58)

Da schleicht er sich mit dem Kind tiefer in den Wald hinein, bis er die Schüsse nicht mehr hört.

Erst nach längerer Zeit wagt er sich wieder aus dem Wald heraus. Kosaken des Generals Budjenni finden ihn. Der Lagerkommandant hält Seuffert für einen entflohenen Kriegsgefangenen, teilt ihm Verpflegung zu und will den kräftigen Kerl als Kanonenfutter in seine Truppe einreihen, aber als er befiehlt, das Kind zu den Schwestern bei der Sanitätskolonne zu bringen, lässt Seuffert das nicht zu, und bald macht die Geschichte von dem wilden Mann, der sich nicht von seinem Kind trennen will, die Runde.

Die Kosaken lassen Seuffert mit seinem Kind ziehen. Er fährt mit dem Zug nach Frankfurt am Main und geht hinauf zu seinem Gehöft am Fuchstanz im Taunus.

Einen Augenblick sah Seuffert unschlüssig auf das Haupt des Kindes herab. Dann fasste er seine Hand fester und trat durch die Pforte. Reglos sah die Frau ihm entgegen. Als er sehr nah gekommen war, setzte sie zuerst ihr Kind sorgsam in den Wagen, bevor sie mit beiden Armen, offenen Händen, ihn und das neue Kind empfing. (Seite 70)

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„Die Geschichte eines Bauern aus dem Taunus“ handelt von einem Mann, […]

[…] der alles verlassen hatte und durch das kriegsdröhnende Land gegangen war, unberührt von den Gewalten der Vernichtung, um ein kleines Lebenslicht, das er einst fast im Dunkel entzündet hatte, vor dem Verlöschen zu retten. (Seite 68)

Als seine Ehefrau schwanger wird, treibt es Seuffert in das Dorf an der Ostfront zurück, in dem er mit einer Russin ein Kind gezeugt hatte. Während er das Kind rettet, wartet seine Frau ohne Groll auf ihn. Wortlos verzeiht sie ihm.

Carl Zuckmayer erzählt „Die Geschichte eines Bauern aus dem Taunus“ mit einfachen Worten. Es handelt sich um eine lebensbejahende, volkstümliche Erzählung.

„Die Geschichte eines Bauern aus dem Taunus“ gab einem 1927 im Propyläen-Verlag veröffentlichten Band mit Erzählungen von Carl Zuckmayer den Titel.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005
Textauszüge: © S. Fischer Verlag

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