Wir waren so verliebt

Wir waren so verliebt

Wir waren so verliebt

Wir waren so verliebt - Originaltitel: C'eravamo tanto amati - Regie: Ettore Scola - Drehbuch: Agenore Incrocci, Furio Scarpelli und Ettore Scola - Kamera: Claudio Cirillo - Schnitt: Raimondo Crociani - Musik: Armando Trovajoli - Darsteller: Nino Manfredi, Vittorio Gassman, Stefania Sandrelli, Stefano Satta Flores, Giovanna Ralli, Aldo Fabrizi, Mike Bongiorno, Federico Fellini, Marcello Mastroianni, Vittorio De Sica, Nello Meniconi, Guidarino Guidi, Pierluigi, Alfonso Crudele, Isa Barzizza, Marcella Michelangeli, Livia Cerini, Elena Fabrizi, Lorenzo Piani, Amedeo Fabrizi u.a. - 1974; 115 Minuten

Inhaltsangabe

Drei junge befreundete Italiener kämpfen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs als Partisanen gegen die Deutschen und träumen von einer sozialistischen Gesellschaft. Im Verlauf von drei Jahrzehnten müssen sie einsehen, dass sie ihre Ideale nicht realisieren können: Nicola scheitert an seinem Fanatismus und Gianni an seiner Selbstüberschätzung; Antonio ist der einzige von ihnen, der am Ende zufrieden ist und sich mit einem biederen Familienleben begnügt.
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Kritik

Bei "Wir waren so verliebt" / "Wir hatten uns so geliebt" handelt es sich um eine bis ins Detail sorgfältig aufgebaute, ruhig inszenierte Filmsatire und zugleich eine Hommage von Ettore Scola ans italienische Kino.
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Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs kämpfen die vom Sozialismus begeisterten Freunde Gianni (Vittorio Gassman), Nicola (Stefano Satta Flores) und Antonio (Nino Manfredi) als italienische Partisanen gegen die Deutschen. Als der Krieg zu Ende ist, verlieren sie sich aus den Augen: Gianni schließt sein Jurastudium ab, Nicola wird Lehrer und Antonio arbeitet als Krankenpfleger in einem völlig überfüllten Krankenhaus in Rom, wo er sich in die Patientin Luciana Zanon (Stefania Sandrelli) verliebt, die Filmschauspielerin werden möchte. Die beiden werden ein Paar.

Als Rechtsanwalt Gianni Perego nach Rom kommt, trifft er zufällig Antonio und Luciana. Auf den ersten Blick verlieben Gianni und Luciana sich. Nach einiger Zeit gestehen sie es Antonio. Der erleidet zunächst einen Herzanfall, dann läuft er den beiden zornig und frustriert nach, um sich mit Gianni zu prügeln.

Gianni beginnt, für den alten, fetten, profitgierigen Baulöwen Romolo Catenacci (Aldo Fabrizi) zu arbeiten, der sich mit „Marquese“ ansprechen lässt und rücksichtslos Familienväter entlässt, wenn er dadurch mehr Gewinn einstreichen kann. Als Luciana Gianni mit Elide (Giovanna Ralli), der Tochter des Marquese ertappt, trennt sie sich von ihm, und Gianni heiratet wenig später das einfältige Mädchen, das zu ihm aufblickt und ihn verehrt.

Gianni und Elide bekommen zwei Kinder: Fabrizio und Donatella.

Studienrat Nicola Palumbo schaut sich mit seiner Frau Gabriella (Marcella Michelangeli) und seinem kleinen Sohn Tomasino den Film „Fahrraddiebe“ von Vittorio De Sica an. Bei der anschließenden Diskussion regt der Cineast Nicola sich über die reaktionären Äußerungen der Honoratioren der Stadt auf und argumentiert so fanatisch, dass er auf der Stelle von seinem Amt suspendiert wird. Verzweifelt fordert Gabriella ihn auf, sich zwischen seinen Idealen und der Familie zu entscheiden. Nicola trennt sich von ihr und zieht allein nach Rom, um dort eine Filmzeitschrift zu gründen.

Fahrraddiebe – Originaltitel: Ladri di biciclette – Regie: Vittorio De Sica – Drehbuch: Cesare Zavattini, Orete Biancoli, Cecchi d’Amico, Adolfo Franci, Gherardo Gherardi, Gerardo Guerrieri und Vittorio De Sica – Kamera: Carlo Montuori – Darsteller: Lamberto Maggiorani, Enzo Staiola, Lianella Carell u.a. – 1948

Zufällig begegnen sich Nicola, Antonio und Luciana in einem Restaurant. Nicola gefällt die Frau, und als Antonio ihm verrät, sie sei früher seine Geliebte gewesen, lässt er sich von ihm mit ihr bekannt machen. Leidenschaftlich erklärt Nicola Luciana auf der Spanischen Treppe die berühmte, sechs Minuten lange Szene aus dem Film „Panzerkreuzer Potemkin“ von Sergei M. Eisenstein. Antonio geht allein weiter.

Panzerkreuzer Potemkin – Originaltitel: Bronenosez Potjomkin – Regie: Sergei M. Eisenstein – Drehbuch: Nina Agadshanowa und Sergei M. Eisenstein – Kamera: Eduard Tissé – Darsteller: Alexander Antonow, Wladimir Barski, Grigori Alexandrow u. a. – 1925

Zwei Tage später wird Antonio in die Künstlerpension gerufen, in der Luciana wohnt: Sie hat versucht, sich mit Schlaftabletten das Leben zu nehmen. Nicola kommt ebenfalls. Durch die Äußerungen, die Luciana halb bewusstlos macht, erfährt Antonio, dass sie die letzten beiden Nächte mit Nicola verbrachte. Das schmerzt ihn.

Nachdem Nicola die Gründung einer Filmzeitschrift nicht gelungen ist, stellt er sich in einer Fernsehsendung den Fragen des Quizmasters über die Kinogeschichte – nicht zuletzt, weil er hofft, auf diese Weise einen Verlag auf sein Buch über die Bedeutung des Kinos für den Schulunterricht aufmerksam machen zu können. Er kann alle Fragen beantworten und rückt von Sendung zu Sendung eine Runde vor. Gabriella ruft ihn an: sie, ihre Eltern, der Schuldirektor und der Bürgermeister gratulieren ihm begeistert zu seinem Erfolg. Schließlich geht es um 2 Millionen Lire. Nicola hat eine Minute Zeit, um eine Reihe von Fragen zu beantworten. Da wird ihm sein enormes cineastisches Wissen zum Verhängnis: Statt sich auf ein paar stichwortartige Antworten zu beschränken, geht er ausführlich auf Hintergründe ein – und versäumt es dadurch, in der vorgegebenen Zeit alle Fragen zu beantworten. Als seine Schwiegereltern im Fernsehen mitbekommen, wie er die 2 Millionen Lire verliert, schimpfen sie über seine Verantwortungslosigkeit gegenüber Frau und Kind.

1958 geraten Antonio und zwei andere Sanitäter mit dem Krankenwagen in eine Straßensperre an der Fontana di Trevi. Dort dreht Federico Fellini (Federico Fellini) gerade die berühmte Szene mit Anita Ekberg und Marcello Mastroianni (Marcello Mastroianni) in dem Film „La dolce vita“. Unter den Filmleuten entdeckt Antonio Luciana. Ein Produzent namens Rinaldo stellt sie Federico Fellini vor: Sie soll eine kleine Rolle bekommen. Antonio unterhält sich mit Luciana und will sich mit ihr für den nächsten Abend verabreden, aber da hat Rinaldo sie bereits verplant. Antonio gerät mit dem arroganten Filmproduzenten in Streit und prügelt sich mit ihm. Als er wieder zu sich kommt, liegt er auf einer Bahre im Krankenwagen.

Zwanzig Jahre nach der Hochzeit seiner Tochter Elide mit Gianni beschimpft der Marquese seinen Schwiegersohn als Schmarotzer. Die beiden ohrfeigen sich, und Gianni droht, er könne den Marquese ebenso entmündigen lassen wie er es bei dessen Sohn Amedeo (Amedeo Fabrizi) bereits getan habe.

Weil Elide es nicht wagt, Gianni unmittelbar die Wahrheit zu sagen, spielt sie ihm lieber eine Aufnahme vom Diktiergerät vor: Sie gesteht ihm, sich einen anderen Mann verliebt zu haben. Gianni glaubt ihr nicht und lässt sie wieder einmal spüren, wie sehr er sie verachtet. Da steigt Elide in ihr rotes Cabrio und fährt sich damit tot.

Auf dem Autofriedhof erscheint Gianni ihr Geist, warnt ihn vor seiner Selbstüberschätzung und weist ihn darauf hin, dass er niemandem etwas bedeute; nur für Elide sei er der wichtigste Mensch auf der Welt gewesen. Gianni lässt sich davon nicht beeindrucken.

In den Sechzigerjahren sieht Antonio Luciana auf einer Anlagenbank im Park sitzen. Sie hat inzwischen einen kleinen Sohn: Luigi.

Zehn Jahre später findet Gianni seinen Wagen vor der Kirche Santa Maria Maggiore in einer dreifachen Parkreihe eingekeilt vor. Nach einer halben Stunde taucht eine Dame auf, und er schiebt ein Auto zur Seite, damit sie herausfahren kann und dadurch eine Lücke für ihn freimacht. In diesem Augenblick kommt zufällig Antonio vorbei, glaubt, der Rechtsanwalt sei inzwischen zum Parkwächter abgestiegen, und Gianni lässt ihn in dem Glauben, denn die Wahrheit ist zu bitter. Antonio weiß, wo Nicola zu finden ist und schlägt ein Essen zu dritt vor.

Gianni will die früheren Freunde eigentlich nicht wiedersehen. Weil er jedoch inzwischen allein mit dem Marquese und den Dienstboten in dessen Villa lebt und der alte Mann ihm das Leben zur Hölle macht, geht er doch zu dem Treffen. Verbittert meint er: „Die Zukunft ist vorbei. Und wir haben es nicht einmal bemerkt.“ Die drei Männer geraten in Streit und auf dem Weg zum Auto prügeln sie sich. Dann fährt Antonio mit Gianni und Nicola zu einer nächtlichen Versammlung von Eltern, die beim Öffnen der Schule am Morgen zur Stelle sein wollen, um ihre Kinder einzuschreiben. Die Zahl der Bewerbungen übersteigt nämlich die der vorhandenen Plätze bei weitem. Zur Überraschung von Gianni und Nicola befindet sich auch Luciana unter den Wartenden: Sie ist seit zehn Jahren mit Antonio verheiratet und hat zwei Kinder. Gianni gesteht ihr unter vier Augen, dass er nie aufgehört hat, sie zu lieben, aber Luciana geht nicht darauf ein. Traurig geht Gianni weg.

Antonio fällt auf, dass er nach der Prügelei offenbar versehentlich Giannis Führerschein einsteckte. Er, Luciana und Nicola wollen Gianni den Führerschein bringen und fahren zu der darauf angegebenen Adresse. Als sie vor dem herrschaftlichen Anwesen stehen, nehmen sie an, Gianni sei hier als Dienstbote beschäftigt. Aber dann sehen sie Gianni im Bademantel aus dem Haus kommen. Er geht zum Swimming Pool, steigt auf den Sprungturm, zieht den Bademantel aus und springt ins Wasser. Ohne ihn auf sich aufmerksam zu machen, legen seine früheren Freunde den Führerschein auf die Gartenmauer und gehen zurück zum Auto.

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In seiner Filmsatire „C’eravamo tanto amati“ – „Wir waren so verliebt“ / „Wir hatten uns so geliebt“ – erzählt Ettore Scola von drei Sozialisten, die in den Vierzigerjahren als Partisanen gegen die Deutschen kämpfen, sich alle drei in dieselbe Frau verlieben und im Verlauf von drei Jahrzehnten einsehen müssen, dass sie ihre Ideale nicht realisieren können: Nicola scheitert an seinem Fanatismus und Gianni an seiner Selbstüberschätzung; Antonio ist der einzige von ihnen, der am Ende zufrieden ist und sich mit einem biederen Familienleben begnügt, und zwar an der Seite Lucianas, in die jeder von ihnen einmal verliebt war.

Zugleich ist „Wir waren so verliebt“ eine Hommage von Ettore Scola ans italienische Kino: Vittorio De Sica, Federico Fellini und Marcello Mastroianni spielen sogar selbst mit.

Der Film beginnt mit der Schlussszene, aber das Bild von Giannis Sprung ins Wasser wird eingefroren. Dann geht es dreißig Jahre zurück, und wir sehen, wie die drei Freunde in einem verschneiten Wald einem deutschen Panzer auflauern und eine Bombe zünden. Die erste Hälfte des Films ist schwarzweiß; erst als die Kamera nach Lucianas Selbstmordversuch auf eine Straßenmalerei gerichtet ist, werden langsam Farben eingeblendet. Eine Besonderheit sind auch Beleuchtungseffekte wie auf einer Bühne: Dabei wird nur ein Teil ausgeleuchtet, und der wechselt abrupt, sodass ein anderer Teil der Szenerie sichtbar wird. Insgesamt besticht die Tragikomödie durch eine bis ins Detail sorgfältig angelegte, ruhig erzählte Handlung, gute Darsteller und eine gelungene Inszenierung.

Ein Sequel zu „Wir waren so verliebt“ drehte Ettore Scola 1980: „Die Terrasse“.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

Ettore Scola: Le Bal. Der Tanzpalast

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