Kurt Vonnegut : Schlachthof 5

Schlachthof 5

Kurt Vonnegut

Schlachthof 5

Originalausgabe 1969: Slaughterhouse-Five or The Children's Crusade Schlachthof 5 Übersetzung: Kurt Wagenseil Hoffmann und Campe, Hamburg 1970 207 Seiten, ISBN: 3-455-07955-5 Rowohlt Tschenbuch, Reinbek 1972
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Seit der Amerikaner Billy Pilgrim als Kriegsgefangener der Deutschen die infernalischen Luftangriffe am 13./14. Februar 1945 auf Dresden erlebte und nach dem Krieg bei einer Geschäftsreise mit dem Flugzeug abstürzte, hat er seine Erinnerungen nicht mehr unter Kontrolle. Wenn sie zu quälend werden, flüchtet er sich in eine Science-Fiction-Welt auf dem extragalaktischen Planeten Trafalmadore ...
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Kritik

Der Antikriegsroman "Schlachthof 5" ist eine schrille Collage aus SF-Imaginationen und Erinnerungsfetzen, die zu verschiedenen Zeitebenen und Handlungssträngen gehören.
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Ein amerikanische Schriftsteller war als Kriegsgefangener der Deutschen in Dresden, als Briten und Amerikaner die Stadt am 13./14. Februar 1945 mit Luftangriffen zerstörten [Alliierte Luftangriffe auf Dresden]. Er überlebte das Inferno. Zweiundzwanzig Jahre später reist er noch einmal nach Dresden, um für sein Opus magnum über den Weltuntergang zu recherchieren. Am Ort des Grauens kann er sich jedoch nur an banale Momente erinnern. Die Schreibblockade überwindet er, indem er nicht sich selbst in den Mittelpunkt des Romans stellt, sondern einen US-Soldaten namens Billy Pilgrim.

Dieser gerät im Dezember 1944 in deutsche Kriegsgefangenschaft und wird nach Dresden gebracht, wo die Deutschen im Keller eines stillgelegten Schlachthofs ein provisorisches Lager eingerichtet haben: „Schlachthof 5“. Dort ist Billy während des Infernos im Februar 1945 zusammen mit anderen amerikanischen Kriegsgefangenen – darunter der väterliche Edgar Derby und der streitsüchtige Paul Lazzaro – eingesperrt.

Billy Pilgrim bleibt äußerlich unverletzt. Nach dem Krieg kehrt er in seine Heimatstadt Illium, New York, zurück, wo er als erfolgreicher Optometriker viel Geld verdient. Während einer Geschäftsreise stürzt er mit dem Flugzeug ab – und überlebt als Einziger in den Trümmern. Als seine Frau aufgeregt mit dem Auto zum Krankenhaus rast, verursacht sie einen Verkehrsunfall und kommt dabei um.

Die Amerikaner führen inzwischen Krieg in Vietnam, und Billys Sohn Robert muss dort kämpfen (Vietnam-Krieg).

1967 berichtet Billy Pilgrim im Hörfunk, er sei in einer fliegenden Untertasse auf den extragalaktischen Planeten Trafalmadore entführt und dort zusammen mit einer Frau in einem gläsernen Käfig von den Bewohnern beobachtet worden.

Billy kann die Aliens auf dem Trafalmadore nicht sehen, denn sind vierdimensional. Dadurch sind sie in der Lage, verschiedene Zeitpunkte synchron zu erleben. Doch obwohl sie zwischen Zukunft und Vergangenheit hin- und herwechseln, können sie nicht in das Geschehen eingreifen und es verändern. Damit haben sie sich längst abgefunden: „Ich habe einunddreißig bewohnte Planeten im Weltall besucht und die Berichte über weitere hundert studiert“, berichtet einer der Trafalmadore-Bewohner. „Nur auf der Erde wird von freiem Willen geredet.“

Wie die Außerirdischen reist Billy durch die Zeiten, aber er hat keine Kontrolle darüber und stolpert von einer Erinnerungen zur anderen. Er erlebt Tod und Geburt, geht auf eine Tür zu und kommt Jahre zuvor auf der anderen Seite heraus. Immer wieder quälen ihn die Erlebnisse während des Infernos in Dresden.

Obwohl Billy im Voraus weiß, dass er am Ende einer Veranstaltung in Philadelphia ermordet wird, hält er dort seinen Vortrag und wartet dann auf der Bühne mit dem Fatalismus der Trafalmadore-Bewohner auf den tödlichen Schuss von Paul Lazzaro, der immer noch glaubt, Billy habe im Krieg einen seiner Kameraden getötet.

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Der Antikriegsroman „Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug“ gilt als eines der bedeutendsten Werke der US-amerikanischen Literatur in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Obwohl Kurt Vonnegut von dem Inferno ausgeht, das tausend amerikanische und britische Bomber am 13./14. Februar 1945 in Dresden verursachten [Alliierte Luftangriffe auf Dresden], geht es in „Schlachthof 5“ nicht um das Massensterben in der mit Flüchtlingen aus dem Osten überfüllten Stadt, sondern um die psychische Zerstörung einer einzelnen Person.

In einer Art Metafiktion lässt Kurt Vonnegut sein Alter Ego 1967 nach Dresden reisen, um das Trauma dort in einem Roman zu verarbeiten.

Der Protagonist Billy Pilgrim (deutsch: Pilger!) flieht vor den grauenvollen Erinnerungen, die ihn fortwährend heimsuchen, in eine Science-Fiction-Welt. Aber das gelingt ihm nicht durchgängig. Die Bilder in seinem Kopf folgen einander assoziativ, sprunghaft und ohne zeitlichen Zusammenhang. Dementsprechend ist „Schlachthof 5“ eine Collage aus Fragmenten, die zu verschiedenen Zeitebenen und Handlungssträngen gehören. Dennoch fällt es nicht schwer, den wirren, schrillen Roman zu lesen.

Kritik am American Way of Life, sarkastische Wendungen, drastisch-realistische Szenen aus dem Soldatenleben und sexuelle Imaginationen haben mehrmals dazu geführt, dass „Schlachthof 5“ in amerikanischen Schulen verboten wurde. Dazu kommt Kurt Vonneguts Einschätzung, dass der Mensch nicht in der Lage ist, das Leben zu überblicken und aus der Geschichte zu lernen.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006

Alliierte Luftangriffe auf Dresden, Februar 1945

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