Brot und Tulpen

Brot und Tulpen

Brot und Tulpen

Brot und Tulpen - Originaltitel: Pane e Tulipani - Regie: Silvio Soldini - Drehbuch: Doriana Leondeff und Silvio Soldini - Kamera: Luca Bigazzi - Schnitt: Carlotta Cristiani - Musik: Giovanni Venosta - Darsteller: Licia Maglietta, Bruno Ganz, Giuseppe Battiston, Marina Massironi, Antonio Gatania u.a. - 2000; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Eine Hausfrau aus Pescara, Mutter von zwei halb erwachsenen Söhnen, verliert wegen eines Ungeschicks den Anschluss an die Reisegruppe, mit der sie und ihre Familie in Süditalien unterwegs sind. Als Anhalterin will sie nach Pescara zurückkehren, beschließt dann aber, weiter mit nach Venedig zu fahren und von dort am nächsten Abend den Zug nach Pescara zu nehmen ...
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Kritik

Entspannt, unaufdringlich, humorvoll und augenzwinkernd erzählt Silvio Soldini diese charmante Geschichte. "Brot und Tulpen" ist eine besonders gut gelungene Komödie, nicht zuletzt auch aufgrund der wunderbaren Schauspieler.
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Mimmo (Antonio Catania) führt ein Sanitärunternehmen in Pescara. Im Urlaub machen er, seine Frau Rosalba (Licia Maglietta) und ihre beiden sechzehn bzw. achtzehn Jahre alten Söhne eine Busreise zu den griechischen Tempeln in Süditalien. In einer Raststätte fällt der schusseligen Hausfrau der Ehering ins WC. Sie kann ihn zwar wieder herausfischen, verpasst dadurch aber den Anschluss an die Reisegruppe und sieht den Omnibus gerade noch abfahren. Erst nach einigen Kilometern bemerkt Mimmo das Fehlen seiner Frau und ruft übers Handy die Raststätte an, wo Rosalba unverzüglich über die Lautsprecheranlage ausgerufen wird. Ungehalten macht er ihr Vorwürfe und fordert sie auf, sich nicht von der Raststätte zu entfernen.

Des Wartens überdrüssig, lässt Rosalba sich von einer anderen Italienerin (Daniela Piperino) ein Stück im Auto mitnehmen und fährt dann weiter als Anhalterin Richtung Pescara. Als sie zugibt, noch nie in Venedig gewesen zu sein, bietet ihr der Autofahrer an, sie dorthin mitzunehmen, denn er müsse ohnehin weiter nach Udine. Weil er müde ist, lässt er sie ans Steuer – und sie fährt entschlossen an Pescara vorbei bis nach Venedig. Dort quartiert sie sich für eine Nacht in einer einfachen Pension ein und teilt ihrer Familie telefonisch mit, sie werde am nächsten Abend wieder zu Hause sein. Mimmo tobt am Telefon. Zum Abendessen geht Rosalba in ein kleines Restaurant, dessen nicht mehr ganz junger Kellner (Bruno Ganz) ihr schon beim Eintreten höflich erklärt, dass er nur kalte Gerichte servieren könne, weil die Köchin wegen einer Blinddarmentzündung ausgefallen sei.

Am nächsten Tag bummelt Rosalba durch Venedig – und versäumt dann ihren Zug nach Pescara. Nachdem sie ihrer Familie eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen hat, geht sie wieder in das Restaurant, und weil die Pension, in der sie die letzte Nacht verbrachte, inzwischen geschlossen ist, fragt sie den Kellner nach einer billigen Übernachtungsmöglichkeit. Fernando Girasole bietet ihr ein Sofa in seiner Wohnung an und nimmt sie mit nach Hause. Den dicken Strick mit der Schlinge, der von der Zimmerdecke baumelt, versteckt er. Rosalba wundert sich über die umständlich gedrechselte Ausdrucksweise des betrübten Feingeistes, und er erzählt ihr, dass er aus Island stamme.

Auf dem gedeckten Frühstückstisch findet Rosalba einen Zettel: Fernando bittet sie, die Wohnungstür abzuschließen und den Schlüssel in den Briefkasten zu werfen.

Noch einmal schlendert Rosalba durch die Gassen von Venedig. Da entdeckt sie ein Blumengeschäft, in dem eine Floristin gesucht wird. Kurz entschlossen tritt sie ein und überredet den bärbeißigen Inhaber Fermo (Felice Andreasi), der stolz darauf ist, dass seine Vorfahren Anarchisten waren, sie als Aushilfe einzustellen.

Nach Geschäftsschluss will sie mit Fernando sprechen, aber das Restaurant ist geschlossen. Da geht sie wieder zu seiner Wohnung, angelt den Schlüssel aus dem Briefkasten und sperrt auf. Fernando, der sich gerade aufhängen wollte, versteckt wieder den Strick und schleicht sich davon, als die Nachbarin aufgeregt läutet, weil sie ihr Bad unter Wasser gesetzt hat. Rosalba hilft Grazia (Marina Massironi), den Haupthahn zu finden und abzudrehen. Bei Grazia handelt es sich um ein attraktives und liebenswürdiges, als Kosmetikerin und Masseuse firmierendes Callgirl.

Als Fernando zurückkommt, stellt er entsetzt fest, dass Rosalba die Wohnung aufgeräumt und gesaugt hat.

In einem Brief erklärt Rosalba ihrem Ehemann, dass sie sich entschlossen habe, ein paar Tage Ferien in Venedig zu machen. Mimmos Mutter hat eine Fjordreise gewonnen und holt sich vorher nur noch rasch einen Föhn, den Rosalba ihr versprochen hat. Als er seine jahrelange Geliebte verzweifelt fragt, ob sie ihm ein paar Hemden bügeln könne, protestiert sie entrüstet: Sie sei schließlich nicht seine Ehefrau!

Zufällig stellt sich ein Klempner, der eine Stelle sucht, bei Mimmo vor. Der schickt ihn nach Venedig, wo er Rosalba finden soll.

Constantino (Giuseppe Battiston) – so heißt der Klempner – verabschiedet sich von seiner Mutter und fährt mit dem Zug nach Venedig. Weil alle Hotelzimmer auf Monate hin belegt sind, nimmt er mit einer Unterkunft auf einem verrosteten Hausboot vorlieb, aber nach einer Woche reicht sein Geld auch dafür nicht mehr, und er hat trotz eifriger Nachforschungen noch keine Spur von Rosalba gefunden.

Von Grazia hört Rosalba das Gerücht, Fernando habe einen Sohn. Neugierig spürt sie ihm nach, als er morgens aus dem Haus geht. Tatsächlich holt er bei einer Frau einen Jungen ab und bringt ihn zur Schule. Am frühen Abend steht der Junge mit seiner Mutter (Tatiana Lepore) in Fernandos Tür: Sie haben ihre Wohnungsschlüssel verloren und wollen die Ersatzschlüssel von Fernando holen. Da er noch nicht zu Hause ist, bittet Rosalba die beiden herein. Die Mutter, die sich als „Adele, Fabrikarbeiterin, Akkord“ vorstellt, schimpft über Eliseos (Ludovico Paladin) Vater, der sie gleich nach dessen Geburt verlassen und sogar noch den Kinderwagen verspielt habe. Rosalba kann es kaum glauben, dass Fernando so ein übler Mensch sein soll.

Gerade als Rosalba klar wird, dass Fernando nicht der Vater, sondern der Großvater des Jungen und Schwiegervater Rosalbas ist, eröffnet er ihr, im Gefängnis gewesen zu sein, weil er einen Freund erstochen habe. Er bringt ihr ein Plakat mit, auf dem sie abgebildet ist und gebeten wird, eine bestimmte Telefonnummer anzurufen. Unter der angegebenen Nummer meldet sich Constantino; sie verabreden sich am nächsten Vormittag auf einem Platz in Venedig. Als er ihr dort verrät, im Auftrag ihres Mannes nach ihr gesucht zu haben, läuft sie davon. Doch Constantino verliert sie nicht aus den Augen, verfolgt sie bis zu einem Blumenladen und beobachtet, dass sie dort Akkordeon spielt. Abends beschattet er sie auf dem Nachhauseweg. Vor der Haustür stößt er auf Grazia, die ihn mit einem von ihrem Freund Diego angekündigten Kunden verwechselt und mit in die Wohnung nimmt.

Nach dem Essen im Restaurant, wo inzwischen eine neue Köchin arbeitet, geht Rosalba mit Fernando tanzen. Sie kommen spät nach Hause. An der Tür hängt ein Zettel von Grazia: Rosalba soll auf jeden Fall noch bei ihr klingeln. Grazia erzählt ihr überglücklich, sie habe sich in einen Mann verliebt und zeigt ihr den Schlafenden. Entsetzt stellt Rosalba fest, um wen es sich handelt. Mit einem uralten Gewehr in der Hand weckt ihn Fernando. Grazia ist völlig gebrochen, weil sie auf einen Lügner hereingefallen ist. Schon mit fünfzehn wurde sie von ihrem ersten Liebhaber betrogen. Immer wieder das gleiche! Da greift Constantino zum Telefon, ruft seinen Auftraggeber an, obwohl es mitten in der Nacht ist, und erklärt ihm, er habe sich getäuscht: Bei der Frau, die er gefunden habe, handele es sich nicht um Rosalba. Auf diese Weise beweist er Grazia, dass er sie wirklich liebt, und sie verzeiht ihm.

Nach einiger Zeit wird Rosalba von ihrer Tante Ketty (Vitalba Andrea) aufgespürt. Alarmiert durch die Behauptung, ihr jüngerer Sohn Nic (Tiziano Cucchiarelli) nehme Drogen, schreibt sie Fernando einen Zettel, auf dem sie sich beschuldigt, eine Rabenmutter zu sein und ihm mitteilt, sie kehre wieder zu ihrer Familie in Pescara zurück. Traurig liest Fernando die Nachricht. Vergeblich bemüht Constantino sich darum, ihn aufzumuntern: Fernando mag nichts mehr essen und trinkt nur noch. Nach und nach fallen von den Tulpen in der Vase auf dem Tisch alle Blütenblätter ab. Im Beisein von Constantino und Fernando ruft Grazia Rosalba an und versucht, sie zu überreden, wieder nach Venedig zu kommen. Rosalba lehnt das zwar ab, aber Grazia behauptet, die Angerufene habe gesagt, sie warte in Pescara auf Fernando. Da blüht der einsame Mann auf, bringt dem Inhaber des Blumenladens sein Akkordeon als Pfand und leiht sich dafür von ihm den Lieferwagen, um mit Grazia und Constantino nach Pescara zu fahren.

Sie finden Rosalba auf einem Parkplatz, als sie mit ihrem Sohn Nic – der übrigens keine Drogen konsumiert, sondern lediglich hin und wieder einen Joint raucht – vom Einkaufen kommt. Fernando gesteht Rosalba, dass er sie liebt.

Schlussbild: In einem Tanzlokal spielt Rosalba Akkordeon, und Fernando singt dazu. Dann tanzen sie zusammen und küssen sich.

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Entspannt, unaufdringlich, humorvoll und augenzwinkernd erzählt Silvio Soldini diese charmante Geschichte über eine Hausfrau, die sich eine Auszeit nimmt, dabei Freunde gewinnt und einen liebevollen Mann findet, der sie nicht – wie ihr Ehemann – betrügt. Der italienische Originaltitel „Pane e tulipane“ lässt sich leider nur unter Verlust der Klangspielerei übersetzen, aber auch unter dem Titel „Brot und Tulpen“ ist dieser Film eine besonders gut gelungene Komödie, nicht zuletzt aufgrund der wunderbaren Schauspieler.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

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