Ein Mann unter Verdacht

Ein Mann unter Verdacht

Ein Mann unter Verdacht

Originaltitel: Ein Mann unter Verdacht – Regie: Thomas Stuber – Drehbuch: Stefan Kolditz – Kamera: Moritz Schutheiß – Schnitt: Lars Jordan – Musik: Bert Wrede – Darsteller: Mark Waschke, Petra Schmidt-Schaller, Deborah Kaufmann, Aljosha Lange, Peter Kurth, Annika Kuhl, Hanns Zischler, Sophie Lutz, Peter Moltzen, Judith Engel, Rosa Enskat u.a. – 2016; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Die alkoholkranke frühere Sängerin Anja Altmann wird von ihrem Ehemann, dem Architekten Thomas Altmann, als vermisst gemeldet. Spuren führen nach Spanien. Will sie dort ein Leben ohne ihn beginnen? Welche Rolle spielt ihr einflussreicher Vater, dem Thomas vorwirft, er habe Anja als Kind missbraucht? Kann der als Mörder verdächtigte Ehemann seiner Verteidigerin vertrauen, die früher ein lesbisches Ver­hältnis mit Anja hatte? Haben sich die beiden Frauen gegen ihn verschworen?
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Kritik

Obwohl oder gerade weil Stefan Kolditz und Thomas Stuber in "Ein Mann unter Verdacht" auf Action-Szenen verzichten, handelt es sich um einen überaus spannenden Thriller – allerdings mit einem missglückten Plottwist am Ende.
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In der Nacht nach der Gartenparty anlässlich ihres 40. Geburtstags am 15. September verschwindet Anja Altmann (Deborah Kaufmann). Ihr Ehemann Thomas (Mark Waschke) meldet sie zwei Tage später bei der Polizei in Potsdam als vermisst. Gäste sagen aus, es habe an dem Abend Streit zwischen der wieder einmal betrunkenen ehemaligen Sängerin und dem Architekten gegeben. Thomas Altmann leugnet das nicht. Er behauptet, er habe mitten in der Nacht einen Anruf seiner Frau aus dem Bootshaus in der Uckermark bekommen. Obwohl er sofort losgefahren sei, habe er das Bootshaus leer vorgefunden. Auf die Frage, warum er mit der Vermisstenmeldung so lange gewartet habe, sagt er, es sei nicht ungewöhnlich, dass seine Frau sich ein paar Tage „Auszeit“ nehme. Zweifellos handelt es sich bei Anja Altmann um eine labile, alkoholkranke Person. Vor drei Jahren war sie in einer Entzugsklinik.

Kommissar Andreas Roth (Peter Kurth) und seine Kollegin Rebecca Simon (Annika Kuhl) leiten die Ermittlungen. Rasch finden sie heraus, dass Anja Altmanns Anruf nicht aus dem Bootshaus, sondern aus der Küche des Wohnhauses kam. Dort entdecken sie Blutspuren. Thomas Altmann erklärt, seine Frau habe sich ver­sehentlich geschnitten, und die mit dem Ehepaar befreundete Rechtsanwältin Lavinia Bartok (Petra Schmidt-Schaller), die ihn inzwischen vertritt, will bei der Geburtstagsparty ein Pflaster an Anjas Hand gesehen haben. Obwohl keine Leiche gefunden wurde, geht die Polizei von einem Gewaltverbrechen aus.

Das Auto der Vermissten wird in einem Parkhaus am Flughafen Tegel entdeckt. Der Parkschein wurde am 16. September gezogen. Die Spurensicherung verläuft ergebnislos. Aber bei der forensischen Untersuchung von Thomas Altmanns Wagen fällt auf, dass der Kofferraum gründlich gereinigt wurde.

Auf den Namen Anja Altmann wurde eine Bordkarte für einen Flug nach Malaga ausgestellt, aber die Fluggesellschaft kann noch nicht bestätigen, dass die Vermisste tatsächlich an Bord war. Allerdings wurde am 16. September in Malaga mit einer Girokarte für das gemeinsamen Konto der Altmanns Geld abgehoben, und in den nächsten beiden Tagen folgten weitere Abbuchungen aus Granada und Gibraltar. Hat sich die Vermisste nach Spanien abgesetzt? Will sie dort einen Neuanfang ohne ihre Familie versuchen?

Anjas Vater Dietmar Wendler (Hanns Zischler), ein reicher Immobilien­unter­nehmer, holt seinen 15-jährigen Enkel Anton (Aljosha Lange) kurzerhand zu sich und kümmert sich nicht weiter um den Protest seines verhassten Schwiegersohns, den er für den Mörder hält. Thomas wirft ihm seinerseits vor, Anja als Kind missbraucht zu haben.

Der Unternehmer nutzt seinen Einfluss und bringt die Geschäftspartner seines Schwiegersohnes dazu, ihre Zusammenarbeit mit ihm einzustellen. Projekte platzen. Thomas Altmann wird dadurch in den Bankrott getrieben. Kommissar Roth lässt Dietmar Wendler sogar verbotenerweise eine Vernehmung seines Schwiegersohns am Monitor verfolgen.

Es bleibt der Polizei nicht verborgen, dass die Rechtsanwältin Lavinia Bartok vor längerer Zeit ein lesbisches Verhältnis mit ihrer Freundin Anja gehabt hatte. Könnte es sein, dass sich die beiden Frauen gegen Thomas Altmann verschworen, um einen Mordverdacht gegen ihn zu konstruieren und ihn loszuwerden?


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Thomas Altmann wurde in der Nacht, in der er angeblich zum Bootshaus fuhr, mit weit überhöhter Geschwindigkeit geblitzt. Aus den Daten ergibt sich, dass er gar nicht in der Uckermark gewesen sein kann.

Bei der Polizei meldet sich Lukas Woyzek. Als er von der Beerdigung seines Vaters Adam, der für die Altmanns als Gärtner gearbeitet hatte, aus Warschau kam, um den Haushalt in Potsdam aufzulösen, hörte er den Anrufbeantworter ab und stieß dabei auf einen Hilferuf. Die Ermittler stellen fest, dass Anja Altmann fünf Minuten vor dem bereits bekannten Anruf aus der Küche offenbar in Todesangst irgendeine der auf ihrem Handy gespeicherten Nummern wählte und um Hilfe schrie.

Thomas Altmann wird verhaftet.

In der Gerichtsverhandlung legt die Verteidigerin Fotos von Über­wachungs­kameras in Malaga, Granada und Gibraltar vor, auf denen ein- und dieselbe Frau zu sehen ist, die Geld abhebt. Weil sie eine Sonnenbrille trägt, ist nicht klar erkennbar, ob es sich um die Vermisste handelt. Ein Sachverständiger erklärt, die Über­ein­stimmung betrage 68 Prozent. Weil es auf die Unterschiede ankommt, geht er eher davon aus, dass es sich bei der Frau auf den Fotos nicht um Anja Altmann handelt.

Es gibt zwar widersprüchliche Indizien für Thomas Altmanns Täterschaft, jedoch weder eine Leiche noch Tatzeugen oder eindeutige Beweise. Der Staatsanwalt bietet deshalb der Verteidigerin einen Deal an. Lavinia Bartok, die von der Unschuld ihres Mandanten überzeugt ist, weist den Vorschlag zurück.

Am Ende der Beweisaufnahme vergewissert sich Thomas Altmann bei Lavinia Bartok, ob der Rechtsgrundsatz ne bis in idem auch in seinem Fall gelte, ein Freispruch also endgültig sei und er später nicht noch einmal in derselben Sache belangt werden könne.

Die Frage irritiert Lavinia Bartok. Plötzlich hält sie es für möglich, dass ihr Freund seine Frau ermordete. Und nun fällt ihr auf, dass die von den Über­wachungs­kameras in Spanien fotografierte Frau unter den Gästen der Gartenparty am 15. Mai war. Offenbar flog sie am nächsten Morgen in Absprache mit Thomas Altmann nach Malaga und legte falsche Spuren.

Thomas Altmann wird wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

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Der Thriller „Ein Mann unter Verdacht“ von Stefan Kolditz (Drehbuch) und Thomas Stuber (Regie) dreht sich um das Thema Vertrauen.

Als Zuschauer wissen wir bis kurz vor dem Ende nicht, was wir glauben sollen. Hat Thomas Altmann seine Frau Anja ermordet? Ist sie nach Spanien geflogen, um ohne ihn weiterzuleben? Haben sich Anja Altmann und Lavinia Bartok, die früher ein lesbisches Verhältnis hatten, gegen Anjas Ehemann ver­schworen? Welche Rolle spielt Anjas einflussreicher Vater, dem es der Kommissar, der die Er­mitt­lun­gen leitet, sogar ermöglicht, die Vernehmung seines Schwieger­sohns am Monitor zu verfolgen? Die vielen Möglichkeiten treiben die Spannung hoch, und es ist bemerkenswert, dass „Ein Mann unter Verdacht“ ohne Action-Szenen auskommt. Aber leider verpatzen Stefan Kolditz und Thomas Stuber am Ende alles durch einen Plottwist, der durch eine törichte Frage des Angeklagten ausgelöst wird. Diese Szene ist ebenso unglaubwürdig wie die, in der der Staatsanwalt der Verteidigerin vor den Augen der Kommissare an der Theke einen Deal anbietet.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2016

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